- Baukosten stiegen von 198 auf 277 Mio. Euro gegenüber 2022
- Fertigstellung verschiebt sich auf 2032 — zwei Jahre später als geplant
- 16 Mio. Euro Planungsmittel Ende Februar 2026 freigegeben, noch nicht verausgabt
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7145 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Bundesregierung und Bundestag haben im Frühjahr 2022 auf Grundlage der Empfehlungen der Expertenkommission „30 Jahre Friedliche Revolution und Deutsche Einheit“ die Errichtung des Zukunftszentrums in Halle (Saale) beschlossen (BT-Drs. 20/1857). Das Zentrum soll die Erfahrungen der Menschen in Ostdeutschland seit 1990 sichtbar machen und europäische Transformationsprozesse vergleichend erforschen. Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat den Sachstand der Baumaßnahme zuletzt am 25. Februar 2026 beraten und dabei parteiübergreifend die Projektziele im Grundsatz bekräftigt.
- 198 Mio. Euro — ursprüngliche Kostenplanung für den Bau des Zukunftszentrums (2022)
- 277 Mio. Euro — fortgeschriebene Gesamtkosten (Stand Ende 2025)
- 16 Mio. Euro — Ende Februar 2026 freigegebene Planungsmittel; bislang noch nicht verausgabt
- 47,25 Mio. Euro — Bau- und Vergabebeschluss des Halleschen Stadtrats (Juni 2026) für die Baufeldfreimachung am Riebeckplatz
- 150 Beschäftigte — angestrebter Personalbestand der Betreibergesellschaft bis zur Inbetriebnahme 2032
Im Detail
Es ist ein zentrales Projekt der Bundesregierung in Ostdeutschland und Gegenstand des Koalitionsvertrags zwischen CDU, CSU und SPD für die 21. Legislaturperiode.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7145, Frage 1
Das Zukunftszentrum für Deutsche Einheit und Europäische Transformation in Halle (Saale) wird teurer und später fertig als ursprünglich geplant. Laut BT-Drs. 21/7145 vom 13. Juli 2026 sind die Gesamtkosten von ursprünglich 198 Mio. Euro (Planung 2022) auf 277 Mio. Euro (Kostenfortschreibung Ende 2025) gestiegen — ein Anstieg um knapp 40 Prozent. Die Baufertigstellung verschiebt sich von 2030 auf 2032.
Die Bundesregierung begründet den Kostenanstieg damit, dass die ursprüngliche Planung keine Risikokosten und keine Baupreissteigerungen für den Zeitraum bis 2032 enthielt. Hinzu kamen erhöhte Ansätze im Tiefbau aufgrund der Grundstücksbeschaffenheit sowie technische Anforderungen aus dem Architektenwettbewerb vom April 2025. Das finale Projektkostenziel soll bis Ende 2027 auf Basis einer Kostenschätzung der Planer festgestellt werden.
Zeitplan: Zwölf Monate Planungsstopp durch Neuwahlen
Der verzögerte Zeitplan geht laut Regierung auf das vorzeitige Ende der Legislaturperiode 2024 und die anschließenden Neuwahlen 2025 zurück. Die damit verbundene vorläufige Haushaltsführung führte zu einer Unterbrechung der Projektplanungsphase von über zwölf Monaten. Ursprünglich waren Ausschreibung und Vergabe wesentlicher Planungsleistungen für Anfang 2025 vorgesehen. Ende Februar 2026 wurden nach Beratung im Haushaltsausschuss 16 Mio. Euro Planungsmittel freigegeben; bislang wurden diese noch nicht verausgabt.
Was gilt aktuell?
Das Zukunftszentrum befindet sich noch in der sogenannten Werkstattphase vor dem eigentlichen Bau. Ein Interimsstandort in Halle (Saale) macht das Projekt bereits öffentlich zugänglich. Seit September 2024 existiert die Betreibergesellschaft als gemeinnützige GmbH; im ersten Halbjahr 2026 beschäftigt sie 15,75 Vollzeitäquivalente. Parallel dazu ist der Arbeitsstab des Ostbeauftragten der Bundesregierung noch mit 1,3 Vollzeitäquivalenten eingebunden — zu Beginn 2022 waren es im Arbeitsstab noch 0,7, da die Betreibergesellschaft noch nicht existierte. Für 2026 stehen der Betreibergesellschaft 30 Stellen zur Verfügung, die bis Anfang 2027 vollständig besetzt werden sollen. Bis zur Inbetriebnahme 2032 ist ein Personalbestand von 150 Beschäftigten geplant.
Finanzierung: Bund, Land und Stadt teilen sich die Kosten
Der Bund trägt die Kosten für Bau, Architektur und Betrieb des eigentlichen Zentrums. Die laufenden Betriebskosten der Betreibergesellschaft werden über eine jährliche institutionelle Zuwendung des Bundes gedeckt, über deren Höhe der Haushaltsgesetzgeber jährlich entscheidet. Für den Bundeshaushalt 2027 hat die Regierung aufwachsende Mittel im Kapitel 0817 veranschlagt. Die Umgestaltung des Riebeckplatzes, auf dem das Zentrum entsteht, kostet die Stadt Halle (Saale) laut aktueller Prognose rund 66 Mio. Euro (Preisstand 2023). Das Land Sachsen-Anhalt hat der Stadt im Februar 2025 einen nicht rückzahlbaren Zuschuss von rund 28,97 Mio. Euro bewilligt. Zusätzlich wurden aus der Bund-Länder-Städtebauförderung für 2024 bis 2026 bislang 13,55 Mio. Euro bereitgestellt. Im Juni 2026 hat der Hallesche Stadtrat den Bau- und Vergabebeschluss für die erste Bauphase am Riebeckplatz in Höhe von 47,25 Mio. Euro gefasst.
Inhaltlich soll das Zukunftszentrum Wissenschaft, Dialog und Kultur verbinden und die ostdeutschen Transformationserfahrungen seit 1989/90 in einen europäischen Vergleich stellen — insbesondere mit Bezug auf postsozialistische Gesellschaften in Polen, Tschechien, Ungarn oder Albanien. Die Konzeption gilt laut Regierung in ihren Eckpunkten als abgeschlossen; ein wissenschaftlicher Beirat und ein Kuratorium werden noch konstituiert. Rechtsverbindliche wissenschaftliche Kooperationsverträge mit osteuropäischen Partnern liegen noch nicht vor; der Aufbau des Wissenschaftsbereichs hat nach der Besetzung der Programmdirektion zum 1. Mai 2026 begonnen. Die Fällung von mindestens 71 Bäumen am Riebeckplatz im Januar 2026 rechtfertigt die Regierung mit dem im Februar 2026 beschlossenen Bebauungsplan und geplanten Ausgleichsmaßnahmen durch Neupflanzungen.
Ob das Projekt seinen politischen Rückhalt vollständig sichern kann, bleibt offen: Berichte über fehlende Unterstützung innerhalb der aktuellen Bundesregierung und Fragen zur konzeptionellen Ausrichtung haben die Diskussion zuletzt befeuert. Zum Thema Förderprüfung und politische Unterstützung für Kulturprojekte liegen aktuell weitere parlamentarische Anfragen vor. Auch das Thema Personalkapazitäten in Bundesbehörden beschäftigt den Bundestag parallel.
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Unmittelbar betroffen sind die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler, die das Projekt mit mehreren hundert Millionen Euro finanzieren, sowie die Stadt Halle (Saale) und das Land Sachsen-Anhalt als Standortpartner. Mittel- und langfristig richtet sich das Zentrum an alle Bürgerinnen und Bürger, insbesondere Menschen in Ostdeutschland sowie an Wissenschaft, Kultureinrichtungen und die Zivilgesellschaft im In- und Ausland.
Die Bundesregierung beantwortet die meisten Fragen inhaltlich. Bei Fragen zu Drittmitteln (Frage 19) und zu noch nicht abgeschlossenen Kooperationsverträgen (Frage 26) verweist sie auf laufende konzeptionelle Arbeiten ohne konkrete Zahlen zu nennen. Frage 12 wird vollständig auf Frage 9 verwiesen.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Zukunftszentrum Deutsche Einheit: Kosten steigen auf 277 Mio. Euro →
- RBBau
- Richtlinien für die Durchführung von Bauaufgaben des Bundes — verbindliches Regelwerk für Planung, Ausführung und Kostenkontrolle bei Bundesbauten.
- Haushaltsbegründende Unterlage (HBU)
- Planungsdokument, das als Grundlage für die Bereitstellung von Haushaltsmitteln für eine Bundesbaumaßnahme dient.
- Initiale Projektunterlage (IPU)
- Frühe Kostenschätzung und Projektbeschreibung zu Beginn einer Bundesbaumaßnahme, auf deren Basis erste Haushaltsmittel beantragt werden.
Warum sind die Baukosten so stark gestiegen?
Laut Bundesregierung fehlten in der ursprünglichen Planung von 2022 Risikokosten und Baupreissteigerungen bis zur geplanten Fertigstellung 2032. Hinzu kamen höhere Ansätze im Tiefbau wegen Grundstücksbeschaffenheit und technischer Gebäudeausrüstung aus dem Architektenwettbewerb.
Wann soll das Zukunftszentrum fertig sein?
Die Baufertigstellung ist laut Bundesregierung für das Jahr 2032 geplant. Ursprünglich war eine Fertigstellung bis 2030 vorgesehen; die Verschiebung geht auf das vorzeitige Ende der Legislaturperiode 2024 und die Neuwahlen 2025 zurück.
Wer finanziert das Projekt?
Der Bund trägt die Kosten für Bau, Nutzung und Architektur. Die Stadt Halle (Saale) finanziert die Umgestaltung des Riebeckplatzes (ca. 66 Mio. Euro), unterstützt durch einen Landeszuschuss von rund 29 Mio. Euro und Städtebauförderungsmittel von Bund, Land und Kommune.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7145 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
































































