- BioNTech plant Schließung deutscher Standorte mit bis zu 1.860 betroffenen Stellen
- Grüne fragen nach Impfstoffversorgung, mRNA-Kompetenz und Pandemiebereitschaft
- Deutschlandsfonds soll 130 Mrd. Euro private Investitionen in Biotech mobilisieren
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7227 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die deutsche Biotechnologie-Branche erzielte 2024 einen Umsatz von rund 11 Mrd. Euro und beschäftigte rund 56.000 Menschen in 1.020 Unternehmen. Forschungs- und Entwicklungsausgaben lagen bei etwa 4,6 Mrd. Euro. Trotz dieser Kennzahlen steht die Branche laut aktuellen Analysen bei Finanzierung, Skalierung und internationaler Wettbewerbsfähigkeit vor erheblichen Herausforderungen. BioNTech, das während der COVID-19-Pandemie als Innovationsaushängeschild galt, hatte kürzlich CureVac übernommen — ein Unternehmen, an dem der Bund beteiligt war. Nun plant BioNTech die Schließung mehrerer Produktionsstandorte, während der US-Konzern Moderna eine Übernahme von BioNTech-Werken prüft.
- 1.020 Unternehmen — So viele Biotechnologie-Firmen waren 2024 in Deutschland ansässig.
- 56.000 Beschäftigte — Zahl der Arbeitnehmer in der deutschen Biotechnologie-Branche im Jahr 2024.
- 11 Mrd. Euro Umsatz — Branchenumsatz der deutschen Biotechnologie im Jahr 2024.
- 4,6 Mrd. Euro — Forschungs- und Entwicklungsausgaben der deutschen Biotechnologie im Jahr 2024.
- 1.860 Stellen — Zahl der möglicherweise betroffenen Arbeitsplätze durch BioNTech-Standortschließungen laut Medienberichten.
Im Detail
Die Biotechnologie ist die zentrale Schlüsseltechnologie für Gesundheitsversorgung, industrielle Innovation und technologische Souveränität.
— Vorbemerkung BT-Drs. 21/7227, Fraktion Bündnis 90/Die Grünen
Bis zu 1.860 Arbeitsplätze stehen bei BioNTech auf dem Spiel: Das Unternehmen, das während der COVID-19-Pandemie mit seinem mRNA-Impfstoff weltweite Bekanntheit erlangte, plant die Schließung mehrerer Produktionsstandorte in Deutschland und im Ausland. Gleichzeitig prüft der US-Konzern Moderna eine Übernahme von BioNTech-Werken. Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat daraufhin am 21. Juli 2026 die Kleine Anfrage BT-Drs. 21/7227 eingereicht — mit 29 Fragen an die Bundesregierung zur Zukunft der Biotechnologie in Deutschland.
BioNTech-Stellenabbau und die Frage nach der Impfstoffversorgung
Im Zentrum der Anfrage stehen die konkreten Folgen der BioNTech-Umstrukturierung. Die Grünen fragen, welche wirtschaftlichen, arbeitsmarktpolitischen und innovationsbezogenen Folgen die Bundesregierung durch die geplanten Standortschließungen erwartet. Besonders brisant ist die Frage nach der Pandemievorsorge: Schließt BioNTech Produktionsstätten, könnten bestehende Pandemiebereitschaftsverträge zur Impfstoffversorgung gefährdet sein. Die Fraktion will wissen, welche industriepolitischen Maßnahmen die Regierung zur dauerhaften Sicherstellung der Impfstoffversorgung erwägt.
Zudem thematisiert die Anfrage den möglichen Verlust strategisch relevanter Kompetenzen: Drohen durch die Umstrukturierung Know-how und Kapazitäten in den Bereichen mRNA, Onkologie und biopharmazeutische Produktion dauerhaft abzuwandern? Die Fragesteller erkundigen sich auch danach, welche Gespräche die Bundesregierung seit Mai 2025 mit BioNTech, CureVac, Gewerkschaften, Betriebsräten und potenziellen Investoren — darunter Moderna — geführt hat.
CureVac-Übernahme: Was geschah mit den Bundesanteilen?
Ein weiterer Fragenkomplex betrifft die Beteiligung des Bundes an CureVac. BioNTech hatte das Tübinger Biotechnologieunternehmen erst vor wenigen Monaten übernommen — und der Bund war an CureVac beteiligt. Die Grünen fragen, ob die Bundesanteile im Zuge der Übernahme an BioNTech übergegangen sind und zu welchen Konditionen dies gegebenenfalls geschah.
Branchenlage: 11 Mrd. Euro Umsatz, aber strukturelle Defizite
Die Biotechnologie-Branche in Deutschland umfasst laut Bundesministerium für Forschung und Technologie im Jahr 2024 insgesamt 1.020 Unternehmen mit rund 56.000 Beschäftigten. Der Branchenumsatz lag bei etwa 11 Mrd. Euro, die Forschungs- und Entwicklungsausgaben bei rund 4,6 Mrd. Euro. Trotz dieser Kennzahlen verweisen Branchenanalysen auf erhebliche Defizite bei Finanzierung, Skalierung, klinischer Entwicklung und internationaler Wettbewerbsfähigkeit. Die Anfrage fragt nach einer differenzierten Analyse seit 2020, aufgeschlüsselt nach Bundesländern und den Segmenten medizinische, industrielle, agrobiotechnologische und sonstige Biotechnologie.
Parallel zu BioNTechs Stellenabbau beobachten die Fragesteller, dass auch andere Pharmaunternehmen wie Boehringer Ingelheim und Eli Lilly ihre Investitionen in Deutschland zurückfahren. Welche Auswirkungen dies auf die Wettbewerbsfähigkeit des Pharma- und Biotechnologiestandorts hat, ist Gegenstand von Frage 11 der Anfrage.
Biotechnologie-Förderung: Deutschlandfonds und Zukunftsfonds II
Die Bundesregierung hat die Biotechnologie im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD als „Schlüsselindustrie“ verankert und will Deutschland zum „weltweit innovativsten Chemie-, Pharma- und Biotechnologiestandort“ machen. Der aufgelegte Deutschlandfonds soll durch Garantien und Beteiligungen private Investitionen von rund 130 Mrd. Euro mobilisieren. Daneben ist ein Zukunftsfonds II mit Fokus auf Deep-Tech- und Biotech-Ausgründungen in Planung. Die Grünen fragen nach dem konkreten Stand dieser Planungen, den vorgesehenen Volumina, Instrumenten und Zugangsbedingungen sowie danach, welche konkreten Maßnahmen seit dem Regierungsantritt im Mai 2025 bereits eingeleitet wurden.
Ausbildung, Forschungstransfer und europäische Vernetzung
Die Anfrage geht auch strukturellen Fragen nach: Wie viele Studienplätze gibt es in biotechrelevanten Fächern wie Biochemie, Bioinformatik und Life Sciences? Wie hoch ist die Verwertungsquote biotechnologischer Forschungsergebnisse aus Hochschulen? Und in welchem Umfang profitieren deutsche Unternehmen und Forschungseinrichtungen von Horizon Europe-Förderprogrammen? Schließlich fragen die Grünen, wie die biotechnologiebezogenen Maßnahmen der Hightech-Agenda ressortübergreifend koordiniert werden und wie Doppelstrukturen zwischen nationalen und europäischen Förderprogrammen vermieden werden sollen.
Die Antwortfrist der Bundesregierung endet 21 Tage nach Einreichung der Anfrage, also am 11. August 2026. Thematisch verwandte parlamentarische Vorgänge beleuchten ähnliche Fragen wirtschaftlicher Abhängigkeiten und Förderpolitik: So hatte der Bundestag zuletzt auch die China-Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft mit einem Handelsbilanzdefizit von 90 Mrd. Euro unter die Lupe genommen. Zur Frage staatlicher Förderprogramme ohne ausreichende Erfolgskontrolle ist auch der Bericht zur Klimapartnerschaft Kolumbien mit 200 Mio. Euro ohne Vertrag aufschlussreich. Die Bundesregierung hat beim Thema chinesischer Autoinvestitionen zuletzt eingeräumt, über keine ausreichende Datenbasis zu verfügen — eine Konstellation, die sich bei der Biotech-Förderung wiederholen könnte.
Weiterlesen:
- China-Abhängigkeit: 90 Mrd. Euro Handelsbilanzdefizit unter der Lupe
- Chinesische Autoinvestitionen: Bundesregierung ohne Datenbasis
- Klimapartnerschaft Kolumbien: 200 Mio. Euro ohne Vertrag
Unmittelbar betroffen sind bis zu 1.860 Beschäftigte an BioNTech-Standorten in Deutschland und im Ausland. Darüber hinaus berührt die Anfrage die Impfstoffversorgung der Bevölkerung, regionale Innovationsökosysteme sowie Forschungseinrichtungen und Hochschulen, die auf Biotechnologie-Ausgründungen und Industriepartnerschaften angewiesen sind.
Die Kleine Anfrage (BT-Drs. 21/7227) wurde am 21. Juli 2026 eingereicht. Die Bundesregierung hat nun 21 Tage Zeit, die 29 Fragen schriftlich zu beantworten — die Antwortfrist endet am 11. August 2026. Anschließend wird die Antwort als eigene Drucksache veröffentlicht.
- mRNA-Technologie
- Messenger-RNA-Technologie bildet die Grundlage für die COVID-19-Impfstoffe von BioNTech/Pfizer und gilt als Schlüsseltechnologie für künftige Medikamente und Krebstherapien.
- Deutschlandfonds
- Staatliches Förderprogramm, das durch Garantien und Beteiligungen private Investitionen in Schlüsselindustrien wie die Biotechnologie mobilisieren soll — Zielvolumen: rund 130 Mrd. Euro.
- Technologietransfer
- Übertragung von wissenschaftlichen Forschungsergebnissen aus Hochschulen und Forschungseinrichtungen in marktfähige Produkte und Unternehmensanwendungen.
Wie viele Stellen bei BioNTech sind von Schließungen betroffen?
Laut der Kleinen Anfrage könnten bis zu 1.860 Stellen durch geplante Standortschließungen in Deutschland und im Ausland betroffen sein.
Was ist der Deutschlandfonds und was hat er mit Biotechnologie zu tun?
Der Deutschlandfonds ist ein Förderprogramm der Bundesregierung, das durch Garantien und Beteiligungen private Investitionen von rund 130 Mrd. Euro mobilisieren soll — Biotechnologie zählt zu den Förderschwerpunkten.
Was hat der Bund mit CureVac zu tun?
Der Bund war an CureVac beteiligt. BioNTech hat CureVac erst kürzlich übernommen. Die Grünen fragen nun, ob und zu welchen Konditionen die Bundesanteile an BioNTech übergegangen sind.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7227 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.

































































