- 206.600 statt 400.000 Wohnungen: Deutschland verfehlt Bauziel deutlich
- Baupreise für Neubauten stiegen 2026 um 3,3 Prozent gegenüber Vorjahr
- Genehmigungsdauer verlängerte sich von 20 auf 27 Monate seit 2020
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7604 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Der deutsche Wohnungsmarkt leidet seit Jahren unter einem strukturellen Defizit: Das in der vergangenen Wahlperiode formulierte Ziel von 400.000 neuen Wohnungen jährlich wird dauerhaft verfehlt. Nach Daten des Statistischen Bundesamtes wurden 2025 lediglich 206.600 Wohnungen fertiggestellt; zum Jahresende 2025 warteten 760.700 genehmigte, aber noch nicht fertiggestellte Projekte auf ihre Realisierung. Gleichzeitig stiegen die Neubaupreise für konventionell gefertigte Wohngebäude im Februar 2026 um 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen hat in der Vergangenheit auf Potenziale serieller und modularer Bauweisen hingewiesen; mit dem Gebäudetyp-E-Gesetz und dem geplanten Bundesforschungszentrum für klimaneutrales Bauen wurden entsprechende Initiativen auf den Weg gebracht.
- 206.600 — Fertiggestellte Wohnungen in Deutschland im Jahr 2025 (Statistisches Bundesamt, Mai 2026).
- 400.000 — Politisches Jahresziel für Wohnungsfertigstellungen, das 2025 um fast die Hälfte verfehlt wurde.
- 760.700 — Genehmigte, aber noch nicht fertiggestellte Wohnungen zum Jahresende 2025.
- 27 Monate — Durchschnittliche Dauer von Baugenehmigung bis Fertigstellung 2025, gegenüber 20 Monaten im Jahr 2020.
- +3,3 % — Preisanstieg für den Neubau konventioneller Wohngebäude im Februar 2026 gegenüber Februar 2025.
Im Detail
Der Wohnungsbau in Deutschland bleibt deutlich hinter dem in der vergangenen Wahlperiode formulierten Ziel von 400 000 neuen Wohnungen jährlich zurück.
— Vorbemerkung der Fragesteller, BT-Drs. 21/7604
Nur 206.600 Wohnungen wurden 2025 in Deutschland fertiggestellt — weniger als die Hälfte des politischen Ziels von 400.000 Einheiten pro Jahr. Gleichzeitig warteten zum Jahresende 760.700 genehmigte Projekte auf ihre Realisierung, und die Dauer zwischen Baugenehmigung und Fertigstellung hat sich seit 2020 von 20 auf 27 Monate verlängert. Vor diesem Hintergrund richtet die AfD-Fraktion mit der Kleinen Anfrage BT-Drs. 21/7604 vom 17. August 2026 zwölf Fragen an die Bundesregierung — im Kern geht es darum, ob serielles Bauen, robotergestützte Fertigung und neue Werkstoffe den Wohnungsbau in Deutschland grundlegend günstiger und schneller machen können.
Serielles Bauen: Was ist das Potenzial?
Unter seriellem und modularem Bauen versteht man die industrielle Vorfertigung standardisierter Gebäudeteile oder ganzer Wohnmodule in der Fabrik, die anschließend auf der Baustelle montiert werden. Das Prinzip ist vergleichbar mit der Automobilproduktion: Durch Wiederholung, Automatisierung und digitale Planung sollen Bauzeit und Kosten sinken. Das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen hatte bereits im Oktober 2023 auf entsprechende Potenziale hingewiesen. Die AfD-Fraktion fragt nun konkret, welche belastbaren Erkenntnisse die Bundesregierung dazu besitzt und wie sich serielle Vorfertigung im Kostenvergleich zum konventionellen Wohnungsbau schlägt.
Wohnbaukosten: 3,3 Prozent Anstieg binnen Jahresfrist
Die Baupreise für konventionell gefertigte Wohngebäude stiegen im Februar 2026 um 3,3 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Für Haushalte mit mittleren Einkommen bedeutet das: Wohneigentum rückt weiter in die Ferne, und auch die Mieten in Ballungsräumen bleiben unter Druck. Die Anfrage richtet sich deshalb auch auf konkrete Maßnahmen der Bundesregierung seit 2021, die Wohnbaukosten zu senken — und fragt, ob diese Maßnahmen mit quantifizierten Entlastungszielen verknüpft sind.
Innovative Werkstoffe und Hindernisse
Ein besonderes Augenmerk legt die Anfrage auf sogenannte Hochleistungswerkstoffe wie ultrahochfesten Beton und Textilbeton sowie auf Leichtbau-, Waben- und Sandwichkonstruktionen. Diese Materialien ermöglichen es, mit weniger Material dieselbe Tragfähigkeit zu erreichen — was Kosten und Ressourcen schonen kann. Die AfD-Fraktion erkundigt sich, ob seit 2020 Forschungsanträge zu diesen Themen im Rahmen von Bundesprogrammen — insbesondere dem Innovationsprogramm Zukunft Bau — abgelehnt wurden, und wenn ja, aus welchen Gründen. Außerdem fragt sie nach technischen, bauordnungsrechtlichen und haftungsrechtlichen Hindernissen für den breiten Einsatz dieser Werkstoffe im mehrgeschossigen Wohnungsbau.
Was gilt aktuell?
Mit dem Gebäudetyp-E-Gesetz hat Deutschland einen vereinfachten Baustandard eingeführt, der Abweichungen von technischen Normen erlaubt und damit kostengünstigeres Bauen ermöglichen soll. Die Anfrage erkundigt sich, wie viele Projekte seit Inkrafttreten dieses Gesetzes tatsächlich nach Gebäudetyp E realisiert wurden. Daneben ist ein Bundesforschungszentrum für klimaneutrales und ressourcenschonendes Bauen in Planung. Bisher fehlt ein vollständiger Überblick, wie die Fördermittel der Bauforschung seit 2020 auf die verschiedenen Themenfelder — von Holzbau über Energieeffizienz bis zu Baukostensenkung — verteilt wurden.
Wohneigentumsquote im europäischen Vergleich
Deutschland zählt innerhalb der EU zu den Ländern mit der niedrigsten Wohneigentumsquote. Die Anfrage greift diesen Befund auf und fragt, über welche Vergleichsdaten die Bundesregierung verfügt und welche konkreten Schritte sie plant, um Wohneigentum durch kostensenkende Bauweisen, schnellere Genehmigungen und einfachere Standards zu fördern. Im Zusammenhang mit dem anhaltenden Wohnungsbaudefizit ist auch der Blick auf Fragen zur öffentlichen Förderarchitektur relevant — etwa ob staatliche Subventionen durch Produktivitätsgewinne beim Bauen teilweise ersetzt werden könnten.
Die Bundesregierung soll auch darlegen, nach welchen Kriterien in Förderprogrammen Bauwerkskosten je Quadratmeter Wohnfläche, Vorfertigungsgrad und Montageeffizienz berücksichtigt werden. Bisher sind diese Kenngrößen in der deutschen Bauförderung nicht systematisch als Vergabekriterium verankert — ein Befund, den die Fragesteller als Hemmnis für mehr Innovationsdynamik werten.
Die Antwort der Bundesregierung auf BT-Drs. 21/7604 steht noch aus. Sie wird zeigen, in welchem Umfang die Bundesregierung systematische Daten zur Kostenwirkung innovativer Bauweisen erhoben hat und ob konkrete politische Schlussfolgerungen gezogen werden.
Weiterlesen:
Betroffen sind vor allem Haushalte mit mittleren Einkommen, die sich Wohneigentum kaum noch leisten können, sowie Mieter in angespannten Wohnungsmärkten. Auch die Baubranche selbst — von Architektur- und Planungsbüros über Fertigteilhersteller bis zu Forschungseinrichtungen — ist direkt berührt, da Förderprogramme und Zulassungsregeln den Einsatz innovativer Bauweisen maßgeblich beeinflussen.
Die Kleine Anfrage (BT-Drs. 21/7604) ist am 17. August 2026 beim Deutschen Bundestag eingegangen und wird dem Bundeskanzleramt zur Beantwortung zugeleitet. Die Bundesregierung soll die zwölf Fragen grundsätzlich innerhalb von 14 Tagen nach Zuleitung an das Bundeskanzleramt schriftlich beantworten.
- Serielles Bauen
- Industrielle Vorfertigung standardisierter Gebäudemodule in der Fabrik, die auf der Baustelle zügig montiert werden — zielt auf kürzere Bauzeiten und geringere Kosten.
- Gebäudetyp E
- Ein vereinfachter Baustandard, der Abweichungen von technischen Normen ermöglicht, um kostengünstiger bauen zu können; in Deutschland gesetzlich verankert.
- Innovationsprogramm Zukunft Bau
- Bundesförderprogramm zur Unterstützung von Forschungs- und Demonstrationsvorhaben im Bauwesen, insbesondere zu energieeffizientem und innovativem Bauen.
Wie viele Wohnungen wurden 2025 in Deutschland fertiggestellt?
Laut Statistischem Bundesamt wurden 2025 in Deutschland 206.600 Wohnungen fertiggestellt — weit unter dem politischen Ziel von 400.000 pro Jahr.
Was ist serielles Bauen?
Serielles Bauen bezeichnet die industrielle Vorfertigung von Gebäudeteilen oder ganzen Wohneinheiten in Fabriken, die anschließend schnell auf der Baustelle montiert werden — ähnlich wie bei der Automobilproduktion.
Was ist der Gebäudetyp E?
Der Gebäudetyp E ist ein vereinfachter Baustandard, der Abweichungen von technischen Normen erlaubt, um kostengünstiger bauen zu können — das zugehörige Gesetz ist in Deutschland in Kraft getreten.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7604 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
































































