- 58 Millionen Tonnen CO2 jährlich aus entwässerten Mooren
- Nur 90.000 von 1,8 Mio. Hektar bis 2030 geplant
- LULUCF-Klimaziel droht massive Verfehlung
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6459 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Moore sind die effektivsten terrestrischen Kohlenstoffspeicher, werden aber in entwässertem Zustand zu Klimakillern. Im LULUCF-Sektor (Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft) muss Deutschland bis 2030 eine Netto-Treibhausgassenke von 25 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten erreichen. Das Thünen-Institut prognostiziert jedoch 40 Millionen Tonnen Emissionen und damit eine massive Zielverfehlung. Die Bundesregierung setzt auf die Palu-Richtlinie zur freiwilligen Förderung klimaschonender Moornutzung.
- 58 Millionen Tonnen CO2 — jährliche Emissionen aus entwässerten Moorböden in Deutschland
- 1,8 Millionen Hektar — Gesamtfläche der entwässerten Moorböden bundesweit
- 90.000 Hektar — geplante Wiedervernässung bis 2030 durch Palu-Richtlinie
- 40 Millionen Tonnen CO2 — prognostizierte LULUCF-Emissionen 2027-2030 laut Thünen-Institut
- 25 Millionen Tonnen — erforderliche CO2-Senke im LULUCF-Sektor bis 2030
Im Detail
Obwohl sie in der Bundesrepublik nur etwa fünf Prozent der Fläche darstellen, verursachen sie in ihrem derzeitigen entwässerten Zustand etwa sieben Prozent der gesamten Treibhausgasemissionen der BRD, was ca. 58 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente entspricht.
— Vorbemerkung BT-Drs. 21/6459
Entwässerte Moorböden sind Deutschlands unterschätzte Klimakiller. Nur fünf Prozent der Landesfläche. Trotzdem verursachen sie sieben Prozent aller nationalen Treibhausgasemissionen — etwa 58 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr. Die Linke-Fraktion betrachtet die Moorschutzstrategie der Bundesregierung als unzureichend und stellt in einer umfangreichen Kleinen Anfrage 55 Fragen zur Wiedervernässungsplanung.
Die Bundesregierung plant bis 2030 lediglich 90.000 Hektar der insgesamt 1,6 bis 1,8 Millionen Hektar entwässerten Moorböden zu renaturieren. Das entspricht nur etwa fünf Prozent der Gesamtfläche. Die Linke sieht diese Dimension als ungeeignet an, um die gesetzlichen Klimaschutzziele zu erreichen.
LULUCF-Sektor vor Zielverfehlung
Der LULUCF-Sektor muss laut Bundes-Klimaschutzgesetz bis 2030 eine Netto-Treibhausgassenke von mindestens 25 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten erreichen. Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft. Das Thünen-Institut rechnet jedoch mit jährlichen Emissionen von 40 Millionen Tonnen im Zeitraum 2027-2030 — eine Zielverfehlung um 65 Millionen Tonnen.
„Damit scheint das aktuelle Klimaschutzprogramm der Bundesregierung nicht geeignet, um die festgelegten Ziele zu erreichen“, heißt es in der Anfrage der Linke-Fraktion. Auch Projektionsdaten des Umweltbundesamtes deuten auf eine Zielverfehlung hin, ebenso wie Berechnungen des Expertenrates für Klimafragen.
Was gilt aktuell?
Derzeit setzt die Bundesregierung auf die neue Palu-Richtlinie zur Förderung klimaschonender Moornutzung. Diese fördert unter dem Primat von Freiwilligkeit und Wirtschaftlichkeit die landwirtschaftliche Nutzung vernässter Moorstandorte. Die Richtlinie umfasst verschiedene Module. Von Vorbereitungsmaßnahmen über Wertverlustentschädigung bis hin zur Technikförderung für Paludikultur — der Bewirtschaftung nasser Moore mit speziellen Pflanzen.
Bislang gibt es keine gesetzliche Verpflichtung zur Wiedervernässung, auch nicht für öffentliche Flächen. Die Bundesregierung sieht zudem kein generelles Verbot der Neu-Entwässerung von Moorböden vor.
Ordnungspolitische Grundsatzfragen
Die Linke führt an, dass die Bundesregierung trotz niedriger Vermeidungskosten pro CO2-Tonne den Moorschutz mit zu geringen finanziellen Mitteln ausstattet. In anderen Sektoren wie dem Verkehr werden hohe Vermeidungskosten akzeptiert. Die Finanzierung des Moorschutzes bleibt hingegen hinter dem Bedarf zurück.
Besonders das Modell der dauerhaften Ertragsausgleichszahlungen an private Eigentümer steht im Fokus der Fraktion. Die Anfrage stellt die Frage, ob alternative Ansätze fiskalisch effizienter wären. Staatlicher Flächenerwerb etwa. Oder sogar die Vergesellschaftung nach Artikeln 14 und 15 des Grundgesetzes. Laut Umweltbundesamt sind bis 2049 Investitionen von 21 Milliarden Euro erforderlich, können aber Klimaschäden von 67,5 Milliarden Euro vermeiden.
55 Fragen zur Zukunft des Moorschutzes
Die Anfrage umfasst ein breites Spektrum von technischen Details über Mindestwasserstände bis hin zu grundsätzlichen verfassungsrechtlichen Fragen. Hydrologische Voraussetzungen. Die Linke will wissen, warum die Regierung kommuniziert, Wiedervernässung ist „freiwillig“, wenn bei Zielverfehlung ohnehin harte ordnungsrechtliche Auflagen folgen müssen.
Weitere Schwerpunkte sind die personelle Ausstattung der Wasserbehörden und Risiken für Landwirte bei Investitionen in Paludikultur-Technik. Die Fraktion fragt auch nach der Gefahr einer „ökologischen Gentrifizierung“, bei der nur finanzstarke Großbetriebe die Bürokratie bewältigen können. Konkrete Pläne für den Aufbau einer Verwertungsindustrie stehen ebenfalls im Fokus — für Paludikultur-Produkte wie Schilfdämmung oder Torfmoos-Substrate.
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Betroffen sind Landwirte mit Moorböden, Klimaschutz-Ziele Deutschlands und letztlich alle Bürger durch verfehlte CO2-Reduktion. Besonders Regionen mit hohem Mooranteil wie Norddeutschland stehen im Fokus der Wiedervernässung.
Die Bundesregierung hat 21 Tage Zeit, die 55 Fragen der Linke-Fraktion zu beantworten. Die Antwortfrist endet am 3. Juli 2026. Die Fraktion will klären, ob die derzeitige Moorschutzstrategie ausreicht oder ob härtere Maßnahmen wie Vergesellschaftung oder Flächenankauf nötig sind.
- LULUCF-Sektor
- Landnutzung, Landnutzungsänderung und Forstwirtschaft. Dieser Sektor muss bis 2030 eine Netto-CO2-Senke von 25 Millionen Tonnen erreichen.
- Paludikultur
- Landwirtschaftliche Nutzung nasser Moorböden mit speziellen Pflanzen wie Schilf oder Rohrkolben zur CO2-neutralen Biomasse-Produktion.
- Palu-Richtlinie
- Bundesförderung für klimaschonende Bewirtschaftung von Moorböden mit verschiedenen Modulen von Vorbereitung bis Technikförderung.
Wie viele Moore gibt es in Deutschland?
Deutschland hat 1,6 bis 1,8 Millionen Hektar Moorböden, die fast alle entwässert sind und jährlich 58 Millionen Tonnen CO2 freisetzen.
Was plant die Bundesregierung?
Bis 2030 sollen nur 90.000 Hektar wiedervernässt werden — das sind nur etwa 5% aller entwässerten Moorböden.
Warum ist das ein Problem?
Das Thünen-Institut rechnet mit massiver Verfehlung der LULUCF-Klimaziele, da jährlich 40 Millionen Tonnen CO2 aus diesem Sektor erwartet werden.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6459 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.








































































