- Handelsbilanzdefizit mit China 2025: 90 Mrd. Euro
- 50 Prozent der Lithium-Ionen-Batterien kommen aus China (11 Mrd. Euro)
- Huawei/ZTE müssen bis Ende 2026 aus 5G-Kernnetzen verschwinden
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7801 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
China ist seit 2025 erneut Deutschlands wichtigster Handelspartner. Das Handelsbilanzdefizit wuchs auf 90 Mrd. Euro, während chinesische Exporte nach Deutschland um 8,8 Prozent stiegen und deutsche Ausfuhren nach China um 9,7 Prozent schrumpften. Die China-Strategie der Bundesregierung wurde im Juli 2023 verabschiedet; die aktuelle CDU/CSU-SPD-Koalition setzt laut Koalitionsvertrag die Politik des De-Riskings fort. Seit 2025 beschränkt China die Ausfuhr von Seltenen Erden und Permanentmagneten, was die Debatte über Lieferkettenresilienz verschärft.
- 90 Mrd. Euro — Deutsches Handelsbilanzdefizit gegenüber China im Jahr 2025 (Anstieg gegenüber Vorjahr).
- 11 Mrd. Euro / 50 % — Wert der aus China importierten Lithium-Ionen-Batterien 2025; entspricht der Hälfte aller deutschen Batterieimporte.
- 91,8 % — Importanteil Chinas bei Borcarbid 2025; bei natürlichem Grafit 83,2 %, bei Rohmagnersium 86,5 %.
- 1.331 — Dual-Use-Exportgenehmigungen für China im Jahr 2025, gegenüber 1.879 im Jahr 2020.
- 49 BAFA-Verfahren — Verfahren mit China-Bezug nach dem LkSG seit Inkrafttreten des Gesetzes; häufigste Branchen: Kraftfahrzeugsektor (14), Textilien (12).
Im Detail
Die Bundesregierung versteht De-Risking als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, bei der auch die Wirtschaft selbst gefordert ist.
— Vorbemerkung der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7801
Deutschland importierte 2025 Waren im Wert von 170,6 Mrd. Euro aus China — mehr als aus jedem anderen Land der Welt. Gleichzeitig gingen die deutschen Exporte nach China um 9,7 Prozent zurück, was das Handelsbilanzdefizit auf 90 Mrd. Euro trieb. Diese Zahlen bilden den wirtschaftlichen Kern der BT-Drucksache 21/7801 vom 31. August 2026, in der die Bundesregierung auf 65 Fragen der Fraktion Die Linke zum Stand des De-Riskings antwortet.
De-Risking: Strategie ohne Messinstrument
Die Bundesregierung bekennt sich zur China-Strategie von 2023 und zum Ziel, kritische Abhängigkeiten abzubauen. Auf die Frage nach konkreten Indikatoren für den Fortschritt beim De-Risking verweist sie jedoch pauschal auf ihre eigene Vorbemerkung, ohne messbare Kennzahlen zu benennen. Auch zu den von China abhängigen Arbeitsplätzen räumt die Regierung ein: „Der Bundesregierung liegen keine amtlichen statistischen Daten im Sinne der Fragestellung vor.“ Besonders stark verflochten sind laut Drucksache Maschinenbau, Automobilindustrie, Chemieindustrie, Elektroindustrie und Teile der Pharmabranche.
Seltene Erden und Batterien: hohe Importkonzentrationen
Die Drucksache enthält erstmals eine Tabelle mit aktuellen Importanteilen für kritische Rohstoffe. Bei Borcarbid liegt Chinas Anteil bei 91,8 Prozent, bei natürlichem Grafit bei 83,2 Prozent und bei Rohmagnersium bei 86,5 Prozent. Wolfram und Seltenerdmetalle stammen zu rund 75 Prozent aus China. Bei Lithium-Ionen-Batterien beträgt der Importanteil 50 Prozent — Deutschland kaufte 2025 Batterien für insgesamt 22 Mrd. Euro, davon 11 Mrd. Euro aus China. Auf Fragen zu konkreten Gegenmaßnahmen bei Rohstoffen mit über 80-prozentigem Chinaanteil verweist die Bundesregierung auf eine frühere Schriftliche Frage (BT-Drs. 21/6457).
Für den Bereich Permanentmagnete hat die Bundesregierung am 5. August 2025 einen Resilienz-Fahrplan gemeinsam mit der Windindustrie vorgelegt. Laut Antwort werden die angebotsseitigen Maßnahmen plangemäß umgesetzt; Informationen zur Umsetzung seitens der Industrie liegen der Regierung jedoch nicht systematisch vor. Mit der EEG-Novelle schafft die Bundesregierung die gesetzliche Grundlage für Resilienzausschreibungen bei Windenergie an Land und Photovoltaik, bei denen auch der Herkunft von Bauteilen aus Drittländern Rechnung getragen wird.
5G-Netze: Huawei und ZTE müssen bis Ende 2026 raus
Ein konkretes Ergebnis des De-Riskings nennt die Drucksache im Telekommunikationsbereich: Das Bundesinnenministerium hat mit Telekom, Vodafone und Telefónica öffentlich-rechtliche Verträge geschlossen. Diese verpflichten die drei Netzbetreiber, bis Ende 2026 keine kritischen Komponenten der Hersteller Huawei und ZTE mehr in ihren 5G-Kernnetzen einzusetzen. Bis Ende 2029 müssen auch die kritischen Funktionen der Netzwerkmanagementsysteme in Zugangs- und Transportnetzen ersetzt sein. Auf die Frage nach konkreten Sicherheitshinweisen des BSI verweigert die Bundesregierung jedoch jede Auskunft — die Antwort berühre den Kernbereich staatlicher Nachrichtendienstkapazitäten und könne selbst in eingestufter Form nicht erteilt werden.
Wärmepumpen: China plant Marktführerschaft
Chinas „Aktionsplan zur Förderung einer hochwertigen Entwicklung in der Wärmepumpenindustrie“ fügt sich laut Bundesregierung in den im März 2026 verabschiedeten 15. Fünfjahresplan ein. Die deutschen Importe von Wärmepumpen aus China beliefen sich 2025 auf 67 Mio. Euro, während die deutschen Exporte nach China nur 1,4 Mio. Euro erreichten — eine Entwicklung, die die heimische Industrie besorgt. Als Gegenmaßnahme hat die Bundesregierung in der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) einen Wertschöpfungs-Bonus eingeführt: Ab dem 1. Quartal 2027 werden Wärmepumpen mit EU-Ursprung bevorzugt gefördert. Details erarbeitet die Bundesregierung im 2. Halbjahr 2026 gemeinsam mit der Industrie. Zwischen 2015 und 2025 förderte das Energieforschungsprogramm Wärmepumpen-Projekte mit 478 Mio. Euro.
Investitionsprüfung und Lieferkettengesetz
Bei chinesischen Investitionen in Deutschland wurden zwischen 2020 und 2025 insgesamt 183 Fälle geprüft. Untersagungen erfolgten in diesem Zeitraum fünfmal, zuletzt 2022 dreimal. 2025 wurden 34 Verfahren eingeleitet, fünf davon mit Auflagen genehmigt. Als einzige bekannte chinesische Beteiligung an Kritischer Infrastruktur nennt die Bundesregierung die COSCO-Beteiligung am Containerterminal Tollerort im Hamburger Hafen. Im Rahmen des Investitionsschutzrechts hat die Bundesregierung keine weiteren Erkenntnisse über chinesische Beteiligungen an Energie- oder Telekommunikationsinfrastrukturen. Das BAFA hat seit Inkrafttreten des LkSG insgesamt 49 Verfahren mit China-Bezug bearbeitet; häufigste Schutzgutverletzungen betreffen Vorenthalten von angemessenem Lohn (29 Nennungen), Verstöße gegen den Arbeitsschutz (23) und Zwangsarbeit (20).
Im Automobil-Sektor hat das BAFA 2025 acht Verfahren eröffnet und abgeschlossen — sechs wurden mit Hinweisen abgeschlossen, in zwei Fällen war der Anwendungsbereich des LkSG nicht eröffnet. Gesamtwirtschaftlich bleibt der Marktanteil der in Deutschland produzierenden Automobilhersteller in Europa weitgehend stabil: Er sank 2025 nur leicht von 47,6 auf 47,3 Prozent. Mehr zum wirtschaftlichen Gesamtumfeld findet sich in der Analyse zu ausländischen Direktinvestitionen auf 17-Jahres-Tief.
Weiterlesen:
Direkt betroffen sind exportorientierte Industrien wie Maschinenbau, Automobilbranche, Chemieindustrie und Elektroindustrie sowie Teile der Pharma- und Medizintechnikbranche. Verbraucher spüren die Abhängigkeit vor allem bei Medikamentenengpässen und steigendem Preisdruck auf Elektronik und Elektrofahrzeuge. Beschäftigte in diesen Branchen tragen das Risiko von Lieferkettenstörungen und veränderten Absatzmärkten in China.
Bei mehreren Kernfragen weicht die Bundesregierung aus: Zu abhängigen Arbeitsplätzen (Frage 2), konkreten De-Risking-Maßnahmen (Frage 13), Fortschrittsindikatoren (Frage 15) und internen Risikoanalysen (Frage 27) verweist sie auf fehlende Statistiken oder exekutive Eigenverantwortung. Zu Huawei/ZTE-Sicherheitshinweisen (Frage 44) verweigert sie die Antwort vollständig mit Staatswohl-Begründung.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. China-Abhängigkeit: 90 Mrd. Euro Handelsbilanzdefizit unter der Lupe →
- De-Risking
- Strategie zur Reduzierung einseitiger wirtschaftlicher Abhängigkeiten von einem einzelnen Land, ohne die Handelsbeziehungen vollständig zu unterbrechen.
- Dual-Use-Güter
- Waren und Technologien, die sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden können und daher besonderen Exportkontrollregeln unterliegen.
- LkSG
- Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz: verpflichtet deutsche Unternehmen ab einer bestimmten Größe, menschenrechtliche und umweltbezogene Risiken in ihrer gesamten Lieferkette zu identifizieren und zu minimieren.
Wie hoch ist das Handelsbilanzdefizit mit China?
Das Handelsbilanzdefizit Deutschlands gegenüber China stieg laut Drucksache 2025 auf 90 Mrd. Euro. Die Importe aus China beliefen sich auf 170,6 Mrd. Euro, während die deutschen Exporte nach China um 9,7 Prozent zurückgingen.
Wie abhängig ist Deutschland bei Lithium-Ionen-Batterien von China?
Deutschland importierte 2025 Batterien im Gesamtwert von 22 Mrd. Euro, davon Lithium-Ionen-Batterien aus China im Wert von 11 Mrd. Euro — das entspricht einem Anteil von 50 Prozent.
Was gilt für Huawei und ZTE in deutschen 5G-Netzen?
Telekom, Vodafone und Telefónica sind vertraglich verpflichtet, bis Ende 2026 keine kritischen Komponenten von Huawei und ZTE mehr in 5G-Kernnetzen einzusetzen. Bis Ende 2029 müssen auch Zugangs- und Transportnetze umgerüstet werden.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7801 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
































































