- 90 km Gleiserneuerung und 8 neue Stellwerke auf RE1-Strecke geplant
- Streckenauslastung liegt bei 110 bis 125 Prozent der Nennleistung
- Zu Fahrgastverlusten und wirtschaftlichen Folgen hat die Bundesregierung keine Daten
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6983 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Der Regionalexpress 1 (RE1) verbindet Berlin mit Frankfurt (Oder) und ist eine der meistgenutzten Nahverkehrsverbindungen in Brandenburg. Laut DB AG liegt die mittlere Auslastung auf dem betroffenen Abschnitt zwischen 110 und 125 Prozent der Nennleistung – die Strecke ist damit strukturell überlastet. Eine erste Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke zum gleichen Thema wurde unter BT-Drs. 21/5352 beantwortet; die vorliegende Drucksache 21/6983 vom 8. Juli 2026 ist eine Folgeanfrage mit 31 Detailfragen. Die Strecke zählt nach Auskunft der DB AG zwar zum Hochleistungsnetz, ist aber aufgrund des Anlagenzustands und des laufenden Ausbauprojekts nicht Teil der sogenannten Korridorsanierungen, bei denen der Bund die Ersatzverkehrskosten mitträgt.
- ca. 90 km — geplante Gleiserneuerung auf der RE1-Strecke im Zeitraum Januar bis September 2029
- 110 km — Länge der neu zu verlegenden Oberleitung inklusive neuer Masten
- 110–125 % — mittlere Auslastung der Strecke bezogen auf die Nennleistung (Zugzahl bei optimaler Betriebsqualität)
- 212 — Instandhaltungscontainer auf dem Abschnitt seit 2022; davon 136 (64 %) tatsächlich genutzt
- 8 — neue Stellwerke, die im Rahmen der Sperrung errichtet werden sollen
Im Detail
Nach Angaben der DB AG liegt die mittlere Auslastung im maßgeblichen Abschnitt, bezogen auf die Nennleistung (Zugzahl bei optimaler Betriebsqualität), zwischen 110 und 125 Prozent.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/6983, Antwort zu Frage 11
Die Bahnstrecke zwischen Berlin und Frankfurt (Oder) steht vor einem massiven Sanierungseingriff: Ab Januar 2029 plant die Deutsche Bahn AG (DB AG) eine weitreichende Vollsperrung auf dem Abschnitt der RE1-Strecke, um jahrzehntelang aufgeschobene Infrastrukturarbeiten zu bündeln. Die Bundesregierung hat dazu am 8. Juli 2026 eine detaillierte Antwort auf die Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke (BT-Drs. 21/6481) vorgelegt (BT-Drs. 21/6983).
RE1-Vollsperrung 2029: Was die Bahn konkret plant
Laut Angaben der DB AG sind für den Zeitraum Januar bis September 2029 folgende Maßnahmen vorgesehen: rund 90 km Gleiserneuerung, ca. 50 neue Weichen, acht neue Stellwerke, 110 km neue Oberleitung inklusive neuer Masten, sechs Bahnübergangs-Erneuerungen sowie die Verlängerung von zwei Bahnsteigen in Briesen auf 210 Meter. Hinzu kommen eine neue Personenüberführung in Hangelsberg, eine neue Brücke im Bereich der A10, die Erweiterung von drei Gleisen auf 740 Meter Länge in Frankfurt (Oder) sowie die ETCS-Ausrüstung des Abschnitts von Erkner bis Kunowice in Polen. Der Schwerpunkt der Arbeiten liegt auf dem Streckenabschnitt zwischen Hangelsberg und Frankfurt (Oder); zwischen Erkner und Hangelsberg sind lediglich Einzelmaßnahmen mit geringeren Auswirkungen geplant.
Die Vollsperrung ist technisch nicht vollständig vermeidbar: Bestimmte Arbeiten an Weichenverbindungen und der Leit- und Sicherungstechnik lassen sich laut DB AG aus arbeitsschutzrechtlichen Gründen nicht unter eingleisiger Betriebsführung durchführen. Zudem spreche die angestrebte Baueffizienz für eine Vollsperrung.
Was gilt aktuell auf der RE1-Strecke?
Die Strecke Berlin–Frankfurt (Oder) zählt nach Auskunft der DB AG zum Hochleistungsnetz – ist aber nicht Teil der sogenannten Korridorsanierungen, bei denen der Bund die Ersatzverkehrskosten anteilig mitträgt. Die mittlere Auslastung liegt laut DB AG zwischen 110 und 125 Prozent der Nennleistung: Die Strecke ist damit strukturell überlastet. Von 212 eingeplanten Instandhaltungscontainern seit 2022 wurden bisher 136 (64 Prozent) tatsächlich für Wartungsarbeiten genutzt; im Jahr 2026 liegt die Quote bisher bei 72 Prozent.
Offene Fragen: Pendler ohne klares Ersatzkonzept
Auf mehrere zentrale Fragen zur RE1-Vollsperrung konnte die Bundesregierung keine Auskunft geben. Zu erwarteten Fahrgastverlusten, den wirtschaftlichen Folgen für Ostbrandenburg sowie zur konkreten Anbindung von Frankfurt (Oder) und Fürstenwalde/Spree an Berlin während der Sperrung liegen der Bundesregierung nach eigenen Angaben keine Kenntnisse vor. Das Sperrpausenkonzept für 2029 befindet sich noch in der Abstimmung; Öffentlichkeit und Fahrgastverbände sollen erst nach Abschluss der offiziellen Marktkonsultation informiert werden.
Für den Busersatzverkehr gilt: Die Kosten trägt regulär das jeweilige Eisenbahnverkehrsunternehmen – ein kostenaufteilender Mechanismus wie bei den Korridorsanierungen (§ 11c BSWAG) greift hier nicht. Eine Taktverdichtung der parallel fahrenden RB36 als Ausweichstrecke ist nicht möglich, da die vorhandene Infrastruktur dafür nicht ausgelegt ist. Die Ostbahn ist mit dem aktuellen Zugprogramm bereits ausgelastet; Umleitungen sind nur möglich, wenn Züge dort durch Busse ersetzt werden.
Internationale Verbindung nach Polen betroffen
Die RE1-Vollsperrung betrifft auch den internationalen Zugverkehr Richtung Polen. Die DB AG hat die geplante Sperrung erstmals im Oktober 2025 gegenüber dem polnischen Infrastrukturunternehmen PKP Polskie Linie Kolejowe bekannt gegeben; im März 2026 wurde auch das polnische Infrastrukturministerium informiert. Für den Güterverkehr sind Umleitungen über Cottbus oder den Grenzübergang Horka vorgesehen. Die Abstimmung mit den Straßenbaulastträgern für die parallel verlaufende Autobahn A12 steht nach Angaben der DB AG noch aus – eine abgestimmte Planung, die sicherstellt, dass wenigstens eine der beiden Verbindungen immer vollständig nutzbar ist, fehlt damit bislang.
Die Gesamtkosten der Maßnahmen können laut DB InfraGO AG derzeit noch nicht beziffert werden, da Umfang und Sperrkonzept noch in Prüfung sind. Ein wesentlicher Kostenteil wird auf die Erneuerung der Leit- und Sicherungstechnik (ETCS) entfallen. Im Bereich des Bahnhofs Fangschleuse – nahe dem Tesla-Industriegebiet Freienbrink Nord – soll der neue Güter- und Personenbahnhof bereits bis Ende 2026 vollständig in Betrieb gehen.
Für Fragen rund um die Bahninfrastruktur und Energieversorgung im Schienenbereich bietet auch der Beitrag Energiewende-Monitoring: 10 Fragen zum Umsetzungsstand ergänzende Einblicke in den Stand bundespolitischer Infrastrukturthemen. Zur Frage der Infrastrukturfinanzierung in ländlichen Regionen ist zudem der Beitrag Heimat lebenswert und zukunftsfähig gestalten lesenswert.
Weiterlesen:
- Energiewende-Monitoring: 10 Fragen zum Umsetzungsstand
- Heimat lebenswert und zukunftsfähig gestalten
- Energyfish: Strom aus Fließgewässern auf dem Prüfstand
Betroffen sind in erster Linie Berufspendlerinnen und -pendler sowie Schülerinnen, Schüler und Studierende in Ostbrandenburg, die täglich den RE1 zwischen Berlin und Frankfurt (Oder) nutzen. Darüber hinaus sind Güterbahnunternehmen betroffen, da die Strecke auch eine wichtige Güterverkehrsachse in Richtung Polen darstellt. Städte wie Frankfurt (Oder), Fürstenwalde/Spree und weitere Kommunen entlang der Strecke sind auf die Bahnanbindung an Berlin angewiesen.
Zu mehreren relevanten Fragen – darunter Fahrgastverluste (Frage 8), wirtschaftliche Folgen für Ostbrandenburg (Frage 9), Anbindung von Frankfurt (Oder) und Fürstenwalde während der Sperrung (Frage 20) sowie Gesamtkosten (Frage 23) – verweist die Bundesregierung darauf, dass ihr keine Kenntnisse vorliegen oder die Planung noch nicht abgeschlossen ist. Bei Frage 25 (Abstimmung zwischen Bund und Ländern) erklärt die Bundesregierung, nicht beteiligt zu sein.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. RE1-Vollsperrung 2029: Pendler zwischen Berlin und Frankfurt droht Verkehrskollaps →
- ETCS
- European Train Control System – europäisches einheitliches Zugsicherungssystem, das eine grenzüberschreitende Zugsteuerung ermöglicht.
- Korridorsanierung
- Vom Bund gefördertes Programm zur Generalsanierung hochbelasteter Bahnstrecken mit koordinierten Vollsperrungen, bei dem der Bund die Ersatzverkehrskosten mitfinanziert.
- Instandhaltungscontainer
- Planmäßig reservierte Zeitfenster auf einer Bahnstrecke, in denen Wartungsarbeiten durchgeführt werden können, ohne den regulären Betrieb vollständig einzustellen.
Welche Baumaßnahmen sind auf der RE1-Strecke ab 2029 geplant?
Laut DB AG sind unter anderem ca. 90 km Gleiserneuerung, ca. 50 neue Weichen, acht neue Stellwerke, 110 km neue Oberleitung sowie ETCS-Ausrüstung von Erkner bis Kunowice (Polen) vorgesehen.
Wer zahlt den Busersatzverkehr bei der RE1-Vollsperrung?
Die Kosten für den Schienenersatzverkehr trägt regulär das jeweilige Eisenbahnverkehrsunternehmen; zusätzliche Regelungen können im Verkehrsvertrag mit dem Aufgabenträger getroffen werden.
Ist die Ostbahn als Umleitungsstrecke nutzbar?
Nein. Laut DB AG ist die Ostbahn mit dem aktuellen Zugprogramm im Schienenpersonennahverkehr bereits ausgelastet. Umleitungen sind nur möglich, wenn Züge dort durch Busse ersetzt werden.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6983 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.





































































