- Kasachstan-Lieferungen über Druschba-Pipeline sind ausgefallen
- Verhandlungen mit Polen über Hafen Gdańsk brachten kaum Ergebnisse
- 10 Fragen zu alternativen Rohölrouten über Stettin und Swinemünde
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7333 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die Raffinerie PCK in Schwedt (Brandenburg) gehört zu den größten Ölverarbeitungsanlagen in Ostdeutschland und versorgt die Region mit Kraft- und Heizstoffen. Rohöl bezog die Anlage traditionell über die Druschba-Pipeline aus Russland und Kasachstan. Nach dem weitgehenden Wegfall russischer Lieferungen im Zuge des Ukraine-Krieges und dem Ausfall kasachstanischer Lieferungen ist die Versorgungssituation angespannt. Als Ersatzroute wurde der polnische Hafen Gdańsk (Danzig) diskutiert; laut Vorbemerkung der Fragesteller brachten die Verhandlungen mit Polen jedoch bis auf eine Lieferung keine konkreten Ergebnisse.
Im Detail
Die Versorgung der Raffinerie PCK in Schwedt mit ausreichend Rohöl ist nach dem Ausfall der Lieferungen aus Kasachstan über die Druschba-Pipeline weiterhin in der Schwebe.
— Vorbemerkung BT-Drs. 21/7333
Die Rohölversorgung der Raffinerie PCK in Schwedt ist weiterhin ungeklärt. Nachdem Kasachstan-Lieferungen über die Druschba-Pipeline ausgefallen sind und Verhandlungen mit Polen über den Hafen Gdańsk (Danzig) laut Vorbemerkung der Anfrage kaum Früchte getragen haben, fragt die Fraktion Die Linke in der Kleinen Anfrage BT-Drs. 21/7333 (eingereicht am 24. Juli 2026) die Bundesregierung nach alternativen Versorgungswegen über polnische Ostseehäfen.
Im Zentrum der zehn Fragen stehen die Häfen Szczecin (Stettin) und Świnoujście (Swinemünde) als mögliche Alternativen zu Gdańsk. Die Abgeordneten wollen wissen, ob eine Rohöllieferung über diese Häfen technisch machbar ist und ob Rohöl anschließend per Binnentanker zur Raffinerie in Schwedt transportiert werden könnte. Konkret wird auch gefragt, welche Umbauten dafür nötig wären und ob die Bundesregierung oder die Raffinerie PCK selbst diese Option bereits geprüft haben.
PCK Schwedt: Rohölversorgung auf dem Prüfstand
Die Raffinerie PCK in Schwedt ist eine der wichtigsten Mineralölverarbeitungsanlagen in Ostdeutschland. Sie versorgt Brandenburg, Berlin und weitere ostdeutsche Regionen mit Kraft- und Heizstoffen. Jahrzehntelang kam das benötigte Rohöl über die Druschba-Pipeline aus Russland und Kasachstan. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 und dem daraufhin vollzogenen Verzicht auf russische Rohöllieferungen mussten neue Versorgungswege erschlossen werden. Der Hafen Rostock mit einer anschließenden Pipeline-Verbindung nach Schwedt ist eine bestehende Route; die genauen Kapazitäten und tatsächlichen Liefermengen über diesen Weg sind ebenfalls Gegenstand der Anfrage.
Ergänzend dazu verliefen Gespräche mit Polen über den Hafen Gdańsk. Laut Darstellung der Fragesteller brachten diese Verhandlungen bis auf eine Lieferung keine dauerhaften Ergebnisse. Die Fraktion Die Linke fragt daher konkret, über welche Liefermenge oder Bandbreite die Bundesregierung beziehungsweise die Raffinerie PCK aktuell mit Polen verhandelt.
Häfen Stettin und Swinemünde als Plan B
Die Anfrage richtet den Blick auf zwei weitere polnische Häfen: Szczecin (Stettin) und Świnoujście (Swinemünde). Beide liegen geografisch deutlich näher an Schwedt als Gdańsk. Die Abgeordneten fragen, ob trotz der fehlenden direkten Pipeline-Anbindung ein Transport per Binnentanker wirtschaftlich vorteilhafter sein könnte. Sie halten es laut Fragestellung für plausibel, dass die kürzere Entfernung die Kosten für Binnentankertransporte aufwiegen könnte – verglichen mit einem Pipeline-Bezug über den weiter entfernten Hafen Gdańsk.
Für die Routen über Stettin und Swinemünde werden jeweils separate Antworten erbeten: zu technischen Voraussetzungen, notwendigen Umbauten, bisherigen Prüfungen seitens der Bundesregierung und der Raffinerie PCK sowie zum Stand etwaiger Verhandlungen. Dieser detaillierte Fragenkatalog zeigt, dass die Fraktion Klarheit darüber gewinnen will, ob die Bundesregierung alle Optionen zur Sicherstellung der Rohölversorgung ernsthaft in Betracht zieht.
Was gilt aktuell?
Derzeit bezieht die Raffinerie PCK Rohöl hauptsächlich über den Hafen Rostock per Pipeline sowie über begrenzte Liefermengen aus Gdańsk. Die ursprüngliche Hauptversorgungsroute über die Druschba-Pipeline aus Kasachstan ist ausgefallen. Eine gesicherte, langfristige Lösung für den vollständigen Rohölbedarf der Raffinerie steht nach Angaben der Fragesteller noch aus. Die Bundesregierung hat dazu bislang keine öffentliche Stellungnahme zu den konkreten Kapazitätszahlen gemacht.
Die Antwortfrist der Bundesregierung auf diese Kleine Anfrage läuft bis zum 14. August 2026. Erst dann wird sich zeigen, welche Liefermengen über welche Häfen tatsächlich möglich und geplant sind – und ob die Alternativrouten über Stettin oder Swinemünde ernsthaft erwogen werden.
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Betroffen sind vor allem Verbraucherinnen und Verbraucher sowie Unternehmen in Brandenburg und den angrenzenden ostdeutschen Bundesländern, die auf die Kraftstoff- und Heizölversorgung der Raffinerie PCK angewiesen sind. Auch die rund 1.200 Beschäftigten der Raffinerie sind von der Versorgungslage direkt betroffen.
Die Kleine Anfrage (BT-Drs. 21/7333) wurde am 24. Juli 2026 eingereicht. Die Bundesregierung hat gemäß parlamentarischer Praxis 21 Tage Zeit zur Antwort; die Antwortfrist läuft bis zum 14. August 2026. Nach Eingang der Antwort wird diese als neue Drucksache veröffentlicht.
- Druschba-Pipeline
- Eines der längsten Ölpipeline-Netze der Welt, das russisches und kasachstanisches Rohöl nach Mittel- und Osteuropa transportiert. Der Name bedeutet auf Russisch 'Freundschaft'.
- Binnentanker
- Schiff zum Transport von flüssigen Gütern wie Rohöl auf Flüssen und Kanälen. Als Alternative zu Pipelines könnten Binnentanker Rohöl von Ostseehäfen zur Raffinerie Schwedt transportieren.
- PCK Schwedt
- PCK Raffinerie GmbH in Schwedt (Oder) ist eine der größten deutschen Mineralölverarbeitungsanlagen und versorgt vor allem Ostdeutschland mit Kraftstoffen, Heizöl und anderen Mineralölprodukten.
Warum ist die Rohölversorgung der Raffinerie Schwedt unsicher?
Laut Vorbemerkung der Anfrage sind die Lieferungen aus Kasachstan über die Druschba-Pipeline ausgefallen. Verhandlungen mit Polen über den Ersatzweg über den Hafen Gdańsk haben bislang kaum Ergebnisse gebracht.
Welche Alternativrouten werden in der Anfrage diskutiert?
Die Anfrage thematisiert Lieferwege über die Häfen Rostock, Gdańsk (Danzig), Szczecin (Stettin) und Świnoujście (Swinemünde) – teils per Pipeline, teils per Binnentanker zur Raffinerie Schwedt.
Wer hat die Kleine Anfrage eingereicht?
Die Kleine Anfrage wurde von Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und der Fraktion Die Linke am 14. Juli 2026 eingereicht.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7333 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.



































































