Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8099 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
- Bund plant rund 1 Mrd. Euro für HPC- und KI-Infrastruktur bis 2029
- Rechenkapazitäten für HPC und KI sollen bis 2030 vervierfacht werden
- JUPITER belegt Platz 5 weltweit — China führt mit 2,198 Exaflops
Hintergrund
China hat mit dem Supercomputer LineShine eine Rechenleistung von 2,198 Exaflops erreicht und führt damit die internationale TOP500-Liste der schnellsten Supercomputer an. Deutschland belegt mit dem Supercomputer JUPITER im Forschungszentrum Jülich Platz fünf; JUPITER hat die 1-Exascale-Marke erreicht. Die Bundesregierung hat am 18. März 2026 eine Nationale Rechenzentrumsstrategie veröffentlicht, die den Rahmen für den weiteren Ausbau der deutschen HPC- und KI-Infrastruktur vorgibt. Der Markt für Hochleistungsprozessoren wird derzeit von US-Unternehmen wie NVIDIA, AMD und Intel dominiert.
- 2,198 Exaflops — Rechenleistung des chinesischen Supercomputers LineShine laut TOP500-Rangliste (Stand 2026)
- Platz 5 weltweit — Rang des deutschen Supercomputers JUPITER im Forschungszentrum Jülich mit 1-Exaflop-Leistung
- 290 Mio. Euro — Bundesförderung für öffentliche Höchstleistungsrechner in den Jahren 2023, 2024 und 2025 zusammen
- rund 1 Mrd. Euro — geplante Fördersumme des Bundes für HPC und KI-Infrastruktur bis zum Jahr 2029
- Vervierfachung bis 2030 — Ziel der Nationalen Rechenzentrumsstrategie für HPC- und KI-Rechenkapazitäten in Deutschland
Im Detail
Erklärtes Ziel der am 18. März 2026 veröffentlichten Nationalen Rechenzentrumsstrategie ist es daher, die Rechenzentrumskapazitäten in Deutschland bis zum Jahr 2030 mindestens zu verdoppeln und die Rechenkapazitäten für HPC und KI mindestens zu vervierfachen.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/8099, Antwort zu Fragen 5–7
Der deutsche Supercomputer JUPITER im Forschungszentrum Jülich belegt in der aktuellen TOP500-Weltrangliste Platz fünf — während China mit dem System LineShine und einer Leistung von 2,198 Exaflops die Spitzenposition einnimmt. Dieser Abstand ist Anlass für eine parlamentarische Debatte über die Zukunft des deutschen Hochleistungsrechnens und die damit verbundene digitale Souveränität. Die Bundesregierung hat dazu am 21. September 2026 die 13 Fragen der AfD-Fraktion (BT-Drs. 21/7851) in der Drucksache 21/8099 beantwortet.
Hochleistungsrechnen: Was gilt aktuell?
Deutschland verfügt mit JUPITER über sein erstes Exascale-System, das die Marke von einer Trillion Rechenoperationen pro Sekunde überschreitet. Der Supercomputer ist modular aufgebaut und nutzt neben herkömmlichen Prozessoren (CPUs) auch leistungsstarke Grafikprozessoren (GPUs) von NVIDIA — konkret den GH200 Grace-Hopper Superchip. Die Bundesregierung betont, dass dieser GPU-Anteil JUPITER flexibler und insbesondere für KI-Anwendungen und Simulationen leistungsfähiger mache als den rein CPU-basierten chinesischen LineShine. Aus dem reinen Benchmark-Vergleich leite sich daher laut Antwort der Bundesregierung keine Überlegenheit chinesischer Rechenkapazitäten ab.
Der chinesische LineShine setzt auf sogenannte LX2-Prozessoren — eine chinesische Eigenentwicklung, deren Design auf der britischen ARMv9-Architektur basiert. Pro Sockel sind 304 aktive Kerne auf zwei Compute-Chiplets verteilt, getaktet mit 1,55 GHz.
Förderung: 290 Mio. Euro in drei Jahren, 1 Mrd. bis 2029
In den Jahren 2023, 2024 und 2025 hat der Bund den Auf- und Ausbau öffentlicher Höchstleistungsrechner mit insgesamt rund 290 Millionen Euro an Projektfördermitteln unterstützt — ergänzt durch Mittel der EU und der Länder. Für die kommenden Jahre plant die Bundesregierung eine deutliche Steigerung: Bis 2029 sind laut Drucksache rund eine Milliarde Euro vorgesehen, vor allem um den Aufbau einer europäischen AI Gigafactory in Deutschland zu unterstützen. Das Hochleistungsrechnen ist dabei ein zentrales Element der am 18. März 2026 veröffentlichten Nationalen Rechenzentrumsstrategie, die bis 2030 eine Verdoppelung der Rechenzentrumskapazitäten und eine Vervierfachung der HPC- und KI-Rechenkapazitäten anstrebt.
Neue Rechner ab 2027 — auch private Kapazitäten gefragt
Konkret plant die Bundesregierung die Inbetriebnahme neuer Rechner an den AI Factories in Jülich und Stuttgart sowie neuer GCS-Großrechner in München und Stuttgart, jeweils im Jahr 2027. Die JUPITER AI Factory (JAIF) ergänzt den bestehenden Supercomputer bereits um ein zusätzliches Modul für sogenannte Inferenzanwendungen, über das trainierte KI-Modelle per Cloud-Zugang bereitgestellt werden können. Gleichzeitig betont die Bundesregierung, dass öffentlich finanzierte Höchstleistungsrechner den künftigen Bedarf nur zu einem Teil decken können — der Ausbau privater Rechenkapazitäten sei ebenso wesentlich. Mehr zur Bedeutung von KI-Infrastruktur für die digitale Wirtschaft bietet auch der Beitrag zu KI-Potenzialen in Deutschland.
Hochleistungsrechnen und Sicherheit: Keine akute Gefahr für Verschlüsselung
Auf die Frage, ob chinesische Exascale-Rechner eine Gefahr für deutsche Verschlüsselungsverfahren darstellen, verweist die Bundesregierung auf das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI): Werden die BSI-Empfehlungen zu sicheren kryptografischen Algorithmen (TR-02102) umgesetzt, ist laut Antwort sichere Kommunikation auch im Exascale-Zeitalter möglich. Eine unmittelbare Bedrohung für staatliche Kommunikation oder kritische Infrastrukturen erkennt die Bundesregierung demnach nicht.
Abhängigkeit von US-Hardware und europäische Alternativen
Die Marktführer für Hochleistungsprozessoren sind derzeit US-Unternehmen — NVIDIA, AMD und Intel. Die Bundesregierung erkennt diese Abhängigkeit an, sieht aber keine kurzfristige Alternative: Supercomputer müssten mit der neuesten und leistungsfähigsten Hardware sowie kompatiblen Programmierschnittstellen ausgestattet sein, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Mittelfristig unterstützt die Bundesregierung europäische Chipdesign-Initiativen im Rahmen des Chips Joint Undertaking sowie den geplanten Cloud and AI Development Act, der öffentlich finanzierte Supercomputer zur Nutzung europäischer Technologie verpflichten soll. Gegen den gezielten Aufkauf von Schlüsseltechnologien durch China setzt die Bundesregierung das Instrument der Investitionsprüfung ein.
Aktuelle Debatten über Rüstung und Technologie im parlamentarischen Betrieb beleuchtet auch der Beitrag zu Ausstattungslücken bei der Bundeswehr-Reserve.
Weiterlesen:
- Einkommensteuerreform 2027: Verteilungswirkungen unter der Lupe
- Bundestag 03.10.2026: Die wichtigsten Drucksachen
Betroffen sind vor allem Wissenschaftler und Forschungseinrichtungen, die auf öffentliche Hochleistungsrechner angewiesen sind, sowie Industrieunternehmen, die HPC-Kapazitäten für Simulationen und Entwicklungsprozesse nutzen. Mittelbar sind auch Steuerzahler betroffen, da der Bund bis 2029 rund eine Milliarde Euro für diesen Bereich einplant.
Die Bundesregierung beantwortet alle 13 Fragen, relativiert jedoch bei mehreren Fragen die Prämisse der Fragesteller: Den angeblich überlegenen chinesischen Kapazitäten stellt sie Architekturunterschiede entgegen und leitet daraus ausdrücklich keine Überlegenheit Chinas ab. Konkrete Risiken für die deutsche Industrie werden nicht benannt.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Supercomputer JUPITER: China 2x schneller als Deutschland →
- Exascale
- Bezeichnet Supercomputer, die mindestens eine Trillion (10¹⁸) Rechenoperationen pro Sekunde (1 Exaflop) erreichen. JUPITER hat diese Marke 2026 als erstes deutsches System überschritten.
- TOP500-Liste
- Halbjährlich aktualisierte Rangliste der 500 leistungsstärksten Supercomputer weltweit, gemessen anhand des standardisierten HPL-Benchmarks.
- AI Gigafactory
- Großrechenzentrum der EU-Ebene, das speziell für KI-Training und -Inferenz ausgelegt ist und gemeinsam von Mitgliedstaaten und der Europäischen Kommission finanziert wird.
Warum gilt JUPITER trotz niedrigerem Benchmark als gleichwertig?
Laut Bundesregierung ist der HPL-Benchmark nur eingeschränkt aussagekräftig. JUPITER verfügt über leistungsstarke GPUs, die ihn flexibler und für KI-Anwendungen leistungsfähiger machen als den rein CPU-basierten chinesischen LineShine.
Wie viel Geld investiert Deutschland bis 2029 in Supercomputer?
Die Bundesregierung plant laut Drucksache 21/8099 bis 2029 rund eine Milliarde Euro für HPC- und KI-Infrastruktur. In den Jahren 2023 bis 2025 wurden bereits rund 290 Millionen Euro bereitgestellt.
Gefährdet Chinas Rechenleistung deutsche Verschlüsselung?
Das BSI empfiehlt sichere kryptografische Algorithmen (TR-02102). Laut Bundesregierung ist bei deren Umsetzung eine sichere Kommunikation auch im Zeitalter von Exascale-Rechnern gewährleistet.


































































