- 764.065 Grundsicherungsempfänger ab Regelaltersgrenze in Deutschland im Jahr 2025
- Brandenburg: Verhältnis von 1,35 Pflichtversicherten je Rentner — deutlich unter Bundesschnitt 1,74
- Bundesregierung plant keine bundeslandspezifischen Maßnahmen gegen Altersarmut
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7378 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Altersarmut in Deutschland und insbesondere in den ostdeutschen Bundesländern ist ein politisch dauerhaft diskutiertes Thema. Der Paritätische Armutsbericht verzeichnete für 2025 über 13,3 Millionen armutsbetroffene Menschen in Deutschland. Ostdeutschland weist dabei eine besondere Struktur auf: Rund 79 Prozent der Alterseinkommen der über 65-Jährigen stammen dort aus der gesetzlichen Rentenversicherung, wie der Alterssicherungsbericht 2024 (BT-Drs. 20/14086) belegt. Brandenburg zählt mit einem Verhältnis von nur 1,35 Pflichtversicherten je Rentnerin bzw. Rentner (Stand: 2024) zu den Ländern mit der ungünstigsten Relation — der Bundesschnitt liegt bei 1,74.
- 764.065 — Empfänger von Grundsicherung ab Regelaltersgrenze bundesweit, Ende 2025 (2016: 525.595)
- 12.975 — Grundsicherungsempfänger im Alter in Brandenburg, Ende 2025 (2016: 7.371)
- 1,35 — Verhältnis Pflichtversicherte zu Rentnern in Brandenburg (2024), bundesweit 1,74
- 1.521 Euro/Monat — Durchschnittlicher Rentenzahlbetrag in Brandenburg (1.7.2025), bundesweit 1.352 Euro
- 34.209 — Wohngeldberechtigte Rentner in Brandenburg (2024), Anteil 5,05 % aller Personen ab 65 Jahren
Im Detail
Der beste Schutz gegen Altersarmut sind eine gute Ausbildung, durchgehende Erwerbsbiografien mit anständigen Löhnen und die Absicherung in der gesetzlichen Rentenversicherung flankiert durch betriebliche Altersversorgung und private Zusatzvorsorge.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7378, S. 7
In Brandenburg und ganz Ostdeutschland besteht eine strukturell andere Ausgangslage für das Alter als im Westen: Rund 79 Prozent der Alterseinkommen der über 65-Jährigen in Ostdeutschland stammen aus der gesetzlichen Rentenversicherung (GRV). Rund drei Viertel der Rentnerinnen und Rentner dort beziehen ausschließlich GRV-Leistungen. Diese hohe Abhängigkeit macht Altersarmut in Brandenburg und anderen ostdeutschen Ländern zu einem besonders relevanten Thema — zugleich fehlen die privaten und betrieblichen Puffer, die im Westen stärker verbreitet sind.
Die Bundesregierung hat am 27. Juli 2026 auf die Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke (BT-Drs. 21/7112) geantwortet und dazu umfangreiche Tabellen zu Rentenhöhen, Grundsicherungsquoten, Erwerbsminderungsrenten und Wohngeld für alle Bundesländer vorgelegt (BT-Drs. 21/7378).
Altersarmut in Brandenburg: aktuelle Zahlen
Ende 2025 bezogen in Brandenburg insgesamt 29.925 Personen Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung — ein Anstieg gegenüber 23.767 im Jahr 2016. Von diesen 29.925 Fällen entfielen 16.925 auf Männer und 13.005 auf Frauen. Bezogen auf die Bevölkerung ab Regelaltersgrenze erhielten Ende 2025 in Brandenburg 12.975 Personen diese staatliche Sozialleistung, davon 6.375 Männer (Anteil 2,3 %) und 6.600 Frauen (Anteil 2,2 %). Dieser Wert hat sich gegenüber 2016 (7.371 Personen insgesamt) nahezu verdoppelt.
Der durchschnittliche Rentenzahlbetrag liegt in Brandenburg trotzdem über dem Bundesschnitt: Brandenburger Rentnerinnen und Rentner erhalten im Schnitt 1.521 Euro monatlich (Stand 1. Juli 2025), bundesweit sind es 1.352 Euro. Dieser Befund erklärt sich durch die hohen Versicherungsjahre vieler Brandenburger Rentnerjahrgänge, die noch in der DDR fast durchgehend vollzeitbeschäftigt waren. Dennoch bleibt die Altersarmut in Brandenburg strukturell belastend, da ergänzende Einkommensquellen fehlen.
Was gilt aktuell bei der Grundsicherung?
Menschen in Deutschland, die im Alter ihren Lebensunterhalt nicht aus eigenen Mitteln bestreiten können, haben nach dem 4. Kapitel SGB XII Anspruch auf Grundsicherung im Alter. Die Bundesregierung betont in ihrer Antwort, dass diese Absicherung für ältere Menschen greift, die auf keine ausreichenden Alterseinkommen zurückgreifen können. Bundeslandspezifische Programme darüber hinaus lehnt die Bundesregierung ausdrücklich ab: „Bundeslandspezifische Maßnahmen gegen Altersarmut sind seitens der Bundesregierung grundsätzlich nicht vorgesehen.“
Verhältnis Pflichtversicherte zu Rentnern bundesweit gespalten
Ein zentraler Indikator für die langfristige Tragfähigkeit der gesetzlichen Rentenversicherung ist das Verhältnis von Pflichtversicherten zu Rentnern. In Deutschland insgesamt kamen am 31. Dezember 2024 auf je eine Rentnerin bzw. einen Rentner 1,74 Pflichtversicherte. In Brandenburg lag dieses Verhältnis bei nur 1,35 — das ist einer der niedrigsten Werte bundesweit, gleichauf mit Sachsen und deutlich unter Hamburg (2,40) oder Bayern (2,00). Mit 1.023.308 Pflichtversicherten standen in Brandenburg 759.137 Rentnerinnen und Rentner gegenüber.
Diese demografische Schieflage hat direkte Auswirkungen auf die regionale Wirtschaftsstruktur und auf Beschäftigungsverhältnisse im Niedriglohnsektor, die oft nur geringe Rentenansprüche erzeugen. Auch Fragen der staatlichen Förderung und ihrer Kontrolle spielen in diesem Kontext eine Rolle.
Erwerbsminderungsrenten mit Abschlägen
Bundesweit erhielten im Jahr 2025 rund 95,2 Prozent aller neu bewilligten Erwerbsminderungsrenten Abschläge — bei einem durchschnittlichen Abschlag von 129 Euro brutto monatlich. In Brandenburg lagen die Abschläge bei Frauen mit 141 Euro monatlich (9,7 % des Rentenbetrags) sogar über dem Bundesschnitt. Diese Abschläge entstehen, weil Versicherte vor Erreichen der regulären Regelaltersgrenze in Rente gehen müssen — oft unfreiwillig wegen Erkrankung.
Zugleich zeigen die Daten, dass auch nach langen Versicherungsbiografien erhebliche Rentenunterschiede bestehen: In Brandenburg erhalten von den Männern mit 45 oder mehr Versicherungsjahren 62.713 eine Rente von unter 1.446 Euro monatlich (Rentenbestand 31.12.2025); bei Frauen mit mindestens 45 Versicherungsjahren sind es 68.541 von 139.863. Das verdeutlicht, dass lange Erwerbsbiografien allein keine ausreichende Absicherung im Alter garantieren.
Wohngeld und ergänzende Leistungen
Die Zahl der wohngeldberechtigten Rentnerinnen und Rentner in Brandenburg stieg von 10.777 im Jahr 2015 auf 34.209 im Jahr 2024 — ein Anstieg von fast 218 Prozent. Der Anteil an allen Personen ab 65 Jahren lag 2024 bei 5,05 Prozent. Dieser starke Anstieg geht wesentlich auf die Wohngeldreform 2023 zurück, die den Kreis der Anspruchsberechtigten deutlich erweiterte. Bundesweit lag der Anteil 2024 bei 3,73 Prozent; Ostdeutschland liegt mit Werten zwischen 5 und 7,35 Prozent (Mecklenburg-Vorpommern) deutlich über dem westdeutschen Niveau.
Fragen zur staatlichen Kommunikation und Transparenz bei Sozialleistungen sowie zu Entlastungsmaßnahmen für einkommensschwache Haushalte werden im Bundestag parallel behandelt.
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Betroffen sind vor allem Rentnerinnen und Rentner in Brandenburg und anderen ostdeutschen Bundesländern, die aufgrund von Erwerbsbiografien mit Niedriglöhnen, Teilzeitphasen und Zeiten der Arbeitslosigkeit geringe GRV-Renten erhalten. Frauen sind dabei strukturell stärker betroffen als Männer: In Brandenburg bezogen Ende 2025 rund 6.600 Frauen ab Regelaltersgrenze Grundsicherung, gegenüber 6.375 Männern. Bundesweit sind Frauen mit 433.755 Grundsicherungsbeziehenden ab Regelaltersgrenze deutlich häufiger betroffen als Männer mit 330.310.
Die Bundesregierung beantwortet viele Fragen mit Verweis auf ältere Drucksachen (20/12534, 21/1421) sowie auf externe Statistikportale, statt alle Daten direkt zu liefern. Die Fragen 7 und 15 zu länderspezifischen Daten aus dem Alterssicherungsbericht werden mit dem Hinweis beantwortet, Ergebnisse für einzelne Bundesländer lägen nicht vor.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Altersarmut in Brandenburg: 21,3 % Armutsquote bei Frauen ab 65 →
- Armutsrisikoquote (ARQ)
- Statistisches Maß für Einkommensarmut: Anteil der Bevölkerung mit einem Nettoeinkommen unter 60 Prozent des mittleren Einkommens (Median). Liefert keine Aussage über individuelle Bedürftigkeit.
- Grundsicherung im Alter (SGB XII)
- Staatliche Sozialleistung nach dem 4. Kapitel SGB XII für Menschen ab Regelaltersgrenze, die ihren Lebensunterhalt nicht aus eigenen Mitteln bestreiten können.
- Mehrfachrentner
- Personen, die gleichzeitig mehrere Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung beziehen, z.B. eine Altersrente und eine Hinterbliebenenrente.
Wie hoch ist die Armutsquote älterer Frauen in Deutschland?
Laut Vorbemerkung der Fragesteller beträgt die Armutsquote von Frauen ab 65 Jahren 21,3 Prozent, bei Männern 17,3 Prozent (Paritätischer Armutsbericht).
Wie abhängig sind Ostdeutsche von der gesetzlichen Rente?
Laut Alterssicherungsbericht 2024 entfallen in Ostdeutschland 79 Prozent aller Alterseinkommen auf Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung; rund drei Viertel der Rentner erhalten ausschließlich GRV-Leistungen.
Wie viele Menschen ab Regelaltersgrenze beziehen in Deutschland Grundsicherung?
Ende 2025 waren es bundesweit 764.065 Personen, davon 330.310 Männer und 433.755 Frauen (Tabelle 1 zu Frage 10, BT-Drs. 21/7378).
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7378 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.



































































