Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8032 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
- 130.648 Schüler 2024 von Jugendoffizieren erreicht
- 5.529 Schulvorträge allein im Jahr 2025 dokumentiert
- Parlament fragt nach Inhalten aller eingesetzten Materialien
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8032 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die Bundeswehr unterhält ein flächendeckendes Netz aus Jugendoffizieren und Karriereberatern, die an Schulen, Hochschulen, Ausbildungsmessen und in Berufsinformationszentren tätig sind. Bereits die Bundestagsdrucksache 21/5371 enthielt Daten zu Messebeteiligungen im zweiten Quartal 2026 sowie zu Multiplikatoren: 2024 wurden 9.239 Lehrkräfte, 1.663 Referendarinnen und Referendare sowie 915 Schulleiterinnen, Schulleiter und Schulbehörden erreicht. Die jetzt vorliegende Anfrage 21/8032 knüpft daran an und zielt auf eine systematische Offenlegung der verwendeten Unterrichtsmaterialien.
- 130.648 — Schülerinnen und Schüler, die 2024 durch Jugendoffiziere erreicht wurden (Jahresbericht der Jugendoffiziere).
- 5.529 — Schulvorträge von Jugendoffizieren im Jahr 2025, davon 2.329 in der Sekundarstufe I, 2.073 in der Sekundarstufe II und 1.102 an Berufsschulen.
- 9.239 — Lehrkräfte, die 2024 als Multiplikatoren erreicht wurden; dazu 1.663 Referendarinnen und Referendare sowie 915 Schulleiterinnen, Schulleiter und Schulbehörden.
- 52.980 — Gymnasiastinnen und Gymnasiasten unter den 2024 erreichten Schülerinnen und Schülern.
Im Detail
Die Fragestellenden halten es für geboten, Inhalt und didaktische Konzeption der eingesetzten Materialien einer parlamentarischen Kontrolle zu unterziehen.
— Vorbemerkung, BT-Drs. 21/8032
Rund 130.648 Schülerinnen und Schüler hat die Bundeswehr im Jahr 2024 über ihre Jugendoffiziere erreicht — an Gymnasien, Realschulen und Berufsschulen quer durch Deutschland. Allein 2025 hielten Jugendoffiziere 5.529 dokumentierte Vorträge an Schulen. Trotz dieser Reichweite fehlt bislang eine öffentlich zugängliche, systematische Übersicht darüber, welche Materialien dabei eingesetzt werden und wie viele Exemplare davon verteilt werden. Die Fraktion Die Linke hat dazu am 16. September 2026 die Kleine Anfrage BT-Drs. 21/8032 eingebracht.
Bundeswehr-Werbung in Schulen: Was wird verteilt?
Die Anfrage richtet sich auf fünf konkrete Fragekomplexe. Erstens verlangen die Abgeordneten eine vollständige Liste aller physischen Unterrichtsmaterialien — Broschüren, Handouts, Arbeitsblätter, Heftreihen — die Jugendoffiziere und Karriereberater aktuell an Schulen, Hochschulen und außerschulischen Veranstaltungen aushändigen, aufgeschlüsselt nach Format, Titel und Zielgruppe. Zweitens fragen sie nach digitalen Materialien: Präsentationen, Videos, Podcasts und audiovisuelle Inhalte, die über QR-Codes, Download-Links oder Lernplattformen zugänglich gemacht werden, sollen ebenfalls vollständig benannt werden.
Drittens und viertens sollen für beide Materialkategorien Stückzahlen und Abrufzahlen über die letzten fünf abgeschlossenen Kalenderjahre geliefert werden — aufgeschlüsselt nach Schulform, Hochschule und Multiplikatorenveranstaltungen. Fünftens fragen die Abgeordneten, welche dieser Materialien öffentlich zugänglich sind und welche nicht, samt Begründung für etwaige Zugangsbeschränkungen.
Jugendoffiziere und Karriereberater — zwei unterschiedliche Rollen
Die Drucksache unterscheidet zwischen zwei Akteursgruppen. Jugendoffiziere sind speziell ausgebildete Offiziere, die politische Bildung in Schulen betreiben. Sie führen Seminare und Planspiele wie das Format POL&IS durch und nutzen dafür eigens entwickelte didaktische Materialien. Karriereberaterinnen und Karriereberater hingegen sind auf Ausbildungsmessen, in Berufsinformationszentren und Jobcentern aktiv — ihr Schwerpunkt liegt nach Darstellung der Fragesteller auf der Personalgewinnung. Dazu betreibt die Bundeswehr laut Drucksache auch Infomobile, Infotrucks und Pop-up-Karrierelounges in Einkaufszentren. Im zweiten Quartal 2026 fanden bundesweit mehrere hundert Messebeteiligungen statt.
Hinzu kommt nach Angaben der Fragesteller eine wachsende Präsenz über private Social-Media-Kanäle einzelner Jugendoffiziere auf Plattformen wie TikTok und Instagram. Aus Sicht der Fraktion Die Linke ist diese Aktivität mit dem Beutelsbacher Konsens, an den sich Jugendoffiziere binden, kaum vereinbar, da dabei einseitige Inhalte verbreitet würden.
Parlamentarische Kontrolle im Fokus
Der Kern der Anfrage ist die Forderung nach Transparenz: Die Fraktion will wissen, welche Inhalte mit staatlichen Mitteln an Minderjährige herangetragen werden und ob diese Materialien auch Eltern, Lehrkräften und der interessierten Öffentlichkeit zugänglich sind. Die Bundeswehr erreichte 2024 neben den Schülerinnen und Schülern auch 9.239 Lehrkräfte, 1.663 Referendarinnen und Referendare sowie 915 Schulleiterinnen, Schulleiter und Schulbehörden als Multiplikatoren — ein Kanal, über den Bundeswehr-Materialien in den regulären Schulalltag einfließen können.
Die Anfrage steht im Zusammenhang mit der wachsenden Diskussion über die Rolle des Militärs in der schulischen Bildung. Während das Bundesverteidigungsministerium die Arbeit der Jugendoffiziere als Beitrag zur politischen Bildung versteht, sehen Teile der Zivilgesellschaft und linke Parteien darin primär ein Instrument der Nachwuchsgewinnung. Das Thema berührt auch die Frage nach der Datenlage zur Bundeswehr-Personalplanung und dem 460.000-Ziel, das eine deutliche Aufstockung der Streitkräfte vorsieht.
Vergleichbare Fragen zu Transparenz staatlicher Kommunikation gegenüber der Öffentlichkeit stellen sich auch in anderen Bereichen: Die Debatte um Forschungssicherheit und staatliche Einflussnahme zeigt, wie sensibel das Thema ist, wenn staatliche Stellen Informationsräume aktiv gestalten.
Weiterlesen:
Unmittelbar betroffen sind Schülerinnen und Schüler aller Schulformen — Gymnasium, Realschule, Berufsschule — sowie Studierende, Lehrkräfte, Referendarinnen und Referendare, die bei Bundeswehr-Veranstaltungen mit Informationsmaterial in Berührung kommen. Mittelbar betroffen sind Eltern und die allgemeine Öffentlichkeit, die ein Interesse an Transparenz über staatlich eingesetzte Bildungsmaterialien haben.
Die Anfrage ist am 16. September 2026 eingegangen. Die Bundesregierung hat nach Zuleitung an das Bundeskanzleramt grundsätzlich 14 Tage Zeit zur Beantwortung. Die schriftliche Antwort der Bundesregierung steht noch aus.
- Jugendoffizier
- Offiziere der Bundeswehr, die speziell für politische Bildungsarbeit an Schulen und Hochschulen eingesetzt werden und dort Vorträge, Seminare und Planspiele durchführen.
- Beutelsbacher Konsens
- Grundprinzip der politischen Bildung aus dem Jahr 1976: Überwältigungsverbot, Kontroversitätsgebot und Schülerorientierung bilden die drei Kernnormen.
- POL&IS
- Planspiel-Format der Bundeswehr (Politik und Internationale Sicherheit), das internationale Verhandlungsprozesse simuliert und in Schulen eingesetzt wird.
Wie viele Schüler erreichen Bundeswehr-Jugendoffiziere jährlich?
Laut Jahresbericht der Jugendoffiziere wurden 2024 insgesamt 130.648 Schülerinnen und Schüler erreicht, darunter 52.980 am Gymnasium, 18.961 an der Realschule und 20.636 an Berufsschulen.
Was ist der Beutelsbacher Konsens?
Der Beutelsbacher Konsens ist ein bildungspolitisches Grundprinzip der politischen Bildung, das Überwältigungsverbot, Kontroversitätsgebot und Schülerorientierung verbindet; Jugendoffiziere verpflichten sich laut Drucksache darauf.
Was fragt die Kleine Anfrage konkret?
Die Anfrage verlangt eine vollständige Liste aller physischen und digitalen Materialien der Bundeswehr für Schulen und Hochschulen, inklusive Stückzahlen und Abrufzahlen über die letzten fünf Kalenderjahre sowie Angaben zur öffentlichen Zugänglichkeit.


































































