Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8021 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
- 764.065 Rentner bezogen Ende 2025 Grundsicherung im Alter
- Grundsicherungsausgaben stiegen von 4,1 Mrd. Euro (2010) auf 11,8 Mrd. Euro (2025)
- 37,4 Prozent aller Altersrenten lagen 2025 unter 1.000 Euro monatlich
Hintergrund
Die gesetzliche Rentenversicherung steht angesichts des demografischen Wandels unter zunehmendem Druck. Das Statistische Bundesamt weist eine Armutsgefährdungsquote für Personen ab 65 Jahren von 19,5 Prozent aus — deutlich über dem Bevölkerungsdurchschnitt von 16,1 Prozent. Die Drucksache 21/8021 ist die Antwort des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) auf die Kleine Anfrage 21/6107 der AfD-Fraktion. Die Anfrage umfasst 47 Fragen und wurde am 14. September 2026 beantwortet.
- 764.065 — Empfänger von Grundsicherung im Alter (Ende 2025); Ende Q1 2026 bereits 771.275
- 11,8 Mrd. Euro — Nettoausgaben für Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung (2025); 2010 waren es 4,1 Mrd. Euro
- 37,2 % — Anteil der Altersrenten unter 1.000 Euro/Monat im Jahr 2025 (2020: 49,7 %)
- 32.158 Euro — Bruttojahresentgelt, das 2025 rein rechnerisch nötig war, um nach 45 Beitragsjahren eine Rente oberhalb der Grundsicherungsschwelle zu erhalten
- 779,6 Mio. Euro — Beitragseinnahmen der Rentenversicherung aus freiwilligen Ausgleichszahlungen (2025); Höchstwert 2022 bei 1.107,5 Mio. Euro
Im Detail
Nach Ansicht der Bundesregierung können ausnahmsweise nicht alle Fragen vollständig beantwortet werden.
— Vorbemerkung der Bundesregierung, BT-Drs. 21/8021
Rund 764.000 Menschen im Rentenalter waren Ende 2025 auf Grundsicherung nach dem SGB XII angewiesen — knapp 26.000 mehr als noch Ende 2024. Seit 2010 hat sich die Zahl damit um fast 85 Prozent erhöht. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der AfD-Fraktion hervor (BT-Drs. 21/8021, beantwortet am 14. September 2026).
Parallel dazu stiegen die Nettoausgaben für Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung von rund 4,1 Milliarden Euro im Jahr 2010 auf 11,8 Milliarden Euro im Jahr 2025. Allein der auf den Altersbereich entfallende Anteil belief sich 2025 auf 6,2 Milliarden Euro.
Altersarmut: Rentenzahlbetrag unter 1.000 Euro
Die vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) übermittelten Tabellen zeigen, dass im Jahr 2025 rund 5,33 Millionen Altersrenten — entsprechend 37,2 Prozent aller Altersrenten — unter einem monatlichen Rentenzahlbetrag von 1.000 Euro lagen. Fünf Jahre zuvor hatte dieser Anteil noch 49,7 Prozent (6,22 Millionen) betragen. Der Rückgang erklärt sich laut Drucksache vor allem durch allgemeine Rentensteigerungen, nicht durch strukturelle Verbesserungen der Versicherungsbiografien.
Die Altersarmut trifft Frauen deutlich stärker als Männer: Im Jahr 2025 bezogen 4,99 Millionen Frauen eine Altersrente unterhalb der Grundsicherungsschwelle von 1.024 Euro monatlich — ein Anteil von 49,3 Prozent aller Frauenrenten. Bei Männern lag der Anteil bei 21,9 Prozent. Besonders betroffen sind Frauen mit mehreren Kindern: Bei Frauen mit vier und mehr bei der Rentenberechnung berücksichtigten Kindern bezogen 58,8 Prozent eine Rente unterhalb dieser Schwelle.
Was gilt aktuell?
Wer im Alter seinen Lebensunterhalt nicht aus eigenem Einkommen bestreiten kann, hat Anspruch auf Grundsicherung im Alter nach dem Vierten Kapitel des SGB XII. Der durchschnittliche Bruttobedarf außerhalb von Einrichtungen stieg von 835 Euro im Jahr 2020 auf 1.027 Euro im Jahr 2025 — ein Anstieg von 23 Prozent innerhalb von fünf Jahren. Zum Vergleich: Im Jahr 2020 reichten 23.857 Euro Bruttojahresentgelt aus, um nach 45 Beitragsjahren eine Rente knapp über der Grundsicherungsschwelle zu erzielen; 2025 waren dafür bereits 32.158 Euro notwendig.
Beitragsrechnung: Jahrzehntelange Arbeit für mittlere Rente
Für einen Durchschnittsverdiener ergibt die Modellrechnung der Bundesregierung: Um zum 1. Juli 2025 eine monatliche Rente von 1.200 Euro zu erhalten, sind rein rechnerisch 33,5 Beitragsjahre nötig; für 1.600 Euro bereits 44,7 Jahre. Die Bundesregierung weist darauf hin, dass diese Berechnung auf der unrealistischen Annahme eines über das gesamte Erwerbsleben konstanten Durchschnittsentgelts beruht und keine belastbare Prognose für individuelle Rentenverläufe erlaubt. Zudem fließen weitere Alterseinkommen und der Haushaltskontext nicht ein.
Aktuell sind laut Daten der Bundesagentur für Arbeit 450.758 Personen über der Regelaltersgrenze noch sozialversicherungspflichtig beschäftigt (Stand: Februar 2026) — mehr als dreimal so viele wie im Jahr 2010 (127.637). Davon gehen 166.538 einer Vollzeittätigkeit nach. Hinzu kommen rund 1,07 Millionen ausschließlich geringfügig Beschäftigte im Rentenalter.
Bundeszuschüsse stabil, Ausgaben steigen
Die Ausgaben der gesetzlichen Rentenversicherung beliefen sich 2025 auf 9,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) — exakt so viel wie 2010. Die Bundeszuschüsse lagen mit 2,8 Prozent des BIP im Jahr 2025 ebenfalls auf dem Niveau von 2010 (3,2 Prozent). In absoluten Zahlen bedeutet das erheblich höhere Volumina: Das nominale BIP wuchs von 2.615 Milliarden Euro (2010) auf 4.470 Milliarden Euro (2025).
Die freiwilligen Ausgleichszahlungen, mit denen Versicherte Rentenabschläge durch vorzeitigen Rentenbeginn kompensieren, erreichten 2022 mit 1,1 Milliarden Euro ihren bisherigen Höchstwert und sanken bis 2025 auf 779,6 Millionen Euro — ein Rückgang von rund 30 Prozent gegenüber dem Spitzenwert, aber immer noch deutlich über dem Niveau der Jahre 2010 bis 2016. Vergleichbare Daten zur finanziellen Belastung bestimmter Bevölkerungsgruppen zeigen ähnliche Entwicklungen in anderen Bereichen der sozialen Sicherung.
Antwortlücken bei zentralen Fragen
Für einen erheblichen Teil der 47 Fragen — insbesondere die Fragen 22 bis 36 zur Anzahl der Beschäftigten unterhalb der Grundsicherungsschwelle, aufgeschlüsselt nach Qualifikationsniveau und Staatsangehörigkeit — liefert die Bundesregierung keine inhaltlichen Daten. Sie begründet dies damit, dass die Bereitstellung entsprechender Sonderauswertungen aus den Mikrodaten der Deutschen Rentenversicherung einen Aufwand erfordere, der den für Kleine Anfragen vorgesehenen Zeitrahmen deutlich übersteige. Die Daten lägen nicht als relationale Datenbank vor, sondern als voraggregierte hierarchische Kategorien, die für jede Fragestellung händisch gekreuzt werden müssten. Mehr zu parlamentarischen Anfragen und Antwortverpflichtungen findet sich in anderen Drucksachen dieser Wahlperiode.
Weiterlesen:
- Bundestag 26.09.2026: Die wichtigsten Drucksachen
- EU-Verteidigungsfähigkeit: 30 Fragen zur NATO-Abhängigkeit
Betroffen sind rund 21 Millionen gesetzliche Rentnerinnen und Rentner in Deutschland sowie alle sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, die Rentenanwartschaften aufbauen. Besonders relevant sind die Daten für Geringverdiener, Frauen mit Kindern sowie ältere Menschen, die im Rentenalter auf ergänzende Grundsicherung angewiesen sind.
Die Bundesregierung beantwortet einen erheblichen Teil der 47 Fragen nicht vollständig und verweist auf die öffentlichen Statistikbände der Deutschen Rentenversicherung. Für Fragen 22 bis 36 — darunter alle Fragen zur Anzahl von Beschäftigten unterhalb der Grundsicherungsschwelle nach Nationalität und Anforderungsniveau — verweist sie pauschal auf die Vorbemerkung, ohne inhaltliche Daten zu liefern. Die Begründung lautet, der Programmieraufwand für Sonderauswertungen der Mikrodaten sei unzumutbar.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Altersarmut und Rente: 19,5 Prozent der über 65-Jährigen armutsgefährdet →
- Grundsicherung im Alter
- Sozialleistung nach dem 4. Kapitel SGB XII für Menschen, die das Rentenalter erreicht haben und deren Einkommen den Lebensunterhalt nicht deckt.
- EU-SILC-Schwellenwert
- Europäisch harmonisierte Armutsgefährdungsschwelle (60 Prozent des Medianeinkommens); 2025 lag sie für Deutschland bei 1.446 Euro pro Monat.
- Rentenzahlbetrag
- Tatsächlich ausgezahlter Nettobetrag der Rente nach Abzug der Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung.
Wie viele Rentner beziehen in Deutschland Grundsicherung im Alter?
Ende 2025 bezogen 764.065 Personen im Rentenalter Grundsicherung nach dem SGB XII — Ende des ersten Quartals 2026 waren es bereits 771.275 Personen.
Wie lange muss ein Durchschnittsverdiener arbeiten, um 1.200 Euro Rente zu erhalten?
Laut Bundesregierung sind unter vereinfachten Annahmen rein rechnerisch 33,5 Beitragsjahre nötig, um zum 1. Juli 2025 eine monatliche Rente von 1.200 Euro zu erreichen.
Wie hoch waren die Nettoausgaben für Grundsicherung im Alter 2025?
Die gesamten Nettoausgaben für Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung nach dem 4. Kapitel SGB XII beliefen sich 2025 auf rund 11,8 Milliarden Euro, davon entfielen 6,2 Milliarden Euro auf den Bereich Alter.































































