- Gartenbau-Studierende sanken von 2.777 auf 1.854 — minus 33 Prozent
- Bundesförderung für Gartenbau stieg von 1 Mio. auf 26 Mio. Euro jährlich
- Keinen konkreten Zeitplan für Erhalt universitärer Standorte vorgelegt
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6955 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Der Wissenschaftsrat hat in einem Gutachten aus dem Jahr 2024 ausdrücklich Sorge über den Rückgang der Gartenbauwissenschaften in Deutschland geäußert. Konkrete Beispiele sind die Einstellung von Gartenbau-Studiengängen an der Leibniz-Universität Hannover und die drohende Abwicklung der Forschungsstelle für gartenbauliche Kulturpflanzen an der Fachhochschule Erfurt. Im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD ist das Maßnahmenpaket „Zukunft Gartenbau“ verankert, das den Erhalt und die Stärkung gartenbauwissenschaftlicher Hochschulstandorte vorsieht. Die Grünen-Fraktion hat mit der Kleinen Anfrage 21/6435 konkrete Daten und Pläne der Bundesregierung abgefragt.
- 1.854 Studierende — Gartenbau-Studierende im Wintersemester 2024/25, gegenüber 2.777 im WS 2004/05 (minus 33 Prozent).
- 279 Studienanfänger — im Wintersemester 2024/25, gegenüber 429 in 2004/05 (minus 35 Prozent).
- 26 Mio. Euro — festgelegte Fördermittel des BMLEH über den Projektträger BLE für 2026; 2006 waren es 1 Mio. Euro.
- 5 Mio. Euro — Bundesanteil an der Förderung des Leibniz-Instituts für Gartenbauwissenschaften (IGZ) im Haushaltsjahr 2026.
- 8,3 Mio. Euro — jährliche Ausgaben für Maßnahmen zur Verringerung der Torfverwendung im Jahr 2025, gestartet mit 423.000 Euro im Jahr 2021.
Im Detail
Die Umsetzung des Maßnahmenpaketes „Zukunft Gartenbau“ ist ein Ziel der Bundesregierung im Koalitionsvertrag. Die Bundesregierung kann jedoch keine Maßnahmen finanzieren, die nach der verfassungsrechtlichen Kompetenzverteilung in der Zuständigkeit der Länder liegen.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/6955, Frage 8
Die Gartenbauwissenschaften in Deutschland verlieren seit zwei Jahrzehnten an Hochschulbasis: Im Wintersemester 2024/25 studierten bundesweit noch 1.854 Personen im Studienbereich Gartenbau — das sind 33 Prozent weniger als im Wintersemester 2004/05, als noch 2.777 Studierende eingeschrieben waren. Auch die Zahl der Studienanfänger sank im gleichen Zeitraum von 429 auf 279, ein Rückgang von 35 Prozent. Diese Zahlen liefert die Bundesregierung in ihrer Antwort vom 7. Juli 2026 auf die Kleine Anfrage der Grünen-Fraktion (BT-Drs. 21/6435, Antwort BT-Drs. 21/6955).
Gartenbauwissenschaften: Rückgang trotz gestiegener Bundesförderung
Dem Rückgang bei den Studierendenzahlen steht ein deutlicher Aufwuchs bei der staatlichen Projektförderung gegenüber. Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Heimat (BMLEH) fördert über den Projektträger BLE aktuell 15 Förderprogramme mit gartenbaulichem Bezug. Für das Jahr 2026 sind Fördermittel von rund 26 Mio. Euro festgelegt — zum Vergleich: 2006 betreute der Projektträger lediglich drei Programme und zahlte insgesamt 1 Mio. Euro aus. Auch der Gesamtmitteleinsatz im Forschungs- und Entwicklungsbereich über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe stieg von rund 36.000 Euro im Jahr 2006 auf 10,1 Mio. Euro im Jahr 2025. Trotz dieser Mittelsteigerung läuft die strukturelle Erosion an den Hochschulen weiter.
Was gilt aktuell?
Die universitären Gartenbau-Studiengänge fallen in die Zuständigkeit der Bundesländer. Der Bund kann nach der verfassungsrechtlichen Kompetenzverteilung keine direkten Maßnahmen zur Erhaltung einzelner Hochschulstandorte finanzieren. Indirekt unterstützt er die Länder über den Zukunftsvertrag Studium und Lehre (ZSL) mit jährlich 2 Mrd. Euro, wovon der Bund 50 Prozent trägt. Dennoch wurden die Gartenbau-Studiengänge an der Leibniz-Universität Hannover — einst laut Wissenschaftsrat die bedeutendste einschlägige Einrichtung Deutschlands — mittlerweile eingestellt. An der Fachhochschule Erfurt droht die Abwicklung der Forschungsstelle für gartenbauliche Kulturpflanzen.
Im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD ist das Maßnahmenpaket „Zukunft Gartenbau“ verankert. Es sieht unter anderem den Erhalt zweier universitärer Standorte und die Stärkung der überregionalen Vernetzung der Gartenbauwissenschaften vor. Auf die Frage, wann und wie diese Ziele konkret umgesetzt werden sollen, verweist die Bundesregierung auf einen Runden Tisch, den das BMLEH gemeinsam mit dem Bundesforschungsministerium für den 8. Juli 2026 — also einen Tag nach Veröffentlichung der Drucksache — angesetzt hatte. Einen Zeitplan mit Meilensteinen legt die Bundesregierung nicht vor. Auf die Frage nach dem finanziellen Bedarf für die nächsten zehn Jahre antwortet die Regierung schlicht: „Dazu liegen der Bundesregierung keine Daten vor.“
Institutionelle Förderung: Leibniz-Institut und Kühn-Institut im Einsatz
Außeruniversitäre Gartenbauwissenschaften werden kontinuierlich gefördert: Der Bundesanteil an der Finanzierung des Leibniz-Instituts für Gartenbauwissenschaften (IGZ) schwankte zwischen 3,1 Mio. Euro (2006) und aktuell rund 5 Mio. Euro (2026). Das Julius Kühn-Institut (JKI) unterhält fünf Fachinstitute mit direktem Gartenbau-Bezug, darunter Einrichtungen für Züchtungsforschung an Obst und Gemüse sowie Pflanzenschutz. Das Thünen-Institut baut seit 2007 schrittweise ein Arbeitsgebiet zur Ökonomik des Gartenbaus auf.
Beim Fachkräftebedarf im Weinbau gibt die Bundesregierung an, dass die Berufsgruppe Weinbau laut Mittelfristprognose 2029 nicht zu den Engpassberufen zählt: Bis 2029 könnten rund 1.200 neue Arbeitskräfte aus dem Bildungssystem auf den Markt kommen, während nur rund 900 Arbeitsplätze neu zu besetzen seien. Daten bis 2035 liegen in dieser Granularität nicht vor.
Gartenbauwissenschaften und Klimaanpassung
Einen wachsenden Forschungsbedarf sieht die Bundesregierung im Weinbau angesichts des Klimawandels. Der Fokus liegt laut Drucksache auf widerstandsfähigen Rebsorten gegenüber Hitze, Trockenheit und Pilzkrankheiten. Die nachlassende Nachfrage nach alkoholischen Getränken in etablierten Märkten verstärkt den Druck auf den Sektor zusätzlich. Ähnliche Fragen zur Ernährungssicherheit und Klimaresilienz prägen auch andere Bereiche der Agrarpolitik, wie etwa die Diskussion um die Transformation industrieller Sektoren.
Ob der angekündigte Runde Tisch zu konkreten Ergebnissen führt, bleibt abzuwarten. Die Bundesregierung hat nach eigenen Angaben bereits 28 Gespräche mit zuständigen Landesministerien geführt — konkrete Angebote der Länder für gemeinsame Maßnahmen sind der Bundesregierung jedoch nicht bekannt. Die strukturelle Spannung zwischen Bundeszielen im Koalitionsvertrag und der Länderzuständigkeit für Hochschulen bleibt damit ungelöst.
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Betroffen sind angehende Gartenbau-Fachkräfte, Obstbauern, Gemüsegärtner und Weinbaubetriebe, die auf praxisnahe Forschung und gut ausgebildete Absolventen angewiesen sind. Auch Hochschulstandorte und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen wie das Leibniz-Institut für Gartenbauwissenschaften (IGZ) und das Julius Kühn-Institut (JKI) sind direkt betroffen.
Die Bundesregierung beantwortet mehrere Fragen nicht inhaltlich: Zu Frage 2 (Lehraufträge), Frage 5 (Absolventenzahlen bis 2035) und Frage 16 (Finanzbedarf nächste zehn Jahre) liegen laut eigener Aussage keine Daten vor. Zu den Fragen 9, 17 und 18 wird jeweils auf frühere Antworten verwiesen, ohne eigene Ausführungen zu ergänzen.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Gartenbauwissenschaften: Grüne fragen Erosion der Forschung ab →
- Zukunftsvertrag Studium und Lehre (ZSL)
- Bund-Länder-Vereinbarung zur dauerhaften Finanzierung von Hochschulen. Der Bund stellt jährlich 2 Mrd. Euro bereit, je zur Hälfte von Bund und Ländern finanziert.
- Leibniz-Institut für Gartenbauwissenschaften (IGZ)
- Außeruniversitäre Forschungseinrichtung, die gemeinsam von Bund und Ländern gefördert wird. Der Bundesanteil lag 2026 bei rund 5 Mio. Euro.
- Julius Kühn-Institut (JKI)
- Bundesforschungsinstitut im Geschäftsbereich des Bundeslandwirtschaftsministeriums mit fünf Fachinstituten für gartenbauliche Kulturpflanzen.
Wie viele Gartenbau-Studierende gibt es noch in Deutschland?
Im Wintersemester 2024/25 studierten 1.854 Personen im Studienbereich Gartenbau — 2004/05 waren es noch 2.777, ein Rückgang um 33 Prozent.
Was plant die Bundesregierung gegen den Rückgang?
Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Heimat hat für den 8. Juli 2026 einen Runden Tisch mit Ländern, Hochschulen und Verbänden angekündigt. Einen konkreten Zeitplan mit Meilensteinen legt die Bundesregierung nicht vor.
Wie viel Geld gibt der Bund für Gartenbauforschung aus?
Über den Projektträger BLE fördert das BMLEH 2026 Gartenbau-Projekte mit festgelegten Mitteln von rund 26 Mio. Euro. 2006 waren es noch 1 Mio. Euro.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6955 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.





































































