- 23 GW genehmigte Windkraft in 90 Landkreisen durch Netzpaket gefährdet
- Engpassmanagement kostete 2024 und 2025 je rund 3 Milliarden Euro
- Linke fordert Batteriespeicher-Turbo und Gebotszonentrennung statt Anschlussstopp
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7906 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die Bundesregierung plant im Rahmen des sogenannten Netzpakets (Entwurf eines Gesetzes zur Änderung des Energiewirtschaftsrechts zur Synchronisierung des Anlagenzubaus mit dem Netzausbau) einen Redispatch-Vorbehalt für Erneuerbare Energien. Dieser soll den Netzausbau und den Zubau erneuerbarer Anlagen besser synchronisieren. Parallel läuft die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Ein breites Verbändebündnis aus BUND, NABU, WWF und weiteren Organisationen forderte am 13. Februar 2026 die Rücknahme der geplanten Einschränkungen beim Netzanschluss.
- 90 von 400 Landkreisen — wären laut Green-Planet-Energy-Studie (Datenbasis 2025) als kapazitätslimitierte Netzgebiete eingestuft.
- 23 GW Windenergie an Land — bereits genehmigte oder im Verfahren befindliche Projekte stünden nach Studienangaben vor dem Aus.
- 9,2 GW Freiflächenphotovoltaik — kurzfristig realisierbare Projekte drohten durch die neue Netzregel nicht umgesetzt zu werden, fast ein gesamtes Jahresausbauziel (11 GW).
- 3 Mrd. Euro pro Jahr — Kosten des Engpassmanagements 2024 und 2025; davon 2,5 Mrd. Euro für konventionelle Kraftwerke, nur 554 Mio. Euro (2024) bzw. 434 Mio. Euro (2025) für EE-Entschädigungen.
- bis zu 10 Jahre — soll laut Regierungsplanung der Entschädigungsanspruch von EE-Betreibern bei Zwangsabschaltungen in Netzengpassgebieten ausgesetzt werden.
Im Detail
Das eigentliche Problem ist nicht zu viel erneuerbare Energie, sondern ein Netzausbau, der dem Zubau nicht Schritt hält, bzw. ein Netzausbau, der nicht intelligent genug ist, um ambitionierten Ausbau von erneuerbaren Energien mit einem flexiblen Netzausbau etwa in der Kombination mit Stromspeichern zu realisieren.
— Begründung BT-Drs. 21/7906, Fraktion Die Linke
Der stockende Netzausbau in Deutschland gefährdet nach Einschätzung der Fraktion Die Linke die Energiewende an einem zentralen Punkt: Das von der Bundesregierung geplante Netzpaket sieht vor, in sogenannten kapazitätslimitierten Netzgebieten den Vorrang für neue Wind- und Solaranlagen beim Netzanschluss aufzuheben und Entschädigungsansprüche von Betreibern bei Zwangsabschaltungen für bis zu zehn Jahre auszusetzen. Mit dem Antrag BT-Drs. 21/7906, eingebracht am 8. September 2026, fordert die Fraktion die Bundesregierung auf, diesen sogenannten Redispatch-Vorbehalt zu streichen und stattdessen sieben alternative Instrumente zur Netzentlastung einzuführen.
Was gilt aktuell?
Deutschland verfügt über eine einheitliche Strompreiszone und ein Einspeisevorrang-System für erneuerbare Energien. Müssen Anlagen wegen Netzüberlastung abgeschaltet werden (Redispatch), erhalten Betreiber bislang eine Entschädigung. Die Kosten des gesamten Engpassmanagements lagen 2024 und 2025 jeweils bei rund 3 Milliarden Euro. Davon entfielen rund 2,5 Milliarden Euro auf finanziellen Ausgleich für konventionelle Kraftwerke, die zum Ausgleich hochgefahren werden mussten, während Erneuerbare-Betreiber 554 Millionen Euro (2024) beziehungsweise 434 Millionen Euro (2025) an Entschädigungen erhielten.
Redispatch-Vorbehalt: Was plant die Bundesregierung?
Das Netzpaket der Bundesregierung sieht vor, in neu definierten kapazitätslimitierten Netzgebieten den Anschlussvorrang für neue Wind- und Solaranlagen aufzuheben. Betreiber, deren Anlagen in diesen Regionen abgeregelt werden, sollen für bis zu zehn Jahre keinen Entschädigungsanspruch haben. Die Regierung begründet dies damit, den schnell wachsenden EE-Zubau besser mit dem langsameren Netzausbau zu synchronisieren und Verbraucherkosten zu dämpfen.
Laut einem in der Begründung des Antrags zitierten Gutachten von Green Planet Energy, das auf Daten aus dem Jahr 2025 basiert, würden 90 von insgesamt 400 deutschen Landkreisen und kreisfreien Städten unter diese Regelung fallen. Rund 23 Gigawatt an bereits genehmigten oder im Verfahren befindlichen Windenergieprojekten an Land stünden damit vor dem Aus — das entspricht knapp der Hälfte des EEG-Ausbauziels von 50 Gigawatt bis 2030. Bei der Freiflächenphotovoltaik wären laut Studie etwa 9,2 Gigawatt kurzfristig realisierbarer Projekte bedroht, nahezu ein gesamtes Jahresausbauziel von 11 Gigawatt.
Netzengpässe: Sieben Alternativen statt Anschlussstopp
Die Linke sieht im Redispatch-Vorbehalt eine Verwechslung von Ursache und Wirkung: Nicht zu viel erneuerbare Energie sei das Problem, sondern ein Netzausbau, der dem Zubau nicht folge. Der Antrag fordert die Bundesregierung auf, stattdessen folgende Maßnahmen zu ergreifen:
- Überbauung von Netzanschlüssen, um die tatsächlich gleichzeitig anfallende Leistung zu reduzieren
- Abregelung am Einspeisepunkt statt an der Erzeugungsanlage
- Bundesweit standardisierte, flexible Netzanschlussvereinbarungen (Flexible Connection Agreements)
- Temporär verpflichtende Höherauslastung bestehender Netze
- Batteriespeicher-Turbo insbesondere in Netzengpassgebieten
- Beschleunigung von Digitalisierung und Flexibilisierung des Energiesystems
- Förderung dezentraler Energieparks als sogenannte Netzflex-Cluster
Hinter diesen Forderungen steht eine breite Allianz: Ein Verbändebündnis aus BUND, NABU, WWF, Bundesverband Solarwirtschaft und weiteren Organisationen hatte bereits am 13. Februar 2026 die geplanten Einschränkungen kritisiert und mehr Flexibilisierung im Energiesystem gefordert. Auch der Bundesverband Neue Energiewirtschaft (BNE) und Unternehmen wie die Salzgitter AG haben entsprechende Positionspapiere vorgelegt. Weitere energiepolitische Debatten sind unter BEG-Reform 2026: Vertrauensschutz und Folgenabschätzung im Fokus dokumentiert.
Gebotszonentrennung als dritte Forderung
Zusätzlich fordert Die Linke einen Gesetzentwurf zur Aufteilung der einheitlichen deutschen Stromgebotszone. Deutschland verfügt bislang als eines der wenigen großen EU-Länder nur über eine einzige Preiszone. Regionale Preissignale würden Investoren dazu anreizen, neue Erneuerbare-Anlagen bevorzugt dort zu errichten, wo tatsächlich Netzkapazität vorhanden ist. Die EU-Energieregulierungsbehörde ACER sowie die Expertenkommission zum Energiewende-Monitoring der Bundesregierung fordern diese Aufteilung dem Antrag zufolge ebenfalls.
Die Investitionsunsicherheit durch den Redispatch-Vorbehalt ist nach Einschätzung von Expertinnen und Experten aus Umweltverbänden und Forschungsinstituten besonders gravierend, weil sie die Bankfähigkeit von EE-Projekten in betroffenen Regionen grundsätzlich in Frage stellt. Wer zehn Jahre lang keine gesicherte Einspeisevergütung kalkulieren kann, erhält von Banken keine Projektfinanzierung. Vergleichbare Fragen zur digitalen Infrastruktur und Sicherheit im Energiesektor beleuchtet der Beitrag Cyberangriffe: 267 Mrd. Euro Schaden für deutsche Wirtschaft.
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Betroffen sind vor allem Betreiber und Investoren von Wind- und Solaranlagen in den rund 90 potenziell betroffenen Landkreisen. Durch wegfallende Entschädigungsansprüche wird die Bankfähigkeit neuer Erneuerbaren-Projekte in diesen Regionen gefährdet. Mittelbar sind auch Stromverbraucher betroffen, da stockender EE-Ausbau die Strompreise dauerhaft erhöht.
Der Antrag (BT-Drs. 21/7906) ist am 8. September 2026 eingebracht worden und wird zunächst an die zuständigen Ausschüsse überwiesen. Nach der Ausschussberatung entscheidet das Bundestags-Plenum über Annahme oder Ablehnung.
- Redispatch-Vorbehalt
- Geplante Regelung, die in überlasteten Netzgebieten den Vorrang neuer Erneuerbaren-Anlagen beim Netzanschluss aufhebt und Entschädigungen bei Zwangsabschaltungen aussetzt.
- Kapazitätslimitiertes Netzgebiet
- Vom Netzpaket neu definierter Begriff für Regionen, in denen die vorhandene Netzkapazität den weiteren Zubau erneuerbarer Erzeugungsanlagen ohne Engpassmaßnahmen nicht aufnehmen kann.
- Gebotszonentrennung
- Aufteilung der bislang einheitlichen deutschen Strompreiszone in mehrere Regionen, die regional unterschiedliche Preissignale erzeugt und Investitionen dorthin lenkt, wo Netzkapazität vorhanden ist.
Was ist der Redispatch-Vorbehalt?
Er soll in sogenannten kapazitätslimitierten Netzgebieten den Vorrang neuer Wind- und Solaranlagen beim Netzanschluss aufheben und Entschädigungen bei Abschaltungen für bis zu zehn Jahre aussetzen.
Wie viele Landkreise wären betroffen?
Laut einer von Green Planet Energy beauftragten Studie wären 90 von 400 Landkreisen und kreisfreien Städten als kapazitätslimitierte Netzgebiete eingestuft.
Was schlägt Die Linke stattdessen vor?
Die Fraktion fordert u. a. die Überbauung von Netzanschlüssen, einen Batteriespeicher-Turbo, flexible Netzanschlussvereinbarungen und eine Aufteilung der einheitlichen Stromgebotszone.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7906 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.

































































