- 233 Mio. Euro Entwicklungsmittel für Ukraine haushalterisch noch ungeklärt
- Drohnentypen Anubis und Seth-X: Gemeinschaftsfertigung mit Ukraine geplant
- Bürgergeld für ukrainische Männer zwischen 23 und 60 Jahren unter parlamentarischer Kontrolle
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7298 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Am 14. April 2026 veröffentlichten Deutschland und die Ukraine im Rahmen von Regierungskonsultationen eine gemeinsame Strategische Partnerschaft. Das Dokument umfasst Vereinbarungen zu Rüstungskooperation, Drohnenproduktion, Wiederaufbau, Energieversorgung und gesellschaftlichen Themen. Anlage 1 der Partnerschaft listet konkrete Einzelvereinbarungen auf, darunter eine Durchführungsvereinbarung zur Bereitstellung von Drohnen an Drittstaaten einschließlich Golfstaaten sowie eine Vereinbarung über Datenkooperation. Der internationale Kontext ist durch den Rückzug der USA aus direkten Militärhilfen und eine nach Medienberichten gesunkene Geberzahl bei der tschechischen Munitionsinitiative geprägt.
- 233 Mio. Euro — neue Finanzmittel für Entwicklungszusammenarbeit mit der Ukraine, in der Strategischen Partnerschaft angekündigt.
- 54 Einzelfragen — Umfang der Kleinen Anfrage der AfD-Fraktion zu Kosten, Kontrolle und Sicherheitsrisiken.
- 14. April 2026 — Datum der Veröffentlichung der deutsch-ukrainischen Strategischen Partnerschaft nach den Regierungskonsultationen.
- 2 Drohnentypen — Anubis (Langstrecke) und Seth-X (Mittelstrecke) sollen gemeinsam gefertigt werden.
- 21 Tage — gesetzliche Antwortfrist der Bundesregierung auf Kleine Anfragen; Frist läuft bis 13. August 2026.
Im Detail
„dass die Ukraine die Zahl der Männer im wehrfähigen Alter, die die Ukraine verlassen, reduziert“ (Strategische Partnerschaft, Abschnitt 3 „Menschliche Dimension“, S. 5)
— Zitat aus der Strategischen Partnerschaft, wiedergegeben in BT-Drs. 21/7298
Deutschlands langfristige Bindung an die Ukraine durch die Strategische Partnerschaft vom 14. April 2026 wirft im Bundestag grundlegende Fragen auf: Welche Kosten entstehen dem deutschen Steuerzahler? Wer kontrolliert die Rüstungskooperation? Und was bedeutet das Abkommen für ukrainische Staatsangehörige, die in Deutschland Bürgergeld beziehen? Die AfD-Fraktion hat diese Fragen in einer Kleinen Anfrage mit 54 Einzelpunkten gebündelt, eingereicht am 9. Juli 2026 und als BT-Drs. 21/7298 am 23. Juli 2026 veröffentlicht.
Deutsch-ukrainische Strategische Partnerschaft: Was steht drin?
Das am 14. April 2026 veröffentlichte Dokument geht weit über kurzfristige Militärhilfe hinaus. Es enthält Vereinbarungen zu gemeinsamer Drohnenproduktion, einer geplanten Berliner Niederlassung der Ukrainischen Verteidigungsindustrie (UDI), einer Datenkooperationsvereinbarung, der Bereitstellung von Drohnen an Drittstaaten einschließlich Golfstaaten sowie bis zu 233 Mio. Euro neue Finanzmittel für Entwicklungszusammenarbeit. Hinzu kommen Vorhaben zu Wiederaufbau, Energieversorgung, Digitalisierung, Rohstoffen und einer ukrainisch-deutschen Kultursaison 2027/2028. Die Anfrage fragt nach der haushalterischen Veranschlagung dieser Mittel und danach, ob und in welchen Haushaltstiteln oder Sondervermögen sie verankert sind.
Drohnenproduktion: Anubis und Seth-X im Fokus
Besonderes Gewicht legen die Fragesteller auf die Rüstungskooperation. Laut Strategischer Partnerschaft sind gemeinsame Fertigungsvorhaben für zwei Drohnentypen vorgesehen: die Langstreckenkampfdrohne Anubis und die Mittelstreckenkampfdrohne Seth-X. Die Anfrage erkundigt sich nach konkreten Vereinbarungen, Eigentums- und Kontrollstrukturen der geplanten Gemeinschaftsunternehmen sowie nach der Rolle deutscher Bundesministerien und -behörden bei Entwicklung, Finanzierung und Endverbleibskontrolle. Parallel wird gefragt, welche Sicherheitsprüfungen für die UDI-Niederlassung in Berlin vorgenommen wurden und ob daraus Risiken für kritische Infrastruktur entstehen.
Ein weiteres Thema ist die sogenannte Durchführungsvereinbarung zur Bereitstellung von Drohnen an Drittstaaten einschließlich Golfstaaten. Die Fragesteller wollen wissen, welche Staaten konkret erfasst sind, welche außenwirtschafts- und rüstungsexportrechtlichen Prüfungen vorgesehen sind und welche deutschen Stellen an Genehmigung und Kontrolle beteiligt werden. Auch mögliche technologische Abhängigkeiten Deutschlands von ukrainischen Partnern sowie die Frage, ob Deutschland die gemeinsam entwickelten Systeme auch ohne ukrainische Beteiligung weiterentwickeln kann, sind Gegenstand der Anfrage.
Datenaustausch und Sicherheitsrisiken durch China und Russland
Mehrere Fragen betreffen die in der Partnerschaft enthaltene Vereinbarung über Datenkooperation. Die Fragesteller wollen wissen, ob darunter militärische Einsatzdaten, Gefechtsdaten oder Sensordaten fallen, welche deutschen und ukrainischen Behörden Zugriff erhalten sollen und welche Geheimschutz- sowie Cybersicherheitsvorgaben gelten. Zudem thematisiert die Anfrage Medienberichte über einen russisch-chinesischen Informationsaustausch zu erbeuteten westlichen Waffensystemen — konkret wird gefragt, ob Marder-Schützenpanzer erbeutet wurden und ob Informationen über deutsche Rüstungsgüter nach China gelangt sein könnten.
Bürgergeld, Rückkehr und Sozialbetrug
Neben der Rüstungsdimension enthält die Anfrage einen umfangreichen Fragenkomplex zur sozialpolitischen Dimension der Partnerschaft. Die Anfrage fragt nach der Zahl ukrainischer Männer zwischen 23 und 60 Jahren in Deutschland, die Bürgergeld beziehen, sowie nach Fällen fehlender Erreichbarkeit nach § 7b SGB II und nicht genehmigten Aufenthalten außerhalb des Jobcenter-Bereichs — aufgeschlüsselt nach Jahren seit 2022. Auch die in der Strategischen Partnerschaft erwähnte Zusammenarbeit zur Bekämpfung von Sozialbetrug durch Datenaustausch zwischen deutschen und ukrainischen Behörden ist Gegenstand der Anfrage. Darüber hinaus wird nach der Rolle des „Unity Hub“ in Berlin sowie deutscher Jobcenter bei der Erleichterung der Rückkehr ukrainischer Staatsangehöriger gefragt.
Parlamentarische Kontrolle und Kostentransparenz
Die Fragesteller thematisieren auch die Frage der rechtlichen Verbindlichkeit: Die Anfrage will wissen, welche rechtliche Bindungswirkung die Strategische Partnerschaft und ihre Anlagen haben, welche Möglichkeiten zur Aussetzung oder Beendigung einzelner Maßnahmen bestehen und welche Berichts-, Kontroll- und Evaluierungsmechanismen gegenüber Bundestag und Öffentlichkeit vorgesehen sind. Ergänzend wird nach deutschen Zusagen für die Wiederaufbaukonferenz in Polen vom 25. und 26. Juni 2026 gefragt sowie nach der Gesamthöhe der deutschen Ukraine-Unterstützung seit 1991 — aufgeschlüsselt nach Ressorts. Für Steuerzahler ist damit eine zentrale Frage offen: Wie groß ist Deutschlands finanzielle Gesamtexposition tatsächlich, und wer kontrolliert die Mittelverwendung?
Die Anfrage berührt auch die Frage, ob Deutschland durch den Rückzug anderer Geberländer künftig einen wachsenden Anteil der tschechischen Munitionsinitiative und des PURL-Mechanismus trägt. Laut Vorbemerkung der Fragesteller ist die Zahl der Geberländer dieser Initiative nach Medienberichten von 18 auf neun gesunken — eine Einschätzung, die die Bundesregierung in ihrer Antwort bestätigen oder korrigieren kann. Thematisch verwandte Fragen zur AfD-Transparenzpolitik finden sich auch in der Anfrage zur VS-NfD-Einstufung sowie zur Volksabstimmung auf Bundesebene. Den breiteren europapolitischen Kontext beleuchtet der Beitrag zur AgoraEU-Medienförderung.
Weiterlesen:
- Verschlusssachen-Reform: AfD will VS-NfD-Einstufung abschaffen
- Volksabstimmung auf Bundesebene: AfD fordert Grundgesetzänderung
- AgoraEU-Medienförderung: 8,6 Mrd. Euro und Fragen zur Pressefreiheit
Betroffen sind erstens der deutsche Bundeshaushalt und die Steuerzahler, da Finanzzusagen von bis zu 233 Mio. Euro für Entwicklungszusammenarbeit sowie ungeklärte Folgekosten aus Rüstungsprojekten im Raum stehen. Zweitens betrifft die Anfrage ukrainische Staatsangehörige in Deutschland — insbesondere Männer im Alter von 23 bis 60 Jahren, die Bürgergeld beziehen. Drittens sind deutsche Rüstungsunternehmen und die Sicherheitspolitik berührt, da Gemeinschaftsunternehmen zur Drohnenproduktion und eine UDI-Niederlassung in Berlin geplant sind.
Berlin, 14. Juli 2026. Zur Finanzierung von 50.000 Kampfdrohnen für die Ukraine erklärt der AfD-Bundestagsabgeordnete Gerold Otten, Mitglied im Auswärtigen Ausschuss: „Während unsere Bundeswehr eklatante Mängel aufweist, pumpt die Bundesregierung weitere 90 Millionen Euro in den Ukraine-Krieg. Die Finanzierung von 50.000 Kampfdrohnen mit automatischer Zielverfolgung ist einer der größten Waffenkäufe… …
Berlin, 10. Juli 2026. Zu den Auswirkungen der aktuellen Änderungen bei den Lieferkettenvorgaben auf die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Entwicklungsstaaten erklärt der entwicklungspolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, Rocco Kever: „Die Diskussion um das Lieferkettengesetz zeigt, dass Deutschland bei der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit Entwicklungsstaaten einen neuen Kurs braucht. Weder überzogene Regulierung noch einseitige… …
Die Kleine Anfrage BT-Drs. 21/7298 wurde am 23. Juli 2026 eingereicht. Die Bundesregierung hat gemäß parlamentarischer Praxis 21 Tage Zeit für eine schriftliche Antwort; die Frist läuft bis zum 13. August 2026. Nach Eingang der Antwort wird diese als gesonderte Drucksache veröffentlicht. Eine parlamentarische Debatte im Plenum ist bei Kleinen Anfragen nicht zwingend vorgesehen.
- Strategische Partnerschaft
- Zwischenstaatliches Abkommen ohne den Rang eines völkerrechtlichen Vertrags, das politische Kooperationsziele und Umsetzungsvereinbarungen festlegt.
- PURL-Mechanismus
- Ein Finanzierungsmechanismus von NATO- und EU-Staaten zur Unterstützung der Ukraine mit Rüstungsgütern, der US-amerikanische Direktlieferungen teilweise ersetzt.
- UDI (Ukrainische Verteidigungsindustrie)
- Staatlich kontrollierter ukrainischer Rüstungskonzern, dessen Berliner Niederlassung in der Strategischen Partnerschaft angekündigt wird.
Was ist die deutsch-ukrainische Strategische Partnerschaft?
Ein am 14. April 2026 veröffentlichtes Abkommen, das die Zusammenarbeit beider Länder in Verteidigung, Rüstung, Wiederaufbau, Energie und gesellschaftlichen Bereichen langfristig vertieft.
Welche Drohnen sollen gemeinsam produziert werden?
Laut Strategischer Partnerschaft sind gemeinsame Fertigungsvorhaben für die Langstreckenkampfdrohne Anubis und die Mittelstreckenkampfdrohne Seth-X vorgesehen.
Wie viele Fragen umfasst die Kleine Anfrage?
Die Anfrage der AfD-Fraktion umfasst 54 Einzelfragen, eingereicht am 9. Juli 2026.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7298 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
































































