- 7,97 Mio. Euro Bundesausgaben für Landshut-Projekt seit 2017
- Mietvertrag bis 2039: Gesamtvolumen 11,12 Mio. Euro
- Ausstellung nur 6 Monate geplant, kein Dauerbetriebsträger gefunden
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7863 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die Lufthansa-Maschine „Landshut“ wurde am 13. Oktober 1977 von palästinensischen Terroristen entführt. In der Nacht zum 18. Oktober 1977 befreite die GSG 9 die Geiseln in Mogadischu. Das Flugzeug wurde 2017 nach Deutschland zurückgeführt. Seit Ende 2020 verfolgt die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) federführend das Projekt „Lernort Landshut“ in Friedrichshafen. Als Standort wurde 2022 die Halle Q am Flughafen Friedrichshafen festgelegt; das Flugzeug wurde am 22. Oktober 2024 dort eingebracht. Ein eigener Haushaltstitel für das Projekt besteht nicht; die Mittel werden aus verschiedenen Titeln des Einzelplans 06 (Kapitel 0635) der bpb bestritten.
- 7.967.610,52 Euro — Gesamtausgaben des Bundes für das Landshut-Projekt von 2017 bis Stand 2026
- 11.117.835 Euro — Gesamtvolumen des Mietvertrags über Halle Q (Miete + Nebenkosten bis April 2039)
- 53.265,75 Euro/Monat — monatliche Miete seit Januar 2025, zuzüglich 8.500 Euro Nebenkosten
- 8.153.079 Euro — weitere Miet- und Nebenkosten von Mai 2028 bis April 2039, wenn kein Betrieb stattfindet
- 365.096,60 Euro — bisherige Ausgaben für das Computerspiel „SOKO 1977“ (ehemals „6 Weeks“)
Im Detail
Die Eröffnung der Ausstellung ist für den 18. Oktober 2027 geplant. Die Ausstellung soll nach gegenwärtiger Planung bis zum 23. April 2028 laufen.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7863, Fragen 4/4a/4b
Der Bund hat seit 2017 knapp 8 Millionen Euro für die Rückführung und das Ausstellungsprojekt rund um die Lufthansa-Maschine „Landshut“ ausgegeben — und ist zugleich durch einen Mietvertrag bis April 2039 mit einem Gesamtvolumen von 11,12 Millionen Euro gebunden. Nach derzeitiger Planung soll die Ausstellung in Friedrichshafen jedoch nur von Oktober 2027 bis April 2028 für Besucher zugänglich sein. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung (BT-Drs. 21/7863) auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion vom 3. September 2026 hervor.
Lernort Landshut: Was gilt aktuell?
Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) ist seit Ende 2020 federführend für das Vorhaben zuständig. Als Standort wurde 2022 die Halle Q, eine ehemalige Flugzeugwerft am Rollfeld des Flughafens Friedrichshafen, festgelegt. Das Flugzeug wurde am 22. Oktober 2024 dort eingebracht; der Umbau der Halle läuft seit Januar 2024. Einen eigenen Haushaltstitel für den Lernort Landshut gibt es nicht; die Ausgaben werden aus verschiedenen Titeln des bpb-Kapitels im Bundeshaushalt (Einzelplan 06, Kapitel 0635) bestritten.
Die monatliche Miete beträgt seit Januar 2025 53.265,75 Euro zuzüglich 8.500 Euro Nebenkosten. Der Mietvertrag zwischen der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) und dem Halleneigentümer wurde am 1. August 2023 geschlossen; die bpb ist Untermieterin. Eine ordentliche Kündigung ist vertraglich ausgeschlossen.
Kosten im Detail: Fast 8 Mio. Euro seit 2017
Die Gesamtausgaben seit der Rückführung des Flugzeugs nach Deutschland schlüsseln sich laut Drucksache wie folgt auf: 2017 fielen 2.188.750 Euro an, 2024 waren es 1.071.764,52 Euro und 2025 mit 2.239.786,67 Euro der bislang höchste Jahresbetrag. Für Hallenmiete und Nebenkosten wurden allein 2025 rund 1,76 Mio. Euro verausgabt. Für Personalkosten der bpb sind seit 2022 insgesamt mehr als 1,38 Mio. Euro angefallen. Das Computerspiel zum Projekt — zunächst unter dem Arbeitstitel „6 Weeks“, inzwischen als „SOKO 1977“ bezeichnet — kostete bis zum Berichtszeitpunkt 365.096,60 Euro; es soll kostenlos erscheinen und keine Einnahmen generieren. Für den Bereich Games-Förderung insgesamt stellen sich ähnliche Fragen der Erfolgskontrolle.
Kein Dauerbetrieb: Trägersuche gescheitert
Der Lernort Landshut soll nach aktuellem Stand nur sechs Monate öffnen. Die Bundesregierung begründet dies damit, dass nur die bislang zur Verfügung gestellten Mittel ausgegeben werden sollen und ein weiterer Betrieb von der Bereitstellung zusätzlicher Haushaltsmittel abhängt. Gespräche mit der Stadt Friedrichshafen (16. Juli 2025) und dem Bodenseekreis (18. September 2025) verliefen ohne Ergebnis; beide zeigten sich laut Bundesregierung zurückhaltend gegenüber einer finanziellen Beteiligung. Die Stiftung Dornier schloss eine Trägerübernahme ebenfalls aus.
Ein langfristiger Betrieb würde laut Bundesregierung ab 2028 jährlich rund 1.951.000 Euro kosten — aufgeteilt in ca. 810.000 Euro Personal, 741.000 Euro Miete und 400.000 Euro sonstigen Betrieb. Ab 2032 steigt die Kalkulation auf ca. 2.291.000 Euro jährlich. Für den Zeitraum Mai 2028 bis April 2039 entstehen allein durch Miete und Nebenkosten weitere 8.153.079 Euro, auch wenn kein Betrieb stattfindet. Das entspricht dem Betrag, den der Haushaltsgesetzgeber ursprünglich für das gesamte Projekt bereitgestellt hat.
Haushaltsrechtliche Fragen offen
Die AfD-Fraktion fragte auch nach der Wirtschaftlichkeit des Vorhabens gemäß § 7 der Bundeshaushaltsordnung. Die Bundesregierung erklärt, die Wirtschaftlichkeitsuntersuchung der BImA aus dem Jahr 2023 habe die Halle Q als günstigste Option identifiziert. Nach Abschluss des Mietvertrags sei keine neue Prüfung erforderlich geworden, da die spätere Begrenzung des Betriebs auf sechs Monate die ursprüngliche Anmietungsentscheidung nicht berühre. Der Haushaltsausschuss des Bundestages wurde laut Antwort nicht förmlich nach § 4 Abs. 2 Haushaltsgesetz 2023 beteiligt, aber über die vierteljährlichen Mitteilungen zu überplanmäßigen Verpflichtungsermächtigungen informiert. Eine Prüfung durch den Bundesrechnungshof ist der Bundesregierung nicht bekannt. Debatten um Vergabepraxis und Kontrolle bei Bundesprojekten beschäftigen den Bundestag in dieser Wahlperiode mehrfach.
Zur inhaltlichen Gestaltung der Ausstellung teilt die Bundesregierung mit, dass die „Landshut“-Entführung im Mittelpunkt steht und die Opfer der RAF an entsprechenden Stellen gewürdigt werden. Neben Linksterrorismus wird auch palästinensischer Terrorismus behandelt, da palästinensische Terroristen das Flugzeug entführten. Die bpb steht mit über 20 Zeitzeugen in Kontakt. Der Arbeitstitel „Demokratieraum“ ist nach Angaben der Bundesregierung nicht mehr Teil des Projektnamens.
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Unmittelbar betroffen sind die Überlebenden der Entführung, Angehörige der Opfer des Deutschen Herbstes sowie die Steuerzahler, die das Projekt finanzieren. Mittelbar betroffen sind Interessierte an Zeitgeschichte und politischer Bildung, für die der geplante Lernort nur für sechs Monate zugänglich sein soll, sowie die Stadt Friedrichshafen und der Bodenseekreis, die als potenzielle Mitträger angesprochen wurden, sich aber zurückhaltend zeigen.
Die Bundesregierung hat die meisten Fragen substantiell beantwortet und detaillierte Kostenzahlen geliefert. Zu einzelnen Unterfragen — insbesondere zu Optionen nach Ende des Publikumsbetriebs (Fragen 8e, 8f) und zu möglichen Einnahmeprognosen (Frage 5d) — verweist sie auf noch laufende Prüfungen oder erklärt, noch keine Aussage treffen zu können. Frage 11a (Prozentrechnung) wurde mit dem Hinweis beantwortet, der Fragestellerin lägen alle benötigten Informationen vor.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Lernort Landshut: 15 Mio. Euro, nur 6 Monate Betrieb →
- BImA
- Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben verwaltet das Immobilienvermögen des Bundes und schließt Mietverträge für Bundesliegenschaften ab.
- Verpflichtungsermächtigung (§ 38 BHO)
- Haushaltsrechtliche Genehmigung, finanzielle Verpflichtungen einzugehen, die erst in künftigen Haushaltsjahren zu Ausgaben führen.
- Selbstbewirtschaftungstitel
- Haushaltsmittel, die einer Behörde zur eigenverantwortlichen Bewirtschaftung übertragen werden; nicht verbrauchte Mittel können auf Folgejahre übertragen werden.
Wie viel Miete zahlt der Bund für die Landshut-Halle?
Seit Januar 2025 beträgt die monatliche Miete 53.265,75 Euro zuzüglich 8.500 Euro Nebenkosten. Das Gesamtvolumen des Mietvertrags bis April 2039 beläuft sich auf 11.117.835 Euro.
Wer ist für den Lernort Landshut zuständig?
Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) trägt die Federführung; institutioneller Träger ist das Dornier Museum Friedrichshafen. Die Mietkosten laufen über die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA).
Warum soll die Ausstellung nur ein halbes Jahr öffnen?
Laut Bundesregierung stehen für den Betrieb über das bestehende Projektbudget hinaus keine Haushaltsmittel bereit. Ein Träger für den Dauerbetrieb wurde trotz Gesprächen mit Kommunen, Stiftungen und anderen Einrichtungen nicht gefunden.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7863 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.

































































