- 820.000 Euro für externe Berater im Wirtschaftsministerium seit März 2025
- Kommunikationsagentur mit Höchstbetrag von 2,2 Mio. Euro jährlich beauftragt
- Koalitionsvertrag sieht ausdrücklich Reduzierung von Beraterausgaben vor
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6366 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Ab April 2026 berichteten mehrere Medien über eine europaweit ausgeschriebene externe Top-Management-Beratung des Bundeswirtschaftsministeriums (BMWE) mit einem Volumen von bis zu 9.000 Arbeitsstunden jährlich. Der Auftrag soll die strategisch-methodische Beratung der Hausleitung zur Weiterentwicklung ministerieller Strukturen umfassen und über zwei Jahre laufen, verlängerbar um weitere zwei Jahre. Parallel wurde bekannt, dass seit Februar 2026 externe Kommunikationsagenturen die Öffentlichkeitsarbeit des BMWE unterstützen. Der Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD für die 21. Wahlperiode sieht ausdrücklich eine Reduzierung der Ausgaben für externe Berater vor.
- 820.166 Euro — Gesamtausgaben des BMWE für externe Beratungs-, Kommunikations- und Unterstützungsleistungen seit März 2025 (drei Haushaltstiteln)
- 747.550 Euro — größter Einzelauftrag: BearingPoint GmbH für Prozessmanagement, Laufzeit bis September 2027
- 2.217.600 Euro — jährlicher Höchstbetrag der Kommunikationsagentur-Rahmenvereinbarung (netto)
- 47.590 Euro — Gesamtvolumen der vier Direktvergaben seit März 2025
- 20 Veranstaltungen — wurden seit Beginn der Legislaturperiode mit externer Unterstützung umgesetzt, darunter Tag der offenen Tür und Tag der Deutschen Einheit
Im Detail
Alle im BMWE verorteten ministeriellen Kernaufgaben werden von Beschäftigten des BMWE erbracht.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/6366, S. 4
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) hat seit Beginn der 21. Wahlperiode im März 2025 insgesamt rund 820.000 Euro für externe Beratungs-, Kommunikations- und Unterstützungsleistungen ausgegeben oder vertraglich gebunden. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung (BT-Drs. 21/6366) auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion hervor, die am 8. Juni 2026 übermittelt wurde. Hintergrund sind Medienberichte, wonach das Ministerium externe Berater mit bis zu 9.000 Arbeitsstunden pro Jahr beauftragen will — parallel zu bestehenden Vakanzen in der Leitungsabteilung.
Externe Beratung: Wer bekommt die Aufträge?
Den größten Einzelauftrag erhielt die BearingPoint GmbH mit einem Volumen von 747.550 Euro für die Einführung eines Prozessmanagements in der Zentralabteilung (Laufzeit bis September 2027). PricewaterhouseCoopers Legal AG wurde zweimal beauftragt: einmal mit 94.998 Euro für Rechtsberatung zur Neuorganisation der Beteiligungsführung und einmal mit 62.106 Euro für gesellschaftsrechtliche Fragen zum Schutz deutschen Know-hows im Energiebereich. Die Rechtsanwaltskanzlei Redeker Sellner Dahs erhielt 196.930 Euro für rechtliche Beratung zur Ausgestaltung von Ausgleichsleistungen im Zusammenhang mit der Produktion kritischer Arzneimittel.
Im Kommunikationsbereich arbeitet das BMWE seit Februar 2026 mit Scholz and Friends Berlin GmbH und familie redlich AG zusammen. Die Rahmenvereinbarung für die Kommunikationsagentur sieht einen jährlichen Höchstbetrag von 2.217.600 Euro netto vor — tatsächlich abgerufen wird jedoch anlassbezogen. Leistungen umfassen unter anderem die Entwicklung von Kommunikationskonzepten, Social-Media-Betreuung, Webseitenpflege, Kampagnenarbeit und strategische Kommunikationsberatung. Darüber hinaus vergab das Ministerium im Oktober 2025 einen Vertrag über leitungsspezifische Kommunikationsdienstleistungen als freiberufliche Leistung.
Externe Beratung und Koalitionsvertrag im Widerspruch?
Der Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD für die 21. Wahlperiode sieht ausdrücklich eine Reduzierung der Ausgaben für externe Berater vor, verbunden mit Stellenabbau in der Bundesverwaltung und Aufgabenkritik. Die AfD-Fraktion wollte daher wissen, ob das BMWE diesen Maßstäben gerecht wird. Die Bundesregierung betont in ihrer Antwort, externe Berater würden ausschließlich dort eingesetzt, wo besonderes Spezialwissen nur kurzfristig benötigt werde und die wirtschaftlichste Alternative darstelle. Alle ministeriellen Kernaufgaben verblieben beim eigenen Personal.
Zur Frage nach einem Zusammenhang zwischen offenen Personalstellen in der Leitungsabteilung und der Ausschreibung externer Top-Management-Beratung erklärt die Bundesregierung, die geplante Rahmenvereinbarung habe komplementären Charakter. Mit der Zuschlagserteilung entstehe noch keine konkrete Leistungspflicht; Einzelabrufe erfolgten spezifisch nach Bedarf. Tatsächlich wurden laut Drucksache seit Beginn der Wahlperiode sechs Referate der Leitungsabteilung zu drei Referaten zusammengelegt und weitere drei Referate aufgelöst.
Erfolgskontrolle: Keine abschließende Bewertung möglich
Auf Fragen zur Messbarkeit und Erfolgskontrolle der externen Leistungen antwortet die Bundesregierung, der Leistungszeitraum sei noch nicht beendet, sodass aktuell keine abschließende Erfolgskontrolle habe stattfinden können. Quantifizierbare Einsparungen oder Effizienzgewinne durch externe Beratung seien nicht Ziel und Zweck der beauftragten Leistungen gewesen. Eine zentrale Dokumentation der Ergebnisse in einem Controlling-System besteht laut Antwort zu Frage 41 nicht. Für die Ressortdaten 2025 und 2026 werde die Bundesregierung dem Haushaltsausschuss erst im Rahmen der Haushaltsaufstellung 2027 berichten — eine unterjährige Erfassung findet nicht statt.
Insgesamt hat das BMWE seit März 2025 vier Direktvergaben im Gesamtumfang von 47.590 Euro vorgenommen, für die Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen erstellt wurden. An Veranstaltungen wurden 20 Formate mit externer Unterstützung umgesetzt, darunter der Tag der offenen Tür der Bundesregierung und acht Messebeteiligungen, etwa an der Hannover Messe 2025 und 2026. Mehr zur fehlenden Kostenkontrolle bei öffentlichen Ausgaben und zur Personalstruktur in Bundesbehörden finden sich in weiteren Beiträgen auf drucksachlich.de.
Weiterlesen:
- Deutschlandfonds: 30 Mrd. Euro Garantien ohne klare Kontrolle
- Repräsentationslücke: Ostdeutsche in Führungspositionen unterrepräsentiert
- BAMF im Bundestag: Asyl, Integration und Afghanistan
Unmittelbar betroffen sind Steuerzahlerinnen und Steuerzahler, da die Ausgaben aus dem Bundeshaushalt finanziert werden. Mittelbar berührt das Thema alle Bürgerinnen und Bürger, die ein Interesse an einer sparsamen und eigenverantwortlichen Verwaltung haben. Die Frage, ob externe Berater ministerielle Kernaufgaben übernehmen, ist auch für die rund 2.110 Beschäftigten des BMWE relevant, die laut Organigramm eigene Kapazitäten in Kommunikation, Strategie und Organisation vorhalten.
Mehrere Fragen — insbesondere zu ressortübergreifenden Ausgaben (Fragen 22–24) und zu Verpflichtungsermächtigungen (Frage 21) — beantwortet die Bundesregierung nur ausweichend mit dem Verweis auf den jährlichen Beraterberichterstattungsprozess; für 2025 und 2026 lägen noch keine zusammengestellten Daten vor. Einzelne Fragen zu Effizienzgewinnen und Erfolgskontrolle werden mit dem Hinweis abgetan, dies sei nicht Ziel der beauftragten Leistungen gewesen.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. (Stand: 08.06.2026) Externe Beratung Wirtschaftsministerium: 9.000 Stunden Top-Management-Beratung geplant →
- Rahmenvereinbarung
- Ein Vertrag zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer, der Konditionen für künftige Einzelaufträge festlegt, ohne selbst eine Leistungspflicht zu begründen. Einzelabrufe erfolgen anlassbezogen.
- Direktvergabe
- Vergabe eines Auftrags ohne vorheriges Ausschreibungsverfahren, zulässig bis zu bestimmten Schwellenwerten gemäß Vergaberecht.
- UVgO
- Unterschwellenvergabeordnung — regelt die Vergabe von Liefer- und Dienstleistungsaufträgen unterhalb der EU-Schwellenwerte durch öffentliche Auftraggeber.
Wie viel hat das Wirtschaftsministerium für externe Berater ausgegeben?
Seit Beginn der 21. Wahlperiode (März 2025) wurden laut Drucksache 21/6366 über drei Haushaltstiteln insgesamt rund 820.166 Euro verausgabt oder gebunden: 123.925 Euro (Titel 0910 541 01), 558.366 Euro (Titel 0911 542 01) und 137.876 Euro (Titel 0911 545 01).
Welche Unternehmen erhielten Aufträge vom Wirtschaftsministerium?
Zu den Auftragnehmern zählen BearingPoint GmbH (747.550 Euro für Prozessmanagement), PricewaterhouseCoopers Legal AG (zweimal beauftragt) sowie Redeker Sellner Dahs Rechtsanwälte. Im Kommunikationsbereich sind u.a. Scholz and Friends Berlin GmbH und familie redlich AG tätig.
Was ist die geplante Top-Management-Beratung mit 9.000 Stunden pro Jahr?
Es handelt sich laut Bundesregierung um eine noch laufende Rahmenvereinbarung. Mit der Zuschlagserteilung entstehen noch keine konkreten Leistungspflichten; Einzelaufträge werden anlassbezogen abgerufen. Der Auftrag läuft über zwei Jahre mit Option auf zwei weitere Jahre.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6366 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.





































































