- 136 rechtsextreme CSD-Störaktionen in Deutschland im Jahr 2025
- Junge Nationalisten wuchsen 2024–2025 von 300 auf 400 Mitglieder
- Rekrutierung läuft hauptsächlich über TikTok und Instagram
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7192 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die Bundesregierung hatte bereits in Antworten auf frühere Kleine Anfragen (BT-Drs. 21/1990) rechtsextreme Jugendgruppen als gewaltorientiert und als Rekrutierungspool für etablierte rechtsextremistische Strukturen beschrieben. Am 6. Mai 2026 führten Behörden bundesweite Großrazzien gegen die Jugendgruppen Deutsche Jugend Voran (DJV) und Jung und Stark (JS) durch. Die Partei Die Heimat ist die ehemalige NPD, die sich 2023 umbenannt hat. Ihr Personenpotenzial und das ihrer Jugendorganisation JN wird vom Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) beobachtet.
- 2.600 — Personenpotenzial der Partei Die Heimat im Jahr 2025 (2020: 3.500)
- 400 — Mitglieder der Jungen Nationalisten 2025 (2020: 280; deutlicher Anstieg seit 2023)
- 136 — öffentliche Aktionen rechtsextremer Gruppen gegen CSD-Veranstaltungen im Jahr 2025 (2024: 74)
- ca. 20 — aktive Stützpunkte der JN bundesweit laut BfV (Stand Juli 2026)
- 17.400 — Instagram-Follower des Heimat-Hauptkanals (Stand Juni 2026)
Im Detail
Es ist festzustellen, dass sich sowohl im virtuellen Raum als auch realweltlich zunehmend junge, vornehmlich männliche Personen vermehrt radikalisieren, vernetzen und eine zum Teil hervorstechende Gewaltorientierung entwickeln.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7192, Frage 1
Rechtsextreme Jugendgruppen stören CSD-Veranstaltungen in wachsender Zahl, rekrutieren Minderjährige über TikTok und Instagram und versorgen etablierte rechtsextremistische Strukturen wie die Jungen Nationalisten (JN) mit frischem Nachwuchs. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Grünen-Fraktion hervor, die am 16. Juli 2026 als BT-Drs. 21/7192 veröffentlicht wurde. Die Zahlen zeigen: 2025 wurden 136 öffentliche Aktionen rechtsextremer Gruppen gegen CSD-Veranstaltungen registriert — gegenüber 74 im Jahr 2024 eine Steigerung um fast 84 Prozent.
Junge Nationalisten: Starkes Wachstum durch neue Jugendgruppen
Die Jungen Nationalisten (JN), Jugendorganisation der Partei Die Heimat (ehemals NPD), verzeichneten zwischen 2024 und 2025 einen besonders deutlichen Zuwachs: von 300 auf 400 Mitglieder. Die Bundesregierung führt diesen Anstieg ausdrücklich auf den Zulauf aus neu gegründeten rechtsextremen Jugendgruppen zurück, die über soziale Medien mobilisieren und jüngere Menschen in die rechtsextremistische Szene einführen. Damit setzen die JN einen Trend fort, der sich seit 2024 abzeichnet — vor dem Sommer 2024 war laut Bundesregierung eine Entwicklung hin zu gefestigteren bundesweiten Personenzusammenschlüssen noch nicht feststellbar. Der Instagram-Kanal der Partei Die Heimat erreicht Stand Juni 2026 rund 17.400 Follower, der Telegram-Kanal der JN ca. 13.300 Abonnenten.
Rekrutierung über TikTok und Instagram
Der zentrale Kanal für die Gewinnung neuer Mitglieder sind soziale Medien. Laut Drucksache 21/7192 sprechen rechtsextremistische Akteure Jugendliche gezielt über alterstypische Bedürfnisse wie Zugehörigkeit und Identität an, während ideologische Inhalte anfangs bewusst subtil gehalten werden. TikTok und Instagram ermöglichen dabei eine erhebliche Reichweite. Störaktionen gegen CSD-Veranstaltungen werden systematisch dokumentiert, als Video- und Bildmaterial verbreitet und dienen der fortlaufenden Rekrutierung. Für die Sicherheitspolitik stellt dieses Muster eine neuartige Herausforderung dar, da die Grenzen zwischen Online-Radikalisierung und physischen Aktionen fließend sind.
Bundesweite Razzien und laufende Ermittlungen
Am 6. Mai 2026 führten Behörden bundesweite Großrazzien gegen die Jugendgruppen Deutsche Jugend Voran (DJV) und Jung und Stark (JS) durch. Zu den dabei sichergestellten Gegenständen — insbesondere Waffen und Explosivstoffe — verweigerte die Bundesregierung in BT-Drs. 21/7192 jede Auskunft mit Verweis auf laufende Ermittlungen. Konkrete Angaben würden Rückschlüsse auf Ansätze und Zielrichtungen der Ermittlungen zulassen. Einige frühere Mitglieder der Gruppen Sächsische Separatisten und Letzte Verteidigungswelle wurden bereits festgenommen und wegen teils schwerer Straftaten verfolgt.
Was gilt aktuell?
Die Partei Die Heimat, die 2023 aus der NPD hervorging, genießt als eingetragene Partei das verfassungsrechtliche Parteienprivileg, das sie vor vereins- und versammlungsrechtlichen Exekutivmaßnahmen schützt. Laut Bundesregierung nutzen rechtsextremistische Akteure diesen Schutzstatus strategisch. Die Bundesregierung bestätigt, dass in der Bundeszentrale der Partei in Berlin eine Rechtsschulung für Mitglieder der DJV stattfand. Einzelne Treffen der DJV wurden in der Heimat-Parteizentrale in Berlin abgehalten. Die Parteizentrale in Berlin-Köpenick soll Medienberichten zufolge verkauft werden; Erkenntnisse über eine strategische geografische Verschiebung der Aktivitäten lagen der Bundesregierung zum Zeitpunkt der Antwort nicht vor.
Für das Schulumfeld liegen konkrete Erkenntnisse vor: Die Generation Deutschland Sachsen, Jugendorganisation der AfD (Verdachtsfall), führte im Mai 2026 Infostände im räumlichen Umfeld von Schulen durch und rief Schüler über ein Gewinnspiel dazu auf, Infomaterial in der eigenen Schule auszulegen. Personelle Überschneidungen zwischen JN/Die Heimat und der AfD bzw. Generation Deutschland bestätigt die Bundesregierung als punktuell vorhanden. Die StGB-Reform-Debatten des Bundestages rund um politisch motivierte Gewalt berühren den gleichen Themenkreis.
Kampfsport wird laut Bundesregierung strategisch zur Rekrutierung genutzt. Die JN veranstalteten zuletzt im April 2025 einen Sporttag mit Kampfsporttraining in Niedersachsen und im Januar 2026 in Sachsen-Anhalt ein Treffen unter dem Motto „Kampfsport statt Drogen“, gemeinsam mit Aktivisten der Gruppe Kampf der Nibelungen (KdN). Fragen zu genauen Mitgliederzahlen und Altersstrukturen beantworte die Bundesregierung unter Verweis auf unzumutbaren Aufwand nicht vollständig — die händische Suche würde laut eigener Schätzung mehrere Sachbearbeiter für Wochen in Anspruch nehmen.
Die Drucksache 21/7192 ist die Antwort auf die ursprüngliche Anfrage BT-Drs. 21/6639. Verwandte Themen wie der rechtliche Umgang mit schweren Straftaten und das parlamentarische Fragerecht gegenüber der Bundesregierung sind in weiteren Drucksachen dokumentiert.
Weiterlesen:
- Parteitage schützen: AfD will § 108g StGB und DemWiG 2026
- StGB-Reform: Strafverschärfung für Wiederholungstäter geplant
- Parlamentarisches Fragerecht bei Treuhandverwaltung
Unmittelbar betroffen sind queere Menschen, Migrantinnen und Migranten sowie linke Personen, gegen die sich rechtsextreme Jugendgruppen bei CSD-Veranstaltungen und im Alltag richten. Mittelbar betroffen ist die Gesamtgesellschaft durch die zunehmende Vernetzung gewaltorientierter junger Männer, die über Plattformen wie TikTok und Instagram rekrutiert werden.
Die Bundesregierung hat Frage 22 (Waffenerlaubnisse für Mitglieder) vollständig verweigert und dies mit überwiegenden Staatswohl-Belangen begründet; Fragen 11, 17 und 18 wurden wegen unzumutbarem Arbeitsaufwand nur teilweise beantwortet. Frage 23 zu Ergebnissen der Razzien vom 6. Mai 2026 wurde wegen laufender Ermittlungen verweigert.
AfD: Zum Anschlag auf den Berliner CSD (26. Juli 2026) erklärte Martin Hess, der Fall offenbare das sicherheitspolitische Totalversagen der Regierenden. Pressemitteilung lesen →
Die Linke: Ates Gürpinar betonte nach dem Berliner CSD-Anschlag, Hass dürfe niemals siegen, und sprach von tiefer Trauer über die Opfer. Pressemitteilung lesen →
Bündnis 90/Die Grünen: Britta Haßelmann und Katharina Dröge bezeichneten den CSD-Anschlag als entsetzliche Terrortat gegen queeres Leben und forderten konsequente Strafverfolgung. Pressemitteilung lesen →
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Rechtsextreme Jugendstrukturen: 23 Fragen zu Die Heimat und JN →
- Parteienprivileg
- Verfassungsrechtlicher Schutz politischer Parteien vor behördlichen Verbots- und Sanktionsmaßnahmen, der nur durch ein Bundesverfassungsgerichtsurteil aufgehoben werden kann.
- PMK-L
- Politisch motivierte Kriminalität — links. In diesem Kontext bezeichnet der Begriff Straftaten aus dem linken Spektrum, die im Zusammenhang mit Veranstaltungen der Heimat oder JN begangen wurden, z.B. Sachbeschädigungen an Parteibüros.
- BfV
- Bundesamt für Verfassungsschutz — inländischer Nachrichtendienst, der verfassungsfeindliche Bestrebungen beobachtet und bewertet.
Wie viele Mitglieder haben die Jungen Nationalisten aktuell?
Laut Bundesregierung zählten die Jungen Nationalisten 2025 rund 400 Mitglieder — ein Anstieg von 300 im Jahr 2024. 2020 lag die Zahl noch bei 280.
Wie viele Mitglieder hat die Partei Die Heimat?
Die Heimat hatte 2025 ein Personenpotenzial von 2.600 Personen. Der Höchststand lag 2020 bei 3.500, seitdem sank die Zahl bis 2024 auf 2.500 und stieg 2025 wieder leicht an.
Warum wachsen die Jungen Nationalisten trotz Razzien?
Die Bundesregierung erklärt den Zuwachs mit dem Zulauf aus neu gegründeten rechtsextremen Jugendgruppen, die über soziale Medien wie TikTok rekrutieren und ihre Mitglieder an festere Strukturen wie die JN weitergeben.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7192 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.



































































