- Russland listet drei deutsche Unternehmen als potenzielle Angriffsziele
- BfV warnte Wirtschaft am 23. Juli 2026 öffentlich vor erhöhter Gefährdung
- Detailangaben zu russischen Operationen verweigert — Staatswohl-Vorbehalt
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7830 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Am 15. April 2026 veröffentlichte das russische Verteidigungsministerium nach Medienberichten eine Liste mit 21 europäischen Unternehmen aus zwölf Ländern, darunter drei mit direktem Deutschlandbezug, denen die Beteiligung an der Drohnenproduktion für die Ukraine vorgeworfen wurde. Dmitri Medwedew stufte diese Liste öffentlich als Auflistung potenzieller Ziele der russischen Streitkräfte ein. Die Bundesregierung hatte in ihrer Nationalen Sicherheitsstrategie (Juni 2023) Russland bereits als größte Bedrohung für den euroatlantischen Raum eingestuft. Auf dem NATO-Gipfel in Ankara im Juli 2026 bekräftigten die Alliierten diese Einschätzung erneut.
- 21 Unternehmen — russisches Verteidigungsministerium veröffentlicht am 15. April 2026 Liste mit 21 europäischen Firmen aus 12 Ländern als potenzielle Ziele.
- 3 Deutschlandbezüge — drei der gelisteten Unternehmen haben laut Drucksache direkten Bezug zu Deutschland.
- 23. Juli 2026 — BfV veröffentlicht öffentlichen Sicherheitshinweis für die Wirtschaft und stuft Gefährdungslage als hoch ein.
- 6. Mai 2026 — russischer Staatsduma-Abgeordneter Kolesnik benennt Panzerbrigade 45 der Bundeswehr in Litauen öffentlich als mögliches Angriffsziel.
- 6–12 Monate — Zeitraum, in dem laut Bundesregierung ein zusätzlicher Anstieg russischer Spionageaktivitäten gegen Deutschland verzeichnet wurde.
Im Detail
Die Gefährdungslage für Unternehmen der Sicherheits- und Verteidigungswirtschaft in Deutschland ist hoch. Es besteht eine erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass entsprechende Unternehmen das Ziel von Ausspähungs- und Sabotagehandlungen durch russische staatliche oder in deren Auftrag agierende Stellen werden.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7830, Antwort zu Frage 15
Russische Nachrichtendienste, staatsnahe Akteure und Cyberoperatoren richten sich mit wachsender Intensität gegen deutsche Unternehmen, Beschäftigte und kritische Infrastrukturen. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung vom 2. September 2026 auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion (BT-Drs. 21/7830) hervor. Die Bundesregierung bestätigt darin ausdrücklich eine erhöhte Gefährdungslage — und schließt gezielte physische Angriffe auf Führungspersonal von Unternehmen nicht aus.
Russische Drohungen gegen deutsche Rüstungsunternehmen
Auslöser der parlamentarischen Anfrage war eine Liste des russischen Verteidigungsministeriums, die am 15. April 2026 nach Medienberichten veröffentlicht wurde. Sie enthält 21 europäische Unternehmen aus zwölf Ländern — darunter drei mit direktem Deutschlandbezug — denen Beteiligung an der Drohnenproduktion für die Ukraine vorgeworfen wird. Dmitri Medwedew, stellvertretender Vorsitzender des russischen Sicherheitsrates, bezeichnete die Liste öffentlich als Auflistung potenzieller Ziele der russischen Streitkräfte. Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) reagierte darauf und informierte die Wirtschaft am 23. Juli 2026 in einem öffentlichen Sicherheitshinweis über die Gefährdungslage.
Laut Antwort der Bundesregierung gilt für Unternehmen der Sicherheits- und Verteidigungswirtschaft: Die Gefährdung durch strategische Aufklärung, verdeckte Technologiebeschaffung, Einflussnahme und Sabotagehandlungen ist hoch. Betriebe, die mit der Ukraine kooperieren, stehen besonders im Fokus. Abhängig vom weiteren Kriegsverlauf seien selbst gezielte Angriffe gegen einzelne Beschäftigte auf der Leitungsebene nicht auszuschließen, heißt es in der Drucksache.
Hybride Bedrohung: Spionage, Sabotage, Cyberangriffe
Bei Sicherheitsbehörden des Bundes und der Länder besteht laut Bundesregierung ein erhöhtes Hinweisaufkommen. Die Bandbreite reicht von der Auskundschaftung und Ausspähung kritischer Infrastrukturen (KRITIS) über Cyberangriffe auf politische und wirtschaftliche Akteure bis hin zur Planung physischer Gewalt gegen Vertreter der Zivilgesellschaft. Im Bereich der Spionageabwehr Russland verzeichneten die Nachrichtendienste des Bundes in den vergangenen sechs bis zwölf Monaten einen zusätzlichen Anstieg — ausgehend von bereits sehr hohem Niveau.
Eine konkrete numerische Aufschlüsselung russischer Operationen gegen deutsche Staatsangehörige und Einrichtungen im Ausland seit April 2026 verweigert die Bundesregierung vollständig. Die Nachrichtendienste des Bundes begründen dies damit, dass eine solche Auflistung Rückschlüsse auf den gesamten Kenntnisstand der Spionageabwehr ermöglichen würde — und damit russischen Nachrichtendiensten einen strategischen Vorteil bieten könnte. Eine Antwort erfolgt daher auch nicht in eingestufter Form über die Geheimschutzstelle des Bundestages.
Bundeswehr in Litauen als Ziel russischer Drohungen
Auch die Panzerbrigade 45 der Bundeswehr in Litauen geriet in den Fokus russischer Drohungen: Das Mitglied des Verteidigungsausschusses der russischen Staatsduma, Kolesnik, bezeichnete die Einheit am 6. Mai 2026 in einem TASS-Interview als mögliches Ziel im Falle einer militärischen Konfrontation. Die Bundesregierung wertet derartige Äußerungen laut Drucksache als Versuch, von der russischen Verantwortung für den Angriffskrieg abzulenken und legitime NATO-Verteidigungsanstrengungen zu diskreditieren.
Schutzmaßnahmen: BfV, BSI und BKA im Einsatz
Das BfV hat neben dem Sicherheitshinweis auch Informationsblätter zum Wirtschaftsschutz veröffentlicht — zuletzt mit Empfehlungen zum Schutz vor Drohnenausspähung. Das Bundeskriminalamt (BKA) stellt der deutschen Wirtschaft im Bereich politisch motivierter Kriminalität anlassbezogen Lageinformationen zur Verfügung. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) begleitet Betreiber kritischer Infrastrukturen präventiv und koordiniert sich mit europäischen Cybersicherheitsbehörden. Genaue Fallzahlen zu Cyberangriffen veröffentlicht das BSI in seinen jährlichen IT-Sicherheits-Lageberichten; eine laufende statistische Einzelerfassung gibt es laut Drucksache nicht.
Zur deutschen Botschaft in Moskau teilt die Bundesregierung mit, dass die Sicherheitssituation laufend überprüft und wo nötig angepasst werde — zu konkreten Schutzmaßnahmen macht sie grundsätzlich keine Angaben. Die hybride Bedrohungslage durch Russland betrifft damit nicht nur Unternehmen, sondern auch diplomatisches Personal und — wie die Antwort zu KRITIS-Pflichten deutlich macht — Millionen Bürgerinnen und Bürger, die täglich auf Energie, Telekommunikation und Verkehrsinfrastruktur angewiesen sind. Wie Deutschland auf ausländische Direktinvestitionen und Wirtschaftssicherheit reagiert, zeigt auch der Bericht zu ausländischen Direktinvestitionen auf 17-Jahres-Tief.
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Unmittelbar betroffen sind Unternehmen der deutschen Sicherheits- und Verteidigungswirtschaft, insbesondere solche mit Kooperationen mit der Ukraine. Das BfV schließt gezielte Angriffe auf Beschäftigte der Leitungsebene ausdrücklich nicht aus. Mittelbar ist die gesamte kritische Infrastruktur Deutschlands — Energieversorgung, Telekommunikation, Verkehr, Häfen, Bahn, Rechenzentren, Wasserwirtschaft und Gesundheitswesen — Ziel russischer Aufklärungsaktivitäten.
Zu Frage 13 (konkrete Aufschlüsselung russischer Operationen gegen deutsche Staatsangehörige und Einrichtungen im Ausland) verweigert die Bundesregierung die Antwort vollständig — auch nicht in eingestufter Form — und begründet dies mit dem Staatswohl-Vorbehalt. Fragen zu konkreten Sicherheitsmaßnahmen an der Deutschen Botschaft Moskau (Frage 2) werden ebenfalls ohne inhaltliche Aussage beantwortet.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Hybride Bedrohungen: 16 Fragen zur Sicherheitslage Deutschlands →
- Hybride Bedrohung
- Kombination staatlicher und nichtstaatlicher Mittel — z. B. Cyberangriffe, Desinformation, Sabotage und Spionage — unterhalb der Schwelle eines offenen Krieges, um politische Ziele zu erreichen.
- KRITIS
- Kritische Infrastrukturen: Einrichtungen und Systeme, deren Ausfall oder Beeinträchtigung erhebliche Auswirkungen auf die öffentliche Sicherheit hätte — z. B. Strom-, Wasser- oder Telekommunikationsversorgung.
- Attribuierung
- Offizielles Verfahren, bei dem ein Staat einen Cyberangriff oder eine hybride Operation einem bestimmten staatlichen oder nichtstaatlichen Akteur öffentlich zuordnet.
Welche deutschen Unternehmen sind auf der russischen Liste?
Die Bundesregierung bestätigt, dass ihr die Liste bekannt ist, nennt aber keine einzelnen Unternehmen namentlich. Laut Vorbemerkung der Fragesteller enthält die am 15. April 2026 veröffentlichte Liste drei Unternehmen mit direktem Deutschlandbezug.
Was hat die Bundesregierung zum Schutz betroffener Firmen unternommen?
Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) hat am 23. Juli 2026 einen öffentlichen Sicherheitshinweis für die Wirtschaft veröffentlicht und steht in engem Kontakt mit Unternehmen der Sicherheits- und Verteidigungswirtschaft. Das BKA stellt zudem anlassbezogen Lageinformationen bereit.
Hat die Bundeswehr-Brigade in Litauen russische Drohungen erhalten?
Ja. Ein Mitglied des Verteidigungsausschusses der russischen Staatsduma, Kolesnik, bezeichnete die Panzerbrigade 45 am 6. Mai 2026 in einem TASS-Interview als mögliches Ziel im Falle einer militärischen Konfrontation. Die Bundesregierung wertet dies als Versuch, NATO-Verteidigungsanstrengungen zu diskreditieren.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7830 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
































































