- Nur 17,3 % Selbstversorgungsgrad bei Fisch in Deutschland (2025)
- Zahl der Aquakulturbetriebe seit 2020 um 15,3 % auf 1.932 gesunken
- 22 Verbundprojekte mit 17 Mio. Euro Förderung für nachhaltige Aquakultur
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7918 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die Aquakulturproduktion in Deutschland ist seit Jahren rückläufig. Im Jahr 2025 erzeugten die verbliebenen Betriebe rund 16.600 Tonnen Fisch — 1,2 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Landwirtschaftliche Rentenbank hatte im Mai 2026 gemeinsam mit der Unternehmensberatung Hatch Blue eine Studie zur Rolle Deutschlands in der europäischen Aquakultur vorgelegt, die hohe Energiekosten, komplexe Genehmigungsverfahren und Fachkräftemangel als zentrale Hemmnisse identifizierte. Die Bundesregierung hat sich im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD das Ziel gesetzt, Binnenfischerei und Teichwirtschaft zu unterstützen.
- 17,3 % — Selbstversorgungsgrad bei Fisch und Meeresfrüchten in Deutschland (2025), Rückgang um 3,4 Prozentpunkte gegenüber 2024.
- 16.600 Tonnen — Fischerzeugung der deutschen Aquakulturbetriebe im Jahr 2025, 1,2 % weniger als im Vorjahr.
- 1.932 Betriebe — Aquakulturbetriebe in Deutschland (2025), gegenüber 2.281 im Jahr 2020 (minus 15,3 %).
- 17 Mio. Euro — Fördersumme für 22 Verbundprojekte zur nachhaltigen und klimaschonenden Aquakultur (BMLEH-Programm).
- 173.733 Tonnen — Fisch-Anlandungen der deutschen Hochsee- und Küstenfischerei im Jahr 2025, sieben Prozent mehr als im Vorjahr.
Im Detail
Der Bundesregierung ist der im Auftrag der Landwirtschaftlichen Rentenbank erstellte Bericht bekannt. Es wird darauf hingewiesen, dass der Bund im Bereich der Aquakultur keine Gesetzgebungs- oder Verwaltungskompetenzen hat. Vielmehr sind die Länder für die Aquakultur ausschließlich zuständig.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7918, S. 3
Deutschland gehört zu den größten Fischkonsumenten in Europa — und produziert doch nur einen Bruchteil des Bedarfs selbst. Laut BT-Drs. 21/7918 lag der Selbstversorgungsgrad bei Fisch und Meeresfrüchten im Jahr 2025 bei lediglich 17,3 Prozent. Rund 90 Prozent des deutschen Fischbedarfs stammen aus dem Ausland. Gleichzeitig setzt sich der Schrumpfungsprozess in der heimischen Aquakultur fort: Die Zahl der Betriebe ist seit 2020 um 349 auf 1.932 zurückgegangen — ein Minus von 15,3 Prozent.
Aquakultur Deutschland: Zahlen zeigen anhaltenden Abwärtstrend
Die Fischerzeugung der deutschen Aquakulturbetriebe sank im Jahr 2025 um 1,2 Prozent auf rund 16.600 Tonnen. Im Vergleich zum Durchschnitt der fünf vorangegangenen Jahre entspricht der Rückgang der Produktionsmenge sogar 1.100 Tonnen oder 6,3 Prozent. Das Statistische Bundesamt erfasst die Betriebszahlen jährlich; Quartalsdaten für 2026 liegen der Bundesregierung daher noch nicht vor. Zu beachten ist außerdem, dass seit 2015 Kleinstbetriebe mit weniger als 0,3 Hektar Wasserfläche statistisch nicht mehr erfasst werden — auch in diesem Segment wird jedoch ein Rückgang beobachtet.
Die Bundesregierung benennt in ihrer Antwort mehrere Ursachen für den Rückgang: komplexe und langwierige Verwaltungsverfahren, Fischkrankheiten, Preisdruck durch Importware, Fachkräftemangel und Einkommensverluste durch Schäden durch fischfressende Wildtiere (Prädatoren). Detaillierte statistische Angaben zu den einzelnen Ursachen liegen der Regierung nach eigener Auskunft jedoch nicht vor.
Was gilt aktuell? Länderzuständigkeit begrenzt Bundeshandeln
Ein zentrales Ergebnis der Antwort: Der Bund hat im Bereich der Aquakultur keine Gesetzgebungs- oder Verwaltungskompetenzen. Die Länder sind ausschließlich zuständig. Bundeseinheitliche Genehmigungsverfahren, wie sie eine Studie der Landwirtschaftlichen Rentenbank und der Unternehmensberatung Hatch Blue vom Mai 2026 empfohlen hatte, plant die Bundesregierung daher nicht. Bei EU- und Bundesregelungsvorhaben berücksichtigt sie die Interessen der Aquakultur nach eigenen Angaben in besonderem Maße und stimmt sich mit den Ländern ab.
Auch einen speziellen Förderfonds für Aquakultur-Startups im Bereich der sogenannten Blue Economy lehnt die Bundesregierung ab: Entsprechende Planungen zur Einführung neuer Finanzierungs- oder Förderinstrumente bestehen laut Drucksache derzeit nicht. Staatlich abgesicherte Garantien für investitionsintensive Unternehmen, wie von der Rentenbank-Studie empfohlen, sind ebenfalls nicht vorgesehen.
Bestehende Förderung: 17 Mio. Euro für 22 Verbundprojekte
Auf bestehende Instrumente verweist die Bundesregierung hingegen ausführlich. Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) fördert im Rahmen einer Bekanntmachung aus dem Jahr 2022 insgesamt 22 Verbundprojekte zur nachhaltigen und klimaschonenden Aquakultur mit einer Fördersumme von rund 17 Mio. Euro. Ziel ist es, die Produktionskapazitäten bis 2030 zu steigern und gleichzeitig Ressourcenschonung zu fördern. Zudem können sich Unternehmen im Rahmen der Deutschen Innovationspartnerschaft Agrar um Innovationsförderung im Aquakulturbereich bewerben.
Beim Thema Energiekosten — einem der größten Standortnachteile — nennt die Bundesregierung mehrere bereits umgesetzte Entlastungsmaßnahmen: die Verstetigung der Stromsteuersenkung auf EU-Mindestniveau für produzierende Gewerbe, die Senkung der Netzentgelte durch einen Zuschuss zu den Übertragungsnetzkosten 2026, die Abschaffung der Gasspeicherumlage sowie die Ausweitung der Strompreiskompensation und die Einführung eines Industriestrompreises. Perspektivisch sollen strukturelle Reformen — etwa bei der EEG-Novelle und dem Netzanschlusspaket — die Systemkosten dauerhaft senken.
Fachkräfte und Forschungstransfer: Duale Ausbildung im Fokus
Beim Fachkräftemangel setzt die Bundesregierung primär auf die duale Berufsausbildung. Die Fischwirtausbildungsverordnung wurde 2016 novelliert und enthält seitdem die eigene Fachrichtung „Aquakultur und Binnenfischerei“. Weitere spezifische Qualifizierungsprogramme für Aquakulturtechnik sind seitens des Bundes aktuell nicht in Planung. Die Hochschulpolitik liegt verfassungsgemäß bei den Ländern, weshalb auch die von der Rentenbank-Studie empfohlene stärkere Integration unternehmerischen Denkens in Meeresforschungs-Studiengänge nicht Bundessache ist.
Den Transfer von der Forschung in die kommerzielle Anwendung unterstützt der Bund über Programme wie „KMU-innovativ: Bioökonomie“ und die internationale Förderbekanntmachung der „Sustainable Blue Economy Partnership“. Das BMLEH fördert zudem das Verbundprojekt WasABI, das Synergien zwischen Aquakultur und Biogasanlagen untersucht — ein Ansatz, der Abwärme aus erneuerbaren Energieanlagen für Kreislaufanlagen nutzbar machen soll. Solche ressourceneffizienten Technologieansätze gewinnen in verschiedenen Branchen an Bedeutung.
Die Drucksache 21/7918 vom 7. September 2026 beantwortet die Kleine Anfrage BT-Drs. 21/7713 der AfD-Fraktion mit 17 Einzelfragen. Die Antwort wurde vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat übermittelt. Im Kern zeigt sie: Die Bundesregierung sieht Potenzial in der deutschen Aquakultur, sieht sich bei konkreten Regulierungsschritten aber durch die Länderzuständigkeit begrenzt und plant keine neuen Förderinstrumente.
Weiterlesen:
Direkt betroffen sind die rund 1.932 in Deutschland verbliebenen Aquakulturbetriebe sowie deren Beschäftigte. Indirekt betrifft das Thema alle Verbraucherinnen und Verbraucher, da Deutschland 90 Prozent seines Fisch- und Meeresfrüchtebedarfs importiert. Betriebe in ländlichen Regionen mit Teichwirtschaft und Binnenfischerei sind besonders vom Strukturwandel betroffen.
Die Bundesregierung beantwortet die Fragen überwiegend, verweist bei der zentralen Forderung nach bundeseinheitlichen Genehmigungsverfahren jedoch auf die ausschließliche Länderzuständigkeit. Fragen zu konkreten Maßnahmen zur Betriebssicherung werden mit Verweis auf andere Drucksachen (21/613) beantwortet, ohne eigenständige neue Maßnahmen zu benennen.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Aquakultur: Selbstversorgungsgrad bei Fisch sinkt auf 17,3 % →
- Selbstversorgungsgrad
- Anteil des im Inland erzeugten Lebensmittels am gesamten inländischen Verbrauch, ausgedrückt in Prozent. Ein Wert unter 100 % bedeutet Importabhängigkeit.
- Aquakultur
- Kontrollierte Aufzucht von Wasserorganismen wie Fischen, Muscheln oder Algen in Teichen, Becken oder Netzgehegen — als Alternative zur Wildfischerei.
- Kreislaufanlage (RAS)
- Geschlossenes Haltungssystem für Fische, bei dem Wasser aufbereitet und wiederverwendet wird. Besonders ressourceneffizient, aber energieintensiv.
Wie viele Aquakulturbetriebe gibt es in Deutschland noch?
Im Jahr 2025 wurden 1.932 Aquakulturbetriebe erfasst. Im Jahr 2020 waren es noch 2.281, was einem Rückgang von 15,3 Prozent entspricht.
Wie hoch ist der deutsche Selbstversorgungsgrad bei Fisch?
Laut Drucksache lag der Selbstversorgungsgrad bei Fisch und Meeresfrüchten im Jahr 2025 bei 17,3 Prozent. Deutschland importiert damit rund 90 Prozent seines Bedarfs.
Plant der Bund einen Förderfonds für Aquakultur-Startups?
Nein. Laut Bundesregierung bestehen derzeit keine Planungen zur Einführung neuer Finanzierungs- oder Förderinstrumente für die Frühphase von Aquakultur-Unternehmen.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7918 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.


































































