- 19 Fragen zu Bundeswehr-Auftritten an Schulen und im öffentlichen Raum Q4 2026
- Werbebudget der Bundeswehr für 2026 wird abgefragt
- Jugendoffiziere besuchen laut Linke gezielt Minderjährige in Schulklassen
Hintergrund
Die Bundeswehr steht vor erheblichen Herausforderungen bei der Nachwuchsgewinnung. Seit der Aussetzung der Wehrpflicht und mit den neuen Rekrutierungszielen des Wehrdienstmodernisierungsgesetzes verstärkt die Bundeswehr ihre Öffentlichkeitspräsenz in Bildungseinrichtungen und im öffentlichen Raum. Die Fraktion Die Linke begleitet diese Entwicklung seit mehreren Wahlperioden durch regelmäßige Kleine Anfragen und bezieht sich in der aktuellen Anfrage ausdrücklich auf vorangegangene Drucksachen (21/6303 vom 27. Mai 2026 sowie 21/6635). Laut einer vom Bundesverteidigungsministerium veröffentlichten Statistik steigt die Zahl minderjähriger Rekruten in der Bundeswehr von Jahr zu Jahr, wie Die Zeit im Februar 2026 berichtete.
Im Detail
Die immer massiver werdende Präsenz der Bundeswehr in Schulen dient aus Sicht der Fragestellerinnen und Fragesteller der gezielten „Normalisierung“ von Krieg und Militär in der Gesellschaft, insbesondere gegenüber Kindern, Jugendlichen und Lehrkräften sowie Schulleitungen.
— Vorbemerkung der Fragesteller, BT-Drs. 21/8689
Die Nachwuchsgewinnung der Bundeswehr ist ein dauerhafter politischer Streitpunkt. Mit der Kleinen Anfrage BT-Drs. 21/8689 vom 19. Oktober 2026 stellt die Fraktion Die Linke der Bundesregierung 19 Einzelfragen zu sämtlichen geplanten öffentlichen Auftritten der Bundeswehr im vierten Quartal 2026. Das Spektrum reicht von Jugendoffizieren in Schulklassen über Pop-up-Stores in Einkaufszentren bis hin zur Werbung auf Fahrzeugen des öffentlichen Personennahverkehrs.
Bundeswehr-Werbung: Was die Anfrage im Einzelnen umfasst
Die Fragesteller, geführt von Heidi Reichinnek und Sören Pellmann, erfragen detaillierte Terminlisten zu Messe- und Ausstellungsbeteiligungen, Auftritten bei Sportveranstaltungen, Terminen des KarriereTreffs Bundeswehr sowie Schulbesuchen durch Karriereberater und Jugendoffiziere. Auch POL&IS-Planspiele, Truppenbesuche durch Schulklassen, Gelöbnisse und Zapfenstreiche außerhalb militärischer Liegenschaften sowie Auftritte der Musikkorps sind Gegenstand der Fragen. Jeweils sollen die Angaben nach Bundesland, Ort mit Postleitzahl und Zeitraum aufgeschlüsselt werden.
Besonderes Augenmerk legt Die Linke auf die Werbepräsenz im öffentlichen Raum: Frage 14 erkundigt sich, auf wie vielen Standorten und ÖPNV-Fahrzeugen bundesweit seit dem 1. Januar 2026 Bundeswehr-Werbung geschaltet wurde. Frage 13 zielt auf das Gesamtwerbebudget der Bundeswehr für das Jahr 2026. Fragen 16 und 17 betreffen die sogenannten Pop-up-Stores — ladenähnliche Einrichtungen in Shopping Malls und Einkaufsstraßen — und die dort eingesetzten Karriereberater.
Minderjährige als Zielgruppe: Kernkritik der Fragesteller
Aus Sicht der Fragesteller dienen Jugendoffiziere, die gezielt Minderjährige in Schulklassen aufsuchen, nicht primär der politischen Bildung, sondern der Vorbereitung einer Rekrutierung. Sie verweisen darauf, dass die Zahl minderjähriger Rekruten in der Bundeswehr laut Medienberichten von Jahr zu Jahr ansteigt. Hintergrund ist laut Fraktion der Rekrutierungsdruck, der sowohl durch die Aussetzung der Wehrpflicht als auch durch neue Rekrutierungsziele im Rahmen des Wehrdienstmodernisierungsgesetzes entstanden sei. Diese Einschätzung ist die Position der Fragesteller und nicht als objektiver Befund zu werten.
Die Anfrage ist ausdrücklich als Fortsetzung einer regelmäßigen parlamentarischen Kontrolle konzipiert. Frage 1 verweist auf die vorangegangenen Drucksachen 21/6303 vom 27. Mai 2026 und 21/6635 und fragt nach Terminen, die in der jeweils vorherigen Antwort noch nicht erfasst waren. Die Fraktion kritisiert zudem, dass die Bundesregierung bei früheren Anfragen auf den jährlichen Jahresbericht über den Einsatz der Jugendoffiziere verwiesen hatte, und besteht auf einer vorausschauenden Transparenz über konkrete Termine.
Bundeswehr-Präsenz an Schulen: aktueller Stand der Debatte
Fragen 18 und 19 verlangen eine Gesamtbilanz für das laufende Jahr: Wie viele öffentliche Bundeswehrauftritte haben an Schulen und Hochschulen stattgefunden, wie viele sind noch geplant, wie viele Schülerinnen, Schüler und Studierende wurden jeweils erreicht? Diese Zahlen sind bislang nicht veröffentlicht; die Bundesregierung muss sie in ihrer Antwort liefern. Ähnliche Anfragen aus früheren Wahlperioden — etwa BT-Drs. 20/6227 und 20/7261 — hatten gezeigt, dass die Bundesregierung Jugendoffizier-Termine in der Regel erst nach ihrer Durchführung dezentral erfasst, was Die Linke als unzureichend bewertet.
Die Debatte um die Bundeswehr-Werbung an Schulen berührt grundsätzliche Fragen des Bildungsauftrags: Schulgesetze der Bundesländer verpflichten Schulen zur Erziehung zur friedlichen Konfliktbewältigung und zur eigenverantwortlichen Urteilsfindung. Ob militärische Auftritte damit vereinbar sind, ist zwischen Befürwortern einer sicherheitspolitischen Grundbildung und Kritikern einer militärischen Einflussnahme auf Bildungseinrichtungen umstritten.
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Unmittelbar betroffen sind Schülerinnen und Schüler sowie Studierende, die in Bildungseinrichtungen mit Bundeswehr-Auftritten konfrontiert werden. Darüber hinaus betrifft die Frage nach dem Werbebudget und der ÖPNV-Werbung alle Steuerzahlerinnen und Steuerzahler sowie die Nutzerinnen und Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs bundesweit.
Die Anfrage wurde am 19. Oktober 2026 als Drucksache 21/8689 veröffentlicht. Die Antwort der Bundesregierung steht noch aus; nach Zuleitung an das Bundeskanzleramt ist grundsätzlich eine Beantwortung innerhalb von 14 Tagen vorgesehen. Das genaue Zuleitungsdatum ist der Drucksache nicht zu entnehmen.
- Jugendoffizier
- Speziell ausgebildeter Bundeswehroffizier, der in Schulen und Hochschulen über Sicherheitspolitik informiert und dabei als Ansprechpartner für sicherheitspolitische Bildung fungiert.
- POL&IS
- Politik & Internationale Sicherheit — ein Planspiel der Bundeswehr, das in Schulen und auf Liegenschaften durchgeführt wird und internationale Krisen simuliert.
- KarriereCenter Bundeswehr
- Bundeswehreigene Beratungsstellen, die an verschiedenen Standorten Informationen zu militärischen und zivilen Berufsfeldern der Bundeswehr anbieten, teilweise in öffentlich zugänglichen Räumen.
Was fragt Die Linke konkret in dieser Anfrage?
Die Fraktion stellt 19 Einzelfragen zu geplanten Bundeswehr-Auftritten im Q4 2026: darunter Schulbesuche durch Jugendoffiziere und Karriereberater, Messebeteiligungen, Sportveranstaltungen, Pop-up-Stores in Einkaufszentren, ÖPNV-Werbung, Gelöbnisse und das Werbebudget für 2026.
Was sind Jugendoffiziere der Bundeswehr?
Jugendoffiziere sind speziell ausgebildete Bundeswehrsoldaten, die in Schulen und an Hochschulen über sicherheitspolitische Themen referieren. Die Linke sieht in ihren Auftritten primär ein Rekrutierungsinstrument.
Wann muss die Bundesregierung antworten?
Für Kleine Anfragen sieht die Geschäftsordnung des Bundestages grundsätzlich eine Beantwortung innerhalb von 14 Tagen nach Zuleitung an das Bundeskanzleramt vor. Das genaue Zuleitungsdatum ist der vorliegenden Drucksache nicht zu entnehmen.
Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8689 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.




































































