- Keine umfassenden Daten zu queersensiblen Gesundheitsangeboten
- Ein Sechstel der queeren Menschen berichten von Diskriminierung
- Kein einheitliches Monitoringsystem geplant
Queere Gesundheitsversorgung: Datenlage weiterhin lückenhaft
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6267 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Etwa ein Sechstel der befragten queeren Menschen gaben laut EU-Studie an, im Kontakt mit gesundheitlichem Fachpersonal diskriminiert worden zu sein. Der Aktionsplan „Queer leben“ der Bundesregierung beschreibt das Ziel einer bedarfsgerechten und diskriminierungsfreien Versorgung für alle. Zivilgesellschaftliche Organisationen wie Queermed Deutschland versuchen, Lücken im System durch eigene Listen queersensibler Gesundheitsangebote zu schließen.
- 16,7% — Anteil queerer Menschen, die Diskriminierung im Gesundheitswesen erfahren haben
- Alle 4 Jahre — Berichtszyklus der Antidiskriminierungsstelle des Bundes zu Diskriminierungsfällen
- 2026 — Jahr der aktuellen Regierungsantwort zur Datenlage
Im Detail
Die Datenlage zur spezifischen gesundheitlichen Situation und Versorgung von LSBTIQ*-Personen in Deutschland ist nach wie vor heterogen und in Teilbereichen lückenhaft.
— Antwort der Bundesregierung BT-Drs. 21/6267
Die Bundesregierung verfügt über keine umfassenden Daten zur queersensiblen Gesundheitsversorgung in Deutschland. Dies geht aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linken-Fraktion hervor, die am 2. Juni 2026 übermittelt wurde (BT-Drs. 21/6267). Die Datenlage zur gesundheitlichen Situation von LSBTIQ-Personen ist laut Bundesregierung „heterogen und in Teilbereichen lückenhaft“.
Etwa ein Sechstel der befragten queeren Menschen hat laut einer EU-Studie angegeben, im Kontakt mit gesundheitlichem Fachpersonal diskriminiert worden zu sein. Ein einheitliches Monitoringsystem zur Diskriminierung im Gesundheitswesen plant die Bundesregierung nicht einzurichten. Einzelne Projekte des Robert Koch Instituts (RKI) untersuchen die gesundheitliche Lage vulnerabler queerer Communities, doch eine systematische bundesweite Erfassung fehlt.
Was gilt aktuell?
Derzeit sammelt die Antidiskriminierungsstelle des Bundes alle vier Jahre Informationen zu Diskriminierungsfällen im Gesundheitswesen. Das RKI erhebt über das Panel „Gesundheit in Deutschland“ (GEDA) Daten zu Diskriminierungserfahrungen. Allerdings mit niedrigen Fallzahlen bei trans und genderdiversen Personen. Zivilgesellschaftliche Organisationen wie Queermed Deutschland füllen Lücken durch eigene Listen queersensibler Gesundheitsangebote.
Mehrfachdiskriminierung wenig erforscht
Die Bundesregierung räumt ein, dass intersektionale Analysen aufgrund niedriger Fallzahlen „schwierig sind“. Mehrfachdiskriminierung wird hauptsächlich durch spezifische Datenerhebungen berücksichtigt. Auch durch ressortübergreifende Aktionspläne. Studien zur Diskriminierung von queeren Beschäftigten speziell im Gesundheitswesen sind der Bundesregierung nicht bekannt.
Datenschutz als Herausforderung
Bei der Forschung zu intersektionaler, queerinklusiver Medizin sieht die Bundesregierung den Datenschutz als „wichtiges Anliegen“. Die Ressortforschung des Bundesgesundheitsministeriums ist den Prinzipien guter wissenschaftlicher Praxis verpflichtet, heißt es weiter. Ethische und datenschutzrechtliche Standards müssen bereits bei der Projektvorbereitung berücksichtigt werden.
Aktionsplan ohne konkrete Maßnahmen
Der Aktionsplan „Queer leben“ beschreibt das Ziel einer bedarfsgerechten und diskriminierungsfreien Versorgung für alle. Im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD ist vorgesehen, das Gesundheitswesen barrierefrei und inklusiv weiterzuentwickeln. Spezifische Maßnahmen zur Verbesserung der Datenlage zu queeren Beschäftigten werden jedoch nur allgemein erwähnt.
Die Ergebnisse der Ressortforschung fließen laut Bundesregierung „regelmäßig in die Vorbereitungen politischer Empfehlungen ein“. Ohne systematische Datenerfassung bleiben jedoch viele Diskriminierungsfälle unerfasst. Strukturelle Aspekte im Gesundheitswesen ebenso.
Weiterlesen:
- Unterstützungssysteme für Gewaltbetroffene in Deutschland
- Antrag der AfD-Fraktion sichert Zukunftsfähigkeit des Gesundheitswesens
Betroffen sind LSBTIQ*-Personen (Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans*, inter*, nicht-binäre und queere Menschen), die bei der Gesundheitsversorgung auf Diskriminierung und mangelndes Verständnis stoßen können. Besonders trans Personen benötigen spezielle medizinische Betreuung bei geschlechtsangleichenden Maßnahmen.
Die Bundesregierung beantwortet alle Fragen vollständig und räumt offen ein, dass keine umfassenden Daten zur queersensiblen Gesundheitsversorgung vorliegen. Bei der letzten Frage verweist sie auf allgemeine Pläne zur Barrierefreiheit ohne spezifische Maßnahmen für queere Beschäftigte zu nennen.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. (Stand: 03.06.2026) Die Linke deckt Lücken bei queerer Gesundheitsversorgung auf →
- LSBTIQ*
- Sammelbegriff für Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans*, inter*, nicht-binäre und queere Menschen.
- Intersektionalität
- Überschneidung verschiedener Diskriminierungsformen, wenn Menschen mehrere Merkmale haben.
- GEDA-Panel
- Befragung des Robert Koch Instituts zu Gesundheit in Deutschland, die auch Diskriminierungserfahrungen erhebt.
Was ist queersensible Gesundheitsversorgung?
Eine Versorgung, die die besonderen Bedürfnisse von LSBTIQ*-Personen berücksichtigt und Diskriminierung vermeidet.
Welche Behörden sammeln Diskriminierungsdaten?
Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes und das Robert Koch Institut erheben teilweise entsprechende Daten.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6267 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.





























































