- Große Nordkammer Brunsbüttel 2025 an 179,9 Tagen außer Betrieb
- Durchschnittlich 18 nautische Assistenten in Brunsbüttel pro Jahr
- Fernsteuerung aller Kammern aus Sicherheitsgründen abgelehnt
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6475 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Der Nord-Ostsee-Kanal (NOK) ist mit rund 25.000 Schiffsdurchfahrten pro Jahr eine der meistbefahrenen künstlichen Wasserstraßen weltweit. Die Schleusenanlagen in Brunsbüttel und Kiel-Holtenau sind kritische Infrastruktur für den Gütertransport zwischen Nord- und Ostsee. Störungen und Außerbetriebnahmen von Schleusenkammern führen zu Staus und wirtschaftlichen Verzögerungen für die Handelsschifffahrt. Derzeit befindet sich eine neue 5. Schleusenkammer in Brunsbüttel im Bau, die den Betrieb künftig entlasten soll.
- 18 nautische Assistenten/Jahr — durchschnittlicher Personalbestand im Schleusendienst Brunsbüttel (2021–2026)
- 179,9 Tage — Ausfall der Großen Nordkammer Brunsbüttel durch technische Defekte im Jahr 2025 (höchster Wert des betrachteten Zeitraums)
- 109,8 Tage — Ausfall der Großen Südkammer Brunsbüttel durch technische Defekte im Jahr 2024
- 58,7 Tage — Ausfälle bei den Kleinen Schleusen Brunsbüttel durch Personalmangel im Jahr 2025 (2021: 0 Tage)
- 15 nautische Assistenten/Jahr — durchschnittlicher Personalbestand im Schleusendienst Kiel-Holtenau (2021–2026)
Im Detail
Eine Fernbedienung für den gleichzeitigen Betrieb aller Kammern führt nicht zu einem geringeren Personalbedarf, da aufgrund Gezeitenwechsel, Wellenschlag, Risiken bei der gleichzeitigen Schleusung von Sportbooten mit der Berufsschifffahrt und der Unfallgefahr durch das Festmachen auf Fendern eine ständige Beobachtung des Verkehrs beim Schleusen erforderlich ist.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/6475, S. 2
Der Nord-Ostsee-Kanal — kurz NOK — ist als meistbefahrene Kanalwasserstraße der Welt ein zentrales Nadelöhr für den Güterverkehr zwischen Nord- und Ostsee. Wann immer eine Schleusenkammer in Brunsbüttel ausfällt, stauen sich Frachtschiffe auf der Elbe und im Binnenhafen. Die Bundesregierung hat am 11. Juni 2026 in der Drucksache 21/6475 detailliert Auskunft über Personalstand und Ausfallzeiten gegeben — und die Zahlen zeigen: Die Lage hat sich verschlechtert.
Schleusenstörungen am Nord-Ostsee-Kanal auf neuem Höchststand
Die Große Nordkammer in Brunsbüttel war im Jahr 2025 aufgrund technischer Defekte an insgesamt 179,9 Tagen außer Betrieb. Das entspricht fast der Hälfte des gesamten Jahres. Zum Vergleich: 2024 lag der Wert bei lediglich 4,8 Tagen. Auch die Große Südkammer verzeichnete 2024 mit 109,8 Ausgfalltagen einen Spitzenwert. Die häufigste Ursache für die Außerbetriebnahmen waren laut Bundesregierung durchgängig Reparatur- und Instandsetzungsarbeiten an Schleusen, Schleusentoren und Leitwerken. Technische Defekte, die beide großen Kammern gleichzeitig betrafen, gab es im gesamten Zeitraum 2021 bis 2025 nicht.
Bei den Kleinen Schleusen in Brunsbüttel zeichnet sich ein anderes Bild ab: Hier gab es laut Bundesregierung keine technisch bedingten Außerbetriebnahmen — stets stand mindestens eine kleine Kammer zur Verfügung. Allerdings stiegen die personalbedingten Ausfälle deutlich an: Während 2021 kein einziger Tag durch Personalmangel verloren ging, waren es 2025 bereits 58,7 Tage, in denen einzelne Schichten ausfielen.
Personalbestand am Nord-Ostsee-Kanal: Stabil, aber mit Fluktuation
Für die Bedienung der Schleusen in Brunsbüttel sind laut Drucksache im Durchschnitt 18 nautische Assistenten pro Jahr im Einsatz. Die Fluktuation blieb in den meisten Jahren moderat, stieg aber 2025 mit 3 Abgängen und 4 Zugängen leicht an. In Kiel-Holtenau sind es durchschnittlich 15 nautische Assistenten jährlich. Dort war die Fluktuation 2023 auffällig hoch: 6 Abgängen standen nur 2 Zugänge gegenüber.
Alle nautischen Assistenten können sowohl die kleinen als auch die großen Schleusen bedienen — eine formale Trennung nach Schleusengröße gibt es nicht. Theoretisch könnten die Beschäftigten aus Kiel-Holtenau auch in Brunsbüttel eingesetzt werden, doch dies geschah laut Bundesregierung in keinem einzigen Jahr des betrachteten Zeitraums.
Fernsteuerung der Schleusen: Keine Option laut Bundesregierung
Eine vollständige Fernbedienung aller Schleusenkammern von einem zentralen Stand aus lehnt die Bundesregierung ab. Die Begründung: Gezeitenwechsel, Wellenschlag und die gleichzeitige Schleusung von Sportbooten mit der Berufsschifffahrt erforderten eine ständige Beobachtung des Verkehrs vor Ort. Andernfalls könne die Sicherheit und Leichtigkeit der Schifffahrt nicht gewährleistet werden. Eine Personalersparnis durch Fernsteuerung sei daher nicht erreichbar.
Anders verhält es sich mit der neuen 5. Schleusenkammer in Brunsbüttel, die kameraüberwacht und fernbedient werden soll. Für deren Betrieb ist laut Bundesregierung keine Spezialausbildung notwendig — lediglich eine Einweisung in die neue Technik. Das Personal soll übergreifend für alle Schleusenkammern eingesetzt werden. Eine Statistik über gleichzeitige Ausfälle mehrerer Kammern führt die Bundeswasserstraßenverwaltung bisher nicht.
Die Anfrage war von den Abgeordneten Alexis L. Giersch, Wolfgang Wiehle, René Bochmann und weiteren Mitgliedern der AfD-Fraktion als BT-Drs. 21/6158 eingereicht worden. Hintergrund war aus Sicht der Fragesteller die Häufung von Schleusenkammerausfällen in Brunsbüttel und die damit verbundenen Wartezeiten für die Schifffahrt.
Weiterlesen:
Betroffen sind vor allem Reedereien, Frachtschiffe und Transportunternehmen, die den Nord-Ostsee-Kanal als Abkürzung zwischen Nord- und Ostsee nutzen. Auch Sportbootfahrer sowie der Binnenhafen Brunsbüttel sind von Schleusensperrungen betroffen. Indirekt wirken sich Verzögerungen auf Lieferketten und Hafenbetriebe in der Region aus.
Die Bundesregierung hat die Fragen weitgehend vollständig beantwortet. Lediglich bei Frage 19 zu gleichzeitigen Ausfällen einzelner Kammern verweist sie darauf, dass eine entsprechende Statistik nicht geführt wird.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. (Stand: 11.06.2026) AfD sorgt sich um Personalprobleme am Nord-Ostsee-Kanal →
- Nautischer Assistent
- Offizielle Berufsbezeichnung für die im Dokument auch als 'Schleusenmeister' bezeichneten Beschäftigten, die den Betrieb der Schleusenkammern am Nord-Ostsee-Kanal verantworten.
- Außerbetriebnahme
- Vorübergehende Schließung einer Schleusenkammer, z.B. für Wartungs- oder Reparaturarbeiten oder bei technischen Defekten.
- Leitwerk
- Bauwerk an Schleuseneinfahrten, das Schiffe beim Einfahren in die Schleusenkammer führt und vor Strömung schützt.
Wie viele Schleusenmeister gibt es am Nord-Ostsee-Kanal?
In Brunsbüttel sind durchschnittlich 18 nautische Assistenten pro Jahr im Einsatz, in Kiel-Holtenau sind es durchschnittlich 15. Alle können sowohl kleine als auch große Schleusen bedienen.
Warum gibt es keine Fernsteuerung für die Schleusen?
Laut Bundesregierung erfordert der Schleusenbetrieb aufgrund von Gezeitenwechsel, Wellenschlag und Sicherheitsrisiken beim gleichzeitigen Betrieb von Sportbooten und Berufsschifffahrt eine ständige Beobachtung vor Ort.
Braucht das Personal eine Sonderausbildung für die neue 5. Schleusenkammer?
Nein. Die 5. Schleusenkammer in Brunsbüttel wird kameraüberwacht und fernbedient. Es ist nur eine Einweisung in die neue Technik nötig, keine Spezialausbildung.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6475 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
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