Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8022 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
- 110.000 Euro Personalkosten pro HdBA-Absolvent aus Beitragsmitteln
- Gesamtausgaben 2025: 24,7 Mio. Euro — Anstieg seit 2021
- 382 Studierende brachen das Studium zwischen 2021 und 2025 ab
Hintergrund
Die Hochschule der Bundesagentur für Arbeit (HdBA) mit Standorten in Mannheim und Schwerin wurde 2006 gegründet, nachdem die Bundesagentur für Arbeit im Zuge der Hartz-Reformen ab 2003 auf ein Angestelltenmodell umgestellt hatte und Angestellte nicht mehr an der damaligen Fachhochschule des Bundes ausgebildet werden konnten. Die HdBA bildet Fachkräfte für Arbeitsvermittlung, Berufsberatung und Personalarbeit aus und finanziert sich überwiegend aus Beitragsmitteln nach dem Dritten Buch Sozialgesetzbuch (SGB III). Die AfD-Fraktion stellte mit BT-Drs. 21/7769 dreizehn Fragen zu Kosten, Curriculum und institutioneller Struktur der Hochschule.
- 18.765 TEUR (2021) — Gesamtausgaben der HdBA, davon 12.541 TEUR Personal, 4.941 TEUR Sach- und 1.283 TEUR Investitionsausgaben.
- 24.718 TEUR (2025) — Gesamtausgaben der HdBA, davon 16.459 TEUR Personal, 7.659 TEUR Sach- und 600 TEUR Investitionsausgaben.
- 110.000 Euro — Personalkosten je Absolvent über die gesamte Regelstudienzeit laut Bundesagentur für Arbeit.
- 382 Studierende — haben ihr Studium zwischen Januar 2021 und Dezember 2025 vorzeitig abgebrochen.
- 1.600 Euro — Gesamthonorarzahlungen an einen externen Lehrbeauftragten (40 Euro/Stunde) für das Wahlmodul 1760 im Zeitraum Mai bis August 2026.
Im Detail
Die Personalkosten belaufen sich nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit über die gesamte Regelstudienzeit auf rund 110.000 Euro je Absolventin bzw. Absolvent.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/8022, S. 2
Die Hochschule der Bundesagentur für Arbeit (HdBA) hat zwischen 2021 und 2025 ihren Jahresetat von 18,8 Mio. Euro auf 24,7 Mio. Euro ausgeweitet — ein Anstieg von rund 32 Prozent. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung (BT-Drs. 21/8022) auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion hervor, die das Bundesministerium für Arbeit und Soziales am 14. September 2026 übermittelt hat. Finanziert wird die HdBA nahezu vollständig aus Beitragsmitteln der Arbeitslosenversicherung — also aus Pflichtabgaben von Arbeitnehmern und Arbeitgebern.
Besonders auffällig ist der Anstieg der Personalausgaben: Sie stiegen von 12,5 Mio. Euro (2021) auf 16,5 Mio. Euro (2025). Die Kosten pro Absolvent beziffert die Bundesagentur für Arbeit auf rund 110.000 Euro über die gesamte Regelstudienzeit. Darin enthalten sind neben der Ausbildungsvergütung auch Reisekostenerstattungen, Jahressonderzahlungen und Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung. Die monatliche Studienvergütung liegt laut Bundesagentur bei 1.925 Euro — rund 257 Euro über dem Anwärtergrundbetrag für den gehobenen Bundesdienst.
HdBA-Kosten im Überblick: Wachstum bei Personal
Der größte Kostentreiber sind die Personalausgaben, die von 2021 bis 2025 um knapp 31 Prozent gestiegen sind. Die Sachausgaben schwankten stärker: Sie stiegen von 4,9 Mio. Euro (2021) auf einen Höchstwert von 8,6 Mio. Euro (2023), gingen aber bis 2025 wieder auf 7,7 Mio. Euro zurück. Die Investitionsausgaben blieben mit 483.000 bis 719.000 Euro pro Jahr auf niedrigem Niveau. Eine Aufschlüsselung nach den beiden Standorten Mannheim und Schwerin liegt der Bundesregierung nach eigenen Angaben nicht vor.
Wahlmodule statt Pflichtmodule
Die AfD-Fraktion fragte unter anderem nach dem Nutzen der Pflichtmodule „Arbeitsmarktökonomie und Gender“ sowie „Diversity Management“ für die Vermittlungsquote. Die Bundesregierung korrigiert in ihrer Antwort: Bei beiden Modulen handelt es sich um Wahlmodule, nicht um Pflichtmodule. Studierende wählen sie aus einem Pool entsprechend ihren persönlichen Interessen; das gewählte Modul muss gemäß Studien- und Prüfungsordnung bestanden werden. Das Modul „Diversity Management“ (Modul 23) aus der Vorbemerkung der Fragesteller konnte die Bundesregierung nicht identifizieren — sie geht davon aus, dass eines von zwei anderen Wahlmodulen gemeint war.
Die Bundesregierung beschreibt den Praxisbezug der Wahlmodule: Durch Kenntnisse über geschlechtsspezifische Erwerbsmuster könnten Berater Hindernisse bei der Erwerbsbeteiligung gezielter abbauen; durch Diversity-Kompetenzen ließen sich Bewerbergruppen wie Ältere, Menschen mit Behinderung oder mit Migrationsgeschichte passgenauer in den Arbeitsmarkt integrieren. Externe Honorare für diese Wahlmodule fielen seit 2020 nur einmal an: Ein externer Lehrbeauftragter erhielt für das Modul 1760 von Mai bis August 2026 insgesamt 1.600 Euro (40 Euro pro Lehrveranstaltungsstunde).
Mehrere Datenlücken bei Wirkungsfragen
Bei zentralen Wirkungsfragen musste die Bundesregierung auf fehlende Daten verweisen. Vergleichsdaten zur Vermittlungseffektivität zwischen HdBA-Absolventen und Quereinsteigern existieren nicht. Die Fluktuationsquote nach Ablauf der Bindungsfrist lässt sich im Personalsystem der Bundesagentur nicht ermitteln, da nicht erfasst wird, ob eine Person ein BA-Studium oder eine betriebliche Ausbildung absolviert hat. Auch der Anteil der HdBA-Forschungsergebnisse, der direkt in Fachliche Weisungen der Bundesagentur eingeflossen ist, wird nicht systematisch erhoben.
Zwischen 2021 und 2025 brachen insgesamt 382 Studierende ihr Studium an der HdBA vorzeitig ab. Ob und in welchem Umfang bereits gezahlte Vergütungen zurückgefordert wurden, konnte die Bundesregierung nicht beantworten, da die Rückforderungsgründe im Datensystem nicht ausgewertet werden können.
Warum eine eigene Hochschule?
Die Frage, warum nicht die Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung (HS Bund) die Ausbildung übernimmt, beantwortet die Bundesregierung historisch: Mit der Neuausrichtung der Bundesagentur ab 2003 wurden Mitarbeitende nicht mehr im Beamtenverhältnis, sondern im Angestelltenverhältnis ausgebildet. Die HS Bund war nach ihrem Errichtungserlass auf Beamtenausbildung beschränkt. Als Nachfolgelösung gründete die Bundesagentur 2006 die HdBA. Im Zeitraum September 2021 bis September 2026 führten HdBA und das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) drei gemeinsame Forschungsvorhaben durch; eine Doppelstruktur wird nach Angaben der Bundesregierung durch klar abgegrenzte institutionelle Profile und projektbezogene Abstimmung vermieden.
Fragen zu externen Unternehmensberatungen wie McKinsey oder Roland Berger im Auftrag der Bundesagentur verwies die Bundesregierung auf die Antwort zur Drucksache 21/12395, die Beratungsdienstleistungen der Bundesagentur separat dokumentiert. Den Unterschied begründet sie damit, dass externe Beratung eine praxis- und umsetzungsorientierte Außenperspektive liefere, die die HdBA als Lehr- und Forschungseinrichtung nicht ersetze.
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Unmittelbar betroffen sind rund 1.800 Beitragszahler, deren Arbeitslosenversicherungsbeiträge die Hochschule finanzieren. Mittelbar sind alle Arbeitslosen und Arbeitsuchenden betroffen, da die HdBA die Fachkräfte ausbildet, die später in der Arbeitsvermittlung tätig sind. Für die Studierenden selbst ist die monatliche Vergütung von 1.925 Euro relevant, die über dem Anwärtergrundbetrag für den gehobenen Bundesdienst liegt.
Bei vier Fragen (Rückforderung gezahlter Vergütungen, Anteil der Forschungsergebnisse in Fachlichen Weisungen, Vermittlungseffektivitätsvergleich, Fluktuationsquote) verwies die Bundesregierung auf fehlende Daten im Informationssystem der Bundesagentur für Arbeit. Bei Frage 13 zu externen Beratungsaufträgen wurde auf eine andere Drucksache verwiesen.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. HdBA: Kosten und Curriculum der BA-Hochschule unter Prüfung →
- Beitragsmittel
- Gelder, die Arbeitnehmer und Arbeitgeber als Pflichtbeiträge zur Arbeitslosenversicherung einzahlen und die zweckgebunden für Aufgaben der Bundesagentur für Arbeit verwendet werden.
- HdBA
- Hochschule der Bundesagentur für Arbeit; staatlich anerkannte Hochschule für angewandte Wissenschaften mit Standorten in Mannheim und Schwerin, gegründet 2006.
- IAB
- Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung; zentrale Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit mit gesetzlichem Auftrag zur Arbeitsmarkt- und Wirkungsforschung.
Wer finanziert die HdBA?
Die HdBA wird laut Bundesregierung nahezu vollständig aus Beitragsmitteln der Arbeitslosenversicherung finanziert.
Sind Gender- und Diversity-Module an der HdBA verpflichtend?
Nein. Die Bundesregierung stellt klar, dass es sich um Wahlmodule handelt, keine Pflichtmodule. Studierende wählen sie aus einem Pool entsprechend ihren Interessen.
Warum gibt es die HdBA und nicht die HS Bund?
Nach der Neuausrichtung der Bundesagentur für Arbeit ab 2003 wurden Angestellte statt Beamter ausgebildet. Da die HS Bund nur Beamte ausbilden darf, wurde 2006 die HdBA als eigene Hochschule gegründet.































































