- RCP8.5 und SSP5-8.5 gelten laut CMIP7 nicht mehr als plausibler Standardpfad
- Seit 2015 nutzten Bundesbehörden diese Szenarien für Gesetze und Förderprogramme
- 13 Fragen an die Bundesregierung zu Kosten, Korrekturen und Konsequenzen
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6514 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Im Jahr 2026 hat das internationale ScenarioMIP-Projekt im Rahmen der Vorbereitung von CMIP7 einen neuen Szenarienrahmen für Klimaprojektionen vorgelegt. Darin werden die bisherigen Hochemissionsszenarien RCP8.5 und SSP5-8.5 — die seit Jahren als Standardreferenz in IPCC-Berichten und nationaler Klimapolitik verwendet wurden — als nicht mehr plausibel für einen oberen Standardpfad eingestuft. Als Begründung nennen die Autoren veränderte energieökonomische Annahmen. Diese Neubewertung betrifft potenziell eine Vielzahl von Bundesberichten, Förderprogrammen, Gesetzesbegründungen und Klimaanpassungsstrategien, die auf diesen Szenarien aufgebaut haben.
Im Detail
Es stellt sich den Fragestellern daher die Frage, in welchem Umfang Entscheidungsgrundlagen des Bundes sowie Publikationen und Kommunikationsmaßnahmen des Bundes auf diesen Szenarien beruhten, wie die Bundesregierung die fachliche Neubewertung einordnet und welche Konsequenzen sie daraus für bestehende und künftige Bewertungen zieht.
— Vorbemerkung der Fragesteller, BT-Drs. 21/6514
Seit mindestens 2015 stützen sich zahlreiche Bundesbehörden, Bundesministerien und vom Bund finanzierte Forschungseinrichtungen bei Klimafolgenabschätzungen, Förderentscheidungen und Gesetzesbegründungen auf die Klimaszenarien RCP8.5 und SSP5-8.5. Diese Szenarien modellieren sehr hohe Treibhausgasemissionen bis zum Jahr 2100 und galten lange als der maßgebliche obere Standardpfad in IPCC-Berichten und nationaler Klimapolitik. Nun hat das internationale ScenarioMIP-Projekt im Rahmen der Vorbereitung der siebten Phase des Coupled Model Intercomparison Project (CMIP7) diese Einordnung grundlegend verändert.
Klimaszenarien RCP8.5 und SSP5-8.5 neu bewertet
Laut einer 2026 veröffentlichten Fachpublikation (van Vuuren et al., Geosci. Model Dev. 19 [2026], 2627–2656) werden die CMIP6-Hochemissionsniveaus am oberen Ende — quantifiziert durch SSP5-8.5 — als implausibel eingestuft. Für CMIP7 soll ein neues Hochemissionsszenario eingeführt werden, das unterhalb von SSP5-8.5 liegt. Als Hauptgrund nennen die Autoren veränderte energieökonomische Annahmen, die in den vergangenen Jahren einen stärkeren Ausbau erneuerbarer Energien widerspiegeln als ursprünglich erwartet. RCP8.5 wird dabei als Vorläufer von SSP5-8.5 eingeordnet — beide Szenarien sind damit von der Neubewertung betroffen.
Was gilt aktuell?
Bisher dienten RCP8.5 und SSP5-8.5 in einer Vielzahl von Bundesdokumenten — von Klimaanpassungsstrategien über Risikoanalysen bis zu Gesetzesbegründungen — als oberer Referenzpfad oder sogar als implizites Standardszenario. Eine klare und einheitliche Kennzeichnung, ob es sich jeweils um einen plausiblen Hauptpfad, einen Extremfall oder einen methodischen Stresstest handelt, ist nach Einschätzung der Fragesteller nicht immer erfolgt. Die Anfrage zielt darauf ab, diesen Ist-Zustand lückenlos zu dokumentieren und Transparenz über den Einsatz dieser Szenarien seit 2015 herzustellen.
13 Fragen zu Umfang, Kosten und Konsequenzen
Die in BT-Drs. 21/6514 gestellten 13 Fragen richten sich auf mehrere Dimensionen: Erstens verlangt die Anfrage eine tabellarische Aufstellung aller Entscheidungsgrundlagen und Publikationen des Bundes seit 2015, in denen RCP8.5 oder SSP5-8.5 verwendet wurden — gegliedert nach Ressort, Behörde, Jahr, Dokumentart und Fundstelle. Zweitens fragt die AfD-Fraktion, ob die Bundesregierung bereits eine offizielle Positionierung zur wissenschaftlichen Neubewertung erarbeitet hat. Drittens wird nach den finanziellen Mitteln gefragt, die seit 2015 für Dokumente aufgewendet wurden, die auf diesen Szenarien beruhen. Viertens richtet sich die Anfrage an die Frage, welche externen Auftragnehmer, Forschungseinrichtungen und Beratungsgesellschaften in diesem Zeitraum entsprechende Aufträge erhalten haben.
Darüber hinaus thematisiert die Anfrage die Frage, welche konkreten politischen Entscheidungen — darunter Investitions- und Förderentscheidungen sowie gesetzliche Maßnahmen — mit Grundlagen begründet wurden, die auf RCP8.5 oder SSP5-8.5 aufbauen, und ob eine systematische Überprüfung dieser Entscheidungen geplant ist. Auch die Frage nach Übergangsregelungen für laufende Projekte und Veröffentlichungen bis zur Anpassung an den neuen Szenarienrahmen wird gestellt.
Klimaszenarien als Grundlage für Milliarden-Entscheidungen
Die Tragweite der Anfrage ergibt sich daraus, dass Klimaszenarien nicht nur in wissenschaftlichen Berichten, sondern auch in Gesetzesbegründungen, Verordnungen, Förderprogrammen und Verwaltungsvorschriften des Bundes als Grundlage dienen. Ob und in welchem Umfang die Kosten-Nutzen-Abwägung hinter klimapolitischen Maßnahmen durch die Neubewertung berührt wird, ist eine der zentralen Fragen der Anfrage. Hintergrund ist, dass ein höheres angenommenes Schadenspotenzial in der Regel auch höhere Investitionen in Klimaschutz und Klimaanpassung rechtfertigt — wird das Szenario als weniger plausibel eingestuft, verändert sich diese Abwägung grundsätzlich.
Die Anfrage berührt damit ein Thema, das über den parlamentarischen Vorgang hinaus Relevanz für die Klimapolitik der kommenden Jahre hat. Wie die Bundesregierung mit der wissenschaftlichen Neubewertung umgeht und ob sie bestehende Grundlagen anpasst, wird auch für laufende energie- und klimapolitische Debatten im Bundestag von Bedeutung sein. Fragen zur Transparenz staatlicher Entscheidungsgrundlagen sind eng verbunden mit grundlegenden Prinzipien guter Gesetzgebung, wie sie etwa in Debatten um Grundgesetz-Artikel und ihre Auslegung immer wieder aufgeworfen werden. Auch die finanzielle Dimension — also welche Haushaltsausgaben auf Basis dieser Szenarien getätigt wurden — ist Gegenstand der Anfrage.
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Betroffen sind alle Bürgerinnen und Bürger, die von klimapolitischen Entscheidungen des Bundes betroffen sind — darunter Haushalte mit Bezug zu energetischen Sanierungsförderungen, Unternehmen in klimasensiblen Branchen sowie Kommunen, die auf Basis von Bundesvorgaben Klimaanpassungsmaßnahmen planen. Auch Forschungseinrichtungen und Beratungsgesellschaften, die im Auftrag des Bundes mit diesen Szenarien gearbeitet haben, sind von der Frage nach einer möglichen Überprüfung betroffen.
Die Kleine Anfrage wurde am 8. Juni 2026 eingereicht und am 16. Juni 2026 als Drucksache 21/6514 veröffentlicht. Die gesetzliche Antwortfrist der Bundesregierung beträgt 21 Tage ab Einreichung, also bis zum 7. Juli 2026. Nach Eingang der Antwort kann die Anfrage im Bundestag weiter debattiert werden.
- RCP8.5 / SSP5-8.5
- Repräsentative Konzentrationspfade bzw. geteilte sozioökonomische Pfade, die sehr hohe Treibhausgasemissionen bis 2100 modellieren. Sie wurden in IPCC-Berichten als oberer Extrempfad verwendet.
- CMIP / ScenarioMIP
- Das Coupled Model Intercomparison Project koordiniert international Klimamodellvergleiche. ScenarioMIP legt die Szenarien fest, auf deren Basis Klimaprojektionen erstellt werden.
- Klimaprojektion
- Eine modellbasierte Berechnung künftiger Klimaentwicklungen unter bestimmten Emissionsannahmen — nicht zu verwechseln mit einer Klimaprognose.
Was sind RCP8.5 und SSP5-8.5?
RCP8.5 und SSP5-8.5 sind Klimaszenarien, die sehr hohe Treibhausgasemissionen bis 2100 annehmen. Sie galten lange als oberer Standardpfad in Klimaprojektionen des IPCC und der Klimaforschung.
Warum werden diese Szenarien jetzt neu bewertet?
Das internationale ScenarioMIP-Projekt hat im Rahmen von CMIP7 festgestellt, dass RCP8.5 und SSP5-8.5 auf Basis aktueller energieökonomischer Annahmen nicht mehr als plausibler oberer Standardpfad gelten. Für CMIP7 wird ein niedrigeres Hochemissionsszenario vorgeschlagen.
Welche Konsequenzen fordert die AfD?
Die AfD fragt, ob die Bundesregierung bisherige Entscheidungsgrundlagen, Förderprogramme und Gesetze auf Basis dieser Szenarien systematisch überprüfen und ggf. korrigieren will, und welche finanziellen Mittel dafür seit 2015 aufgewendet wurden.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6514 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
































































