- Algerier: TVBZ Straßenkriminalität 6.717 — 42-mal höher als bei Deutschen
- Für Drogenhandel können keine TVBZ ausgewiesen werden
- Daten beziehen sich auf Berichtsjahr 2025, Bevölkerungsstand 31.12.2024
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6365 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) ist eine sogenannte Ausgangsstatistik: Erfasst werden Straftaten, die der Polizei bekanntgeworden und durch sie endbearbeitet wurden, beim Abgabezeitpunkt an Staatsanwaltschaft oder Gericht. Maßgeblich für die zeitliche Zuordnung ist das Erfassungsdatum, nicht das Tatdatum. Die vorliegende Drucksache setzt eine Anfragenreihe fort, die bereits mit BT-Drs. 21/5881 begann, und fragt ergänzend nach den jeweils 15 führenden Staatsangehörigkeiten nach absoluter Tatverdächtigenzahl in den angefragten Deliktsbereichen. Bevölkerungszahlen basieren auf der Fortschreibung des Zensus 2022.
- 6.717 — TVBZ für algerische Staatsangehörige bei Straßenkriminalität (insgesamt); zum Vergleich: 160 bei deutschen Staatsangehörigen.
- 16.356 — TVBZ für algerische Staatsangehörige beim Diebstahl insgesamt; bei deutschen Staatsangehörigen beträgt der Wert 292.
- 75.726 — TVBZ für algerische Heranwachsende (18–21 Jahre) beim Diebstahl insgesamt, höchster Einzelwert in dieser Altersgruppe.
- 381 — TVBZ für algerische Staatsangehörige beim Wohnungseinbruchdiebstahl (§ 244 StGB); bei deutschen Staatsangehörigen beträgt der Wert 7.
- 5.956 — TVBZ für algerische Staatsangehörige beim Betrug (§§ 263 ff. StGB); bei deutschen Staatsangehörigen beträgt der Wert 250.
Im Detail
Zu Einfuhr, Handel und Schmuggel von Betäubungsmittel können keine TVBZ ausgewiesen werden. Grund hierfür ist, dass in der PKS Erfassungsschlüssel enthalten sind, die nicht zwischen Konsum- und Handelsdelikten differenzieren.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/6365, S. 18
Tatverdächtigenbelastungszahlen (TVBZ) aus der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) für das Jahr 2025 — aufgeschlüsselt nach Staatsangehörigkeit, Geschlecht und Altersgruppe — hat die Bundesregierung am 8. Juni 2026 in der Drucksache 21/6365 veröffentlicht. Das Bundesministerium des Innern beantwortet damit eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion (BT-Drs. 21/6109), die an eine frühere Anfragenreihe zu BT-Drs. 21/5881 anknüpft.
Was ist die Tatverdächtigenbelastungszahl?
Die TVBZ gibt an, wie viele Tatverdächtige je 100.000 Einwohner einer Bevölkerungsgruppe (ab 8 Jahren) polizeilich registriert wurden. Sie erlaubt den statistischen Vergleich zwischen Gruppen unterschiedlicher Größe. Die PKS ist eine Ausgangsstatistik: Erfasst werden abgeschlossene Ermittlungsverfahren zum Zeitpunkt der Abgabe an Staatsanwaltschaft oder Gericht. Entscheidend ist das Erfassungsdatum, nicht das Tatdatum. Die Bevölkerungszahlen basieren auf dem Stichtag 31. Dezember 2024 nach Zensus 2022.
Die Bundesregierung weist ausdrücklich darauf hin, dass die TVBZ bei kleinen Bevölkerungsgruppen statistisch stark ausschlagen kann: Bei nur 10 Tatverdächtigen und 100 ansässigen Personen ergibt sich rechnerisch bereits eine TVBZ von 10.000. Saisonale Einflüsse — etwa durch Saisonarbeiter oder Studierende — bleiben bei der Bevölkerungsfortschreibung unberücksichtigt.
Straßenkriminalität: Große Unterschiede zwischen den Gruppen
Beim PKS-Summenschlüssel 899000 „Straßenkriminalität“ liegt die TVBZ für deutsche Staatsangehörige bei 160. Algerische Staatsangehörige erreichen mit 6.717 den höchsten Wert unter den ausgewiesenen Gruppen, gefolgt von tunesischen (1.725) und marokkanischen (1.386) Staatsangehörigen. Syrische Staatsangehörige weisen eine TVBZ von 1.284 auf, afghanische von 1.075. Bei der Altersgruppe der Heranwachsenden (18 bis unter 21 Jahre) steigt die TVBZ für algerische Staatsangehörige auf 31.950, bei männlichen Heranwachsenden auf 40.104.
Die Straßenkriminalität umfasst laut Drucksache unter anderem Raub, räuberische Erpressung, gefährliche Körperverletzung auf Straßen und Plätzen, Diebstahl von Kraftfahrzeugen und Fahrrädern sowie Taschendiebstahl und Sachbeschädigung an Kraftfahrzeugen im öffentlichen Raum.
Diebstahl und Ladendiebstahl: Georgien und Algerien mit höchsten Werten
Beim Diebstahl insgesamt (PKS-Schlüssel ****00) liegt die TVBZ für deutsche Staatsangehörige bei 292. Algerische Staatsangehörige erreichen 16.356, georgische 7.286 und moldauische 5.096. Beim Ladendiebstahl (*26*00) dominieren ebenfalls algerische (12.388) und georgische (6.481) Staatsangehörige die Rangliste, gefolgt von moldauischen (4.219) und tunesischen (3.070). Deutsche Staatsangehörige weisen beim Ladendiebstahl eine TVBZ von 174 auf. Für weitere Hintergründe zur Kriminalitätsstatistik und Migration siehe auch BAMF im Bundestag: Asyl, Integration und Afghanistan.
Wohnungseinbruchdiebstahl: Georgier mit höchstem Wert
Beim Wohnungseinbruchdiebstahl gemäß § 244 Abs. 1 Nr. 3 StGB (Schlüssel 435*00) liegt die TVBZ für deutsche Staatsangehörige bei 7. Georgische Staatsangehörige verzeichnen mit 142 den höchsten Wert, gefolgt von algerischen (381 bei der insgesamt-Betrachtung wird Algerien nur in den Altersgruppen-Tabellen aufgeführt) und albanischen (72). Die hohen Werte bei georgischen Staatsangehörigen zeigen sich besonders bei erwachsenen Männern (360).
Betrug und Schwarzfahren
Beim Betrug (PKS-Schlüssel 510000) liegt die TVBZ für Deutsche bei 250, für algerische Staatsangehörige bei 5.956. Beim Erschleichen von Leistungen gemäß § 265a StGB — also vorrangig Schwarzfahren — beträgt die TVBZ für deutsche Staatsangehörige 51. Algerische Staatsangehörige erreichen 4.225, somalische 1.261. Bei heranwachsenden Algeriern (18 bis unter 21 Jahre) liegt dieser Wert bei 24.481.
Keine Daten zu Drogenhandel möglich
Die neunte Frage der Anfrage zu TVBZ für Einfuhr, Handel und Schmuggel von Betäubungsmitteln kann die Bundesregierung nicht beantworten. Laut Drucksache enthält die PKS Erfassungsschlüssel, die nicht zwischen Konsum- und Handelsdelikten differenzieren. Eine separate TVBZ für den Drogenhandel lässt sich daher aus den vorhandenen Daten nicht berechnen. Ähnliche Einschränkungen bei der statistischen Auswertung von Kriminalitätsdaten sind auch in anderen Bereichen bekannt, wie etwa bei den PKS-Daten zu Straftaten gegen Obdachlose.
Die Daten der Drucksache 21/6365 setzen eine parlamentarische Anfragenreihe fort, die auf eine differenzierte Aufschlüsselung der PKS nach Staatsangehörigkeiten zielt. Die Bundesregierung weist methodisch darauf hin, dass geringe Gruppenstärken die TVBZ statistisch verzerren können und saisonale Bevölkerungsschwankungen nicht erfasst werden. Zur Einordnung von Abschiebungsverfahren und Unterbringungsfragen verweist die Drucksache auf den breiteren Kontext der Migrationspolitik; weitere Informationen dazu finden sich etwa unter AfA Speyer: Kosten, Abschiebungen und Kaserne-Reaktivierung.
Weiterlesen:
- BAMF im Bundestag: Asyl, Integration und Afghanistan
- Obdachlose: 2.563 Straftaten 2025 — PKS-Daten nach Ländern
- AfA Speyer: Kosten, Abschiebungen und Kaserne-Reaktivierung
Die statistischen Daten betreffen alle in Deutschland ansässigen Bevölkerungsgruppen, differenziert nach Staatsangehörigkeit, Alter und Geschlecht. Besonders relevant sind die Zahlen für Sicherheitsbehörden, Wissenschaft und politische Entscheidungsträger, die auf Basis der PKS-Daten Präventions- und Integrationsmaßnahmen planen.
Die Bundesregierung hat 8 von 9 Fragen vollständig mit tabellarischen Daten beantwortet. Bei Frage 9 zu Drogenhandel und -schmuggel verweist sie auf eine strukturelle Einschränkung der PKS-Systematik, die keine Differenzierung zwischen Konsum- und Handelsdelikten erlaubt.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. (Stand: 08.06.2026) AfD fordert detaillierte Aufschlüsselung der Kriminalstatistik →
- TVBZ (Tatverdächtigenbelastungszahl)
- Anzahl der ermittelten, ansässigen Tatverdächtigen je 100.000 Einwohner der jeweiligen Bevölkerungsgruppe ab 8 Jahren. Ermöglicht den statistischen Gruppenvergleich.
- PKS (Polizeiliche Kriminalstatistik)
- Bundesweite Ausgangsstatistik der Polizei, die abgeschlossene Ermittlungsverfahren erfasst. Grundlage für kriminologische Analysen in Deutschland.
- Echt-Tatverdächtigenzählung
- Methode, bei der dieselbe Person innerhalb eines Berichtsjahres nur einmal pro Straftatenschlüssel gezählt wird, auch wenn sie mehrfach als Tatverdächtige erfasst wurde.
Was ist die Tatverdächtigenbelastungszahl (TVBZ)?
Die TVBZ ist die Anzahl der ermittelten, ansässigen Tatverdächtigen pro 100.000 Einwohner der entsprechenden Bevölkerungsgruppe, jeweils ab 8 Jahren. Sie ermöglicht den Vergleich zwischen Gruppen unterschiedlicher Größe.
Warum können TVBZ bei kleinen Gruppen sehr hoch sein?
Bei geringen Tatverdächtigenzahlen kombiniert mit geringen Bevölkerungszahlen steigt die TVBZ rechnerisch stark an. Beispiel: 10 Tatverdächtige bei 100 ansässigen Personen ergibt eine TVBZ von 10.000.
Welche Deliktsbereiche wurden abgefragt?
Straßenkriminalität (899000), Diebstahl insgesamt (****00), Ladendiebstahl (*26*00), Wohnungseinbruchdiebstahl (435*00), Diebstahl an/aus Kfz (*50*00), Taschendiebstahl (*90*00), Betrug (510000) und Erschleichen von Leistungen (515000).
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6365 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.





































































