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    Illustration: Bundestagsdrucksache 21/7982

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    Illustration: Bundestagsdrucksache 21/8054

    Fusionshubs: 2,4 Mrd. Euro Förderung unter Parlamentskontrolle

    Illustration: Bundestagsdrucksache 21/8053

    Bürokratieabbau im Gastgewerbe: 38 Fragen an die Bundesregierung

    Illustration: Bundestagsdrucksache 21/8104

    Wahlrechtsentzug: Reform des § 45 StGB geplant

    Illustration: Bundestagsdrucksache 21/8105

    SGB VII: Versicherungspflicht für private Waldeigentümer

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    Geschichtspolitik in Polen, Ukraine und Russland seit 1991

    Illustration: Bundestagsdrucksache

    Klimawandel verschärft Wasserkrise in Deutschland

    Illustration: Bundestagsdrucksache

    Klimawandel kostet Deutschland Milliarden Euro jährlich

    Begriff erklärt: Gesetzesfolgenabschätzung

    Begriff erklärt: Gesetzesfolgenabschätzung

    Illustration: Bundestagsdrucksache

    Bund plant Zuckersteuer auf Softdrinks ab 2027

    Illustration: Bundestagsdrucksache

    Begriff erklärt: Haushaltsnotwendigkeit

    Illustration: Bundestagsdrucksache

    Begriff erklärt: Bundeszuschussgesetzänderung

    Illustration: Bundestagsdrucksache

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    Begriff erklärt: Gesetzesfolgenabschätzung

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    Die Zukunft der Organspende liegt in der Züchtung von Organen

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Home Themen Recht & Inneres

Wahlrechtsentzug: Reform des § 45 StGB geplant

durch Redaktion Bundestag
22. September 2026
in Recht & Inneres
0
Illustration: Bundestagsdrucksache 21/8104

KI-generiertes Titelbild zur Bundestagsdrucksache 21/8104

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VerfahrensstandGesetzentwurf
Eingegangen
1
Gesetzesinitiative
Eingebracht von der Bundesregierung, dem Bundesrat oder aus der Mitte des Bundestages (mind. 1 Fraktion oder 5 % der Abgeordneten).
22.09.2026 · Drs. 21/8104
2
Erste Lesung
Vorstellung im Plenum; der Entwurf wird meist zur Beratung an zuständige Ausschüsse überwiesen.
⋮ 7 weitere Schritte anzeigen
3
Ausschussberatungen
Fachausschüsse prüfen den Entwurf, hören Sachverständige an und können Änderungen vorschlagen.
4
Zweite Lesung
Erneute Plenarberatung und Abstimmung über Änderungsanträge.
5
Dritte Lesung & Schlussabstimmung
Endgültige Abstimmung im Bundestag. Bei Annahme gilt das Gesetz als beschlossen.
6
Bundesrat
Zustimmungsgesetze erfordern Bundesratsmehrheit; bei Einspruchsgesetzen kann der Bundesrat Einspruch einlegen.
?
Vermittlungsausschuss (falls nötig)
Bei Uneinigkeit sucht ein gemeinsamer Ausschuss einen Kompromiss zwischen Bundestag und Bundesrat.
8
Ausfertigung
Unterzeichnung durch den Bundespräsidenten nach Gegenzeichnung durch die zuständigen Minister.
9
Verkündung im Bundesgesetzblatt
Offizielle Veröffentlichung — erst damit wird das Gesetz rechtlich verbindlich bekannt gemacht.
10
Inkrafttreten
Zum gesetzlich genannten Zeitpunkt; ohne Regelung am 14. Tag nach der Verkündung.
Vorgang VO339504 →

📄 Quelle: Deutscher Bundestag / DIP — BT-Drs. 21/8104 | Gesetzentwurf | Original-PDF | dip.bundestag.de

Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8104 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.

⏱ 6 Min. Lesezeit

⚡ Auf einen Blick
  • Richterliche Einzelaberkennung des Wahlrechts soll abgeschafft werden
  • Automatischer 5-Jahres-Verlust bei Verbrechensverurteilung bleibt erhalten
  • 2017–2021: nur ein bis null Fälle pro Jahr nach § 45 StGB abgeurteilt

Hintergrund

Das Bundesverfassungsgericht hat mit Beschluss vom 29. Januar 2019 (2 BvC 62/14) mehrere Wahlrechtsausschlüsse im Bundeswahlgesetz wegen Verfassungswidrigkeit verworfen und dabei festgestellt, dass Eingriffe in das aktive Wahlrecht an tragfähige, sachlich begründete gesetzliche Typisierungen anknüpfen müssen und nicht von Zufälligkeiten abhängen dürfen. Dieser Maßstab gilt nach Auffassung der Antragsteller auch für die fakultativen Aberkennungsmöglichkeiten in § 45 Abs. 2 und 5 StGB. In der strafrechtlichen Fachliteratur wird § 45 StGB bereits seit Längerem als kriminalpolitisch fraglich und in seiner praktischen Bedeutung als minimal eingestuft.

📊 Zahlen auf einen Blick
  • 1 Fall (je Jahr 2017–2020) — So selten wurde § 45 StGB laut amtlicher Strafverfolgungsstatistik zur Aberkennung von Bürgerrechten angewendet.
  • 0 Fälle (2021) — Im Jahr 2021 wurde kein einziger Fall einer Aberkennung nach § 45 StGB verzeichnet.
  • 5 Jahre — So lange verliert eine wegen eines Verbrechens verurteilte Person kraft Gesetzes automatisch das passive Wahlrecht und die Fähigkeit, öffentliche Ämter zu bekleiden.
  • 2–5 Jahre — Den bisherigen Ermessensspielraum der Gerichte bei fakultativer Aberkennung nach § 45 Abs. 2 und 5 StGB, den der Entwurf abschaffen will.

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Infografik BT-Drs. 21/8104
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Im Detail

„Durch Richterspruch kann es zu einer – mehr oder minder – willkürlichen Auswahl jener Personen, die wählen und gewählt werden dürfen, kommen – eine Gefahr für die Demokratie.“

— Begründung BT-Drs. 21/8104, Abschnitt I

Wer in Deutschland wegen eines schweren Verbrechens zu mindestens einem Jahr Freiheitsstrafe verurteilt wird, verliert automatisch für fünf Jahre das Recht, selbst zu kandidieren und gewählt zu werden. Diese Regelung steht nicht zur Disposition. Was die AfD-Fraktion mit BT-Drs. 21/8104 vom 22. September 2026 jedoch abschaffen will, ist die daneben bestehende Möglichkeit von Strafgerichten, das aktive und passive Wahlrecht zusätzlich per Einzelfallentscheidung zu entziehen — ein Instrument, das in der Praxis kaum genutzt wird, aber verfassungsrechtlich zunehmend unter Druck gerät.

Was gilt aktuell?

Nach geltendem Recht enthält § 45 StGB drei Regelungsebenen: Erstens den automatischen Verlust der Wählbarkeit und der Amtsfähigkeit für fünf Jahre bei Verurteilung wegen eines Verbrechens zu mindestens einem Jahr Freiheitsstrafe (Abs. 1). Zweitens die Möglichkeit des Gerichts, die genannten Fähigkeiten für zwei bis fünf Jahre abzuerkennen, sofern ein Gesetz dies ausdrücklich vorsieht (Abs. 2). Drittens die Option, bei bestimmten Delikten zusätzlich das aktive Wahlrecht für zwei bis fünf Jahre zu entziehen (Abs. 5). Diese letzte Kategorie greift vor allem bei Staatsschutzdelikten wie Hochverrat, Amtsdelikten und Subventionsbetrug. Laut amtlicher Strafverfolgungsstatistik wurde von diesen Ermessensinstrumenten allerdings kaum Gebrauch gemacht: In den Jahren 2017 bis 2020 kam es jeweils zu genau einem Fall der Aberkennung, im Jahr 2021 zu keinem einzigen.

Der Kern des Gesetzentwurfs zur Neufassung des § 45 StGB

Der Entwurf sieht vor, die Absätze 2 und 5 des § 45 StGB vollständig aufzuheben und damit die richterliche Ermessensaberkennung des Wahlrechts zu beseitigen. Die Begründung stützt sich maßgeblich auf einen Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 29. Januar 2019 (2 BvC 62/14), in dem das Gericht zentrale Wahlrechtsausschlüsse im Bundeswahlgesetz für verfassungswidrig erklärt hatte. Kernaussage: Eingriffe in das Wahlrecht dürfen nicht von Zufälligkeiten abhängen, sondern müssen auf einer tragfähigen gesetzlichen Typisierung beruhen. Werde das Wahlrecht per richterlichem Ermessen entzogen, hänge das Ergebnis von der subjektiven Einschätzung des jeweils zuständigen Richters ab — und sei damit strukturell willkürlich. Zugleich weist die Begründung auf Pläne hin, den Anwendungsbereich der richterlichen Aberkennung auf Volksverhetzungsdelikte nach § 130 StGB auszuweiten, was die Gefahr politisch motivierter Einzelfallentscheidungen nach Einschätzung der Einbringer weiter erhöhen würde.

Der automatische Wahlrechtsentzug aus Absatz 1 soll dagegen bestehen bleiben. Die Fraktion argumentiert, er beruhe auf einer klaren gesetzlichen Typisierung — Verurteilung wegen eines Verbrechens — und sei damit nicht von Richterermessen abhängig. Der Eingriff in die Allgemeinheit der Wahl sei verhältnismäßig, weil er dem Schutz des Vertrauens der Bürger in die Integrität staatlicher Institutionen diene, auf eine BVerfG-Entscheidung vom 4. Juli 2007 (2 BvE 1/06) gestützt und zeitlich auf fünf Jahre befristet sei.

Folgeänderungen in Bundeswahlgesetz und Strafprozessordnung

Neben der Neufassung des § 45 StGB sieht der Entwurf Folgeänderungen im Bundeswahlgesetz und der Strafprozessordnung vor. § 13 BWahlG wird neu gefasst: Vom Wahlrecht ausgeschlossen ist danach nur noch, wer infolge eines Richterspruchs des Bundesverfassungsgerichts gemäß § 39 Abs. 2 BVerfGG das Wahlrecht nicht besitzt. Zudem werden mehrere Einzelparagrafen des StGB aufgehoben, darunter §§ 92a, 101, 108c, 109i und 358, die bislang die Aberkennung von Bürgerrechten als Nebenfolge bestimmter Delikte ausdrücklich anordneten. Das Gesetz soll am Tag nach seiner Verkündung in Kraft treten.

Haushaltliche oder bürokratische Folgekosten entstehen laut Entwurf nicht. Die Antragsteller erwarten infolge der äußerst seltenen Anwendung der abzuschaffenden Norm auch keine statistisch messbaren praktischen Auswirkungen — sehen darin aber eine geringfügige Entlastung der Justiz. Als alternative Lösung erwähnt der Entwurf ausdrücklich die vollständige Abschaffung des § 45 StGB, wie sie in einem früheren Antrag der Linksfraktion (Drs. 17/5896) gefordert worden war — lehnt diese Option jedoch als zu weitgehend ab, da der gesetzliche Automatismus aus Absatz 1 weiterhin gerechtfertigt sei.

Die strafrechtliche Literatur bewertet § 45 StGB seit Langem kritisch: Die Norm wird unter anderem als „Relikt früherer Ehrenstrafen“ und kriminalpolitisch als „mehr als fragwürdig und entbehrlich“ eingestuft. Auch die Verfassungsmäßigkeit ist umstritten. Ob der Entwurf im Bundestag eine Mehrheit findet, ist angesichts der Fraktionsverhältnisse offen.

Weiterlesen:

  • Das bewegt Deutschland — 22.09.2026
  • Dublin-Verfahren 2026: 10.718 Überstellungen scheiterten
👥 Wen betrifft das?

Betroffen sind Personen, gegen die ein Strafgericht im Rahmen der Verurteilung für bestimmte Delikte — insbesondere Staatsschutz-, Amts- und Subventionsbetrugsstraftaten — bislang zusätzlich die Aberkennung des Wahlrechts anordnen konnte. Mittelbar betrifft die Debatte alle Wählerinnen und Wähler, da sie die Frage berührt, unter welchen Voraussetzungen der Staat Bürger von der demokratischen Teilhabe ausschließen darf.

📅 Parlamentarischer Fahrplan

Der Gesetzentwurf (BT-Drs. 21/8104) wurde am 22. September 2026 eingebracht und durchläuft nun das reguläre parlamentarische Verfahren: Überweisung an den zuständigen Ausschuss, Ausschussberatung und abschließende Abstimmung im Bundestag. Da es sich um ein Fraktionsvorhaben ohne Regierungsmehrheit handelt, ist der Ausgang der Abstimmung offen.

⚖️ Erwähnte Gesetze
  • Strafgesetzbuch (StGB)
  • Bundeswahlgesetz (BWahlG)
📖 Begriffe erklärt
Passives Wahlrecht
Das Recht, bei Wahlen zu kandidieren und gewählt zu werden — im Unterschied zum aktiven Wahlrecht, also dem Recht, abstimmen zu dürfen.
Gesetzliche Typisierung
Eine Regelung, die abstrakt-generell für eine bestimmte Gruppe gilt und nicht von einer Einzelfallentscheidung eines Richters abhängt — nach BVerfG-Rechtsprechung Voraussetzung für verfassungskonforme Wahlrechtsausschlüsse.
Verbrechen (§ 12 StGB)
Straftaten, die im Mindestmaß mit Freiheitsstrafe von einem Jahr oder mehr bedroht sind — abzugrenzen von Vergehen, die mit geringerer Mindeststrafe oder Geldstrafe bedroht sind.
❓ Häufige Fragen

Was regelt § 45 StGB?

§ 45 StGB regelt den Verlust der Amtsfähigkeit und des Wahlrechts als Nebenfolge einer Strafverurteilung. Wer wegen eines Verbrechens zu mindestens einem Jahr Freiheitsstrafe verurteilt wird, verliert automatisch für fünf Jahre das passive Wahlrecht.

Was soll sich durch den Entwurf konkret ändern?

Die Absätze 2 und 5 des § 45 StGB, die Gerichten die Möglichkeit geben, Wahlrechte per Ermessensentscheidung abzuerkennen, sollen vollständig aufgehoben werden. Der gesetzliche Automatismus aus Absatz 1 bleibt unverändert.

Wie häufig wurde § 45 StGB bisher tatsächlich angewendet?

Laut amtlicher Strafverfolgungsstatistik wurde zwischen 2017 und 2020 jeweils nur ein einziger Fall der Aberkennung erfasst; im Jahr 2021 kein einziger Fall.

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