- 326.285 Menschen in NRW beziehen 2025 Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung
- Bundesweit stieg die Zahl der Grundsicherungsempfänger auf knapp 1,28 Millionen
- Bundesregierung plant keine bundeslandspezifischen Maßnahmen gegen Altersarmut
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7384 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die Drucksache 21/7384 vom 27. Juli 2026 beantwortet eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke zur Altersarmut in NRW. Deutschland verzeichnet laut dem Paritätischen Armutsbericht 2025 über 13,3 Millionen Armutsbetroffene, wobei Menschen ab 65 Jahren überdurchschnittlich häufig betroffen sind. Die Anfrage reiht sich in eine Serie gleichartiger Anfragen ein (zuletzt BT-Drs. 21/1421 und 20/12534), mit der Die Linke die Entwicklung der Rentensituation regelmäßig statistisch dokumentiert. Die Antwort wurde vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales übermittelt.
- 1.283.860 — Grundsicherungsempfänger bundesweit Ende 2025 (2016: 1.025.903)
- 326.285 — Grundsicherungsempfänger in NRW Ende 2025, davon 171.720 Frauen und 154.565 Männer
- 764.065 — Grundsicherungsempfänger ab Regelaltersgrenze bundesweit 2025 (2016: 525.595)
- 1.579 Euro/Monat — Durchschnittlicher Rentenzahlbetrag Männer (Altersrente, Bestand) in NRW 2025; Frauen erhalten nur 916 Euro
- 7,914 Mio. — Geringfügig Beschäftigte bundesweit (Stand 30.06.2025), davon 1,794 Mio. in NRW
Im Detail
Der beste Schutz gegen Altersarmut sind eine gute Ausbildung, durchgehende Erwerbsbiografien mit anständigen Löhnen und die Absicherung in der gesetzlichen Rentenversicherung flankiert durch betriebliche Altersversorgung und private Zusatzvorsorge.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7384, S. 6–7
In Nordrhein-Westfalen beziehen Ende 2025 rund 326.285 Menschen Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung — das entspricht gut einem Viertel aller bundesweiten Empfänger. Gegenüber 2016 (267.133 Fälle) ist das ein Anstieg von mehr als 22 Prozent. Bundesweit stieg die Zahl der Grundsicherungsempfänger im selben Zeitraum von rund 1,03 Millionen auf knapp 1,28 Millionen. Diese Zahlen entstammen der Antwort der Bundesregierung auf BT-Drs. 21/7384, die das Bundesministerium für Arbeit und Soziales am 27. Juli 2026 übermittelt hat.
Altersarmut in NRW: Frauen besonders betroffen
Der Geschlechterunterschied bei der Altersarmut ist in NRW deutlich ausgeprägt. Von den 326.285 Grundsicherungsempfängern sind 171.720 Frauen (52,6 Prozent) und 154.565 Männer. Beim Blick auf die Altersrente im Rentenbestand 2025 zeigt sich eine gravierende Lücke: Männer in NRW erhalten im Durchschnitt 1.579 Euro monatlich, Frauen dagegen nur 916 Euro — ein Unterschied von fast 42 Prozent. Diese Rentenlücke ist laut dem Neunten Altersbericht der Bundesregierung auf die traditionelle Aufteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit zurückzuführen, die sich in Teilzeitarbeit und Erwerbsunterbrechungen von Frauen in Westdeutschland niederschlägt.
Was gilt aktuell?
Wer seinen Lebensunterhalt nicht aus eigenen Mitteln bestreiten kann und die Regelaltersgrenze erreicht hat oder dauerhaft voll erwerbsgemindert ist, hat Anspruch auf Grundsicherung im Alter nach dem 4. Kapitel SGB XII. Diese Leistung wird ergänzend zur Rente gewährt, wenn diese nicht ausreicht. Die Bundesregierung sieht in diesem Sicherungsnetz den zentralen Schutz gegen Altersarmut und verweist auf die gesetzliche Rentenversicherung, betriebliche Altersvorsorge und private Zusatzvorsorge als Säulen der Alterssicherung. Bundeslandspezifische Maßnahmen gegen Altersarmut plant die Bundesregierung nach eigenen Angaben nicht.
Verhältnis Beitragszahler zu Rentnern in NRW
Ende 2024 standen in NRW 7.322.384 Pflichtversicherte 4.105.811 Rentnern gegenüber — ein Verhältnis von 1,78 zu 1. Bundesweit liegt dieses Verhältnis bei 1,74. Besonders ungünstig ist es in ostdeutschen Ländern: In Mecklenburg-Vorpommern kommt auf je 1,19 Pflichtversicherte ein Rentner. NRW liegt damit leicht über dem Bundesdurchschnitt, aber deutlich unter dem Spitzenwert Hamburg (2,40) oder Bayern (2,00). Die Frage, wie sich dieses Verhältnis in den letzten zehn Jahren entwickelt hat, beantwortet die Bundesregierung für 2024 direkt — für ältere Jahre verweist sie auf Vorgängerdrucksachen.
Grundsicherung: Anstieg bei älteren Rentnern besonders stark
Besonders auffällig ist der Anstieg der Grundsicherungsempfänger ab der Regelaltersgrenze. Bundesweit stieg diese Gruppe von 525.595 Personen im Jahr 2016 auf 764.065 im Jahr 2025. In NRW erhielten 2025 rund 201.940 Menschen ab Regelaltersgrenze Grundsicherung, davon 117.340 Frauen. Der Anteil der Grundsicherungsempfänger ab Regelaltersgrenze an der entsprechenden Bevölkerungsgruppe lag in NRW 2024 bei 5,3 Prozent — ein deutlicher Anstieg gegenüber 4,0 Prozent im Jahr 2016. Zum Vergleich: In Hamburg liegt dieser Anteil bei 10,5 Prozent, in Berlin bei 8,8 Prozent.
Die Drucksache liefert auch Zahlen zur Erwerbsminderungsrente: In NRW trugen 2025 rund 34.352 neu zugehende Erwerbsminderungsrenten Abschläge, was einem Anteil von 95,6 Prozent entspricht. Der durchschnittliche Abschlag liegt bei 128 Euro monatlich. Dieser strukturelle Einkommensabzug macht Erwerbsminderungsrentner besonders anfällig für Altersarmut. Ähnliches gilt für die 301.937 Frauen in NRW mit mindestens 40 Versicherungsjahren, die trotzdem eine Altersrente unter 1.446 Euro monatlich beziehen.
Die Antwort der Bundesregierung enthält auch Daten zum Wohngeld: In NRW bezogen 2024 rund 167.036 Rentnerhaushalte Wohngeld — mehr als doppelt so viele wie noch 2019 (56.579). Dieser sprunghafte Anstieg ist auf die Reform des Wohngeldrechts zurückzuführen. Ob Altersarmut damit strukturell gemindert wird, bleibt offen. Mehr zur Kontrolle staatlicher Förderleistungen und zu familienpolitischen Leistungen finden Sie in weiteren Beiträgen auf drucksachlich.de.
Für mehrere Fragen — insbesondere zur regionalen Armutsrisikoquote und zur Verbreitung aller drei Schichten der Alterssicherung auf Bundeslandebene — verweist die Bundesregierung auf Statistikportale oder erklärt, dass Länderdaten nicht vorlägen. Damit blieb die Anfrage trotz des ausdrücklichen Wunsches nach einer vollständigen Beantwortung ohne Verweise auf andere Drucksachen in Teilen unbefriedigend beantwortet. Hintergründe zu weiteren parlamentarischen Kontrollinstrumenten bietet der Beitrag zur Transparenz staatlicher Ausgaben.
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Betroffen sind vor allem Rentnerinnen und Rentner in Nordrhein-Westfalen und bundesweit, insbesondere Frauen ab 65 Jahren mit niedrigen Rentenansprüchen aufgrund von Teilzeitarbeit oder Erziehungszeiten. Darüber hinaus sind Erwerbsgeminderte betroffen, die trotz jahrelanger Beitragszeiten auf staatliche Grundsicherung angewiesen sind.
Bei mehreren Fragen verweist die Bundesregierung auf frühere Drucksachen (20/12534, 21/1421) statt die Daten vollständig neu aufzubereiten — obwohl die Fragesteller ausdrücklich um vollständige Beantwortung ohne solche Verweise gebeten hatten. Bei Frage 7 und 15 werden Länderdaten mit dem Hinweis verweigert, dass Ergebnisse für einzelne Bundesländer nicht vorlägen.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Altersarmut in NRW: 21,3 Prozent der Frauen ab 65 betroffen →
- Armutsrisikoquote (ARQ)
- Misst den Anteil der Bevölkerung mit einem Nettoeinkommen unterhalb von 60 Prozent des mittleren Einkommens. Sie ist ein statistischer Verteilungsindikator, keine direkte Messung individueller Bedürftigkeit.
- Grundsicherung im Alter
- Staatliche Leistung nach dem 4. Kapitel SGB XII für Menschen ab Regelaltersgrenze oder dauerhaft voll Erwerbsgeminderte, die ihren Lebensunterhalt nicht aus eigenen Mitteln bestreiten können.
- Mehrfachrentner
- Personen, die gleichzeitig mehrere Rentenarten beziehen, z. B. eine eigene Altersrente und eine Hinterbliebenenrente. Ihr Gesamtrentenbetrag liegt deutlich höher als der von Einzelrentnern.
Wie viele Menschen in NRW beziehen Grundsicherung im Alter?
Ende 2025 bezogen in NRW 326.285 Menschen Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung — davon 154.565 Männer und 171.720 Frauen.
Wie hoch ist die durchschnittliche Altersrente in NRW?
Im Rentenbestand 2025 lag der durchschnittliche Rentenzahlbetrag für Männer in NRW bei Altersrenten bei 1.579 Euro/Monat, für Frauen bei 916 Euro/Monat.
Plant die Bundesregierung Maßnahmen gegen Altersarmut in NRW?
Nein. Laut Bundesregierung sind bundeslandspezifische Maßnahmen gegen Altersarmut grundsätzlich nicht vorgesehen. Als Schutz diene die Grundsicherung im Alter.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7384 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.



































































