- Anker Innovations produziert KI-Chip „Thus“ in Dresden
- Bundesregierung soll Sicherheitsrisiken und Förderung offenlegen
- De-Risking-Strategie vs. chinesische Halbleiterinvestitionen in Deutschland
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7873 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Dresden ist als „Silicon Saxony“ bekannt und beherbergt bedeutende Halbleiterfertiger wie Infineon und TSMC. Der Standort verfügt über umfangreiche Infrastruktur und wissenschaftliche Einrichtungen im Bereich Mikroelektronik. Halbleiter gelten weltweit als strategische Schlüsseltechnologie — ihre Produktion ist Gegenstand intensiver geopolitischer Konkurrenz zwischen den USA, China, der EU und anderen Akteuren. Die Bundesregierung hat in ihrer China-Strategie das Ziel formuliert, einseitige Abhängigkeiten zu reduzieren (sogenanntes De-Risking). Gleichzeitig investieren chinesische Unternehmen zunehmend in europäische Hochtechnologiestandorte.
Im Detail
„Während die Bundesregierung die Verringerung von Abhängigkeiten sowie die Stärkung der deutschen Wettbewerbsfähigkeit als zentrale Zielsetzung formuliert, stützt sich der Ausbau strategisch relevanter Hochtechnologie- und Halbleiterkapazitäten in Deutschland zunehmend auf Investitionen und Beteiligungen ausländischer Unternehmen.“
— Vorbemerkung der Fragesteller, BT-Drs. 21/7873
In Dresden, dem wichtigsten deutschen Halbleiterstandort, plant das chinesische Unternehmen Anker Innovations die Entwicklung und Produktion eines KI-Chips namens „Thus“. Der Chip ist nach bisherigen Angaben für energieeffiziente KI-Verarbeitung auf Endgeräten der Unterhaltungselektronik vorgesehen. Die AfD-Fraktion hat dazu am 3. September 2026 eine Kleine Anfrage (BT-Drs. 21/7873) eingereicht und fragt die Bundesregierung in neun Punkten nach Sicherheitsrisiken, staatlichen Förderungen und der Vereinbarkeit mit der deutschen China-Strategie.
KI-Chip „Thus“: Was plant Anker Innovations in Dresden?
Anker Innovations ist vor allem als Hersteller von Ladegeräten und Elektronikzubehör bekannt. Mit dem Projekt in Dresden betritt das Unternehmen strategisch relevantes Terrain: Die Produktion von KI-Halbleitern gilt weltweit als Schlüsseltechnologie, die industrielle Wertschöpfungsketten, Kommunikationsinfrastruktur und Automatisierung maßgeblich beeinflusst. Dresden ist als „Silicon Saxony“ bekannt und beherbergt neben Infineon auch das TSMC-Werk sowie zahlreiche Forschungseinrichtungen — damit ist der Standort eines der dichtesten Mikroelektronik-Cluster Europas. Die Ansiedlung eines chinesischen KI-Chipherstellers in diesem Umfeld wirft nach Ansicht der Fragesteller grundlegende Fragen zur technologischen Souveränität auf.
Neun Fragen zu Förderung, Sicherheit und Wettbewerb
Die Kleine Anfrage gliedert sich in drei thematische Schwerpunkte. Erstens fragen die Abgeordneten nach konkreten Fakten zum Vorhaben: Welche Produktionskapazitäten sind geplant, welches Investitionsvolumen ist vorgesehen, und welche Anwendungsbereiche sind für den Chip „Thus“ vorgesehen? Zweitens erkundigen sie sich nach staatlichen Unterstützungsleistungen — sowohl auf Bundesebene als auch durch die EU und den Freistaat Sachsen — und nach den damit verbundenen Bedingungen. Drittens stellen sie Fragen zur Sicherheitsprüfung: Haben Bundesbehörden das Vorhaben im Hinblick auf Investitionskontrolle, Technologieabfluss, Cybersicherheitsrisiken und mögliche Dual-Use-Eigenschaften geprüft?
Ein zentrales Thema ist die Eigentümer- und Beteiligungsstruktur von Anker Innovations. Die Fragesteller fragen, ob Verbindungen des Unternehmens zu staatlichen Stellen der Volksrepublik China bekannt sind — ein Aspekt, der in der deutschen Investitionskontrolle nach dem Außenwirtschaftsgesetz prüfungsrelevant ist. Vergleichbare Fragen stellten sich zuletzt bei Beteiligungen chinesischer Konzerne an deutschen Hafenterminals und Energieunternehmen.
De-Risking-Strategie und der Widerspruch in der Praxis
Aus Sicht der AfD-Fraktion besteht ein Spannungsverhältnis zwischen der offiziellen China-Strategie der Bundesregierung und der tatsächlichen Investitionspraxis. Die Bundesregierung hat im Rahmen ihrer China-Strategie das Ziel formuliert, strategische Abhängigkeiten in kritischen Technologien zu reduzieren und einseitige Verflechtungen zu begrenzen — ein Konzept, das international als „De-Risking“ bezeichnet wird. Gleichzeitig, so die Argumentation der Fragesteller, stützt sich der Ausbau von Halbleiter- und KI-Kapazitäten in Deutschland zunehmend auf ausländische Investitionen. Ob und wie die Bundesregierung diesen Konflikt bewertet, ist Gegenstand von Frage 7 der Anfrage.
Ergänzend fragen die Abgeordneten nach den Wettbewerbsbedingungen für deutsche Halbleiterunternehmen: Hohe Energiepreise, langwierige Genehmigungsverfahren und eingeschränkte Finanzierungsmöglichkeiten gelten als strukturelle Nachteile gegenüber Konkurrenten aus Ländern mit stärker staatlich gestützten Industriepolitiken. Wie die Bundesregierung die Wirksamkeit bisheriger Fördermaßnahmen für deutsche KI- und Hochleistungshalbleiter-Hersteller bewertet und welche weiteren Maßnahmen geplant sind, ist ebenfalls Teil der Anfrage. Im Kontext schneller wachsender Konkurrenz zeigt auch der Supercomputer-Vergleich zwischen China und Deutschland, wie groß der technologische Abstand in einzelnen Bereichen bereits ist.
Halbleiterstandort Dresden im geopolitischen Fokus
Die Anfrage steht im breiteren Kontext einer europäischen Debatte über Technologieabhängigkeiten. Der EU-Chips Act zielt darauf ab, den europäischen Marktanteil bei Halbleitern bis 2030 auf 20 Prozent zu verdoppeln. Gleichzeitig werben europäische Standorte aktiv um ausländische Direktinvestitionen — auch aus China. Dresden profitiert davon wirtschaftlich, steht aber zugleich vor der Frage, welche Investitionen sicherheitspolitisch unbedenklich sind und welche nicht. Wie schnelle Genehmigungsverfahren für die Mikroelektronik gesetzlich erleichtert werden könnten, diskutiert der Bundestag parallel in einem eigenen Antrag, über den drucksachlich.de berichtet hat.
Die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage BT-Drs. 21/7873 steht noch aus. Sie wird zeigen, welche Erkenntnisse die Bundesregierung über das Anker-Projekt tatsächlich besitzt und wie sie die Sicherheits- und Wettbewerbsdimension bewertet. Für die Forschungs- und Technologiepolitik sind diese Fragen grundlegend — wie der Beitrag zu den Rahmenbedingungen für Forschung zeigt.
Weiterlesen:
Unmittelbar betroffen sind die deutsche Halbleiterindustrie und der Wirtschaftsstandort Dresden, dessen internationale Wettbewerbsposition durch ausländische Investitionen beeinflusst wird. Mittelbar betroffen sind alle Bürgerinnen und Bürger, da die technologische Souveränität Deutschlands im Bereich KI-Chips langfristige Folgen für Wirtschaft, Sicherheit und Versorgungsstabilität hat.
Die Kleine Anfrage (BT-Drs. 21/7873) ist am 7. September 2026 beim Deutschen Bundestag eingegangen und wurde an das Bundeskanzleramt zugeleitet. Die Bundesregierung soll die neun Fragen schriftlich beantworten; nach § 104 GO-BT ist dafür grundsätzlich eine Frist von 14 Tagen nach Zuleitung an das Bundeskanzleramt vorgesehen. Die Antwort wird anschließend als eigene Drucksache veröffentlicht.
- De-Risking
- Strategie zur Reduzierung einseitiger wirtschaftlicher und technologischer Abhängigkeiten von einzelnen Ländern, insbesondere China, ohne vollständige wirtschaftliche Entkopplung.
- Dual-Use
- Güter oder Technologien, die sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden können und daher besonderen Exportkontrollvorschriften unterliegen.
- Investitionskontrolle
- Staatliche Prüfung ausländischer Investitionen in sicherheitsrelevante Branchen, in Deutschland geregelt durch das Außenwirtschaftsgesetz und die Außenwirtschaftsverordnung.
Was ist der KI-Chip „Thus“ von Anker Innovations?
„Thus“ ist ein KI-Chip des chinesischen Unternehmens Anker Innovations, der laut bisherigen Angaben für energieeffiziente KI-Verarbeitung direkt auf Endgeräten der Unterhaltungselektronik vorgesehen ist und in Dresden entwickelt und produziert werden soll.
Warum ist der Standort Dresden besonders relevant?
Dresden ist eines der bedeutendsten Zentren der Halbleiterindustrie in Deutschland mit umfangreichen industriellen, technologischen und wissenschaftlichen Kapazitäten im Bereich Mikroelektronik.
Was ist die De-Risking-Strategie der Bundesregierung gegenüber China?
Die China-Strategie der Bundesregierung sieht vor, strategische Abhängigkeiten in kritischen Technologien zu reduzieren und einseitige wirtschaftliche Verflechtungen zu begrenzen, um die technologische Souveränität Deutschlands zu stärken.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7873 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.

































































