Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7971 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
- 233 Mio. Euro Entwicklungshilfe für Ukraine im Haushalt 2026 eingeplant
- 107.000 ukrainische Männer (23–60 J.) bezogen April 2026 Bürgergeld
- Kampfdrohnen Anubis und Seth-X werden gemeinsam produziert
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7971 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Am 14. April 2026 haben Deutschland und die Ukraine im Rahmen von Regierungskonsultationen eine strategische Partnerschaft vereinbart. Das Dokument enthält Vereinbarungen zur Rüstungskooperation, zur Datenteilung, zum Wiederaufbau und zum Arbeitsmarkt. Die USA haben laut Drucksache ihre direkten militärischen Zuwendungen an die Ukraine eingestellt; die Finanzierung läuft zunehmend über NATO-finanzierte Mechanismen. Die Zahl der Geberländer der tschechischen Munitionsinitiative ist nach Medienberichten von 18 auf neun gesunken, was die Frage nach dem deutschen Kostenanteil aufwirft.
- 233 Mio. Euro — Neue Mittel für Entwicklungszusammenarbeit mit der Ukraine, vollständig im Einzelplan 23 des Bundeshaushalts 2026 veranschlagt.
- 107.000 — Ukrainische Männer zwischen 23 und 60 Jahren mit Bürgergeld-Bezug in Deutschland (Stand April 2026).
- 75 Mio. Euro — Haushaltsmittel für medizinische Behandlung ukrainischer Soldaten (50 Mio. Euro 2025, 25 Mio. Euro 2026).
- 5.510 → 1.038 — Politisch motivierte Straftaten im Ukraine-Kontext: Rückgang von 2022 bis 2025.
- 33 Personen — Aus Deutschland Ausgereiste mit Extremismusbezug und Verdacht auf Beteiligung an Kampfhandlungen (Stand 30. Juni 2026); 14 davon sind wieder zurückgekehrt.
Im Detail
Die enge Zusammenarbeit mit der Ukraine trägt zur Sicherheit Deutschlands bei.
— Vorbemerkung der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7971
Die deutsch-ukrainische strategische Partnerschaft, die am 14. April 2026 bei den Regierungskonsultationen in Berlin beschlossen wurde, hat weitreichende Konsequenzen für Deutschlands Rüstungsindustrie, Haushalt und Sozialsysteme. Die Bundesregierung hat am 9. September 2026 auf 54 Detailfragen der AfD-Fraktion geantwortet (BT-Drs. 21/7971) und dabei erstmals konkrete Zahlen und Strukturen offengelegt.
Deutsch-ukrainische Partnerschaft: Drohnen und Joint Ventures
Kernstück der Rüstungskooperation im Rahmen der deutsch-ukrainischen strategischen Partnerschaft ist die gemeinsame Fertigung von Kampfdrohnen. Laut Drucksache wurden am 14. April 2026 Durchführungsvereinbarungen zur Produktion von Langstreckenkampfdrohnen des Typs Anubis und Mittelstreckenkampfdrohnen des Typs Seth-X unterzeichnet. Diese Kooperationen werden als Joint Ventures strukturiert; die bestehenden Eigentums- und Gesellschaftsstrukturen der beteiligten Unternehmen bleiben laut Bundesregierung unberührt. Die Rüstungskooperation erfolgt im Rahmen des Kriegswaffenkontrollgesetzes und des Außenwirtschaftsgesetzes.
Ebenfalls unterzeichnet wurde eine Vereinbarung über Datenkooperation, die unter anderem den Austausch von Gefechtsfelddaten regelt — insbesondere zur Analyse des Einsatzes deutscher Waffensysteme. Die Datenübermittlung erfolge laut Bundesregierung unter strikter Einhaltung nationaler Gesetze. Zudem plant der staatliche ukrainische Rüstungskonzern Ukrainian Defense Industry (UDI) die Eröffnung einer Niederlassung in Berlin, die sich der Intensivierung der Sicherheits- und Verteidigungskooperation widmen soll.
233 Mio. Euro Entwicklungshilfe und Wiederaufbau
Finanziell schlägt die deutsch-ukrainische strategische Partnerschaft mit bis zu 233 Mio. Euro für Entwicklungszusammenarbeit zu Buche — alle genannten Mittel sind laut Bundesregierung vollständig im Einzelplan 23 des Bundeshaushalts 2026 veranschlagt. Hinzu kommen 25 Mio. Euro für die medizinische Versorgung ukrainischer Soldatinnen und Soldaten in Deutschland im Jahr 2026 (nach 50 Mio. Euro im Jahr 2025). Auf der Ukraine-Wiederaufbaukonferenz in Danzig im Juni 2026 wurden keine neuen finanziellen Zusagen gemacht. Detaillierte Aufschlüsselungen zu Einzelprojekten in den Bereichen Energie, Wohnungsbau, Digitalisierung und Rohstoffe verweist die Bundesregierung pauschal auf öffentlich verfügbare Ressortinformationen — eine vollständige Antwort bleibt sie damit schuldig.
Im Bereich kritischer Mineralien haben der Staatliche Dienst für Geologie und Bodenschätze der Ukraine und die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe eine Vereinbarung zur Erschließung kritischer Mineralien unterzeichnet. Ziel sei es laut Bundesregierung, Deutschland im Rohstoffbereich breiter aufzustellen.
Bürgergeld: 107.000 ukrainische Männer im Leistungsbezug
Ein politisch besonders aufgeladenes Thema betrifft das deutsche Sozialsystem: Im April 2026 bezogen laut Statistik der Bundesagentur für Arbeit rund 107.000 ukrainische Männer zwischen 23 und 60 Jahren Bürgergeld (SGB II). Die strategische Partnerschaft enthält eine Klausel, wonach Deutschland erwartet, dass die Ukraine die Zahl der Männer im wehrfähigen Alter, die das Land verlassen, reduziert. Die Bundesregierung bewertet die Maßnahmen der ukrainischen Regierung zur Durchsetzung des Kriegsrechts dabei ausdrücklich nicht hinsichtlich ihrer Geeignetheit. Zur Rückkehr ukrainischer Schutzberechtigter aus Deutschland hält die Bundesregierung fest, dass diese freiwillig möglich sei. Angaben zu Bürgergeld-Sperren wegen fehlender Erreichbarkeit (Fragen 20–22) kann die Bundesregierung nach eigenen Angaben nicht machen, da keine entsprechenden Erkenntnisse vorliegen.
Zur Bekämpfung von Sozialbetrug prüft die Bundesregierung laut Drucksache, wie Leistungsbehörden Informationen zur Einkommens- und Vermögenssituation von Leistungsberechtigten mit ukrainischer Staatsangehörigkeit von ukrainischen Stellen erhalten können. Ein sogenannter Unity Hub in Berlin soll die Rückkehr ukrainischer Staatsangehöriger in die Heimat erleichtern und mit Jobcentern und Arbeitsagenturen kooperieren.
Sicherheitsfragen und Verschlusssachen
Die Frage, ob deutsche Rüstungsgüter — insbesondere Marder-Schützenpanzer — von russischen Streitkräften erbeutet wurden, beantwortet die Bundesregierung nicht öffentlich. Die Antwort auf Frage 13 wurde als „VS – Nur für den Dienstgebrauch“ eingestuft und ist nur im Parlamentssekretariat einsehbar. Zu einem möglichen russisch-chinesischen Informationsaustausch über technische Details erbeuteter Waffensysteme erklärt die Bundesregierung, ihr lägen keine Erkenntnisse vor. Deutsche Unternehmen haben bereits Lizenzen für die Produktion von Patriot-Lenkflugkörpern erhalten — Details zu weiteren Rüstungskooperationen nennt die Bundesregierung aus Gründen der Vertraulichkeit nicht.
Zu politisch motivierten Straftaten mit Ukraine-Bezug verzeichnet die Statistik einen deutlichen Rückgang: von insgesamt 5.510 Fällen im Jahr 2022 auf 1.038 Fälle im Jahr 2025. Aus Deutschland sind seit Februar 2022 insgesamt 33 Personen mit Extremismusbezug in Richtung einer der Konfliktparteien ausgereist — 15 pro-ukrainisch, 18 pro-russisch orientiert; 14 sind inzwischen zurückgekehrt.
Ob die strategische Partnerschaft rechtlich bindend ist, beantwortet die Bundesregierung klar: Das Dokument und alle Anlagen sind rechtlich unverbindlich. Die Bundesregierung informiert Bundestag und Öffentlichkeit nach eigenen Angaben regelmäßig anlassbezogen über den Umsetzungsstand. Weitere Vereinbarungen aus Anlage I befinden sich laut Drucksache noch in Planung. Einen Überblick über die aktuellen Drucksachen des Bundestages bietet auch die Wochenübersicht vom 21. September 2026.
Weiterlesen:
- Klimaneutralität 2045: Grüne fragen nach Wirtschaftsstrategie
- Energiearmut: Linke fordert gesetzliche Definition und Verbot von Energiesperren
Direkt betroffen sind die deutsche Rüstungs- und Verteidigungsindustrie, die an Joint Ventures mit ukrainischen Unternehmen beteiligt ist, sowie rund 107.000 ukrainische Männer im erwerbsfähigen Alter, die in Deutschland Bürgergeld beziehen. Indirekt betrifft die Partnerschaft alle Steuerzahler, da 233 Mio. Euro Entwicklungshilfe und weitere Mittel aus dem Bundeshaushalt 2026 fließen.
Die Bundesregierung beantwortet die meisten Fragen inhaltlich, weicht jedoch bei mehreren Fragen aus: Frage 13 (erbeutete Marder-Panzer) wird nur als Verschlusssache übermittelt, Fragen 26/27 zu konkreten Wiederaufbau-Projekten werden pauschal auf Anlagen verwiesen, Fragen 20–22 zu Bürgergeld-Kontrollen bleiben unbeantwortet mit Hinweis auf fehlende Erkenntnisse.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Deutsch-ukrainische Strategische Partnerschaft: 54 Fragen zu Kosten und Kontrolle →
- Joint Venture
- Gemeinschaftsunternehmen, an dem zwei oder mehr Unternehmen beteiligt sind. Bei der Drohnenproduktion teilen sich deutsche und ukrainische Firmen Entwicklung und Fertigung.
- Kleeblattmechanismus
- Koordinierungsmechanismus zur Evakuierung und Behandlung schwer verletzter Patienten aus der Ukraine in deutschen Kliniken, organisiert über die Bundesländer.
- KPMD-PMK
- Kriminalpolizeilicher Meldedienst – Politisch motivierte Kriminalität; bundesweites Erfassungssystem für politisch motivierte Straftaten beim Bundeskriminalamt.
Was ist die deutsch-ukrainische strategische Partnerschaft?
Am 14. April 2026 haben Deutschland und die Ukraine ihre Beziehungen auf die Ebene einer strategischen Partnerschaft gehoben. Sie umfasst Rüstungskooperation, Wiederaufbau, Energieversorgung, Arbeitsmarkt und kulturellen Austausch.
Wie viel Geld stellt Deutschland der Ukraine über diese Partnerschaft bereit?
Laut Drucksache sind bis zu 233 Mio. Euro für Entwicklungszusammenarbeit im Einzelplan 23 des Bundeshaushalts 2026 eingeplant. Zusätzlich stehen 25 Mio. Euro für medizinische Versorgung ukrainischer Soldaten in Deutschland zur Verfügung.
Sind die Vereinbarungen der strategischen Partnerschaft rechtlich bindend?
Nein. Laut Bundesregierung handelt es sich bei der Erklärung und ihren Anlagen um ein rechtlich unverbindliches Dokument. Keine der Absprachen hat völkerrechtlich oder anderweitig vertraglich bindenden Charakter.

































































