- 3,02 Millionen Beschäftigte im Einzelhandel Juni 2025
- Medianentgelt 3.087 Euro monatlich bei Vollzeit
- Tarifbindung sank von 33% auf 18% seit 2010
Hintergrund der Anfrage
Die Linke-Fraktion wollte sich ein genaues Bild von den Arbeitsbedingungen im deutschen Einzelhandel machen. Anlass waren Studien der Gewerkschaft ver.di aus 2025, die erschwerte Arbeitsbedingungen und niedrige Bezahlung dokumentierten. Besonders besorgt zeigten sich die Fragesteller über die häufige unfreiwillige Teilzeit und den mangelnden Respekt gegenüber den systemrelevanten Beschäftigten.
- 3,02 Millionen — Beschäftigte im Einzelhandel Juni 2025, Anstieg von 2,85 Millionen in 2010
- 3.087 Euro — Mittleres Bruttomonatsentgelt von Vollzeitbeschäftigten im Einzelhandel 2024
- 54,2 Prozent — Teilzeitquote im Einzelhandel Juni 2025, deutlich über dem Bundesschnitt von 31,8 Prozent
- 18,5 Prozent — Anteil tarifgebundener Betriebe 2025, Rückgang von 32,7 Prozent in 2010
- 32,7 Prozent — Anteil der Vollzeitbeschäftigten im unteren Entgeltbereich 2024
Im Detail
Nach Angaben der Statistik der Bundesagentur für Arbeit waren im Juni 2025 rund 3,02 Millionen Beschäftigte in der Wirtschaftsabteilung 47 "Einzelhandel (ohne Handel mit Kfz)" der Klassifikation der Wirtschaftszweige (WZ 2008) tätig.
— Antwort der Bundesregierung BT-Drs. 21/5889
Der deutsche Einzelhandel beschäftigt 3,02 Millionen Menschen. Eine der größten Arbeitgeberbranchen des Landes. Die von der Linke-Fraktion angefragten Daten der Bundesregierung zeichnen ein detailliertes Bild einer Branche mit niedrigen Löhnen, hoher Teilzeitquote und geringer Tarifbindung.
Beschäftigungsentwicklung und Struktur
Seit 2010 ist die Zahl der Beschäftigten im Einzelhandel kontinuierlich gestiegen – von 2,85 Millionen auf 3,02 Millionen im Juni 2025. Frauen stellten dabei mit 1,99 Millionen die Mehrheit gegenüber 1,03 Millionen männlichen Beschäftigten. Bei der Teilzeitquote liegt der Einzelhandel mit 54,2 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten deutlich über dem gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt von 31,8 Prozent.
Was gilt heute bei der Entlohnung?
3.087 Euro – so hoch war das mittlere Bruttomonatsentgelt von Vollzeitbeschäftigten im Einzelhandel 2024. Alle Vollzeitbeschäftigten in Deutschland verdienten im Median hingegen 4.013 Euro. Das sind 926 Euro mehr. Im unteren Entgeltbereich arbeiteten 32,7 Prozent der Vollzeitbeschäftigten im Einzelhandel, während es gesamtwirtschaftlich nur 15,3 Prozent waren.
Rückgang der Tarifbindung
Dramatisch fiel der Rückgang der Tarifbindung aus. Der Anteil tarifgebundener Betriebe sank von 32,7 Prozent im Jahr 2010 auf 18,5 Prozent in 2025. Noch stärker verringerte sich der Anteil der Beschäftigten in tarifgebundenen Betrieben von 49,5 Prozent auf 23,4 Prozent. Diese Entwicklung verändert die Verhandlungsposition der Arbeitnehmer grundlegend.
Arbeitsbedingungen
Die von der Gewerkschaft ver.di dokumentierten Arbeitsbedingungen bestätigten sich in den Daten der Bundesregierung. Besonders die Zahlen zu Wochenend-, Abend- und Schichtarbeit zeigten die besonderen Belastungen. 58,8 Prozent der Einzelhandelsbeschäftigten arbeiteten 2025 regelmäßig samstags – mehr als in anderen Branchen.
Wie hat sich das entwickelt?
Ein klarer Strukturwandel prägte die letzten 15 Jahre. Die absolute Beschäftigtenzahl stieg, doch die Arbeitsbedingungen veränderten sich erheblich. Die Nominallöhne stiegen zwar von einem Index von 69,6 (2010) auf 100 (2025), blieben aber hinter der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung zurück. Gleichzeitig nahm der Anteil befristeter Beschäftigung zu. Die Digitalisierung veränderte zudem die Arbeitsabläufe grundlegend.
Aufstockende Leistungen
82.500 erwerbstätige Leistungsberechtigte arbeiteten im Juni 2025 im Einzelhandel und benötigten aufstockende Leistungen nach dem SGB II. Die Kosten von Januar bis September 2025 belaufen sich auf 651,4 Millionen Euro. Ein staatlicher Zuschuss zu den Löhnen.
Die umfassenden Daten der Bundesregierung zeigen eine Branche mit wachsender Beschäftigtenzahl, aber gleichzeitigen strukturellen Problemen bei Entlohnung und Arbeitsbedingungen.
Weiterlesen:
Betroffen sind die 3,02 Millionen Beschäftigten im deutschen Einzelhandel, davon 1,99 Millionen Frauen und 1,03 Millionen Männer. Besonders die hohe Teilzeitquote von 61,7 Prozent wirkt sich auf das Einkommen aus.
Die Bundesregierung beantwortet alle statistischen Fragen umfassend mit detaillierten Tabellen. Zu einigen spezifischen Aspekten wie Wechseln zwischen Voll- und Teilzeit liegen keine Erkenntnisse vor.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. (Stand: 11.05.2026) Arbeitsbedingungen Einzelhandel: Die Linke fordert Schutzmaßnahmen für 3 Millionen Beschäftigte →
- Medianentgelt
- Das mittlere Bruttomonatsentgelt, bei dem die Hälfte der Beschäftigten mehr und die andere Hälfte weniger verdient.
- Tarifbindung
- Anteil der Beschäftigten, die in Betrieben arbeiten, die an Tarifverträge gebunden sind.
- WZ 2008
- Klassifikation der Wirtschaftszweige 2008, nach der die Statistiken erstellt werden.
Wie viele Menschen arbeiten im deutschen Einzelhandel?
Im Juni 2025 waren 3,02 Millionen Menschen im Einzelhandel beschäftigt, davon 2,43 Millionen sozialversicherungspflichtig.
Was verdienen Vollzeitbeschäftigte im Einzelhandel?
Das mittlere Bruttomonatsentgelt lag 2024 bei 3.087 Euro, während alle Vollzeitbeschäftigten im Durchschnitt 4.013 Euro verdienten.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/5889 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.








































































