- 2.563 Straftaten gegen Obdachlose 2025 — plus 17 Prozent
- Gesamtkriminalität sank gleichzeitig um fast 6 Prozent
- Bund plant keine Studie und keine neuen Schutzprogramme
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6379 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) erfasst seit 2024 die Opferspezifik ‚Obdachlosigkeit‘ systematisch. Bereits für 2024 hatte die PKS mit 2.194 Fällen einen Höchststand ausgewiesen. Die Fraktion Die Linke hatte die Bundesregierung bereits mit der Kleinen Anfrage BT-Drs. 21/2183 zu diesem Thema befragt; die damalige Antwort hatte den Anstieg primär auf die allgemeine Entwicklung der Gewaltkriminalität zurückgeführt. Da die Gesamtkriminalität 2025 erstmals seit 2022 um fast 6 Prozent sank, während die Straftaten gegen Obdachlose um 17 Prozent stiegen, bestand aus Sicht der Fragesteller Klärungsbedarf.
- 2.563 Opfer — mit Opferspezifik Obdachlosigkeit in der PKS 2025, gegenüber 2.194 im Jahr 2024.
- +17 Prozent — Anstieg der Straftaten gegen Obdachlose 2025, während die Gesamtkriminalität um fast 6 Prozent sank.
- 9 Todesfälle — tödlich verletzte Opfer mit Opferspezifik Obdachlosigkeit in der PKS 2025 (laut BAG W-Presseanalyse dagegen 14 im Berichtszeitraum).
- 142 politisch motivierte Straftaten — im Unterthemenfeld Gesellschaftlicher Status 2025; davon 35 mit rechtem Hintergrund und 18 mit Bezug zu Nationalsozialismus/Sozialdarwinismus.
- 66,5 % Aufklärungsquote — bei Gewaltkriminalität mit obdachlosem Opfer, gegenüber 77,5 % bei allen Gewaltstraftaten.
Im Detail
Die Beauftragung einer Studie im Sinne der Fragestellung ist seitens der Bundesregierung nicht geplant.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/6379, Antwort zu Frage 4
Straftaten gegen obdach- und wohnungslose Menschen in Deutschland haben 2025 einen neuen Höchststand erreicht. Laut Polizeilicher Kriminalstatistik (PKS) wurden bundesweit 2.563 Opfer mit der Opferspezifik Obdachlosigkeit erfasst — ein Anstieg um 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr (2.194). Besonders brisant ist dieser Befund, weil die Gesamtkriminalität in Deutschland im selben Zeitraum um fast 6 Prozent gesunken ist. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke hervor, die als BT-Drs. 21/6379 am 8. Juni 2026 veröffentlicht wurde.
Straftaten gegen Obdachlose nach Bundesländern
Die höchsten absoluten Opferzahlen verzeichneten Berlin (471 männlich, 121 weiblich), Bayern (390/102) und Nordrhein-Westfalen (239/71). Die niedrigsten Werte meldeten Thüringen (5/1) und Mecklenburg-Vorpommern (5/3). Insgesamt wurden 2.039 männliche und 524 weibliche Opfer registriert. Die PKS erfasst die Opferspezifik Obdachlosigkeit dabei nur dann, wenn aus den polizeilichen Ermittlungen hervorgeht, dass die Tathandlung zumindest teilweise durch das Merkmal der Obdachlosigkeit des Opfers veranlasst war. Das bedeutet: Die tatsächliche Zahl aller Straftaten, bei denen Obdachlose Opfer werden, liegt höher.
Diskrepanz zwischen PKS und BAG W-Daten
Für den Bereich tödlicher Gewalt zeigt sich eine auffällige Datenlücke: Die PKS weist für 2025 neun tödlich verletzte Opfer mit der Opferspezifik Obdachlosigkeit aus. Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe (BAG W) dokumentierte mittels Presseanalyse dagegen 14 getötete wohnungslose Menschen im vergleichbaren Zeitraum. Die Bundesregierung erklärt diese Differenz mit dem Funktionsprinzip der PKS als Ausgangsstatistik und den spezifischen Erfassungsbedingungen, ohne eine eigene Ursachenanalyse anzustellen.
Hinzu kommen kältebedingte Todesfälle: Zwischen Oktober 2025 und März 2026 verstarben laut BAG W mindestens 14 Menschen infolge von Kälteeinwirkung, in sechs weiteren Fällen wird Kälte als Todesursache vermutet. Die Bundesregierung erklärt, über keine eigenen Erkenntnisse zu diesem Thema zu verfügen.
Aufklärungsquoten unter dem Gesamtdurchschnitt
Auch bei der Strafverfolgung zeigen sich Unterschiede: Bei Körperverletzungen mit mindestens einem obdachlosen Opfer lag die Aufklärungsquote 2025 bei 76,6 Prozent — gegenüber 87,5 Prozent bei allen Körperverletzungsfällen. Bei Gewaltdelikten insgesamt betrug die Quote bei obdachlosen Opfern 66,5 Prozent, während sie bei allen Fällen 77,5 Prozent erreichte. Für politisch motivierte Gewaltdelikte im Themenfeld Gesellschaftlicher Status lag die Aufklärungsquote bei nur 23,08 Prozent.
Insgesamt wurden 2025 142 politisch motivierte Straftaten im Unterthemenfeld Gesellschaftlicher Status registriert, davon 35 mit rechtem Hintergrund und 18 mit Bezug zu Nationalsozialismus oder Sozialdarwinismus. Seit dem 1. Januar 2001 finden sich im Kriminalpolizeilichen Meldedienst für Politisch motivierte Kriminalität (KPMD-PMK) drei politisch motivierte Tötungsdelikte an wohnungslosen Menschen — zwei mit rechtem Hintergrund (2001 in Dahlewitz, 2014 in Limburg an der Lahn) und eines mit religiöser Ideologie (2025 in Essen). In allen drei Fällen konnten Tatverdächtige ermittelt werden.
Was gilt aktuell?
Auf Bundesebene existieren nach Auskunft der Bundesregierung keine spezifischen Förderprogramme, die sich explizit an wohnungslose Opfer von Straftaten richten. Der Bund verweist für Unterbringung, Strafverfolgung und Gewaltprävention auf die Länderzuständigkeit gemäß Grundgesetz. Das Merkmal Wohnungslosigkeit stellt im KPMD-PMK keinen eigenen Katalogwert dar, weshalb politisch motivierte Straftaten gegen Obdachlose nicht automatisiert auswertbar sind. Eine Erweiterung des Merkmalskatalogs lehnt die Bundesregierung ab, da sie keinen kriminalfachlichen Bedarf sieht.
Auf die Frage nach einer neuen Sonderstudie angesichts der abweichenden Kriminalitätsentwicklung antwortet die Bundesregierung knapp: „Die Beauftragung einer Studie im Sinne der Fragestellung ist seitens der Bundesregierung nicht geplant.“ Auch spezifische Bundesinitiativen für Beratungs- und Anlaufstellen für wohnungslose Straftatenopfer sind nicht vorgesehen. Für kältebedingte Todesrisiken verweist die Regierung auf das Klimaanpassungsgesetz und bestehende Förderrichtlinien wie AnpaSo, die obdachlose Menschen als vulnerable Gruppe adressieren.
Zum Vergleich: PKS-Daten zu Tatverdächtigen unter 14 Jahren 2025 zeigen, dass auch andere Teilbereiche der Kriminalstatistik politisch diskutiert werden. Die Frage nach der Erfassungsqualität polizeilicher Statistiken berührt auch Themen wie Persönlichkeitsrechte im öffentlichen Raum.
Weiterlesen:
- Kinderkriminalität 2025: PKS-Daten zu Tatverdächtigen unter 14 Jahren
- Bundesweites Bildungsverlaufsregister: Rechtliche Machbarkeit
Betroffen sind obdach- und wohnungslose Menschen in ganz Deutschland — 2025 laut PKS insgesamt 2.563 Opfer (2.039 männlich, 524 weiblich). Besonders hohe Fallzahlen weisen Berlin, Bayern und Nordrhein-Westfalen auf. Wohnungslose Frauen sind nach Angaben der Fragesteller überproportional von sexualisierter Gewalt betroffen.
Die Bundesregierung beantwortet die statistischen Fragen mit PKS-Tabellen vollständig. Bei politischen Forderungen nach Studien, Förderprogrammen und Bundesinitiativen verweist sie durchgehend auf die Länderzuständigkeit oder erklärt, keine Maßnahmen zu planen — ohne inhaltliche Begründung zu den konkreten Fallzahlen.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. (Stand: 08.06.2026) Straftaten gegen Obdachlose – Bundesregierung zur Ursachenforschung bei 17-Prozent-Anstieg befragt →
- PKS (Polizeiliche Kriminalstatistik)
- Bundesweite Ausgangsstatistik der Polizei, die endbearbeitete Straftaten bei Abgabe an die Staatsanwaltschaft erfasst. Ausschlaggebend ist das Erfassungsdatum, nicht das Tatdatum.
- Opferspezifik Obdachlosigkeit
- In der PKS erfasstes Merkmal, das voraussetzt, dass die Tathandlung zumindest teilweise durch die Obdachlosigkeit des Opfers veranlasst war.
- KPMD-PMK
- Kriminalpolizeilicher Meldedienst für Politisch motivierte Kriminalität — ein Erfassungssystem für politisch motivierte Straftaten, das aktuell 'Wohnungslosigkeit' nicht als eigenen Katalogwert führt.
Wie viele Straftaten gegen Obdachlose gab es 2025?
Laut PKS 2025 wurden bundesweit 2.563 Opfer mit der Opferspezifik Obdachlosigkeit erfasst — 17 Prozent mehr als im Vorjahr (2.194).
In welchen Bundesländern wurden die meisten Straftaten gezählt?
Die höchsten Opferzahlen verzeichneten Berlin (592), Bayern (492) und Nordrhein-Westfalen (310).
Plant der Bund eine Studie zu Gewalt gegen Obdachlose?
Nein. Die Bundesregierung erklärt, eine entsprechende Studie sei nicht geplant.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6379 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.





































































