- 6.000 Seeleute auf 500 Schiffen sitzen hinter der Straße von Hormus fest
- 17 Seeleute bei Angriffen getötet, 93 von Reedereien zurückgelassen
- Hapag-Lloyd erhob bis zu 3.500 USD Kriegsrisikozuschlag je Container
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7875 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Seit dem 28. Februar 2026 greift Iran Schiffe in der Straße von Hormus an; der Schiffsverkehr durch die Meerenge kam zeitweise fast vollständig zum Erliegen. Das Islamabad Memorandum of Understanding vom 17. Juni 2026 sah eine 60-tägige Öffnung der Straße vor, scheiterte jedoch, als am 7. Juli 2026 erneute Angriffe auf Handelsschiffe begannen. Der Deutsche Bundestag hatte am 23. April 2026 mit BT-Drs. 21/5478 beschlossen, mehr Schiffe unter deutsche Flagge zu bringen und sich bei der ILO für verbesserte Arbeitsbedingungen von Seeleuten einzusetzen. Parallel kündigten nach der Eskalation vom 7. Juli 2026 Huthi-Milizen eine Blockade saudischer Schiffe in der Meerenge von Bab al-Mandab an, wodurch ein zweiter Krisenherd im Roten Meer entstand.
- ca. 6.000 Seeleute auf etwa 500 Schiffen sitzen laut IMO weiterhin hinter der Straße von Hormus fest.
- 17 Tote bei Angriffen auf Handelsschiffe seit Beginn der Krise, davon drei indische Seeleute durch einen US-Raketenangriff auf den Tanker MT Settebello.
- 93 Besatzungsmitglieder auf mindestens neun Schiffen wurden laut UN-Menschenrechtskommissar von ihren Reedern ohne Heimschaffung und ohne Heuer zurückgelassen.
- 11.000 Seeleute sollten ursprünglich durch die IMO-Evakuierungsaktion in Sicherheit gebracht werden; die Aktion musste am 25. Juni 2026 ausgesetzt werden.
- bis zu 3.500 USD Kriegsrisikozuschlag je Kühl- und Spezialcontainer erhob Hapag-Lloyd laut Drucksache seit März 2026.
Im Detail
Ob die Menschen an Bord die ihnen tarifvertraglich und nach dem Seearbeitsübereinkommen zustehenden Leistungen erhalten, ob für ihre Sicherheit und für ihre Heimschaffung gesorgt wird, wird dagegen weder erhoben noch kontrolliert.
— Vorbemerkung der Fragesteller, BT-Drs. 21/7875
Rund 6.000 Seeleute auf etwa 500 Schiffen sitzen nach Angaben der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO) hinter der Straße von Hormus fest — manche bereits seit fast einem halben Jahr, abgeschnitten von ihren Familien, zeitweise auf eine Mahlzeit täglich reduziert. 17 von ihnen sind bei Angriffen ums Leben gekommen. Die Fraktion Die Linke fragt in BT-Drs. 21/7875 vom 7. September 2026 die Bundesregierung, was sie konkret für den Schutz der Seeleute auf deutsch bereederten Schiffen unternimmt.
Seeleute im Persischen Golf: Lage und Ausmaß der Krise
Der militärische Konflikt im Persischen Golf trifft die internationale Handelsschifffahrt seit dem 28. Februar 2026 mit voller Wucht. Seeleute transportieren laut ICS Seafarer Workforce Report 2026 rund 90 Prozent des globalen Handels nach Volumen — eine Unterbrechung dieser Routen hat weltweite Folgen. Als Iran nach Beginn des Konflikts Schiffe in der Straße von Hormus angriff, brach der Schiffsverkehr durch die Meerenge fast vollständig ein. Zeitweise saßen bis zu 20.000 Seeleute im Persischen Golf fest. Ein Waffenstillstand im Rahmen des Islamabad Memorandums vom 17. Juni 2026 hielt nicht: Am 7. Juli 2026 flammten die Kämpfe erneut auf, und die USA nahmen Luftangriffe auf iranische Ziele wieder auf. Parallel kündigten Huthi-Milizen eine Blockade saudischer Schiffe in der Straße von Bab al-Mandab an, womit ein zweiter Krisenherd im Roten Meer entstand. Am 11. August 2026 wurden bei einem Angriff auf ein ägyptisches Frachtschiff in der Straße von Bab al-Mandab sechs Menschen getötet — darunter zwei Rettungskräfte, die bei einem zweiten Angriff während der laufenden Evakuierung ums Leben kamen.
Schutzlücke für Seeleute auf deutsch bereederten Schiffen
Aus Sicht der Fragesteller besteht ein strukturelles Ungleichgewicht: Für Schiffe und Ladungen gibt es Versicherungsdeckungen, Risikozuschläge und militärische Lagebilder der deutschen Marineschifffahrtleitung. Ob die Seeleute an Bord die ihnen nach dem Seearbeitsübereinkommen 2006 zustehenden Leistungen erhalten — etwa Gefahrenzulagen, Heimschaffung oder Bordaufenthalts-Obergrenzen — wird laut Drucksache weder erhoben noch kontrolliert. Hapag-Lloyd erhob seit März 2026 Kriegsrisikozuschläge von bis zu 1.500 US-Dollar je Standardcontainer und bis zu 3.500 US-Dollar je Kühl- und Spezialcontainer. Die Anfrage fragt, ob Teile dieser Zuschläge als Gefahrenzulage an die Besatzungen weitergegeben werden.
18 Fragen zu Verantwortung und konkreten Maßnahmen
Die 18 Fragen der Kleinen Anfrage gliedern sich in mehrere Schwerpunkte. Zunächst fragt die Fraktion nach dem aktuellen Lageüberblick der Bundesregierung: Wie viele Schiffe unter deutscher Flagge, in deutschem Eigentum oder unter deutschem Management befinden sich im Persischen Golf, und wie viele Seeleute welcher Staatsangehörigkeit sind an Bord? Die Entwicklung soll monatsweise seit dem 28. Februar 2026 dargestellt werden. Ein weiterer Block widmet sich der Frage, wie die Flaggenstaatsverwaltung sicherstellt, dass die Höchstdauer des ununterbrochenen Bordaufenthalts nach MLC-Norm A2.5.1 eingehalten wird, und ob seit Kriegsbeginn Überschreitungen festgestellt wurden. Die Linke fragt außerdem nach dem deutschen Beitrag zur IMO-Evakuierungsaktion für mehr als 11.000 gestrandete Seeleute — finanziell, logistisch und diplomatisch. Diese Aktion musste am 25. Juni 2026 nach Beschuss eines Handelsschiffes ausgesetzt werden; viele Schiffe konnten den Persischen Golf seither nicht verlassen. Besonderes Gewicht legen die Fragesteller auf die Situation der von ihren Reedereien verlassenen Seeleute: Laut UN-Menschenrechtskommissar wurden mindestens 93 Besatzungsmitglieder auf neun Schiffen ohne Unterstützung, ohne Heimschaffung und ohne Heuer in einem fremden Krisengebiet zurückgelassen. Die Anfrage fragt, welche Möglichkeiten die Bundesregierung sieht, Drittstaatsangehörige auf deutsch bereederten Schiffen konsularisch zu unterstützen, wenn deren Herkunftsstaaten über keine leistungsfähige Vertretung in der Region verfügen.
Warnstufen und Reederei-Gespräche im Fokus
Konkret erkundigt sich die Kleine Anfrage nach den Warnstufen der Marineschifffahrtleitung für Bab al-Mandab und das südliche Rote Meer seit Juni 2026. Laut Drucksache stufte die Bundeswehr die Region im „Security Update Brief Persian Gulf“ vom 6. August 2026 noch mit der Warnstufe „substantial“ ein — obwohl für die Straße von Hormus bereits „severe“ gilt und am 11. August 2026 ein weiterer tödlicher Angriff stattfand. Die Fraktion fragt, ob diese Einstufung nach dem Angriff angepasst wurde. Schließlich richtet sich die Anfrage auf den Bundestags-Beschluss vom 23. April 2026 (BT-Drs. 21/5478), mit dem das Parlament die Bundesregierung aufgefordert hatte, sich bei der Internationalen Arbeitsorganisation für bessere Arbeitsbedingungen von Seeleuten einzusetzen. Die Linke fragt, welche konkreten Initiativen seitdem ergriffen wurden und ob Deutschland die Attraktivität der deutschen Flagge auch durch verbesserte Schutzstandards stärken will. Hintergründe zur Förderung der deutschen Schifffahrt finden sich auch im Beitrag zur Verbesserung von Rahmenbedingungen.
Die Antwort der Bundesregierung auf BT-Drs. 21/7875 steht noch aus. Einblicke in aktuelle parlamentarische Vorgänge der Woche bietet die Übersicht der wichtigsten Drucksachen vom 11. September 2026.
Weiterlesen:
Unmittelbar betroffen sind Seeleute auf deutsch bereederten Schiffen — darunter viele Staatsangehörige aus Indien, den Philippinen und anderen Ländern des Globalen Südens. Mittelbar betroffen sind deutsche Reedereien, deren Ladungen und Versicherungen sowie Verbraucher, die höhere Frachtkosten als Folge von Kriegsrisikozuschlägen spüren. Mindestens 93 Besatzungsmitglieder wurden laut UN-Menschenrechtskommissar von ihren Reedern ohne Unterstützung und ohne Heimschaffung im Krisengebiet zurückgelassen.
Die Kleine Anfrage (BT-Drs. 21/7875) ist am 7. September 2026 beim Bundestag eingegangen. Die Bundesregierung hat nun grundsätzlich 14 Tage nach Zuleitung an das Bundeskanzleramt Zeit zur schriftlichen Beantwortung. Sobald die Antwort vorliegt, wird sie als eigene Drucksache veröffentlicht.
- Seearbeitsübereinkommen 2006 (MLC)
- Internationales ILO-Übereinkommen, das Mindeststandards für Arbeitsbedingungen, Heuer, Ruhezeiten und Heimschaffung von Seeleuten regelt und von Flaggenstaaten durchgesetzt wird.
- Flaggenstaat
- Der Staat, unter dessen Flagge ein Schiff registriert ist; er trägt die Verantwortung für die Einhaltung internationaler Seearbeits- und Sicherheitsstandards an Bord.
- Heimschaffung
- Rechtlicher Anspruch eines Seemanns, auf Kosten des Reeders in sein Heimatland zurückgebracht zu werden, wenn der Arbeitsvertrag endet oder das Schiff aufgegeben wird.
Wie viele Seeleute sitzen im Persischen Golf fest?
Laut IMO-Angaben in der Drucksache befinden sich rund 6.000 Seeleute auf etwa 500 Schiffen hinter der Straße von Hormus.
Was ist das Seearbeitsübereinkommen 2006?
Das Maritime Labour Convention (MLC 2006) der ILO legt internationale Mindeststandards für Arbeitsbedingungen, Heuer, Heimschaffung und Bordaufenthaltsdauer von Seeleuten fest.
Warum ist die Straße von Hormus so wichtig?
Durch die Meerenge zwischen Iran und Oman fließt ein erheblicher Teil des globalen Öl- und Güterhandels; eine Sperrung trifft weltweite Lieferketten unmittelbar.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7875 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.

































































