- Handelsbilanzdefizit mit China stieg 2025 auf 90 Mrd. Euro
- 70–90 % der Pharmawirkstoffe kommen aus China oder Indien
- 65 Fragen zu De-Risking, Rohstoffen und kritischer Infrastruktur
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7221 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Im Jahr 2025 war China laut Statistischem Bundesamt erneut Deutschlands wichtigster Handelspartner. Das Handelsbilanzdefizit gegenüber China stieg dabei auf 90 Mrd. Euro, da chinesische Exporte nach Deutschland um 8,8 Prozent zunahmen, während die deutsche Ausfuhr nach China um 9,7 Prozent zurückging. Die Bundesregierung hat im Juli 2023 eine China-Strategie verabschiedet; die aktuelle Koalition aus CDU/CSU und SPD stellt sich laut Koalitionsvertrag in deren Kontinuität. Seit 2025 beschränkt China zudem die Ausfuhr von Seltenen Erden und Permanentmagneten, was die Diskussion über Lieferkettenrisiken weiter verschärft hat.
- 90 Mrd. Euro — Deutsches Handelsbilanzdefizit gegenüber China im Jahr 2025.
- 170,6 Mrd. Euro — Wert der deutschen Importe aus China im Jahr 2025; China ist damit erneut wichtigster Importlieferant.
- +8,8 % / −9,7 % — Chinesische Exporte nach Deutschland stiegen, deutsche Exporte nach China sanken im selben Zeitraum.
- 70–90 % — Anteil der pharmazeutischen Grundstoffe auf dem EU-Markt, der aus China oder Indien stammt.
- ca. 3 % — Anteil der deutschen Einfuhren aus China, der bislang offiziell als kritisch eingestuft wird.
Im Detail
Im Jahr 2025 stieg das deutsche Handelsbilanzdefizit gegenüber China auf 90 Mrd. Euro. Vor allem höhere chinesische Exporte nach Deutschland (+8,8 Prozent) treiben das Handelsbilanzdefizit weiter in die Höhe.
— Vorbemerkung der Fragesteller, BT-Drs. 21/7221
Deutschland importiert mehr aus China als aus jedem anderen Land der Welt. Im Jahr 2025 erreichte das Handelsbilanzdefizit gegenüber China die Marke von 90 Mrd. Euro — angetrieben von chinesischen Mehrexporten nach Deutschland (+8,8 Prozent) bei gleichzeitig sinkender Nachfrage nach deutschen Produkten in China (−9,7 Prozent). Vor diesem Hintergrund hat die Fraktion Die Linke am 21. Juli 2026 die Kleine Anfrage BT-Drs. 21/7221 eingereicht, die mit 65 Einzelfragen den bisher detailliertesten parlamentarischen Überblick zur deutschen China-Abhängigkeit anstrebt.
Im Zentrum der Anfrage steht die Frage, ob das De-Risking — die gezielte Verringerung einseitiger Abhängigkeiten — tatsächlich vorankommt. Laut den Fragestellern lieferte China 2025 Waren im Wert von 170,6 Mrd. Euro nach Deutschland und bleibt damit der mit Abstand wichtigste Importlieferant. Nur rund 3 Prozent der deutschen Einfuhren aus China gelten offiziell als kritisch — die Fraktion bezweifelt, dass diese Einstufung die tatsächlichen Abhängigkeiten vollständig abbildet.
China-Abhängigkeit in Schlüsselsektoren
Besonders kritisch ist die Lage bei Pharmawirkstoffen: Zwischen 70 und 90 Prozent der pharmazeutischen Grundstoffe auf dem europäischen Markt werden in China oder Indien hergestellt. Das führt laut Drucksache regelmäßig zu Versorgungsengpässen in deutschen Apotheken und Kliniken. Hinzu kommen strukturelle Abhängigkeiten bei Seltenen Erden und Permanentmagneten, die für Windkraftanlagen, Elektroautos und Rüstungsgüter unverzichtbar sind. Seit 2025 beschränkt China die Ausfuhr dieser Materialien gezielt — mit direkten Folgen für deutsche Unternehmen, die auf Exportlizenzen angewiesen sind.
Für die Halbleiter- und 5G-Infrastruktur stellt die Anfrage konkrete Fragen nach Sicherheitsrisiken durch Huawei- und ZTE-Komponenten in deutschen Mobilfunknetzen sowie nach Fortschritten beim Ausschluss dieser Hersteller. Auch chinesische Beteiligungen an kritischer Infrastruktur wie Häfen, Energienetzen und Rechenzentren sollen quantifiziert werden.
Wirtschaftsdelegationen und China-Reisen
Neben strukturellen Fragen zum De-Risking erkundigt sich die Anfrage nach den Wirtschaftsdelegationen, die Regierungsmitglieder auf Reisen nach China begleiteten: Bundeskanzler Friedrich Merz reiste vom 24. bis 27. Februar 2026 nach China, Außenminister Johann Wadephul am 8. und 9. Dezember 2025, Bundesfinanzminister Lars Klingbeil am 17. November 2025 und Wirtschaftsministerin Katherina Reiche vom 27. bis 29. Mai 2026. Die Anfrage fragt nach den Auswahlkriterien für die jeweiligen Unternehmensvertreter und nach konkreten wirtschaftspolitischen Ergebnissen dieser Reisen. Weitere Fragen betreffen die Delegationsteilnahmen bei der deutsch-chinesischen strategischen Kooperation in sensiblen Bereichen.
Lieferketten, Menschenrechte und Grüner Stahl
Ein eigener Fragenblock widmet sich dem Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG): Die Abgeordneten fragen nach Verstößen mit China-Bezug beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA), nach vier konkreten Beschwerden gegen Zulieferer von Tesla und Volkswagen aus Anfang 2025 sowie nach der Auflösung der Menschenrechtsorganisation China Labour Bulletin im Sommer 2025. Darüber hinaus thematisiert die Anfrage den Import von Grünem Stahl aus China und dessen mögliche Auswirkungen auf Arbeitsplätze in der deutschen Stahlindustrie.
Die Anfrage knüpft an eine frühere Anfrage der Fraktion Die Linke (BT-Drs. 21/732) an und fragt nach Entwicklungen gegenüber den damaligen Antworten — insbesondere bei Importanteilen Chinas bei Seltenen Erden, Solarmodulen und Wärmepumpen. Ob und wie die Bundesregierung die China-Strategie von 2023 evaluiert und weiterentwickelt, ist eine der zentralen Fragen des Dokuments. Die Antwortfrist läuft bis zum 11. August 2026.
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Betroffen sind vor allem Beschäftigte in exportorientierten Industriebranchen — insbesondere Automobil, Maschinenbau, Stahl und Elektronik —, die direkt oder indirekt von chinesischen Vorprodukten oder dem chinesischen Absatzmarkt abhängen. Darüber hinaus sind Patienten und Krankenhäuser betroffen, da 70 bis 90 Prozent der pharmazeutischen Grundstoffe in China oder Indien hergestellt werden. Unternehmen, die Windkraftanlagen, Solarmodule oder Batteriespeicher produzieren oder einbauen, sind ebenfalls von chinesischen Komponenten abhängig.
Die Kleine Anfrage (BT-Drs. 21/7221) wurde am 21. Juli 2026 beim Deutschen Bundestag eingereicht. Die Bundesregierung hat gemäß Geschäftsordnung 21 Tage Zeit, die Fragen schriftlich zu beantworten — die Frist läuft bis zum 11. August 2026. Nach Eingang der Antwort wird diese als separate Drucksache veröffentlicht.
- De-Risking
- Strategie zur gezielten Verringerung einseitiger wirtschaftlicher Abhängigkeiten von einem Land, ohne die Handelsbeziehungen vollständig zu beenden.
- Seltene Erden
- Gruppe von 17 metallischen Elementen, die für Hochleistungsmagnete, Batterien und Elektronik unverzichtbar sind. China kontrolliert einen Großteil der globalen Förderung und Verarbeitung.
- Dual-Use-Verordnung
- EU-Verordnung, die den Export von Gütern regelt, die sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden können, um Rüstungsproliferation zu verhindern.
Was bedeutet De-Risking im Verhältnis zu China?
De-Risking bezeichnet die gezielte Verringerung einseitiger wirtschaftlicher Abhängigkeiten von China, ohne die Handelsbeziehungen vollständig zu kappen. Ziel ist eine stärkere Diversifizierung bei kritischen Lieferketten.
Warum ist das Handelsbilanzdefizit mit China gestiegen?
Laut den Fragestellern stiegen die chinesischen Exporte nach Deutschland 2025 um 8,8 Prozent, während die deutsche Nachfrage in China um 9,7 Prozent zurückging. Das Defizit erreichte damit 90 Mrd. Euro.
Wann muss die Bundesregierung antworten?
Die gesetzliche Antwortfrist für Kleine Anfragen beträgt 21 Tage ab Einreichung. Die Anfrage wurde am 21. Juli 2026 eingereicht, die Frist läuft damit bis zum 11. August 2026.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7221 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.

































































