- Plasmaspenden stiegen von 2020 bis 2025 um 49 Prozent auf 3,66 Mio.
- 13 von 22 Plasma-Produktgruppen werden nicht in Deutschland hergestellt
- Gesundheitssicherstellungsgesetz soll Krisenvorsorge für Blutprodukte regeln
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7433 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Blutplasma ist die Grundlage für eine Reihe lebenswichtiger Arzneimittel, die nicht synthetisch hergestellt werden können. WHO und EMA stufen diese Produkte als versorgungsrelevant ein. Die EU — und damit auch Deutschland — ist bei der Plasmaversorgung in erheblichem Umfang auf Importe aus den USA angewiesen. Das Paul-Ehrlich-Institut dokumentiert jährlich Herstellungs-, Import- und Verbrauchszahlen gemäß Transfusionsgesetz. Bereits in der 20. Wahlperiode befasste sich die CDU/CSU-Fraktion mit dem Thema (BT-Drs. 20/4072); die aktuelle Anfrage von Bündnis 90/Die Grünen knüpft daran an und fragt nach dem Stand der Umsetzung.
- 3,66 Mio. Plasmaspenden (2025) — Anstieg um 49 Prozent gegenüber 2,45 Mio. im Jahr 2020.
- 3,6 Mio. Vollblutspenden (2025) — Leichter Rückgang von 3,7 Mio. im Jahr 2020, bedingt durch 20 Prozent weniger Neuspender, vor allem junge Menschen.
- 12 Lieferengpassmeldungen (letzte 5 Jahre) — Betroffen waren sechs verschiedene plasmabasierte Wirkstoffe, darunter Immunglobuline, Gerinnungsfaktor X und Fibrinogenkonzentrat.
- 13 von 22 Produktgruppen — Werden in Deutschland nicht hergestellt; strukturelle Abhängigkeit von Importen.
- Weniger als 10 globale Unternehmen — Vermarkten Plasmaderivate weltweit; Marktkonzentration erhöht Engpassrisiko.
Im Detail
Versorgungsengpässe lassen sich jedoch nicht ausschließen, da die Vermarktung von Plasmaderivaten, insbesondere Immunglobulinen, inzwischen durch weniger als zehn global agierende Plasma-verarbeitende Unternehmen erfolgt.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7433, S. 4
Blutplasma lässt sich nicht synthetisch herstellen — wer auf Immunglobuline, Gerinnungsfaktoren oder andere Plasmaderivate angewiesen ist, hängt direkt von der Spendebereitschaft und stabilen Lieferketten ab. Auf Grundlage der Bundestagsdrucksache 21/7433 vom 29. Juli 2026 hat die Bundesregierung 12 Fragen der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen zur Versorgungssicherheit mit Blutplasma und Plasmaderivaten beantwortet.
Plasmaspenden auf Rekordniveau — Vollblut leicht rückläufig
Die Versorgungssicherheit mit Blutplasma zeigt sich laut Antwort der Bundesregierung in einer positiven Entwicklung der Spendezahlen: Die Plasmapheresespenden stiegen zwischen 2020 und 2025 um 49 Prozent — von 2,45 Millionen auf 3,66 Millionen Spenden. Damit liegt Deutschland bei der Plasmaversorgung innerhalb der EU bereits an erster Stelle. Gleichzeitig sind die Vollblutspenden von 3,7 Millionen auf 3,6 Millionen leicht zurückgegangen. Ursache ist unter anderem ein Rückgang der Neuspenden um 20 Prozent, vor allem bei jungen Menschen. Die genauen Gründe dafür sind laut Bundesregierung nicht bekannt.
Zur Gegenwirkung führt das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit die Kampagne „Blut spenden. Einfach machen.“ fort und nutzt Social-Media-Quartalskampagnen sowie ein kontinuierlich weiterentwickeltes Online-Informationsangebot auf blutspenden.de. Eine bevölkerungsrepräsentative Befragung des Robert Koch-Instituts aus dem Jahr 2025 zeigt, dass Zeitmangel und gesundheitliche Gründe die größten Hindernisse für eine Spende darstellen.
Strukturelle Importabhängigkeit bleibt bestehen
Trotz positiver Spendezahlen ist die strukturelle Importabhängigkeit erheblich: 13 von 22 in Deutschland zugelassenen Plasma-Produktgruppen werden hierzulande nicht hergestellt. Die Vermarktung von Plasmaderivaten — insbesondere von Immunglobulinen — erfolgt laut Bundesregierung inzwischen durch weniger als zehn global agierende Unternehmen. Entscheidungen über Vermarktung und Liefermengen liegen dabei in der unternehmerischen Freiheit dieser Konzerne, was Versorgungsengpässe strukturell nicht ausschließt.
Für die EU insgesamt strebt die SoHO-Verordnung (EU) 2024/1938 eine stärkere Eigenversorgung an. Deutschland stellt bereits den größten Anteil des Plasmas innerhalb der EU bereit; der Großteil wird in Deutschland, Österreich, Ungarn und Tschechien gewonnen. Eine europäische Eigenversorgung setzt laut Bundesregierung voraus, dass auch andere EU-Mitgliedstaaten ihr Plasmaspendeaufkommen erhöhen.
Lieferengpässe: 12 Meldungen in fünf Jahren
In den vergangenen fünf Jahren gingen beim Paul-Ehrlich-Institut (PEI) zwölf Lieferengpassmeldungen zu sechs verschiedenen plasmabasierten Wirkstoffen ein. Betroffen waren vor allem Immunglobuline — die bei Autoimmunerkrankungen eingesetzt werden —, Gerinnungsfaktor X sowie Fibrinogenkonzentrat. Im Fall des Fibrinogenkonzentrats, wo ein Herstellungsproblem den Engpass auslöste, erarbeitete das PEI gemeinsam mit dem Hersteller regulatorische Überbrückungslösungen. Laut Bundesregierung sind dem PEI aktuell keine Anzeichen für eine eingeschränkte Versorgung bekannt.
Gesundheitssicherstellungsgesetz und KRIOS-Forschungsprojekt
Im Rahmen des geplanten Gesundheitssicherstellungsgesetzes, das das Bundesministerium für Gesundheit derzeit erarbeitet, sollen Maßnahmen zur Versorgung mit medizinischen Gegenmaßnahmen in verteidigungsbezogenen Krisenlagen vorgesehen werden. Parameter für die Versorgungssicherheit mit Blut und Blutprodukten werden dabei im Austausch mit relevanten Akteuren erarbeitet. Ergänzend fördert das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt das Projekt KRIOS — „Krisenresilientes Organisations- und Versorgungssystem für Blutprodukte“ — mit dem Ziel, Koordinationsinstrumente für Katastrophenlagen zu entwickeln und einen Versorgungsverbund von Blutspendediensten aufzubauen.
Die Versorgungssicherheit mit Blutplasma ist damit Teil eines größeren gesundheitspolitischen Resilienzdenkens, das — ähnlich wie bei der kommunalen Wärmeplanung oder der Datenlage in der Landwirtschaft — auf systematisches Monitoring setzt, aber noch Lücken bei der Krisenvorsorge aufweist. Fragen zur Altersstruktur der Spender fügen sich zudem in die breitere Debatte um demografischen Wandel ein, die auch bei Altersarmut und sozialen Sicherungssystemen eine Rolle spielt.
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Unmittelbar betroffen sind Patientinnen und Patienten mit angeborenen oder erworbenen Immundefekten, Gerinnungsstörungen wie Hämophilie, neurologischen Autoimmunerkrankungen sowie seltenen Erkrankungen wie einem angeborenen Mangel an Gerinnungsfaktor X. Mittelbar sind alle Bürgerinnen und Bürger betroffen, da eine robuste Blutplasma-Versorgung Teil der gesundheitlichen Krisenvorsorge ist.
Die Bundesregierung hat alle 12 Fragen inhaltlich beantwortet. Bei Frage 2 zu den Ursachen des Rückgangs bei Neuspendern verweist sie auf fehlende Erkenntnisse; Fragen 6 und 7 werden gemeinsam behandelt, was sachlich begründet ist.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Blutplasma-Versorgung: Importabhängigkeit und Lieferrisiken im Fokus →
- Plasmapherese
- Verfahren zur gezielten Gewinnung von Blutplasma aus einer Spende, bei dem die übrigen Blutbestandteile an die Spenderin oder den Spender zurückgegeben werden.
- Immunglobuline
- Aus Blutplasma gewonnene Antikörper-Präparate, die bei Immundefekten und verschiedenen Autoimmunerkrankungen eingesetzt werden. Ihr Verbrauch hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen.
- SoHO-Verordnung
- EU-Verordnung (EU) 2024/1938 über Qualitäts- und Sicherheitsstandards für Substanzen menschlichen Ursprungs (Substances of Human Origin), die eine EU-weite Selbstversorgung mit Blutplasma anstrebt.
Gibt es in Deutschland aktuell einen Mangel an Blutplasma?
Laut Bundesregierung ist derzeit keine Mangelsituation erkennbar. Das in Deutschland fraktionierte Plasma ist seit 2023 deutlich angestiegen und Herstellungskapazitäten wurden ausgeweitet.
Warum kann Europa nicht autark bei Blutplasma sein?
Die EU ist erheblich auf Importe angewiesen, insbesondere aus den USA. 13 von 22 in Deutschland zugelassenen Plasma-Produktgruppen werden hierzulande gar nicht hergestellt. Eine EU-weite Eigenversorgung erfordert höhere Spendeaufkommen in allen Mitgliedstaaten.
Wie viele Lieferengpässe gab es bei Plasmamitteln in den letzten fünf Jahren?
Das Paul-Ehrlich-Institut erhielt in den vergangenen fünf Jahren zwölf Lieferengpassmeldungen zu sechs verschiedenen plasmabasierten Wirkstoffen.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7433 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.



































































