- 127 Oberleitungsrisse im Bahnnetz im Jahr 2025 registriert
- 600 Fahrgäste saßen bei ICE-Havarie in Sachsen-Anhalt stundenlang fest
- Bundestag fragt nach Wartungsstand und Notfallreserven der DB
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6626 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Oberleitungsrisse gehören zu den häufigsten Störungsursachen im deutschen Schienennetz. Bereits in einer früheren Antwort der Bundesregierung auf BT-Drs. 21/5661 wurden erstmals konkrete Zahlen für 2024 und das erste Quartal 2026 veröffentlicht. Die DB InfraGO AG ist als Infrastrukturbetreiber für Wartung und Instandhaltung der rund 33.000 Kilometer Oberleitungen im Netz zuständig. Steigende Vorfallzahlen und spektakuläre Einzelereignisse mit hunderten gestrandeten Reisenden haben das Thema Infrastrukturqualität der Deutschen Bahn verstärkt in den Fokus parlamentarischer Kontrolle gerückt.
- 78 Vorfälle — Oberleitungsrisse im Schienennetz der DB im Jahr 2024
- 127 Vorfälle — Oberleitungsrisse im Jahr 2025 (+63 % gegenüber 2024)
- 26 Vorfälle — allein im ersten Quartal 2026 (Januar bis März)
- ca. 600 Fahrgäste — im ICE bei Zahna (Sachsen-Anhalt) am 11. April 2026 stundenlang festgesessen
- ca. 460 Passagiere — im ICE bei Bardowick am 1. Mai 2026 gestrandet, eine Person verletzt
Im Detail
„Am 11. April 2026 kam es auf der Bahnverbindung zwischen Berlin und Halle/Leipzig bei Zahna (Sachsen-Anhalt) zu einer Havarie auf der Strecke 6132. Eine Oberleitung beschädigte einen mit rund 600 Fahrgästen besetzten ICE.“
— Vorbemerkung der Fragesteller, BT-Drs. 21/6626
Oberleitungsrisse im deutschen Schienennetz häufen sich: Waren es 2024 noch 78 gemeldete Vorfälle, stieg die Zahl 2025 auf 127 Risse an Tragseilen und Fahrdrähten — ein Anstieg von rund 63 Prozent innerhalb eines Jahres. Im ersten Quartal 2026 lagen bereits wieder 26 Fälle vor. Diese Entwicklung bildet den Hintergrund für die Kleine Anfrage BT-Drs. 21/6626 der AfD-Fraktion, die am 24. Juni 2026 beim Deutschen Bundestag eingereicht wurde.
Oberleitungsrisse: Vorfälle mit hunderten Betroffenen
Die Anfrage listet mehrere schwerwiegende Vorfälle auf, bei denen Bahnreisende direkt betroffen waren. Am 11. April 2026 beschädigte eine gerissene Oberleitung auf der Strecke 6132 bei Zahna in Sachsen-Anhalt einen ICE mit rund 600 Fahrgästen. Ein Ersatz- oder Evakuierungszug konnte nicht kurzfristig eingesetzt werden; die Reisenden mussten stundenlang unter schwierigen Bedingungen im Zug ausharren, zwei Personen wurden verletzt. Wenige Wochen später, am 1. Mai 2026, prallte ein ICE auf dem Weg von Hamburg nach München bei Bardowick auf der Strecke 1720 gegen eine gerissene Oberleitung. Rund 460 Passagiere saßen fest, die Evakuierung konnte erst in den Abendstunden abgeschlossen werden — eine Person wurde in ein Krankenhaus gebracht.
Bereits zuvor hatten Vorfälle überregionale Auswirkungen: Am 31. März 2026 führte ein Oberleitungsausfall auf der Strecke Hamburg–Hannover zur vollständigen Sperrung der Strecke 1720. Da diese Strecke gleichzeitig als Umleitungsstrecke für die gesperrte Hamburg-Berlin-Verbindung diente, waren auch internationale Zugverbindungen in europäische Nachbarländer unterbrochen.
Was gilt aktuell?
Für den Betrieb und die Instandhaltung der Oberleitungen ist die DB InfraGO AG zuständig, die seit 2024 das Schienennetz der Deutschen Bahn bewirtschaftet. Die Aufsicht obliegt dem Eisenbahnbundesamt (EBA). Bei einem Oberleitungsriss können elektrisch betriebene Züge nicht mehr weiterfahren; für die Evakuierung oder den Abschleppbetrieb werden Diesellokomotiven benötigt, die an strategischen Punkten im Netz vorgehalten werden sollen. Die Anfrage thematisiert konkret, ob für die wichtige Strecke 6132 im Bahnbetriebswerk der Lutherstadt Wittenberg überhaupt eine Diesellokomotive für Notfälle vorgehalten wird — was den Fragestellern zufolge nicht der Fall sein soll.
Zehn Fragen zu Wartung, Sicherheit und Krisenmanagement
Die Anfrage stellt insgesamt zehn Fragen an die Bundesregierung. Neben der Gesamtzahl der Oberleitungsrisse von Januar bis Mai 2026 (Frage 1) erkundigt sie sich danach, ob die Bundespolizei Erkenntnisse über straftatbedingte Ursachen einzelner Vorfälle hat (Frage 2). Weitere Fragen betreffen die Verfügbarkeit von Ersatzzügen und die Reaktionszeiten nach einer Havarie (Frage 3), die Einhaltung der DB-eigenen Notfallvorschriften (Frage 4) sowie den konkreten Standort von Notfall-Diesellokomotiven auf den betroffenen Strecken 1720, 6132 und 6363 (Frage 5). Frage 7 zielt auf den grundsätzlichen Schutz von Fahrgästen vor elektrischen Stromschlägen beim Kontakt mit einer gerissenen Oberleitung ab. Die Fragen 8 und 9 thematisieren den Umfang von Instandhaltungsmaßnahmen zwischen 2020 und 2025 sowie geplante Maßnahmen zur Verbesserung der Zuverlässigkeit. Abschließend fragt die Anfrage nach den konkreten Ursachen der in der Vorbemerkung genannten Einzelvorfälle (Frage 10).
Die steigende Zahl der Oberleitungsrisse steht im Kontext der allgemeinen Debatte über den Sanierungsstau im deutschen Schienennetz. Die Deutsche Bahn hat in den vergangenen Jahren umfangreiche Generalsanierungen einzelner Hochlastkorridore angekündigt — die Kapazitätsengpässe auf Umleitungsstrecken führen jedoch dazu, dass Störungen wie Oberleitungsschäden auf einem Korridor schnell das gesamte Netz belasten. Fragen zur Finanzierung kritischer Infrastruktur stellen sich dabei nicht nur im Gesundheitswesen.
Die Bundesregierung hat nun 21 Tage Zeit, die zehn Fragen schriftlich zu beantworten. Die Antwortfrist läuft bis zum 15. Juli 2026.
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Betroffen sind alle Reisenden im deutschen Fernverkehr, Regionalverkehr und S-Bahn-Betrieb auf elektrifizierten Strecken. Besonders betroffen sind Pendler und Fernreisende auf stark frequentierten Achsen wie Hamburg–Hannover–Berlin und Leipzig–Dresden sowie Güterverkehrsunternehmen, die internationale Verbindungen nutzen.
Die Kleine Anfrage wurde am 24. Juni 2026 beim Deutschen Bundestag eingereicht. Die Bundesregierung hat gemäß parlamentarischer Geschäftsordnung 21 Tage Zeit für eine schriftliche Antwort; die Frist läuft bis zum 15. Juli 2026. Eine Antwort der Bundesregierung liegt noch nicht vor.
- DB InfraGO AG
- Die DB InfraGO AG ist eine Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn AG und seit 2024 für den Betrieb und die Instandhaltung des deutschen Schienennetzes zuständig.
- Oberleitung
- Elektrische Freileitung über dem Gleis, die Zügen den Fahrstrom liefert. Sie besteht aus Fahrdraht und Tragseil; ein Riss legt den Betrieb auf der betroffenen Strecke lahm.
- Eisenbahnbundesamt (EBA)
- Bundesbehörde, die als Aufsichtsbehörde für die Sicherheit im deutschen Eisenbahnverkehr zuständig ist und Infrastrukturzulassungen sowie Sicherheitsüberwachung verantwortet.
Wie viele Oberleitungsrisse gab es bei der Deutschen Bahn?
Laut der Kleinen Anfrage wurden 2024 insgesamt 78 Vorfälle registriert, 2025 stieg die Zahl auf 127 Vorfälle. Im ersten Quartal 2026 lagen bereits 26 Fälle vor.
Was passiert, wenn eine Oberleitung reißt?
Elektrisch betriebene Züge können ohne Oberleitungsstrom nicht weiterfahren. Fahrgäste müssen teils stundenlang im Zug ausharren oder evakuiert werden, bis Diesellokomotiven oder Ersatzzüge bereitgestellt werden können.
Wann muss die Bundesregierung die Anfrage beantworten?
Die gesetzliche Antwortfrist für Kleine Anfragen beträgt 21 Tage ab Einreichung. Die Anfrage wurde am 24. Juni 2026 eingereicht, die Frist läuft bis zum 15. Juli 2026.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6626 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.































































