- 230 Mio. Euro von Deutschland auf der Sudan-Konferenz zugesagt
- Weltweit größte humanitäre Krise ohne Waffenstillstand oder Frieden
- Linke hinterfragt Diplomatie gegenüber VAE, Saudi-Arabien und Ägypten
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7583 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Am 15. April 2026 richtete die Bundesregierung in Berlin eine internationale Sudan-Konferenz aus, bei der internationale Geber insgesamt 1,53 Mrd. Euro für humanitäre Hilfe zusagten. Der Bürgerkrieg im Sudan, der im April 2023 zwischen den Sudanese Armed Forces (SAF) und den Rapid Support Forces (RSF) ausbrach, gilt als eine der schwersten humanitären Krisen weltweit. Die direkt am Krieg beteiligten Parteien nahmen an der Konferenz nicht teil. Außenminister Johann Wadephul erklärte am 20. Mai 2026 im Deutschen Bundestag, die Bundesregierung spreche mit regionalen Akteuren wie Saudi-Arabien und Ägypten über ihre internationale Verantwortung.
- 1,53 Mrd. Euro — Gesamtzusagen internationaler Geber auf der Berliner Sudan-Konferenz vom 15. April 2026
- 230 Mio. Euro — Anteil Deutschlands an den Geberzusagen, Aufschlüsselung nach Haushaltstiteln und Ressorts noch offen
- 32 Fragen — Umfang der Kleinen Anfrage der Linken, die Ergebnisse, Mittelverwendung und Diplomatie der Sudan-Konferenz beleuchten
Im Detail
„Wir sagen heute zu, dass wir unsere gemeinsamen Bemühungen mit dem Ziel, den Konflikt im Sudan nicht zu einer vergessenen Krise werden zu lassen, beharrlich fortsetzen werden, und wir rufen alle unsere Partner auf, ihre Anstrengungen zur Beendigung des Konflikts zu verstärken.“
— Gemeinsames Kommuniqué der Gastgeber der Berliner Sudan-Konferenz, zitiert in BT-Drs. 21/7583
Der Sudan erlebt seit April 2023 einen verheerenden Bürgerkrieg zwischen den Sudanese Armed Forces (SAF) und den Rapid Support Forces (RSF). Die humanitäre Lage gilt als eine der schwersten der Welt. Am 15. April 2026 brachte die Bundesregierung gemeinsam mit Frankreich, dem Vereinigten Königreich, den USA, der Afrikanischen Union und der EU in Berlin eine internationale Geberkonferenz auf den Weg. Das Ergebnis: internationale Zusagen von insgesamt 1,53 Mrd. Euro — davon entfallen 230 Mio. Euro auf Deutschland.
Trotz des finanziellen Signals bleibt der Konflikt ungelöst. Die Sudan-Konferenz 2026 führte weder zu einem Waffenstillstand noch zu einem erkennbaren Fortschritt im Friedensprozess. Beide Kriegsparteien — RSF und SAF — waren in Berlin nicht vertreten. Die Bundestagsfraktion Die Linke hat am 10. Juni 2026 eine Kleine Anfrage (BT-Drs. 21/7583, veröffentlicht am 14. August 2026) mit insgesamt 32 Fragen eingereicht, um die Bundesregierung zu den Ergebnissen und Folgeschritten der Sudan-Konferenz zu befragen.
Sudan-Konferenz 2026: Was konkret erreicht wurde
Ein zentrales Anliegen der Anfrage ist die Frage, welche konkreten politischen, humanitären und finanziellen Ergebnisse die Berliner Konferenz tatsächlich gebracht hat. Die Fraktion fragt nach einer Aufschlüsselung der internationalen Zusagen nach Akteuren und Art der Mittel sowie nach Mechanismen, die die Umsetzung der Versprechen überwachen sollen. Auch der humanitäre Zugang steht im Fokus: Die Anfrage erkundigt sich, welche Vereinbarungen zum Schutz der Zivilbevölkerung und zur Sicherstellung von Hilfslieferungen getroffen wurden — etwa ob Checkpoints den Transport von Lebensmitteln blockieren oder ob Erntezeiten und Viehweiden gesichert werden.
230 Mio. Euro: Woher stammt das Geld?
Besondere Aufmerksamkeit widmen die Abgeordneten der deutschen Finanzierungszusage. Die Anfrage fragt, aus welchen Einzelplänen des Bundeshaushalts die 230 Mio. Euro stammen, ob es sich um neue, zusätzliche Mittel handelt und für welchen Zeitraum die Gelder zur Verfügung stehen — ob also ausschließlich innerhalb des Haushaltsjahres 2026 oder auch darüber hinaus. Zudem soll die Bundesregierung darlegen, welcher Anteil der Mittel an lokale und nationale Organisationen — einschließlich frauengeführter Initiativen — fließt und wie viel über sogenannte Pooled Funds der Vereinten Nationen kanalisiert wird. Diese Fragen zur Mittelverwendung sind auch für die Glaubwürdigkeit internationaler Finanzierungszusagen relevant.
Diplomatischer Druck: Rolle der VAE, Saudi-Arabien und Ägypten
Ein besonders heikler Fragenkomplex betrifft die regionalen Unterstützer der Konfliktparteien. Die Anfrage verweist darauf, dass der Krieg im Sudan nach Einschätzung der Fragesteller weiterhin mit Unterstützung der Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabiens und Ägyptens geführt wird. Außenminister Johann Wadephul hatte am 20. Mai 2026 im Bundestag erklärt, er werde mit den Außenministern Saudi-Arabiens und Ägyptens sprechen — die VAE erwähnte er dabei laut Drucksache nicht. Die Linke fragt daher explizit, warum die VAE in der Bundestagsrede unerwähnt blieben, obwohl ihnen international wiederholt Einfluss auf die RSF zugeschrieben wird. Außerdem möchte die Fraktion wissen, welche konkreten diplomatischen Schritte nach dem Gymnich-Treffen gegenüber Riad und Kairo unternommen wurden und welche Ergebnisse dabei erzielt wurden. Ähnliche Fragen nach der deutschen Rolle in multilateralen Konfliktkontexten wurden auch beim parlamentarischen Umgang mit Rüstungsexporten gestellt.
Zivilschutz, sexualisierte Gewalt und Ernährungssicherheit
Die Anfrage umfasst auch sehr spezifische humanitäre Fragen: Welche Maßnahmen gegen konfliktbezogene sexualisierte Gewalt wurden auf der Sudan-Konferenz beschlossen? Setzt sich die Bundesregierung für einen sogenannten „360 Grad No Hunger“-Ansatz ein, der humanitäre Hilfe, Übergangshilfe und Wiederaufbau verbindet? Und unterstützt sie eine „Harvest Protection“-Kampagne, die Bauern und Hirten während der Erntesaison schützt? Ferner soll die Bundesregierung darlegen, ob sie sich im UN-Sicherheitsrat für systematische Berichte zu konfliktbedingtem Hunger gemäß den Resolutionen 2417 und 2573 einsetzt. Diese Fragen zur humanitären Diplomatie berühren strukturell ähnliche Kontrollmechanismen, wie sie auch beim Zivilen Friedensdienst und der BMZ-Naturschutzfinanzierung diskutiert werden.
Die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage steht noch aus. Erst mit der Antwort werden die offenen Fragen zur Mittelverwendung, zur Diplomatie gegenüber regionalen Akteuren und zur konkreten Wirksamkeit der Sudan-Konferenz 2026 beantwortet sein.
Unmittelbar betroffen sind Millionen Zivilpersonen im Sudan, die unter Hunger, Vertreibung und eingeschränktem humanitären Zugang leiden. Betroffen sind zudem sudanesische Bäuerinnen und Bauern, lokale Hilfsorganisationen sowie internationale NGOs, die im Krisengebiet tätig sind. Mittelbar betroffen sind deutsche Steuerzahlerinnen und Steuerzahler, deren Mittel über die zugesagten 230 Mio. Euro in humanitäre Maßnahmen fließen sollen.
Die Kleine Anfrage (BT-Drs. 21/7583) ist am 14. August 2026 beim Deutschen Bundestag eingegangen. Die Bundesregierung hat die Anfrage zu beantworten; eine konkrete Frist nach Zuleitung an das Bundeskanzleramt beträgt grundsätzlich 14 Tage gemäß § 104 GO-BT. Das genaue Datum der Zuleitung an das Bundeskanzleramt ist der Drucksache nicht zu entnehmen.
- RSF (Rapid Support Forces)
- Paramilitärische Truppe im Sudan, die seit April 2023 gegen die regulären Sudanese Armed Forces (SAF) kämpft. Ihr wird international Unterstützung durch externe Akteure zugeschrieben.
- IPC-Stufe 4/5
- Internationaler Standard zur Messung von Ernährungsunsicherheit. Stufe 4 bedeutet Notlage, Stufe 5 Katastrophe (Hungersnot) — die beiden schwersten Kategorien der Skala.
- HAC (Humanitarian Aid Commission)
- Sudanesische Behörde, die humanitäre Zugänge und Visa für internationale Hilfsorganisationen im Land reguliert.
Wie viel Geld hat Deutschland auf der Sudan-Konferenz zugesagt?
Deutschland hat auf der Berliner Sudan-Konferenz vom 15. April 2026 insgesamt 230 Mio. Euro zugesagt. International wurden von allen Gebern zusammen 1,53 Mrd. Euro in Aussicht gestellt.
Wer hat an der Sudan-Konferenz teilgenommen?
Gastgeber waren Deutschland, Frankreich, das Vereinigte Königreich, die USA, die Afrikanische Union und die EU. Die direkt am Konflikt beteiligten Parteien RSF und SAF nahmen laut Drucksache nicht teil.
Warum fragt die Linke nach den VAE?
Der Fraktion zufolge wird den Vereinigten Arabischen Emiraten international wiederholt Einfluss auf die RSF bzw. Unterstützung für mit der RSF verbundene Strukturen zugeschrieben. Die Anfrage fragt, warum Außenminister Wadephul die VAE in seiner Bundestagsrede nicht erwähnte.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7583 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
































































