- 5.000 Personen besitzen 27,3 % des deutschen Finanzvermögens
- Bundesregierung plant keine neuen Erhebungen zu Hochvermögen
- Deutschland hat sich zum International Panel on Inequality noch nicht positioniert
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7389 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Der BCG Global Wealth Report vom Mai 2026 dokumentiert, dass rund 5.000 Personen in Deutschland mit einem Finanzvermögen von mehr als 100 Millionen US-Dollar zusammen 27,3 Prozent des gesamten deutschen Finanzvermögens halten. Auf internationaler Ebene empfahl ein von Joseph Stiglitz geleitetes G20-Expertengremium unter der südafrikanischen G20-Präsidentschaft 2025 die Gründung eines International Panel on Inequality (IPI), das nach dem Vorbild des IPCC globale Ungleichheitstrends wissenschaftlich begleiten soll. Gründungsländer sind bisher Südafrika, Brasilien, Norwegen und Spanien. Parallel steht die globale Mindeststeuer unter Druck, nachdem die USA im Januar 2026 eine Side-by-Side-Lösung aushandelte, die US-Konzerne teilweise aus dem allgemeinen OECD-Rahmen herauslöst.
- 5.000 Personen / 27,3 % — Rund 5.000 Personen mit Finanzvermögen über 100 Mio. US-Dollar halten laut BCG Global Wealth Report 2026 zusammen 27,3 % des gesamten deutschen Finanzvermögens.
- 145.000 / 104.000 Euro — Durchschnittliches Bruttovermögen von Männern bzw. Frauen in Deutschland laut SOEP-Erhebung 2017; beim Nettovermögen 124.000 vs. knapp über 90.000 Euro.
- 3 Treffen auf BMF-Ministerebene — Deutschland hat zum IPI auf Ministerebene drei Gespräche geführt: November 2025 in Südafrika, G20-Gipfel Johannesburg, April 2026 im Rahmen der Initiative „In Defense of Democracy“.
- Ende 2029 — Bis dahin ist laut Bundesregierung eine Bestandsaufnahme der Side-by-Side-Lösung zur globalen Mindeststeuer auf OECD-Ebene geplant.
Im Detail
Die Bundesregierung verfolgt keine quantitativen Ziele für einzelne Indikatoren der Vermögensverteilung.
— BT-Drs. 21/7389, Antwort zu Fragen 3 und 4
Rund 5.000 Personen in Deutschland besitzen zusammen 27,3 Prozent des gesamten deutschen Finanzvermögens — das zeigt der BCG Global Wealth Report vom Mai 2026. Trotz dieser konzentrierten Vermögensverteilung plant die Bundesregierung laut BT-Drs. 21/7389 keine zusätzlichen statistischen Erhebungen zu Hochvermögen und verfolgt keine quantitativen Ziele zur Reduktion der Vermögensungleichheit. Das sind die zentralen Aussagen der Antwort des Bundesministeriums der Finanzen vom 27. Juli 2026 auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen.
Was gilt aktuell?
Die amtliche Datenlage zur Vermögensungleichheit in Deutschland stützt sich im Wesentlichen auf das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) und die Armuts- und Reichtumsberichterstattung der Bundesregierung. Beide Instrumente erfassen die obersten Vermögensränge — das sogenannte Top-1-Prozent oder Top-0,1-Prozent — nach Einschätzung der Fragesteller nur eingeschränkt. Private Erhebungen wie der BCG-Report liefern derzeit präzisere Daten zur Vermögensspitze als offizielle staatliche Statistiken. Die Bundesregierung bestätigt, dass neben dem Gini-Koeffizienten weitere Verteilungsmaße wie Dezil-Anteile und das Verhältnis von Mittelwert zu Median genutzt werden, plant aber keine Erweiterung der Datenbasis.
Vermögensungleichheit: Haltung der Bundesregierung
Auf die Frage, ob sie exzessive Ungleichheit als wirtschaftliches Problem betrachte, antwortet die Bundesregierung differenziert: Empirische Untersuchungen deuteten darauf hin, dass stark zunehmende Ungleichheit Wachstum, Produktivität und sozialen Zusammenhalt belasten könne. Gleichzeitig sei der Zusammenhang nicht linear und hänge von länderspezifischen Gegebenheiten ab. Konkrete Reduktionsziele — etwa für den Gini- oder den Palma-Index — lehnt die Bundesregierung ab. Handlungsleitend sei stattdessen die Stärkung der Vermögensbildung breiter Bevölkerungsschichten, etwa durch Förderung der Altersvorsorge, Mitarbeiterkapitalbeteiligungen und Wohneigentumsförderung.
Beim Gender Wealth Gap liegen der Bundesregierung SOEP-Daten aus dem Jahr 2017 vor: Das durchschnittliche Bruttovermögen von Männern betrug damals rund 145.000 Euro, das von Frauen rund 104.000 Euro. Beim Nettovermögen verringert sich die Lücke etwas auf 124.000 Euro (Männer) gegenüber knapp über 90.000 Euro (Frauen). Politische Schlussfolgerungen nennt die Bundesregierung in diesem Zusammenhang nicht explizit.
International Panel on Inequality: Keine Position Deutschlands
Ein G20-Expertengremium unter Leitung des Wirtschaftsnobelpreisträgers Joseph Stiglitz empfahl im Rahmen der südafrikanischen G20-Präsidentschaft 2025 die Einrichtung eines International Panel on Inequality (IPI). Nach dem Vorbild des Weltklimarats IPCC soll das IPI globale Ungleichheitstrends überwachen, Ursachen analysieren und Politikoptionen bewerten. Gründungsländer sind bisher Südafrika, Brasilien, Norwegen und Spanien. Deutschland hat bislang keine offizielle Position eingenommen. Die Bundesregierung erklärt, sie beobachte die Bemühungen und habe zur Kenntnis genommen, dass noch kein offizieller Entscheidungsvorschlag vorliege. Auf Ministerebene des Bundesfinanzministeriums fanden drei Gespräche statt: Im November 2025 an der Universität Witwatersrand in Südafrika sowie beim G20-Gipfel in Johannesburg, und im April 2026 im Rahmen der Initiative „In Defense of Democracy“ auf spanische Einladung.
Globale Mindeststeuer: Side-by-Side-Lösung evaluiert bis 2029
Zur globalen Mindeststeuer — einem weiteren Schwerpunkt der Kleinen Anfrage — verweist die Bundesregierung auf die im Januar 2026 einstimmig beschlossene Side-by-Side-Lösung im OECD Inclusive Framework on BEPS. Diese Integration der US-Mindeststeuer in das internationale OECD-Regelwerk soll laut Bundesregierung das internationale Steuersystem stabilisieren. Die Effekte werden bis Ende 2029 auf OECD-Ebene evaluiert. Fragen der Fragesteller nach einer Rückabwicklung zugunsten gleichbehandelter US-Konzerne beantwortet die Bundesregierung nicht direkt, sondern betont die Einigkeit im OECD-Gremium. Zur Besteuerung sehr vermögender Privatpersonen verweist sie auf das G20-Kommuniqué der brasilianischen Präsidentschaft 2024 zur effektiven Besteuerung sogenannter High-Net-Worth Individuals.
Fragen zu einer umfassenden Dokumentation von Gesprächen und Verhandlungen beantwortet die Bundesregierung unter Verweis darauf, dass keine Verpflichtung zur lückenlosen Aufzeichnung aller Gespräche — einschließlich Telefonate und E-Mails — bestehe. Damit bleibt die Nachvollziehbarkeit der deutschen Verhandlungsposition im internationalen Kontext eingeschränkt. Vergleichbare Transparenzfragen spielen auch in anderen parlamentarischen Vorgängen eine Rolle, etwa bei der Kontrolle von Bundesförderung oder bei den Milliardenhilfen für die Ukraine.
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Betroffen sind im Kern alle Steuerzahlerinnen und Steuerzahler sowie Empfängerinnen und Empfänger staatlicher Leistungen, da die Vermögensverteilung Fragen zur Finanzierungsbasis des Sozialstaats berührt. Besonders relevant ist das Thema für einkommensschwache Haushalte, die von Programmen wie der Wohnungsbauprämie oder vermögenswirksamen Leistungen profitieren sollen, sowie für Frauen, deren durchschnittliches Nettovermögen laut SOEP-Daten rund 27 Prozent unter dem der Männer liegt.
Die Bundesregierung weicht bei mehreren Detailfragen aus, indem sie auf frühere Antworten (BT-Drs. 21/1910) verweist und bei der Frage nach konkreten Schritten zur Verbesserung der Hochvermögensdaten keine eigenständige Antwort liefert. Bei Frage 6 zu Gesprächsprotokollen verweist sie explizit darauf, dass keine vollständige Dokumentation geführt wurde.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Vermögensungleichheit: Grüne fragen nach IPI-Beitritt und Milliardärsteuer →
- International Panel on Inequality (IPI)
- Geplantes internationales Expertengremium nach dem Vorbild des Weltklimarats (IPCC), das globale Ungleichheitstrends wissenschaftlich dokumentieren und Regierungen faktenbasiert beraten soll.
- BEPS / Globale Mindeststeuer
- Das BEPS-Framework (Base Erosion and Profit Shifting) der OECD soll verhindern, dass multinationale Konzerne Gewinne in Niedrigsteuerländer verschieben. Die globale Mindeststeuer (Pillar 2) legt einen Mindeststeuersatz von 15 Prozent für große Unternehmen fest.
- Gini-Koeffizient
- Statistisches Maß für Ungleichheit auf einer Skala von 0 (vollständige Gleichverteilung) bis 1 (maximale Konzentration). Er ist bei sehr hohen Vermögen an der Spitze der Verteilung wenig sensitiv.
Plant Deutschland, dem International Panel on Inequality beizutreten?
Laut BT-Drs. 21/7389 hat die Bundesregierung den IPI-Vorschlag zur Kenntnis genommen, aber noch keine offizielle Position eingenommen, da bislang kein formeller Entscheidungsvorschlag vorliegt.
Wie ungleich ist die Vermögensverteilung in Deutschland?
Laut dem im Mai 2026 veröffentlichten BCG Global Wealth Report besitzen rund 5.000 Personen mit einem Finanzvermögen über 100 Mio. US-Dollar insgesamt 27,3 Prozent des gesamten deutschen Finanzvermögens.
Was ist der Gender Wealth Gap in Deutschland?
Nach SOEP-Daten aus dem Erhebungsjahr 2017 lag das durchschnittliche Nettovermögen bei Männern bei rund 124.000 Euro, bei Frauen bei knapp über 90.000 Euro.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7389 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.



































































