- 1 Million Wohnmobile in Deutschland zugelassen
- Bundesregierung hat keine Infrastrukturdaten
- Systematische Erfassung fehlt völlig
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6324 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Der Reisemobiltourismus in Deutschland wächst seit Jahren dynamisch. 2024 wurden 74.718 Reisemobile neu zugelassen, ein Plus von 9,1 Prozent. Reisemobilisten geben durchschnittlich 50,50 Euro pro Person und Tag aus. Der ADAC kritisiert deutliche Defizite an Rastanlagen, insbesondere fehlende Stellflächen und unzureichende Ver- und Entsorgungsmöglichkeiten für Frischwasser und Abwasser.
- 1 Million — Erstmals über eine Million Wohnmobile in Deutschland zugelassen (April 2025)
- 74.718 — Reisemobil-Neuzulassungen 2024, plus 9,1 Prozent gegenüber Vorjahr
- 450.167 auf 981.010 — Bestandsentwicklung von Januar 2017 bis Januar 2025
- 50,50 Euro — Durchschnittliche Tagesausgaben pro Reisemobilist im Zielgebiet
Im Detail
Zu den Fragen 8 bis 17 und 19 liegen der Bundesregierung keine Erkenntnisse vor.
— Antwort der Bundesregierung BT-Drs. 21/6324
Bei einem Bestand von über einer Million Wohnmobilen in Deutschland verfügt die Bundesregierung über keine systematischen Daten zur Ver- und Entsorgungsinfrastruktur für Reisemobile an Bundesstraßen und Autobahnen. Dies geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Fraktion hervor (BT-Drs. 21/6324).
Der Reisemobiltourismus wächst seit Jahren dynamisch. 2024 wurden 74.718 Reisemobile neu zugelassen — ein Zuwachs von 9,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Erstmals hat der Bestand im April 2025 die Marke von einer Million zugelassenen Fahrzeugen überstiegen. Innerhalb von acht Jahren hat sich die Zahl der Wohnmobile mehr als verdoppelt: von 450.167 Fahrzeugen im Januar 2017 auf 981.010 Fahrzeuge im Januar 2025.
Was gilt aktuell?
Bei Neu-, Um- und Ausbauplanungen von Rastanlagen an Bundesautobahnen werden Parkmöglichkeiten für Pkw mit Anhängern und Wohnmobile nach dem Regelwerk für Rastanlagen geschaffen. Private Parkraumbetreiber und Autohöfe können Ver- und Entsorgungsstationen anbieten. Eine systematische bundesweite Erfassung der vorhandenen Infrastruktur gibt es jedoch nicht.
Wirtschaftliche Bedeutung
Reisemobilisten geben laut Deutschem Tourismusverband durchschnittlich 50,50 Euro pro Person und Tag im Zielgebiet aus, einschließlich Standplatzentgelten. Deutschland gehört neben Frankreich und Italien zu den bevorzugten Reisezielen deutscher Wohnmobil-Touristen. Knapp ein Drittel der Fahrzeuge ist auf Personen zwischen 60 und 69 Jahren zugelassen.
ADAC bewertet Infrastruktur
Der ADAC weist in einer aktuellen Umfrage auf Lücken an Rastanlagen für Camper hin. Genannt werden fehlende ausgewiesene Stellflächen sowie Mängel bei der Ausschilderung. Auch unzureichende Möglichkeiten zur Frischwasserversorgung und Entsorgung von Grau- und Schwarzwasser sind problematisch. Andere europäische Länder haben entsprechende Angebote systematischer in ihre Verkehrsinfrastruktur integriert.
Umweltaspekte bei fehlender Infrastruktur
Reisemobile verfügen über Frischwassertanks, Abwassertanks und Kassettentoiletten. Diese müssen regelmäßig entleert beziehungsweise neu befüllt werden. Geeignete Ver- und Entsorgungsstationen können zur Vermeidung illegaler Abwasserentsorgung beitragen und damit Umweltbelastungen verhindern. Ähnliche Infrastruktur-Defizite zeigen sich auch bei anderen Verkehrsbauwerken.
Keine Daten zu Best-Practice-Beispielen
Auf die Frage nach internationalen Vorbildern und deren Übertragbarkeit auf Deutschland hat die Bundesregierung keine Antworten geben können. Ebenso wenig liegen Erkenntnisse zu Pilotprojekten seit 2020 vor. Auch zu Investitionskosten für Nachrüstungen oder wirtschaftlichen Effekten für Rastanlagen-Betreiber fehlen Informationen. Zu Förderprogrammen für den Infrastrukturausbau fehlt der Regierung ebenfalls das Wissen.
Die Grünen-Fraktion hat mit ihrer Anfrage auf die Diskrepanz zwischen dem dynamischen Wachstum des Reisemobiltourismus und der vorhandenen Infrastruktur hingewiesen. Sie fordert eine systematische Erfassung und Bewertung. Auch eine aktive Steuerung der Infrastrukturentwicklung durch die Bundesregierung ist nötig. Datenmangel in der Bundesverwaltung ist jedoch kein Einzelfall.
Weiterlesen:
- Brückensicherheit Schleswig-Holstein: 29 Mio. Euro jährlich
- Bundesverwaltung: 8% Stellenabbau bis 2029 bei Personalmangel
Betroffen sind über 1 Million Wohnmobil-Besitzer in Deutschland, davon knapp ein Drittel im Alter zwischen 60 und 69 Jahren. Auch Reisemobil-Touristen aus dem Ausland nutzen deutsche Fernstraßen.
Die Bundesregierung räumt ein, zu wesentlichen Fragen der Reisemobil-Infrastruktur keine Erkenntnisse zu haben, beantwortet aber die Grundfragen zu Zuständigkeiten.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. (Stand: 08.06.2026) Grüne decken Defizite bei Wohnmobil-Rastanlagen auf →
- Ver- und Entsorgungsstation
- Anlage zur Befüllung der Frischwassertanks und Entleerung der Abwassertanks von Reisemobilen.
- Kassettentoilette
- Herausnehmbare Toilette in Wohnmobilen, die an speziellen Stationen entleert werden muss.
Wie viele Wohnmobile gibt es in Deutschland?
Zum April 2025 waren erstmals über 1 Million Wohnmobile zugelassen, der Bestand stieg von 450.167 (2017) auf 981.010 Fahrzeuge.
Wer ist für Reisemobil-Infrastruktur zuständig?
Bei Rastanlagen an Bundesautobahnen können private Konzessionäre Ver- und Entsorgungsstationen anbieten, systematische Datenerhebung gibt es aber nicht.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6324 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.





































































