- Muttersprache fehlt in generalistischen Pflegeausbildungs-Rahmenlehrplänen
- Demenzkranke profitieren nachweislich von muttersprachlicher Kommunikation
- 12 Fragen zu Datenlage, Förderung und Regelungsbedarf gestellt
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6521 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Der Bundesrat für Niederdeutsch hat 2019 mit der sogenannten „Wittstocker Erklärung“ die Berücksichtigung der niederdeutschen Sprache im Pflegealltag gefordert. Einzelne berufsbildende Schulen haben daraufhin Niederdeutschunterricht in Pflegeausbildungen integriert, und das „PlattHart“-Siegel zeichnet Einrichtungen aus, die plattdeutsche Angebote in der Praxis umsetzen. Die seit 2020 geltenden Rahmenlehrpläne der generalistischen Pflegeausbildung erwähnen die Muttersprache jedoch nicht ausdrücklich, obwohl Forschung zur Demenzpflege die Bedeutung sprachlicher Vertrautheit für Patientensicherheit und Wohlbefinden belegt.
Im Detail
Trotz dieser Praxisbeispiele findet die Berücksichtigung der Muttersprache in den seit 2020 geltenden Rahmenlehrplänen der generalistischen Pflegeausbildung keine ausdrückliche Erwähnung.
— Begründung BT-Drs. 21/6521, Fraktion Die Linke
Muttersprache in der Pflege ist kein Randthema: Für Menschen mit Demenzerkrankung kann die Kommunikation in der eigenen Muttersprache entscheidend für Sicherheit, Orientierung und Lebensqualität sein. Obwohl diese Zusammenhänge in der Pflegeforschung gut belegt sind, fehlt der Aspekt in den seit 2020 bundesweit geltenden Rahmenlehrplänen der generalistischen Pflegeausbildung. Mit der Kleinen Anfrage BT-Drs. 21/6521 vom 16. Juni 2026 fragt die Fraktion Die Linke die Bundesregierung in zwölf konkreten Fragen, wie Deutschland mit diesem Versäumnis umgeht.
Muttersprache in der Pflege — was gilt aktuell?
Die generalistische Pflegeausbildung gilt seit 2020 und ersetzt die früher getrennten Berufsbilder in der Alten-, Kinderkranken- und Krankenpflege. Die Ausbildungsinhalte richten sich nach bundesweiten Rahmenlehrplänen, die einen starken Lebensweltbezug betonen — die Muttersprache der Pflegebedürftigen ist darin aber nicht ausdrücklich verankert. In der Praxis haben einzelne berufsbildende Schulen auf Initiative des Bundesrats für Niederdeutsch reagiert und Niederdeutschunterricht in die Pflegeausbildung integriert. Das regionale „PlattHart“-Siegel zeichnet Einrichtungen aus, die plattdeutsche Angebote gezielt einsetzen. Bundesweit verbindliche Standards existieren jedoch nicht.
Zwölf Fragen an die Bundesregierung
Die Anfrage, unterzeichnet von Heidi Reichinnek, Sören Pellmann und weiteren Abgeordneten der Linken, deckt ein breites Themenspektrum ab. Zunächst fragt die Fraktion nach der grundsätzlichen Einschätzung der Bundesregierung zur Bedeutung der Muttersprache in der Pflege und nach bereits bestehenden bundesweiten Maßnahmen. Daneben erkundigt sich die Anfrage nach konkreten Zahlen: Wie viele Pflegebedürftige gibt es in der ambulanten und stationären Pflege — aufgeschlüsselt nach Bundesländern — und wie viele davon sind an Demenz erkrankt?
Ein eigener Fragenkomplex widmet sich der Demenzpflege: Die Abgeordneten wollen wissen, welche Methoden Einrichtungen aktuell einsetzen, um mit Demenzkranken sprachlich und sozial in Kontakt zu treten, und welche Rolle die Muttersprache dabei spielt. Konkret fragt die Anfrage auch, wie viele Einrichtungen die Muttersprache beim Aufnahmeverfahren erfassen und im Rahmen der Biografiearbeit berücksichtigen.
Darüber hinaus thematisiert die Kleine Anfrage die Pflegeausbildung direkt: Sind die positiven Auswirkungen der Muttersprache auf die Psyche Demenzkranker bereits in den Curricula oder Rahmenlehrplänen der generalistischen Pflegeausbildung verankert? Plant die Bundesregierung Maßnahmen oder Fördermittel für den berufsbegleitenden Spracherwerb von Pflegekräften? Und sieht sie — auf Bundes- oder Landesebene — rechtlichen Regelungsbedarf?
Abschließend fragt die Fraktion nach der Koordination zwischen Bundesregierung, Ländern, Pflegeverbänden und Bildungsinstitutionen sowie nach bekannten Good-Practice-Beispielen für den Einsatz von Muttersprache in der Pflege. Als Muttersprache verstehen die Fragesteller dabei ausdrücklich nicht nur Niederdeutsch, sondern auch die Sprachen der nationalen Minderheiten, die Deutsche Gebärdensprache und die Sprachen von Zugewanderten.
Politischer Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6521 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Der Bundesrat für Niederdeutsch hat das Thema bereits 2019 mit der „Wittstocker Erklärung“ auf die politische Agenda gesetzt. Seitdem wächst der Druck auf Bund und Länder, sprachliche Aspekte systematisch in die Pflegeausbildung aufzunehmen. Die Linke greift das Thema mit dieser Anfrage parlamentarisch auf und verknüpft es mit der Frage nach bundesweit verlässlichen Daten — die nach derzeitigem Stand offenbar nicht vorliegen. Mit einem Blick auf verwandte Themen lohnt auch die Lektüre des Beitrags zu Mutterschaftsleistungen für Selbstständige oder des Überblicks zu den wichtigsten Drucksachen vom 17. Juni 2026. Zur strukturellen Einordnung bietet sich zudem ein Blick auf Grundgesetz-Artikel und ihre Bedeutung für soziale Rechte an.
Weiterlesen:
- Mutterschaftsleistungen für Selbstständige. Zur Rechtslage
- Bundestag 17.06.2026: Die wichtigsten Drucksachen
- Begriff erklärt: Grundgesetz-Artikel
Betroffen sind in erster Linie pflegebedürftige Personen mit Demenzerkrankung, die in ihrer Muttersprache besser erreichbar sind. Darüber hinaus berührt die Anfrage Pflegeauszubildende und Pflegefachkräfte, deren Ausbildungsinhalte auf dem Prüfstand stehen, sowie Träger und Einrichtungen der ambulanten und stationären Pflege in ganz Deutschland. Auch Angehörige nationaler Minderheiten, Niederdeutschsprechende und Menschen mit Migrationshintergrund sind als Pflegebedürftige und als Beschäftigte betroffen.
Die Kleine Anfrage wurde am 16. Juni 2026 beim Deutschen Bundestag eingereicht. Die Bundesregierung hat nach parlamentarischer Praxis 21 Tage Zeit für eine schriftliche Antwort — die Antwortfrist läuft bis zum 7. Juli 2026. Nach Eingang der Antwort kann die Drucksache als beantwortet gelten.
- Generalistische Pflegeausbildung
- Seit 2020 einheitliche dreijährige Ausbildung in Deutschland, die Alten-, Kinderkranken- und Krankenpflege in einem Berufsbild zusammenführt.
- Rahmenlehrplan
- Bundesweit geltende Vorgaben für die schulischen Inhalte der Pflegeausbildung, die den Mindestinhalt des Unterrichts festlegen.
- Biografiearbeit
- Pflegefachlicher Ansatz, bei dem die Lebensgeschichte eines Pflegebedürftigen — einschließlich Sprache, Herkunft und Gewohnheiten — für eine personenzentrierte Versorgung genutzt wird.
Warum ist Muttersprache in der Pflege wichtig?
Laut Drucksache ist die Bedeutung sprachlicher Vertrautheit für die Patientensicherheit und Lebensqualität von Demenzkranken gut belegt — besonders Menschen mit Demenz können in ihrer Muttersprache besser kommunizieren als in später erlernten Sprachen.
Was ist die generalistische Pflegeausbildung?
Seit 2020 gibt es in Deutschland eine einheitliche dreijährige Pflegeausbildung, die Alten-, Kinderkranken- und Krankenpflege zusammenführt. Die Inhalte werden durch bundesweit geltende Rahmenlehrpläne geregelt.
Welche Sprachen umfasst die Anfrage?
Die Anfrage bezieht sich nicht nur auf Niederdeutsch, sondern auch auf Sprachen nationaler Minderheiten, die Deutsche Gebärdensprache sowie die Sprachen von Zugewanderten und in Deutschland lebenden Menschen.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6521 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.


































































