- 500 Millionen Grüner-Knopf-Textilien seit 2019 verkauft
- Über 64 Mio. Euro in nachhaltige Textillieferketten seit 2018 geflossen
- Baumwollbauern im Globalen Süden verdienen nur 50–60 % eines existenzsichernden Einkommens
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7306 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) engagiert sich seit über zwei Jahrzehnten für nachhaltige Textilproduktion. Das 2014 von Bundesminister Gerd Müller gegründete Bündnis für nachhaltige Textilien (BNT) wurde unter Bundesministerin Reem Alabali-Radovan in den Textildialog DST (Dialogue for Impact and sustainable Textiles) umgewandelt. Der Grüne Knopf, 2019 als staatliches Siegel eingeführt, zählt aktuell rund 50 Lizenznehmer. Die EU-Lieferkettenrichtlinie CSDDD soll laut Bundesregierung 1:1 in deutsches Recht umgesetzt werden und das bestehende Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) ersetzen.
- 64,1 Mio. Euro — Gesamtmittel für vier Sektorvorhaben nachhaltige Textillieferketten 2018–2026 (BMZ)
- 43 Mio. Euro — Fördersumme GIZ-Sektorvorhaben Nachhaltige Lieferketten (2022–2029)
- 500 Mio. — Verkaufte Grüner-Knopf-Textilien seit Einführung 2019 (Stand Juni 2026)
- 87 — Wirtschaftsakteure im Textildialog DST, davon 70 Unternehmen
- 50 Lizenznehmer — Aktuell zertifizierte Unternehmen beim Grünen Knopf (Stand Juni 2026)
Im Detail
Ziel des Textildialogs ist eine soziale, ökologische und ökonomisch nachhaltige Textil- und Bekleidungsindustrie weltweit.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7306, S. 2
Rund 500 Millionen Textilien mit dem staatlichen Siegel Grüner Knopf wurden seit dessen Einführung im Jahr 2019 verkauft — das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hervor (BT-Drs. 21/7306, beantwortet am 22. Juli 2026). Gleichzeitig offenbart die Drucksache, dass Baumwollbäuerinnen und -bauern im Globalen Süden im Durchschnitt nur 50 bis 60 Prozent eines existenzsichernden Einkommens erzielen — ein zentrales Problem, das die Entwicklungspolitik weiter beschäftigt.
Für die Förderung nachhaltiger Textillieferketten hat das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) zwischen 2018 und 2026 über vier Sektorvorhaben insgesamt mehr als 64 Millionen Euro aufgewendet. Hinzu kommen laufende GIZ-Projekte, allein das Sektorvorhaben Nachhaltige Lieferketten umfasst eine Fördersumme von 43 Millionen Euro bis Ende 2029.
Grüner Knopf: Was gilt aktuell?
Der Grüne Knopf ist ein staatlich überwachtes Textilsiegel, das das BMZ 2019 eingeführt hat. Aktuell haben rund 50 Lizenznehmer die Zertifizierung. Das Siegel setzt auf einen sogenannten Meta-Siegelansatz: 20 weitere Siegel — darunter Fairtrade und der Global Organic Textile Standard (GOTS) — sind vom Grünen Knopf anerkannt. Unternehmen, die den Grünen Knopf tragen, müssen im Rahmen der Zertifizierung ihre Beschaffungsländer von der Konfektionierung bis zur Rohstoffgewinnung offenlegen. Einen berechneten Marktanteil in Deutschland gibt es jedoch nicht, da der Referenzwert für den Gesamttextilmarkt fehlt.
Vom Textilbündnis zum Textildialog DST
Das 2014 gegründete Bündnis für nachhaltige Textilien (BNT) läuft seit dem Amtsantritt von Bundesministerin Reem Alabali-Radovan unter dem neuen Namen Dialogue for Impact and sustainable Textiles (DST) weiter. Im DST sind aktuell 87 Wirtschaftsakteure vertreten, davon 70 Unternehmen. Das Format ist bewusst offener gestaltet: Verbindlichkeit entsteht über die freiwillige Beteiligung an konkreten Umsetzungsprojekten, die an identifizierte Lieferkettenrisiken geknüpft sein müssen. Quantifizierbare Ziele werden projektbezogen definiert. Das Sounding Board des DST, das Perspektiven aus Produktionsländern einbinden soll, wird derzeit erst formiert.
Baumwollanbau: Einkommen und Ökologie im Fokus
Baumwolle gilt in Subsahara-Afrika als sogenannte Anker-Frucht: Sie wird in den ärmsten Regionen angebaut und steht in enger Wechselwirkung mit der Nahrungsmittelproduktion. Studien aus Kamerun, auf die in der Drucksache verwiesen wird, belegen, dass das tatsächliche Einkommen der Baumwollbäuerinnen und -bauern nur 50 bis 60 Prozent des existenzsichernden Niveaus erreicht. Die Bundesregierung unterstützt nach eigenen Angaben deshalb Maßnahmen zu existenzsichernden Einkommen (Living Incomes) und hat 2024 die OECD bei der Entwicklung eines entsprechenden Praxishandbuchs für Unternehmen unterstützt.
Ökologisch sieht die Bundesregierung erheblichen Handlungsbedarf: Hoher Pestizideinsatz im konventionellen Baumwollanbau, Wasserverbrauch, Bodenbelastung und wachsende Textilabfälle durch Fast Fashion werden als zentrale Herausforderungen benannt. Das BMZ fördert deshalb integrierten Pflanzenschutz, Biozertifizierungen und Pilotprojekte zu Biopestiziden — unter anderem in Benin, Kamerun, Indien und Tadschikistan, wo ein BioLab zur Herstellung von Nutzinsekten eingerichtet wurde. Die UN-Biodiversitätskonferenz hat das Ziel beschlossen, synthetische Pflanzchemikalien bis 2030 um 50 Prozent zu reduzieren.
Lieferkettensorgfaltspflichten: LkSG wird durch EU-Recht ersetzt
Auf die Frage, ob die Abschwächung gesetzlicher Sorgfaltspflichten negative Folgen für Textilarbeiterinnen und -arbeiter im Globalen Süden hätte, erklärt die Bundesregierung, sie werde die europäische Lieferkettenrichtlinie CSDDD „1:1, wirksam und bürokratiearm“ in deutsches Recht umsetzen. Das neue Gesetz für internationale Unternehmensverantwortung soll das bestehende LkSG ersetzen und von einem Nationalen Aktionsplan Wirtschaft und Menschenrechte 2026–2031 flankiert werden. Der Grüne Knopf geht laut Bundesregierung bereits heute teilweise über die LkSG-Anforderungen hinaus und soll künftig an die europäischen Regulierungen angepasst werden.
Zu den laufenden GIZ-Projekten in Bangladesch — dem größten Einzelposten mit fünf Vorhaben im Gesamtumfang von über 37 Millionen Euro — gehören Maßnahmen für angemessene Arbeitsbedingungen, Frauenförderung durch Berufsbildung sowie Kontrollmechanismen für faire Produktion. Ähnliche Programme bestehen in Kambodscha, Vietnam, Pakistan und Äthiopien. Weitere Informationen zu den parlamentarischen Vorgängen rund um Entwicklungszusammenarbeit und internationale Nachhaltigkeitspolitik finden sich auch im Beitrag zur Türkei-Menschenrechtsdebatte im Bundestag.
Weiterlesen:
- Biomethanerzeugung in Deutschland: Potenziale und Perspektiven
- Türkei-Menschenrechte: 18 Fragen an die Bundesregierung
Betroffen sind Millionen von Konsumentinnen und Konsumenten in Deutschland, die nachhaltig produzierte Kleidung kaufen wollen, sowie Textilunternehmen mit Lieferketten in Asien und Afrika. Direkt profitieren sollen kleinbäuerliche Baumwollproduzentinnen und -produzenten in Subsahara-Afrika sowie Textilarbeiterinnen und -arbeiter in Ländern wie Bangladesch, Kambodscha, Pakistan und Vietnam.
Die Bundesregierung beantwortet die meisten Fragen substantiell. Bei der Frage nach künftigen Haushaltsmitteln (Frage 3) verweist sie auf den Vorbehalt der Haushaltsaufstellung. Konkrete Marktanteile des Grünen Knopfs werden mangels Referenzdaten nicht genannt.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Grüner Knopf und Textildialog: 38 Fragen zu Nachhaltigkeit und Baumwolle →
- Grüner Knopf
- Staatlich überwachtes Textilsiegel des BMZ, das seit 2019 soziale und ökologische Sorgfaltspflichten in der Lieferkette zertifiziert.
- Textildialog DST
- Nachfolger des Bündnisses für nachhaltige Textilien (BNT): Multi-Stakeholder-Netzwerk für nachhaltige Textil- und Bekleidungsindustrie weltweit.
- LkSG / CSDDD
- Das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) und die EU-Richtlinie CSDDD verpflichten Unternehmen, Menschenrechts- und Umweltrisiken in ihren Lieferketten zu prüfen und zu minimieren.
Was ist der Grüne Knopf?
Der Grüne Knopf ist ein staatlich überwachtes Textilsiegel des BMZ, das 2019 eingeführt wurde. Es zertifiziert Unternehmen, die soziale und ökologische Sorgfaltspflichten in ihrer Lieferkette nachweisen.
Was ist der Unterschied zwischen Textilbündnis und Textildialog DST?
Das Bündnis für nachhaltige Textilien (BNT) wurde 2014 gegründet und läuft nun unter dem neuen Namen Dialogue for Impact and sustainable Textiles (DST) weiter — mit stärkerem internationalen Fokus und flexibleren Beteiligungsformaten.
Wie viel Geld fließt in GIZ-Projekte für nachhaltige Textilien?
Allein das laufende Sektorvorhaben Nachhaltige Lieferketten bei der GIZ hat eine Fördersumme von 43 Millionen Euro (davon 10,1 Mio. Drittmittel) für den Zeitraum 2022 bis 2029.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7306 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.

































































