Was beschäftigt den Bundestag beim Thema Krankenkasse?
Das deutsche Krankenkassensystem steht vor erheblichen finanziellen Herausforderungen, die den Bundestag intensiv beschäftigen. Nach den vorliegenden parlamentarischen Drucksachen fehlen den gesetzlichen Krankenkassen laut Prognosen 2027 rund 13 Milliarden Euro, das Bundesgesundheitsministerium spricht sogar von über 15 Milliarden Euro. Deutschland hat bereits jetzt mit die höchsten Gesundheitsausgaben pro Kopf weltweit und liegt beim BIP-Anteil deutlich über dem OECD-Durchschnitt.
Die Fraktionen diskutieren unterschiedliche Lösungsansätze für diese Finanzierungslücke. Während die AfD eine Finanzspritze von 38,8 Milliarden Euro vorschlägt, fordern die Grünen eine Beitragssenkung um 2 Prozentpunkte. Gleichzeitig beschäftigen sich die Abgeordneten mit strukturellen Problemen wie der Digitalisierung von Heilmittelverordnungen und der spezialisierten Versorgung von Menschen mit Behinderungen.
Parlamentarische Drucksachen zu Krankenkasse
Die parlamentarische Arbeit zum Thema Krankenkasse konzentriert sich auf mehrere Schwerpunkte:
Finanzierungskrise und Beitragsentwicklung
Drucksache 21/5759 (AfD, 07.05.2026): „Will die AfD die Krankenkassen-Krise mit 38 Milliarden lösen?“ – Die AfD reagiert auf den Kabinettsentwurf des GKV-Beitragsstabilisierungsgesetzes von Gesundheitsministerin Nina Warken, der höhere Zuzahlungen und Leistungskürzungen vorsieht, und schlägt stattdessen eine Finanzspritze von 38,8 Milliarden Euro vor.
Drucksache 21/5753 (Grüne, 07.05.2026): „Krankenkassenbeiträge senken statt steigern? Grüne fordern 2%“ – Die Grünen-Fraktion fordert eine Beitragssenkung um 2 Prozentpunkte zum 1. Januar 2027 für über 75 Millionen gesetzlich Versicherte und Betriebe.
Drucksache 21/5817 (AfD, 08.05.2026): „Zahlen Landwirte zu hohe Krankenversicherungsbeiträge?“ – Die AfD hinterfragt die Belastungen von Nebenerwerbslandwirten durch Krankenversicherungsbeiträge, die möglicherweise über den tatsächlichen Gewinnen der Betriebe liegen.
Kosten und Leistungen
Drucksache 21/5267 (AfD, 12.05.2026): „Wie viel kostet das deutsche Gesundheitssystem wirklich?“ – Die AfD erkundigt sich nach Krankheitskosten nach Nationalität und Migrationsstatus vor dem Hintergrund der hohen deutschen Gesundheitsausgaben.
Drucksache 21/5238 (AfD, 12.05.2026): „Bekommen Migrantenkinder zu viele Therapieplätze?“ – Die AfD hinterfragt die Vergabe von Kindertherapieplätzen, nachdem sich die Kosten für Heilmittelverordnungen innerhalb von zehn Jahren mehr als verdoppelt haben.
Drucksache 21/5263 (AfD, 12.05.2026): „Wie viel kostet Tuberkulose-Behandlung bei Ausländern?“ – Die AfD fragt nach den Kosten der Tuberkulose-Behandlung bei ausländischen Patienten, nachdem das Robert Koch-Institut für 2023 insgesamt 4.481 Tuberkulosefälle meldete.
Strukturelle Reformen
Drucksache 21/5572 (AfD, 12.05.2026): „Verschwendet die Krankenhausreform 26 Milliarden Euro?“ – Die AfD zweifelt an der Effizienz der Pflegebudgets in Krankenhäusern, deren Kosten seit 2020 von 15,2 auf 26,1 Milliarden Euro gestiegen sind, während die Produktivität um 28 Prozent sank.
Drucksache 21/5822 (07.05.2026): „Wird die Notaufnahme-Krise endlich gelöst?“ – Die Linke fordert eine umfassende Reform der Akut- und Notfallversorgung, da das gegenwärtige System „strukturell überlastet und dringend reformbedürftig“ sei.
Digitalisierung und Spezialisierung
Drucksache 21/5470 (Grüne, 12.05.2026): „Scheitert die E-Rezept-Reform bei Physiotherapie und Co.?“ – Die Grünen fragen nach dem Stand der Digitalisierung der Heilmittelverordnung, da weiterhin erhebliche Probleme bei elektronischen Verordnungen auftreten.
Drucksache 21/5401 (AfD, 12.05.2026): „Was plant Deutschland bei der digitalen Gesundheitsversorgung?“ – Die AfD erkundigt sich nach digitalen Gesundheitsplattformen und KI-Einsatz im deutschen Gesundheitssystem.
Drucksache 21/5404 (12.05.2026) und Drucksache 21/5715 (11.05.2026): Beide Drucksachen beschäftigen sich mit der Versorgung von Menschen mit Behinderungen durch Medizinische Behandlungszentren (MZEB), die 2015 durch das GKV-Versorgungsstärkungsgesetz eingeführt wurden.
Positionen der Fraktionen
AfD-Fraktion
Die AfD-Fraktion sieht die Krankenkassenkrise als besonders dringlich an und schlägt eine Finanzspritze von 38,8 Milliarden Euro vor, um höhere Zuzahlungen und Leistungskürzungen zu vermeiden. Gleichzeitig stellt die Fraktion kritische Fragen zu den Kosten der Gesundheitsversorgung verschiedener Bevölkerungsgruppen und hinterfragt die Effizienz von Reformen wie den Pflegebudgets in Krankenhäusern.
Grüne Fraktion
Die Grünen-Fraktion verfolgt einen anderen Ansatz und fordert eine Beitragssenkung um 2 Prozentpunkte zum 1. Januar 2027. Dies würde über 75 Millionen gesetzlich Versicherte und Betriebe entlasten. Zudem beschäftigen sich die Grünen mit strukturellen Problemen wie der schleppenden Digitalisierung von Heilmittelverordnungen.
Die Linke
Die Fraktion Die Linke setzt auf eine umfassende Strukturreform und bezeichnet das gegenwärtige System der Akut- und Notfallversorgung als „strukturell überlastet und dringend reformbedürftig“. Die Linke fordert eine grundlegende Umgestaltung der Notfallversorgung.
Häufige Fragen zu Krankenkasse im Bundestag
Wie groß ist die Finanzierungslücke der gesetzlichen Krankenkassen?
Nach den vorliegenden Drucksachen fehlen den gesetzlichen Krankenkassen laut Prognosen 2027 rund 13 Milliarden Euro. Das Bundesgesundheitsministerium spricht sogar von über 15 Milliarden Euro. Diese Zahlen verdeutlichen das Ausmaß der finanziellen Herausforderungen im deutschen Krankenkassensystem.
Welche Lösungsansätze diskutieren die Fraktionen?
Die Fraktionen verfolgen unterschiedliche Ansätze: Die AfD schlägt eine Finanzspritze von 38,8 Milliarden Euro vor, um Beitragserhöhungen zu vermeiden. Die Grünen fordern hingegen eine Beitragssenkung um 2 Prozentpunkte. Die Linke setzt auf strukturelle Reformen, insbesondere bei der Notfallversorgung.
Wie haben sich die Gesundheitskosten entwickelt?
Die Kosten für Heilmittelverordnungen haben sich innerhalb von zehn Jahren mehr als verdoppelt. Bei den Pflegebudgets in Krankenhäusern stiegen die Kosten seit 2020 von 15,2 auf 26,1 Milliarden Euro, während die Produktivität um 28 Prozent sank. Deutschland liegt bereits jetzt beim BIP-Anteil für Gesundheitsausgaben deutlich über dem OECD-Durchschnitt.
Welche strukturellen Probleme werden diskutiert?
Neben der Finanzierung beschäftigen sich die Abgeordneten mit der Digitalisierung von Heilmittelverordnungen, der Spezialisierung der Versorgung für Menschen mit Behinderungen durch MZEB-Zentren und der Reform der Notfallversorgung. Auch die Effizienz bestehender Reformen wie der Pflegebudgets in Krankenhäusern steht zur Debatte.
Parlamentarische Quellen
- Bekommen Migrantenkinder zu viele Therapieplätze?
- Wie viel kostet das deutsche Gesundheitssystem wirklich?
- Wie viel kostet Tuberkulose-Behandlung bei Ausländern?
- Fehlen Menschen mit Behinderung spezialisierte Ärzte?
- Was plant Deutschland bei der digitalen Gesundheitsversorgung?
- Scheitert die E-Rezept-Reform bei Physiotherapie und Co.?
- Verschwendet die Krankenhausreform 26 Milliarden Euro?
- Warum gibt es keine MZEB-Zentren im Saarland?
- Zahlen Landwirte zu hohe Krankenversicherungsbeiträge?
- Wird die Notaufnahme-Krise endlich gelöst?






















































