- Strecke Lehrte–Berlin wird ab Oktober 2026 über 14 Monate gesperrt
- Kein ETCS-Ausbau und keine Kapazitätssteigerung laut Projektwebseite geplant
- 96 Fragen zu Kosten, Technik, Ausweichrouten und Schienenersatzverkehr
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7304 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die DB InfraGO führt auf der Strecke Lehrte–Berlin eine Generalsanierung durch, bei der Ersatz- und Instandhaltungsarbeiten gebündelt werden. Das Projekt ist Teil des bundesweiten Programms zur Hochleistungskorridorsanierung, mit dem die Deutsche Bahn stark belastete Strecken in kurzer Zeit grundlegend erneuern will. Die Strecke verbindet Hannover mit Berlin und ist eine der meistbefahrenen Verbindungen im deutschen Fernverkehrsnetz. Die Frage, ob solche Vollsperrungen über mehr als ein Jahr auch für eine technologische Modernisierung genutzt werden, ist politisch umstritten, da ETCS-Nachrüstungen nach der Sanierung erneute Eingriffe erfordern würden.
Im Detail
Nach Ansicht der Fragestellenden muss das Resultat einer derart schwerwiegenden Sperrung eine deutliche Verbesserung der Leistungsfähigkeit sowie eine zukunftsfähige Ausstattung der Strecke sein.
— Vorbemerkung der Fragesteller, BT-Drs. 21/7304
Ab dem 2. Oktober 2026 sperrt die DB InfraGO die Bahnstrecke zwischen Lehrte und Berlin für eine umfassende Generalsanierung. Die Sperrung soll voraussichtlich bis zum 11. Dezember 2027 andauern — mehr als ein Jahr, in dem Reisende im Fern- und Nahverkehr auf Umleitungen und Schienenersatzverkehr angewiesen sind. Mit der BT-Drs. 21/7304 vom 23. Juli 2026 stellt die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen der Bundesregierung 96 detaillierte Fragen zur Planung, zu Kosten und zum technischen Zielzustand der Strecke.
Generalsanierung Lehrte–Berlin: Was geplant ist — und was fehlt
Laut Projektwebseite der DB InfraGO soll die Generalsanierung den Infrastrukturzustand durch gebündelte Ersatz- und Instandhaltungsarbeiten deutlich verbessern und die Zuverlässigkeit erhöhen. Die Grünen-Fraktion moniert jedoch, dass weder der Einbau von ETCS (dem europäischen Zugsicherungssystem) noch eine Kapazitätssteigerung auf der Projektwebseite als Maßnahmen ausgewiesen sind. Aus Sicht der Fragesteller muss das Ergebnis einer derart langen Sperrung mehr sein als ein technischer 1:1-Ersatz des Bestands.
96 Fragen: Von Zustandsnoten bis Stellwerkstechnik
Die Anfrage gliedert sich in mehrere inhaltliche Blöcke. Zunächst wird nach den Zustandsnoten der Strecke gemäß InfraGO-Zustandsberichten für die Jahre 2021 bis 2025 gefragt — aufgeschlüsselt nach Anlagenklassen und Ingenieurbauwerken. Daneben erkundigt sich die Fraktion nach den Gesamtkosten inklusive Risikopuffer, nach der Kostenentwicklung seit Planungsbeginn sowie nach dem Nutzen-Kosten-Verhältnis der Maßnahme. Auch die Aufteilung in Baulose und der aktuelle Vergabestand sind Gegenstand der Anfrage.
Ein umfangreicher Fragenkatalog widmet sich den Anlagenmengen auf der Strecke: Gleise, Weichen, Signale, Brücken, Tunnel, Bahnsteige, Aufzüge und Oberleitungen sollen vollständig erfasst und mit den jeweils geplanten Sanierungsmengen abgeglichen werden. Für die Stellwerke an 26 Betriebsstellen — von Lehrte über Gifhorn, Gardelegen und Rathenow bis Berlin-Staaken — fragen die Abgeordneten einzeln nach geplanten Änderungen oder Ersatzmaßnahmen.
ETCS-Ausbau: Vorbereitungen oder Fehlanzeige?
Mehrere Fragen konzentrieren sich auf die Digitalisierung der Strecke. Die Fraktion will wissen, wann ETCS eingebaut werden soll, welches Ausrüstungslevel (mit oder ohne Signale) anvisiert ist und welche ETCS-Ready-Maßnahmen im Rahmen der Sanierung zumindest vorbereitet werden. Außerdem fragen die Abgeordneten, ob neue Signale für eine spätere ETCS-Ausrüstung vorbereitet werden und inwieweit der ERTMS-Standard erfüllt werden soll. Parallel dazu werden Fragen zum Ausbau von GSM-R, zu redundanten Funksystemen und zu vorbereitenden Maßnahmen für FRMCS (den GSM-R-Nachfolger) gestellt.
Ausweichstrecken und Schienenersatzverkehr
Für die Zeit der Totalsperrung interessiert die Fraktion besonders, welche Ausweichstrecken genutzt werden, ob diese elektrifiziert sind und welche regulären Fern- und Nahverkehrsangebote dort zugunsten von Umleiterverkehren gestrichen oder reduziert werden. Die Anfrage erkundigt sich auch, ob Kapazitätssteigerungen auf den Umleitungsstrecken rechtzeitig realisiert wurden und ob alle vorbereitenden Maßnahmen zum geplanten Sanierungsstart abgeschlossen sind. Zum Schienenersatzverkehr (SEV) sollen Angaben zu Busanzahl, Fahrerbedarf und Planungsstand geliefert werden.
Kapazität, Barrierefreiheit und Deutschlandtakt
Die Abgeordneten fragen zudem, ob die Generalsanierung eine Erhöhung der Nennleistung der Strecke bringt, welche Bahnhöfe barrierefrei ausgebaut werden und welche Maßnahmen auf den im Bundesverkehrswegeplan vorgesehenen dreigleisigen Ausbau der Strecke Berlin–Hannover hinwirken. Auch Fragen zum Deutschlandtakt und zu 740-Meter-Gleisen für den Güterverkehr sind enthalten. Ein letzter Fragenblock widmet sich dem Personaleinsatz: Die Fraktion will wissen, wie viele Planungskräfte aus gestoppten Aus- und Neubauprojekten in die Generalsanierung umgelenkt werden.
Verwandte Themen finden sich auch in den Berichten zur StPO-Reform 2026 sowie zur Übersicht der wichtigsten Drucksachen vom 27. Juli 2026.
Weiterlesen:
Betroffen sind Fahrgäste im Fern- und Nahverkehr zwischen Hannover und Berlin sowie im Schienengüterverkehr auf dieser Relation. Darüber hinaus können Anwohner und Pendler entlang der Ausweichstrecken durch Mehrverkehr und mögliche Einschränkungen des regulären Angebots beeinträchtigt werden.
Die Kleine Anfrage (BT-Drs. 21/7304) wurde am 23. Juli 2026 eingereicht. Die Bundesregierung hat gemäß parlamentarischer Praxis 21 Tage Zeit für ihre Antwort — die Antwortfrist läuft bis zum 13. August 2026. Nach Eingang der Antwort kann die Fraktion die Ergebnisse in weiteren parlamentarischen Initiativen aufgreifen.
- ETCS (European Train Control System)
- Europäisches Zugsicherungssystem, das Züge automatisch überwacht und bremst. Es ermöglicht dichtere Zugfolgen und damit mehr Kapazität auf einer Strecke.
- Generalsanierung
- Gebündelte Erneuerung einer Bahnstrecke innerhalb einer langen Vollsperrung, um viele Gewerke gleichzeitig zu erneuern und Folgesperrungen zu vermeiden.
- SEV (Schienenersatzverkehr)
- Busverkehr, der während einer Streckensperrung den Zugverkehr ersetzt und Reisende zwischen den betroffenen Bahnhöfen befördert.
Wann beginnt die Generalsanierung Lehrte–Berlin?
Die DB InfraGO startet die Generalsanierung am 2. Oktober 2026. Die Sperrung soll voraussichtlich bis zum 11. Dezember 2027 andauern.
Wird ETCS auf der Strecke Lehrte–Berlin eingebaut?
Laut Projektwebseite der DB ist ETCS nicht als Maßnahme der Generalsanierung aufgeführt. Die Grünen fragen die Bundesregierung, wann und in welcher Form die Ausrüstung geplant ist.
Was ist ETCS?
ETCS (European Train Control System) ist das europäische Zugsicherungssystem, das eine automatische Geschwindigkeitsüberwachung ermöglicht und Züge dichter aufeinanderfolgen lässt — dadurch steigt die Streckenkapazität.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7304 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.



































































