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- 74 Prozent der Deutschen wollen die abschlagsfreie Rente nach 45 Jahren behalten
- Jede zweite Frau ging 2025 mit unter 1.450 Euro abschlagsfrei in Rente
- 17 Fragen zu Nutzung, Rentenhöhen und Vertrauensschutz bei möglicher Abschaffung
Hintergrund
Die Rente für besonders langjährig Versicherte (umgangssprachlich auch als „Rente mit 63“ bekannt) erlaubt seit 2014 einen abschlagsfreien Renteneintritt nach 45 Beitragsjahren. Die Alterssicherungskommission der Bundesregierung hat in ihrem Bericht 2026 deren Abschaffung vorgeschlagen. Laut einer infratest-dimap-Umfrage vom 7. September 2026 für den ARD-DeutschlandTREND sprechen sich 74 Prozent von 1.051 befragten Wahlberechtigten für den Erhalt dieser Rentenart aus — selbst bei der Bedingung höherer Beitragssätze. Aus früheren Anfragen (BT-Drs. 21/7180 und 21/7509) gehen bereits Daten hervor, wonach der Frauenanteil bei den Beziehern zuletzt bei rund 45 Prozent lag und jede zweite Frau im Rentenzugang 2025 weniger als 1.450 Euro erhielt.
- 74 % — der Befragten sprechen sich laut ARD-DeutschlandTREND (7. September 2026, n=1.051) für den Erhalt der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren aus.
- ~45 % — Frauenanteil unter den Beziehern der Rente für besonders langjährig Versicherte (laut BT-Drs. 21/7180).
- unter 1.450 Euro — Rentenzahlbetrag bei jeder zweiten Frau im Rentenzugang 2025 nach 45 Beitragsjahren, damit unterhalb der Armutsgefährdungsschwelle.
- 21,5 % — Anteil der Männer mit einem Rentenzahlbetrag unterhalb der Armutsgefährdungsschwelle bei dieser Rentenart.
- 35–45 % — entsprechender Anteil bei Männern in den ostdeutschen Bundesländern (ohne Berlin-Ost).
Im Detail
Deutschlandweit lag der Rentenzahlbetrag jeder zweiten Frau, die nach 45 Jahren im Jahr 2025 abschlagsfrei in Rente ging, unter 1.450 Euro und somit unter der Armutsgefährdungsschwelle.
— Vorbemerkung der Fragesteller, BT-Drs. 21/8331
Die abschlagsfreie Rente nach 45 Beitragsjahren steht auf dem Prüfstand. Die Alterssicherungskommission der Bundesregierung hat deren Abschaffung vorgeschlagen — und löst damit eine der größten rentenpolitischen Debatten der laufenden Legislaturperiode aus. Mit BT-Drs. 21/8331 vom 5. Oktober 2026 stellt die Fraktion Die Linke 17 konkrete Fragen an die Bundesregierung, um Ausmaß, Verteilung und mögliche Folgen einer solchen Reform zu klären.
Was gilt aktuell?
Die Rente für besonders langjährig Versicherte ermöglicht seit ihrer Einführung im Jahr 2014 einen abschlagsfreien Renteneintritt für alle Versicherten, die mindestens 45 anrechenbare Beitragsjahre nachweisen können (§ 38 SGB VI). Sie ist eine der meistgenutzten Frührentenoptionen in Deutschland. Laut bereits vorliegenden Daten aus BT-Drs. 21/7180 lag der Frauenanteil zuletzt bei rund 45 Prozent — entgegen der in der Öffentlichkeit verbreiteten Einschätzung, diese Rente komme vor allem gut verdienenden Männern zugute.
Niedrige Renten trotz langer Beitragszeiten
Besonders aufschlussreich sind die Daten zum Rentenniveau: Laut BT-Drs. 21/7509 lag der Rentenzahlbetrag jeder zweiten Frau, die im Jahr 2025 nach 45 Beitragsjahren abschlagsfrei in Rente ging, unter 1.450 Euro und damit unterhalb der Armutsgefährdungsschwelle. Bei Männern waren 21,5 Prozent der Bezieher betroffen. In den ostdeutschen Bundesländern — ohne Berlin-Ost — stieg dieser Anteil bei Männern auf 35 bis 45 Prozent. Diese Zahlen zeigen, dass die Rente für besonders langjährig Versicherte keineswegs nur ein Instrument für Besserverdienende ist, sondern Millionen von Personen mit niedrigen bis mittleren Einkommen betrifft.
Eine repräsentative infratest-dimap-Umfrage vom 7. September 2026 für den ARD-DeutschlandTREND unter 1.051 Wahlberechtigten ergab, dass sich 74 Prozent der Befragten für den Erhalt dieser Rentenart aussprechen — selbst dann, wenn dafür höhere Rentenbeiträge nötig wären. Dem Widerstand von Gewerkschaften und Sozialverbänden haben sich laut Vorbemerkung der Fragesteller zuletzt auch Mitglieder der Regierungsparteien angeschlossen.
17 Fragen zu Nutzung, Geschlecht und Vertrauensschutz
Die Anfrage gliedert sich in drei inhaltliche Schwerpunkte: Erstens erkundigt sie sich nach Nutzungsdaten — wie viele Personen haben diese Rentenart seit ihrer Einführung in Anspruch genommen, wie hat sich die Inanspruchnahme in den letzten zehn Jahren entwickelt, und welche Bildungsabschlüsse haben die Bezieher? Zweitens thematisiert die Drucksache den Gender Pension Gap: Wie hat sich die Rentenlücke zwischen Männern und Frauen bei dieser Rentenart entwickelt, welche Gegenmaßnahmen hat die Bundesregierung ergriffen, und welche unterschiedlichen Auswirkungen hätte eine Abschaffung auf Ost und West sowie auf die Geschlechter? Drittens fragt Die Linke nach Vertrauensschutz: Ab wann dürfen Versicherte auf den Fortbestand einer Rentenregel vertrauen, und wie bewertet die Bundesregierung die Situation von Menschen, die bereits konkrete Dispositionen — etwa Altersteilzeit oder Kündigung — für einen geplanten Renteneintritt getroffen haben?
Zudem möchte die Fraktion wissen, ob die Bundesregierung im Falle einer Abschaffung mit einem Anstieg bei der Erwerbsminderungsrente oder mit mehr vorzeitigen Renteneintritten mit Abzügen rechnet, und wenn ja, in welcher finanziellen Größenordnung. Auch die Frage, wie viele Bezieher dieser Rente Wohngeld erhalten oder den Grundrentenzuschlag beziehen, ist Teil der Anfrage.
Rente nach 45 Jahren: Politische Brisanz wächst
Die Anfrage ist Teil einer Serie parlamentarischer Initiativen zu diesem Thema. Die Diskussion um die Stabilität sozialer Sicherungssysteme hat in der laufenden Wahlperiode erheblich an Fahrt aufgenommen. Ähnlich wie bei der Debatte über die Finanzierbarkeit der Pflegeversicherung geht es auch hier um die langfristige Tragfähigkeit des deutschen Rentensystems — und um die Frage, wer die Kosten einer Reform trägt. Die Linke argumentiert, dass eine Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Jahren vor allem Beschäftigte mit niedrigen und mittleren Einkommen treffen würde, die keine ausreichende betriebliche oder private Altersvorsorge aufgebaut haben.
Weiterlesen:
Betroffen sind alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die 45 Beitragsjahre in der gesetzlichen Rentenversicherung vorweisen können oder auf dieses Ziel hinarbeiten. Besonders betroffen sind Beschäftigte in Ostdeutschland, wo laut Fragesteller zwischen 35 und 45 Prozent der männlichen Bezieher unterhalb der Armutsgefährdungsschwelle liegen, sowie Frauen, bei denen dieser Anteil bei rund 50 Prozent liegt. Auch Personen, die bereits Altersteilzeit vereinbart oder ihr Arbeitsverhältnis beendet haben, sind von Vertrauensschutzfragen unmittelbar betroffen.
Die Kleine Anfrage (BT-Drs. 21/8331) wurde am 5. Oktober 2026 eingereicht und dem Bundeskanzleramt zugeleitet. Die Bundesregierung hat grundsätzlich 14 Tage nach Zuleitung Zeit, die Fragen schriftlich zu beantworten. Eine Antwort liegt bislang nicht vor.
- Rente für besonders langjährig Versicherte
- Gesetzliche Altersrente, die nach mindestens 45 Beitragsjahren ohne Abzüge bezogen werden kann; geregelt in § 38 SGB VI.
- Gender Pension Gap
- Prozentualer Unterschied zwischen den durchschnittlichen Rentenbezügen von Männern und Frauen — ein Maß für die Ungleichheit bei der Alterssicherung.
- Vertrauensschutz
- Rechtlicher Grundsatz, der Bürgerinnen und Bürger davor schützt, dass der Staat kurzfristig auf Dispositionen zurückgreift, die sie im Vertrauen auf eine bestehende Gesetzeslage getroffen haben.
Was ist die Rente für besonders langjährig Versicherte?
Sie ermöglicht es Versicherten, die mindestens 45 Jahre Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt haben, ohne Abzüge früher in Rente zu gehen.
Warum wird die Abschaffung diskutiert?
Die Alterssicherungskommission der Bundesregierung hat vorgeschlagen, diese Rentenart zu streichen, unter anderem mit dem Argument, sie komme vor allem Besserverdienenden zugute.
Was ist der Gender Pension Gap?
Der Gender Pension Gap bezeichnet den durchschnittlichen Unterschied zwischen den Rentenbeträgen von Männern und Frauen — bei der Rente nach 45 Jahren ist dieser Unterschied laut Fragesteller besonders ausgeprägt.





































































