Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8259 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
- 431 Mio. Euro Wirtschaftsschaden pro Hitzetag in Deutschland
- 2026 neue Hitzerekorde in 89 von 148 Klimaregionen
- Nationaler Hitzeschutzplan noch ohne konkretes Datum und Budget
Hintergrund
Der Sommer 2026 war nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in weiten Teilen Deutschlands außergewöhnlich heiß. Der DWD erhebt Daten zu sogenannten klimatischen Naturräumen (KliNats) als höchste räumliche Auflösung, da Auswertungen auf Landkreisebene technisch noch nicht möglich sind. Die Bundesregierung hat mit dem Bundes-Klimaanpassungsgesetz (KAnG) und der Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel (DAS) 2024 einen strategischen Rahmen für die Vorsorge geschaffen, der alle vier Jahre fortgeschrieben wird. Ein verbindlicher nationaler Hitzeschutzplan, den die Bundesregierung angekündigt hatte, liegt zum Zeitpunkt der Antwort noch nicht vor.
- 431 Mio. Euro — Volkswirtschaftlicher Schaden pro Hitzetag (ab 30 °C), davon 418 Mio. Euro allein durch Produktivitätsverluste (Prognos-Studie im Auftrag BMAS).
- 984 Mio. Euro — Kosten eines Tages mit mindestens 35 °C laut Prognos-Folgestudie; mehr als doppelt so hoch wie bei einem 30-Grad-Tag.
- 89 von 148 KliNats — Klimatische Naturräume, in denen 2026 bis 9. September neue Rekorde bei der Anzahl heißer Tage erreicht wurden.
- 80 Mio. Euro — Mittel im Bundeshaushalt 2026 für die 5. Tranche des Bundesprogramms „Anpassung urbaner und ländlicher Räume an den Klimawandel“.
- 44 heiße Tage — Spitzenwert im Saarland bis zum 9. September 2026; zum Vergleich: Hamburg verzeichnete im gleichen Zeitraum 13 heiße Tage.
Im Detail
Ein einzelner Hitzetag (Tageshöchsttemperatur ≥ 30 °C) kostet die deutsche Wirtschaft zudem laut der Studie insgesamt etwa 431 Mio. Davon entfallen rund 97 Prozent (rund 418 Mio. Euro) ausschließlich auf den Produktivitätsabfall.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/8259, Antwort zu Frage 22
Ein einziger Tag mit einer Tageshöchsttemperatur von mindestens 30 Grad kostet die deutsche Wirtschaft rund 431 Millionen Euro — 97 Prozent davon durch Produktivitätsverluste. Steigt die Temperatur auf mindestens 35 Grad, verdoppeln sich die Kosten auf rund 984 Millionen Euro. Diese Zahlen aus einer Prognos-Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales nennt die Bundesregierung in ihrer Antwort auf die Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen (BT-Drs. 21/8259, beantwortet am 29. September 2026).
Der Hitzesommer 2026 hat nach Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in 89 von 148 klimatischen Naturräumen neue Rekorde bei der Zahl heißer Tage hinterlassen. Besonders betroffen war das Saarland mit 44 heißen Tagen bis zum 9. September 2026, gefolgt von Hessen (30), Rheinland-Pfalz (35) und Bayern (29). Hamburg verzeichnete im gleichen Zeitraum 13 heiße Tage. Auswertungen auf Landkreisebene sind nach Angaben der Bundesregierung technisch noch nicht möglich, da die Datenbasis des DWD dies bisher nicht zulässt.
Was gilt aktuell beim Hitzeschutz?
Einen verbindlichen nationalen Hitzeschutzplan gibt es bislang nicht. Die Bundesregierung hat zwar einen solchen Plan angekündigt, doch auf die Frage nach Zeitplan und Haushaltsmitteln antwortete sie lapidar: Das weitere Vorgehen sei „derzeit Gegenstand interner Abstimmungen.“ Seit 2017 existieren Handlungsempfehlungen des Bundesumweltministeriums für kommunale Hitzeaktionspläne; eine flächendeckende Umsetzung in Kommunen bleibt jedoch unklar, weil es keine Berichtspflichten gibt. Die Bundesregierung räumt ein, keinen vollständigen Überblick darüber zu haben, wie viele Kommunen solche Pläne besitzen und ob sie ausfinanziert sind. Als Hindernisse nennt die Bundesregierung unter Berufung auf Forschungsvorhaben: fehlende finanzielle und personelle Ressourcen, unklare Zuständigkeiten sowie mangelnde rechtliche Verbindlichkeit.
Hitzeschutz am Arbeitsplatz: Neue Regeln in Sicht
Für Beschäftigte gilt: Das Baugewerbe stellt laut der Prognos-Studie nur 6,6 Prozent aller geleisteten Arbeitsstunden in Deutschland, trägt aber schätzungsweise 15,8 Prozent der hitzebedingten Kosten. Die Restproduktivität bei Bauarbeitern liegt bei 88 Prozent, in der Land- und Forstwirtschaft sogar nur bei 67 Prozent eines Normalwerktags. Der Ausschuss für Arbeitsstätten (ASTA) arbeitet derzeit an einer Überarbeitung der Regeln für Raumtemperatur (ASR A3.5) und Lüftung (ASR A3.6) — ob und wann neue verbindliche Standards kommen, ist noch offen. Zahlen zu meldepflichtigen Arbeitsunfällen durch Hitzeschlag oder Dehydration liegen der Bundesregierung auf Ebene von Bundesländern und Branchen nicht vor.
Förderung und Forschung: 80 Millionen Euro für Kommunen
Im Bundeshaushalt 2026 stehen 80 Millionen Euro für eine 5. Tranche des Bundesprogramms „Anpassung urbaner und ländlicher Räume an den Klimawandel“ bereit. Kommunen konnten bis zum 3. Juli 2026 Projektvorschläge einreichen; neue Projekte sollen voraussichtlich Anfang 2027 starten. Für soziale Einrichtungen öffnet die Förderrichtlinie AnpaSo vom 1. Oktober bis 30. November 2026 ein neues Förderfenster. Darüber hinaus laufen zahlreiche Forschungsvorhaben mehrerer Ministerien, darunter eine Klimarisikoanalyse (KRA 2028) sowie Projekte zu klimaresilienter Bahninfrastruktur und hitzeangepasster Landwirtschaft.
Hitzesommer 2026: Was bleibt offen?
Auf mehrere konkrete Fragen verweist die Bundesregierung auf fehlende Datengrundlagen: Eigene Schätzungen der volkswirtschaftlichen Gesamtschäden des Hitzesommers 2026 hat sie nicht erstellt, da sich hitzebedingte Effekte angesichts von Energiepreisanstieg, geopolitischen Unsicherheiten und US-Zolleffekten nicht isoliert quantifizieren ließen. Daten zu hitzebedingten Trinkwasserbeschränkungen in Kommunen, zu Stromausfällen allein durch Hitze sowie zu Waldschäden im Jahr 2026 liegen der Bundesregierung nach eigener Auskunft noch nicht vor. Auch die Frage nach volkswirtschaftlichen Schäden durch elternbedingte Arbeitsausfälle infolge von Hitzefrei in Schulen und Kitas beantwortet die Bundesregierung mit dem Verweis, eine solche Differenzierung sei quantitativ nicht sinnvoll durchführbar. Ob ein Bundeskanzler-Zitat über „über 300 verschiedene Maßnahmen“ zum Klimaschutz inhaltlich belastbar ist, bejaht die Bundesregierung — verweist aber auf den Klimaschutzbericht 2025 und das Klimaschutzprogramm 2026 für die vollständige Liste. Mehr Informationen zu aktuellen Debatten rund um die Energiepolitik bietet der Beitrag Schneiders Fahrplan zur Abkehr von fossilen Energien. Wer sich für die wirtschaftlichen Auswirkungen steuerlicher Umverteilung interessiert, findet Hintergründe in der Einkommensteuerreform 2027.
Weiterlesen:
- Bundestag 03.10.2026: Die wichtigsten Drucksachen
- Agrardrohnen: Rechtslage und KI-Potenziale in Deutschland
Besonders betroffen sind ältere Menschen, chronisch Kranke, Pflegebedürftige, Schwangere, Säuglinge sowie Beschäftigte im Freien — insbesondere in der Baubranche und der Landwirtschaft. Wirtschaftlich tragen das verarbeitende Gewerbe (rund 124 Mio. Euro pro Hitzetag), das Gesundheits- und Sozialwesen (46 Mio. Euro) sowie der Handel (39 Mio. Euro) die größten Produktivitätsverluste. Die Baubranche ist im Verhältnis zu ihrer Größe überproportional belastet.
Die Bundesregierung hat mehrere Fragen mit Verweis auf fehlende Datengrundlagen oder laufende interne Abstimmungen beantwortet. Zu Frage 7 (Stand des nationalen Hitzeschutzplans inklusive Haushaltsmittel) teilte sie lediglich mit, das weitere Vorgehen sei derzeit Gegenstand interner Abstimmungen. Zu Fragen 18, 20, 21, 25 und 27 verwies sie auf nicht vorliegende oder nicht isolierbare Daten.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Hitzesommer 2026: 36–42 Mrd. Euro Schaden und kein Schutzplan →
- KliNat (Klimatischer Naturraum)
- Räumliche Einheit des Deutschen Wetterdienstes zur regionalen Klimaauswertung. Deutschland ist in 148 solcher Naturräume unterteilt, die als höchste verfügbare räumliche Auflösung für Hitzestatistiken dienen.
- SAIDI
- System Average Interruption Duration Index — eine Kennzahl der Bundesnetzagentur, die die durchschnittliche Dauer von Stromversorgungsunterbrechungen pro Haushalt und Jahr misst.
- AnpaSo
- Förderrichtlinie 'Klimaanpassung in sozialen Einrichtungen' des Bundesumweltministeriums, die seit 2020 Gesundheits- und Sozialeinrichtungen bei der Entwicklung von Hitzeschutzmaßnahmen unterstützt.
Was kostet ein Hitzetag die deutsche Wirtschaft?
Laut einer Prognos-Studie im Auftrag des BMAS kostet ein Tag mit mindestens 30 Grad rund 431 Millionen Euro, bei mindestens 35 Grad sogar rund 984 Millionen Euro. Rund 97 Prozent der Kosten entstehen durch Produktivitätsverluste.
Wann kommt der nationale Hitzeschutzplan?
Die Bundesregierung hat mitgeteilt, das weitere Vorgehen sei derzeit Gegenstand interner Abstimmungen. Ein konkretes Datum und Haushaltsmittel für die Umsetzung wurden nicht genannt.
Wie hat sich die Zahl der Hitzetage 2026 entwickelt?
Im Jahr 2026 wurden bis zum 9. September in 89 der 148 klimatischen Naturräume (KliNats) neue Rekorde bei der Anzahl heißer Tage (ab 30 °C) registriert. Das Saarland verzeichnete mit 44 heißen Tagen den Spitzenwert.



































































