- Über 70 rechtsextreme Kundgebungen im zweiten Halbjahr 2025 dokumentiert
- Größte Veranstaltung: 800 Teilnehmer am 3. Oktober in Altenburg (Thüringen)
- Sachsen war mit Abstand das aktivste Bundesland, dominiert von Freie Sachsen
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6919 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Das Bundesamt für Verfassungsschutz beobachtet und dokumentiert rechtsextreme Versammlungen als Teil seiner gesetzlichen Aufgaben. Die Fraktion Die Linke stellte die Kleine Anfrage (BT-Drs. 21/6604) mit dem Ziel, einen systematischen Überblick über rechtsextreme Aufmärsche im zweiten Halbjahr 2025 zu erhalten, einschließlich der beteiligten Organisationen, der Teilnehmerzahlen und möglicher Straftaten. Die Antwort des Bundesministeriums des Innern vom 6. Juli 2026 enthält eine sechsseitige Tabelle mit Daten des Verfassungsschutzes.
- 800 Teilnehmer — größte rechtsextreme Kundgebung des Halbjahres am 3. Oktober 2025 in Altenburg (Die Heimat, Motto: ‚Tag der Deutschen Einheit‘)
- 550 Teilnehmer — Veranstaltung von Urbs Turrium am 10. August 2025 in Bautzen (Neonazismus, Motto: ‚Mann und Frau — Das wahre Fundament des Lebens!‘)
- 350 Teilnehmer — Kundgebung der Freien Sachsen am 8. Juli 2025 in Dresden (Motto: ‚Remigration JETZT!‘)
- 300 Teilnehmer — Junge Nationalisten am 12. Juli 2025 in Apolda (Thüringen) sowie Freie Sachsen am 14. November 2025 in Dresden
- 6 Seiten Tabelle — Umfang der Anlage des Verfassungsschutzes mit Datum, Land, Ort, Veranstalter, Zuordnung, Motto und Teilnehmerzahl für jede Veranstaltung
Im Detail
Dem Bundesamt für Verfassungsschutz sind im zweiten Halbjahr 2025 die in der Anlage tabellarisch aufgelisteten, von Rechtsextremisten durchgeführten oder von Rechtsextremisten dominierten Kundgebungen bekannt geworden.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/6919, S. 2
Im zweiten Halbjahr 2025 haben rechtsextreme Gruppen in Deutschland weit über 70 Kundgebungen, Mahnwachen und Aufmärsche durchgeführt — das geht aus einer Tabelle des Bundesamts für Verfassungsschutz hervor, die das Bundesministerium des Innern am 6. Juli 2026 als Antwort auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke vorgelegt hat (BT-Drs. 21/6919). Erfasst wurden ausschließlich Veranstaltungen mit überregionaler oder nennenswerter Teilnehmermobilisierung; lokale Kleinstveranstaltungen wie Informationsstände oder Flugblattverteilungen blieben unberücksichtigt.
Rechtsextreme Aufmärsche: Sachsen als geografischer Schwerpunkt
Sachsen ist das Bundesland mit der mit Abstand höchsten Dichte erfasster Veranstaltungen. Die Partei Freie Sachsen organisierte dort über das gesamte Halbjahr hinweg wiederkehrende Kundgebungen, darunter eine wöchentliche Reihe unter dem Motto „Zwickau Stadt des Friedens“ sowie Veranstaltungen in Chemnitz, Dresden, Freital, Hartha und weiteren Orten. Daneben traten in Sachsen auch neonazistische Gruppen wie Urbs Turrium auf, die am 10. August 2025 in Bautzen rund 550 Personen mobilisierten.
Weitere Schwerpunkte lagen in Berlin (Deutsche Jugend Voran, Die Heimat), Nordrhein-Westfalen (Die Heimat in Münster und Essen), Brandenburg (Cottbus, Falkensee) sowie Thüringen. Die größte Einzelveranstaltung des Halbjahres fand am 3. Oktober 2025 in Altenburg statt: Die Partei Die Heimat mobilisierte dort rund 800 Teilnehmer unter dem Motto „Tag der Deutschen Einheit“.
Welche Organisationen sind beteiligt?
Laut der Verfassungsschutztabelle lassen sich die Veranstalter zwei Kategorien zuordnen: einerseits Parteien wie Die Heimat (vormals NPD), Freie Sachsen und Der III. Weg einschließlich ihrer Jugendorganisationen (Junge Nationalisten, Deutsche Jugend Voran); andererseits neonazistische Gruppen und Kameradschaften ohne Parteistruktur, etwa die Kameradschaft Rheinhessen, Urbs Turrium, Gorelic Resista und die Aryan People’s Resistance. Zu Fragen nach einer Beteiligung der AfD an den erfassten Aufmärschen liefert die Tabelle keine Einträge, die eine solche Zuordnung ausweisen.
Themen und Motive der Kundgebungen
Inhaltlich richten sich viele Kundgebungen gegen Geflüchtete und Migration — Remigrationsforderungen tauchen in zahlreichen Mottos auf. Ein weiterer Schwerpunkt sind gezielte Gegenveranstaltungen zu Christopher-Street-Day-Paraden und queeren Ereignissen, die in mehreren Städten regelmäßig mobilisierten. Daneben finden sich Veranstaltungen zu jährlich wiederkehrenden Daten, etwa zum 1. September als Antikriegstag oder zum 3. Oktober. Die Freien Sachsen nutzten zudem lokale Konflikte wie Pläne für Geflüchtetenunterkünfte in Hartha als Mobilisierungsanlässe.
Einschränkungen der Daten
Die Bundesregierung weist darauf hin, dass die in der Tabelle angegebene Gesamtteilnehmerzahl nicht identisch mit der Zahl teilnehmender Rechtsextremisten ist — bei größeren Veranstaltungen kann der Anteil von Nicht-Rechtsextremisten in der Gesamtzahl enthalten sein. Bei einer Reihe von Veranstaltungen fehlen Teilnehmerzahlen vollständig (in der Tabelle als „n.b.“ vermerkt). Zu den Fragen nach Straftaten im Zusammenhang mit den Aufmärschen (Frage 7) und Nachmeldungen für das erste Halbjahr 2025 (Frage 8) verwies die Bundesregierung auf die Antwort zu einer früheren Kleinen Anfrage (BT-Drs. 16/9268), ohne neue spezifische Informationen zu liefern.
Die Drucksache steht im Kontext einer kontinuierlichen parlamentarischen Beobachtung rechtsextremer Versammlungsaktivitäten. Ähnliche Anfragen zu früheren Halbjahren zeigen, dass die Fraktion Die Linke dieses Thema regelmäßig parlamentarisch verfolgt. Aktuelle Berichte zu weiteren Sicherheits- und Innenpolitikthemen finden sich in der Übersicht der wichtigsten Drucksachen vom 19. Juli 2026. Zur Frage der Pflegedatenlagen als weiteres Beispiel für Transparenzdefizite bei Behördendaten lohnt sich ein Blick auf den Beitrag Bundesregierung reformiert die Pflege im Blindflug.
Weiterlesen:
- Bundestag 19.07.2026: Die wichtigsten Drucksachen
- Das bewegt Deutschland — 19.07.2026
- Bundesregierung reformiert die Pflege im Blindflug
Von rechtsextremen Aufmärschen sind laut Drucksache insbesondere Migrantinnen und Migranten, queere Menschen sowie politisch andersdenkende Personen betroffen, die als Feindbilder der mobilisierten Gruppen benannt werden. Besonders in Sachsen und Thüringen finden solche Veranstaltungen regelmäßig statt; Anwohner in betroffenen Städten wie Zwickau, Dresden und Chemnitz werden wiederholt mit rechtsextremen Demonstrationszügen konfrontiert.
Die Fragen 1 bis 6 wurden gebündelt mit einer tabellarischen Anlage des Verfassungsschutzes beantwortet. Zu den Fragen 7 (Straftaten bei Aufmärschen) und 8 (Nachmeldungen für das erste Halbjahr 2025) verweist die Bundesregierung pauschal auf eine frühere Antwort zu BT-Drs. 16/9268, ohne neue konkrete Informationen zu liefern — das entspricht einem teilweisen Ausweichen.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Rechtsextreme Aufmärsche: Linke fragt nach Daten aus zweitem Halbjahr 2025 →
- Raumaneignung
- Strategie rechtsextremer Gruppen, durch wiederholte Präsenz an bestimmten Orten diese als eigene Territorien zu markieren und politisch zu besetzen.
- Freie Sachsen
- Vom Verfassungsschutz beobachtete rechtsextreme Partei, die vor allem in Sachsen aktiv ist und deren Veranstaltungen in der Tabelle am häufigsten vertreten sind.
- Überregionale Mobilisierung
- Kriterium des Verfassungsschutzes für die Aufnahme in die Tabelle: nur Veranstaltungen, die Teilnehmer über die unmittelbare Region hinaus anziehen, werden erfasst.
Welche Gruppe war 2025 am aktivsten bei rechtsextremen Aufmärschen?
Die Partei Freie Sachsen organisierte mit Abstand die meisten Kundgebungen, fast ausschließlich in Sachsen, darunter eine wöchentlich wiederkehrende Veranstaltungsreihe unter dem Motto 'Zwickau Stadt des Friedens'.
Was war die größte rechtsextreme Veranstaltung im zweiten Halbjahr 2025?
Laut Verfassungsschutztabelle war es eine Kundgebung der Partei Die Heimat am 3. Oktober 2025 in Altenburg (Thüringen) mit rund 800 Teilnehmern unter dem Motto 'Tag der Deutschen Einheit'.
Welche Bundesländer waren am stärksten betroffen?
Sachsen war mit deutlichem Abstand das Bundesland mit den meisten erfassten Veranstaltungen. Weitere Schwerpunkte lagen in Berlin, Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Thüringen.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6919 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.





































































