- PCK Schwedt verarbeitet nominal 11,5 Mio. Tonnen Rohöl pro Jahr
- Pipeline Rostock–Schwedt hat Kapazität von bis zu 7 Mio. Tonnen jährlich
- Alternativrouten über Szczecin und Swinemünde nicht von Bundesregierung geprüft
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7507 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die Raffinerie PCK in Schwedt (Brandenburg) war lange auf Rohöllieferungen aus Russland und Kasachstan über die Druschba-Pipeline angewiesen. Nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine und dem folgenden Ölembargo der EU entfiel diese Versorgungsroute weitgehend. Als Alternativen kommen seitdem vor allem der Hafen Rostock mit der Pipeline nach Schwedt sowie der polnische Hafen Gdańsk (Danzig) in Frage. Verhandlungen über regelmäßige Lieferungen über Gdańsk haben laut Fragesteller bislang kaum greifbare Ergebnisse gebracht, weshalb die Fraktion Die Linke auch nach den weniger genutzten polnischen Häfen Szczecin (Stettin) und Świnoujście (Swinemünde) als mögliche Alternativen fragte.
- 11,5 Mio. Tonnen/Jahr — Nominale Verarbeitungskapazität der PCK-Raffinerie in Schwedt laut Bundesregierung.
- bis zu 7 Mio. Tonnen/Jahr — Transportkapazität der Pipeline Rostock–Schwedt, abhängig von der Rohölsorte.
- ca. 30 Mio. Tonnen/Jahr — Kapazität der Pipeline ab Gdańsk (Danzig), die auch Raffinerien in Plock und Leuna versorgt.
Im Detail
Eine solche Prüfung wäre Aufgabe der PCK Raffinerie und ihrer Anteilseigner. Die Bundesregierung hat keine Kenntnisse darüber, ob eine solche Prüfung aktuell erfolgt ist.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7507, 6. August 2026
Die Rohölversorgung der Raffinerie PCK in Schwedt bleibt nach dem Wegfall kasachischer Lieferungen über die Druschba-Pipeline eine offene Frage. Die Bundesregierung hat am 6. August 2026 auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke (BT-Drs. 21/7333) geantwortet — und dabei bei zentralen Punkten auf Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse oder auf die Eigenverantwortung der Raffinerie verwiesen.
Kapazitäten bekannt, aktuelle Mengen nicht
Laut Bundesregierung verfügt die PCK-Raffinerie in Schwedt über eine nominale Jahreskapazität von 11,5 Millionen Tonnen Rohöl. Wie viel davon tatsächlich verarbeitet wird, hängt von den Raffineriemargen und Marktbedingungen ab — ein Betrieb unterhalb der Vollauslastung ist wirtschaftlich möglich. Die Pipeline vom Hafen Rostock nach Schwedt kann bis zu 7 Millionen Tonnen pro Jahr transportieren, je nach Rohölsorte. Wie viel tatsächlich über diese Route fließt, teilt die Bundesregierung nicht mit: Die Auslastungsdaten gelten als Betriebs- und Geschäftsgeheimnis.
Ähnlich verhält es sich beim polnischen Hafen Gdańsk (Danzig). Die dortige Pipeline hat laut Bundesregierung eine Gesamtkapazität von rund 30 Millionen Tonnen pro Jahr, beliefert aber auch die Raffinerien in Plock und Leuna — wie viel davon nach Schwedt geliefert wird oder über welche Mengen verhandelt wird, bleibt ebenfalls unter Verschluss. Die Bundesregierung stellt klar, dass sie selbst keine Verhandlungen mit Polen über konkrete Liefermengen für die PCK führt; das sei Aufgabe der Anteilseigner der Raffinerie.
Alternativrouten über Szczecin und Swinemünde nicht geprüft
Die Fraktion Die Linke fragte gezielt nach der Möglichkeit, Rohöl über die näher gelegenen polnischen Häfen Szczecin (Stettin) und Świnoujście (Swinemünde) per Binnentanker nach Schwedt zu transportieren. Diese Route könnte aufgrund der kürzeren Entfernung trotz Binnentankertransport kostengünstiger sein als der Pipeline-Weg über Gdańsk. Die Bundesregierung antwortete knapp: Eine solche Prüfung sei Aufgabe der PCK-Raffinerie und ihrer Anteilseigner. Ob das Unternehmen diese Option bereits geprüft hat, ist der Bundesregierung nach eigenen Angaben nicht bekannt.
PCK Schwedt: Versorgungssicherheit weiter unter Druck
Die PCK-Raffinerie ist einer der bedeutendsten Industriestandorte in der Uckermark und versorgt weite Teile Berlins und Brandenburgs mit Kraftstoffen und Heizöl. Der Ausfall der Druschba-Lieferungen hat die Suche nach alternativen Rohölquellen zur Daueraufgabe gemacht. Die Raffinerie ist inzwischen zu einem energiepolitisch sensiblen Standort geworden, dessen Versorgungssicherheit über rein wirtschaftliche Fragen hinausgeht.
Dass die Bundesregierung bei so vielen Detailfragen auf Unternehmensgeheimnisse oder Zuständigkeiten der Anteilseigner verweist, zeigt die Grenzen des staatlichen Informationsstands bei privatwirtschaftlich organisierten Infrastrukturanlagen. Aus energiepolitischer Perspektive — gerade angesichts der laufenden Debatten über Energieinvestitionen und Versorgungssicherheit — bleibt die Frage, wer die Verantwortung für die langfristige Rohölversorgung des Standorts trägt, damit politisch unbeantwortet.
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Direkt betroffen ist die Raffinerie PCK in Schwedt, einer der größten Arbeitgeber in der Uckermark mit mehreren tausend Beschäftigten. Mittelbar sind Verbraucher in Berlin und Brandenburg betroffen, da PCK einen erheblichen Teil der regionalen Kraftstoff- und Heizölversorgung übernimmt.
Die Bundesregierung beantwortet Kapazitätsfragen, verweigert aber bei tatsächlichen Liefermengen regelmäßig die Auskunft unter Verweis auf Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse. Bei Fragen zu Alternativrouten über Szczecin und Świnoujście verweist sie pauschal auf die Zuständigkeit der Raffinerie und ihrer Anteilseigner.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. PCK Schwedt: Rohölversorgung über Ostseehäfen ungeklärt →
- Druschba-Pipeline
- Eines der größten Pipelinesysteme der Welt, das Rohöl aus Russland nach Mittel- und Osteuropa transportiert. Die PCK-Raffinerie in Schwedt war jahrzehntelang über diesen Weg versorgt worden.
- Betriebs- und Geschäftsgeheimnis
- Vertrauliche Unternehmensdaten, die vom Staat nicht ohne Weiteres offenbart werden dürfen. Die Bundesregierung nutzt diesen Schutz als Begründung, um konkrete Liefermengen nicht zu nennen.
- Raffineriemarge
- Die Gewinnspanne, die eine Raffinerie bei der Verarbeitung von Rohöl zu Endprodukten wie Benzin oder Diesel erzielt. Sie beeinflusst, bei welcher Auslastung ein wirtschaftlicher Betrieb möglich ist.
Wie viel Rohöl kann die PCK-Raffinerie in Schwedt verarbeiten?
Die PCK verfügt laut Bundesregierung über eine nominale Jahreskapazität von etwa 11,5 Millionen Tonnen Rohöl.
Warum fehlen Angaben zu aktuellen Liefermengen?
Die Bundesregierung stuft diese Daten als Betriebs- und Geschäftsgeheimnis ein und macht daher keine konkreten Angaben.
Wurden Lieferwege über Szczecin oder Swinemünde geprüft?
Laut Bundesregierung ist eine solche Prüfung Aufgabe der PCK-Raffinerie und ihrer Anteilseigner; eigene Kenntnisse über eine entsprechende Prüfung hat die Bundesregierung nicht.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7507 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.

































































