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- Industrie könnte 29 Mrd. Euro jährlich durch Energieeffizienz einsparen
- Grüne lehnen Abschwächung des Energieeffizienzgesetzes ab
- Stromverbrauch von Rechenzentren soll bis 2037 auf 10 % des deutschen Bedarfs steigen
Hintergrund
Das Energieeffizienzgesetz (EnEfG) trat in der Legislaturperiode unter grüner Regierungsbeteiligung in Kraft und schuf erstmals verbindliche Energieeinsparziele für Wirtschaft und öffentliche Hand in Deutschland. Es dient zugleich der Umsetzung der europäischen Energieeffizienzrichtlinie (EED). Gegen Deutschland läuft nach Angaben des Antrags bereits ein EU-Vertragsverletzungsverfahren wegen unzureichender Umsetzung der Einsparverpflichtungen aus Artikel 8 EED. Die Bundesregierung hat eine Novelle des EnEfG vorgelegt, die nach Einschätzung der Grünen zentrale Regelungen abschwächt oder streicht. Die Fraktion hatte dazu bereits eine Kleine Anfrage (Drs. 21/5391) gestellt.
- Bis zu 40 % — Um diesen Anteil könnte die deutsche Industrie laut Antrag ihren Energiebedarf allein durch Effizienzmaßnahmen senken.
- 29 Mrd. Euro — Jährliches Einsparpotenzial der Industrie durch Energieeffizienzinvestitionen, die sich im Schnitt nach 3–4 Jahren amortisieren.
- 3,8 Mrd. Euro — Für drei Jahre geplante Subventionen für den Industriestrompreis zum Vergleich.
- 5-fach — Um diesen Faktor soll der Stromverbrauch von Rechenzentren bis 2037 gegenüber dem heutigen Stand steigen.
- 10 % — Anteil am jährlichen deutschen Stromverbrauch, den Rechenzentren laut Bundesnetzagentur-Prognose 2037 ausmachen werden.
Im Detail
Die deutsche Industrie könnte ihren Energiebedarf allein durch Effizienzmaßnahmen um bis zu 40% senken. Diese Investitionen amortisieren sich im Schnitt nach drei bis vier Jahren und bringen jährliche Einsparungen von rund 29 Milliarden Euro.
— Begründung BT-Drs. 21/8139, Fraktion Bündnis 90/Die Grünen
Jährlich 29 Milliarden Euro — so hoch beziffert die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen das Einsparpotenzial der deutschen Industrie durch Energieeffizienzmaßnahmen. Mit dem Antrag BT-Drs. 21/8139 vom 22. September 2026 fordert sie die Bundesregierung auf, die geplante Novelle des Energieeffizienzgesetzes (EnEfG) grundlegend zu überarbeiten und stattdessen ambitioniertere Standards festzuschreiben. Gleichzeitig soll die Bundesregierung strenge Effizienzregeln für Rechenzentren einführen, deren Stromverbrauch nach Prognosen der Bundesnetzagentur bis 2037 auf das Fünffache des heutigen Niveaus steigen könnte.
Was gilt aktuell?
Das Energieeffizienzgesetz trat unter grüner Regierungsbeteiligung in Kraft und schuf erstmals verbindliche Einsparziele für Unternehmen und die öffentliche Hand. Es setzt die europäische Energieeffizienzrichtlinie (EED) in deutsches Recht um. Unternehmen ab bestimmten Verbrauchsschwellen sind zur Einführung von Energie- oder Umweltmanagementsystemen verpflichtet — eine Frist, die laut Antrag bereits zum 18. Juli 2025 abgelaufen ist. Gegen Deutschland läuft nach Angaben des Antrags zudem bereits ein EU-Vertragsverletzungsverfahren wegen unzureichender Umsetzung der Einsparverpflichtungen aus Artikel 8 EED.
Energieeffizienzgesetz: Was die Grünen an der Novelle kritisieren
Aus Sicht der Fraktion verkennt die Bundesregierung mit ihrer Novelle den Ernst der Energiekrise. Zentrale Regelungen würden gestrichen oder abgeschwächt, ohne nachzuweisen, dass die Wirksamkeit des Gesetzes erhalten bleibt. Besonders kritisieren die Antragsteller, dass die Vorbildfunktion der öffentlichen Hand — also Energiesparverpflichtungen für Behörden, Hochschulen und Rathäuser — auf eine bloße Soll-Bestimmung reduziert werden soll. Außerdem soll die Pflicht zur Einführung von Managementsystemen um 2,5 Jahre verschoben werden, was laut Fraktion bereits laufende Transformationsprozesse in Unternehmen ausbremsen würde. Der Gesetzentwurf der Bundesregierung stehe zudem im Widerspruch zu den Festlegungen des Klimaschutzprogramms, das vorsieht, keine Änderungen am EnEfG vorzunehmen, die zu höheren Treibhausgasemissionen führen.
Zum Vergleich stellt der Antrag die Größenordnungen gegenüber: Für den Industriestrompreis sind über drei Jahre insgesamt 3,8 Milliarden Euro an Subventionen vorgesehen — die erzielbaren Einsparungen durch Energieeffizienz in der Industrie wären laut Antrag mit rund 29 Milliarden Euro pro Jahr fast achtmal so hoch, bei einer durchschnittlichen Amortisationszeit von drei bis vier Jahren. Dieser Befund unterstreicht, warum die Fraktion Energieeffizienz als „kostengünstigsten Hebel“ für eine unabhängige Energieversorgung betrachtet. Ähnliche Überlegungen prägen auch den energiepolitischen Streit um Industriestrompreise und Sanktionen, der den Bundestag seit Monaten beschäftigt.
Rechenzentren: Effizienz als Standortfaktor
Ein eigener Schwerpunkt des Antrags gilt Rechenzentren. Die Bundesnetzagentur erwartet, dass deren Stromverbrauch bis 2037 auf das Fünffache des heutigen Niveaus steigt und dann rund 10 Prozent des jährlichen deutschen Strombedarfs ausmacht. Die Grünen fordern deshalb, die Leistungsschwellen für Effizienzpflichten nicht anzuheben, sondern zu senken, die Zielwerte für die Energieverbrauchseffektivität (PUE-Werte) beizubehalten und Rechenzentrumsbetreiber zu verpflichten, ihren Strombedarf aus tatsächlich zusätzlichen erneuerbaren Energiequellen — etwa über Direktkaufverträge — zu decken. Die Erzeugung von Strom aus fossilen Quellen auf dem Gelände soll untersagt werden. Zudem soll der Bund Rechenleistung künftig nur noch aus nach dem Blauen Engel zertifizierten Rechenzentren beziehen. Diese Debatte fügt sich in die breitere Diskussion um die Modernisierung des Stromnetzes ein.
Abwärme und öffentliche Hand
Der Antrag fordert außerdem, Abwärmepotenziale konsequenter zu nutzen. Rechenzentrumsbetreiber sollen ihre voraussichtlichen Abwärmepotenziale bereits beim Netzbetreiber-Zuschlag und der Baugenehmigung an eine zentrale Plattform melden, damit Wärmenetzbetreiber diese in ihre Planungen einbeziehen können. Für die öffentliche Hand soll das Energie- und Umweltmanagementsystem in öffentlichen Gebäuden verpflichtend bleiben. Berichts- und Nachweispflichten für Unternehmen sollen durch das Once-Only-Prinzip (Einmalerfassung) vereinfacht werden, ohne die Effizienzziele zu gefährden. Vergleichbare Debatten über staatliche Vorbildfunktion und Investitionssteuerung prägen auch den Diskurs über Regierungsbauten und staatliche Ausgabendisziplin.
Auf europäischer Ebene setzt sich die Fraktion für ambitionierte Effizienz-Mindestanforderungen für Rechenzentren noch im laufenden Jahr und für ein verpflichtendes EU-Nachhaltigkeitslabel für Rechenzentren ein. Zusätzlich soll ein EU-Nachhaltigkeitslabel für KI-Modelle eingeführt werden, das den Ressourcenverbrauch von KI-Chatbots transparent und vergleichbar macht.
Weiterlesen:
Unmittelbar betroffen sind Industrieunternehmen, die Energiemanagementsysteme einführen müssen, sowie Betreiber von Rechenzentren, für die strengere Effizienz- und Abwärmestandards gelten sollen. Mittelbar sind alle Energieverbraucher betroffen, da höhere Energieeffizienz nach Darstellung der Fraktion die Nachfrage nach fossilen Energieträgern und damit deren Preise senkt. Kommunen und Wärmeversorger sind durch Forderungen zur Abwärmenutzung ebenfalls adressiert.
Der Antrag (BT-Drs. 21/8139) wurde am 22. September 2026 eingebracht. Als nächste Schritte stehen die Zuweisung an den zuständigen Ausschuss, die Ausschussberatung und anschließend die Abstimmung im Bundestags-Plenum an.
- EnEfG
- Energieeffizienzgesetz — deutsches Bundesgesetz, das verbindliche Ziele für die Senkung des Energieverbrauchs in Wirtschaft, öffentlicher Hand und Gebäuden festschreibt.
- PUE-Wert
- Power Usage Effectiveness — Kennzahl für die Energieeffizienz von Rechenzentren. Ein PUE von 1,0 bedeutet, dass die gesamte Energie direkt für Rechenleistung genutzt wird; höhere Werte zeigen Verluste an.
- EED (Energy Efficiency Directive)
- Europäische Energieeffizienzrichtlinie, die verbindliche Einsparziele für EU-Mitgliedstaaten vorschreibt und von Deutschland in nationales Recht umgesetzt werden muss.
Was kritisieren die Grünen an der EnEfG-Novelle?
Laut Antrag streicht oder schwächt die geplante Novelle zentrale Regelungen des Energieeffizienzgesetzes ab, ohne sicherzustellen, dass die europäischen Vorgaben weiterhin erfüllt werden. Auch die Vorbildfunktion der öffentlichen Hand werde auf eine bloße Soll-Bestimmung reduziert.
Welche Rolle spielen Rechenzentren in dem Antrag?
Rechenzentren sind ein eigener Schwerpunkt: Die Bundesnetzagentur erwartet, dass ihr Stromverbrauch bis 2037 auf das Fünffache des heutigen Niveaus steigt und dann 10 Prozent des deutschen Jahresstrombedarfs ausmacht. Die Grünen fordern strengere Effizienzstandards und Abwärmenutzungspflichten.
Was ist das EU-Vertragsverletzungsverfahren, das im Antrag erwähnt wird?
Laut Antrag läuft gegen Deutschland bereits ein EU-Vertragsverletzungsverfahren, weil die Einsparverpflichtungen aus Artikel 8 der europäischen Energieeffizienzrichtlinie (EED) nicht ausreichend erfüllt werden. Eine weitere Abschwächung des Gesetzes könnte dieses Verfahren verlängern.

































































