Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7969 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
- 46.499 Schutzgewährungen im ersten Halbjahr 2026 – bereinigte Quote 47,4 %
- Afghanistan höchste Schutzquote mit 89,3 % (bereinigt), Eritrea 90,6 %
- 196.870 Asylverfahren insgesamt bei Gerichten anhängig
Hintergrund iDieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/7969 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
Die Linksfraktion erhebt seit Jahren regelmäßig ergänzende Daten zur offiziellen BAMF-Asylstatistik, weil die vom BAMF veröffentlichte Gesamtschutzquote formelle Ablehnungen einschließt, die keine inhaltliche Bewertung des Schutzgesuchs enthalten. Die bereinigte Schutzquote war 2022 noch bei 72,3 Prozent, sank 2024 auf 59,3 Prozent und betrug 2025 nur noch 37,5 Prozent – letzteres maßgeblich bedingt durch den Entscheidungsstopp zu syrischen Asylsuchenden ab Dezember 2024. Im Juni 2026 trat die Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) in Kraft, die neue Rechtsgrundlagen für Asylverfahren in der EU schafft.
- 46.499 — Schutzgewährungen insgesamt im ersten Halbjahr 2026 (Gesamtschutzquote 38,7 %, bereinigt 47,4 %)
- 40.271 — Asylgesuche beim BAMF im ersten Halbjahr 2026; häufigste Herkunftsländer Afghanistan (10.599), Syrien (4.810) und Türkei (3.373)
- 90,6 % — bereinigte Schutzquote für Asylsuchende aus Eritrea (höchster Wert aller Herkunftsländer); Afghanistan 89,3 %, Somalia 82,0 %
- 196.870 — Asylverfahren bei deutschen Verwaltungsgerichten anhängig (Stand 15. August 2026)
- 6,67 Mio. Euro — Kosten verlorener Asylgerichtsverfahren für das BAMF im ersten Halbjahr 2026
Im Detail
Vorsorglich wird darauf hingewiesen, dass durch Heranziehen der erfragten sog. bereinigten Gesamtschutzquote etwaige Bleibeperspektiven von Staatsangehörigen der unten genannten Staaten nicht hergeleitet oder begründet werden können, da die formellen Ablehnungen von Asylanträgen bei einer derartigen Quotenberechnung nicht berücksichtigt werden.
— Antwort der Bundesregierung, BT-Drs. 21/7969, Seite 4
Im ersten Halbjahr 2026 hat das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) insgesamt 46.499 Schutzstatus gewährt. Das entspricht einer Gesamtschutzquote von 38,7 Prozent aller Entscheidungen. Bereinigt man die Statistik um formelle Erledigungen – also Fälle, in denen das BAMF gar keine inhaltliche Prüfung vorgenommen hat – steigt die Anerkennungsquote auf 47,4 Prozent. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke hervor, die als BT-Drs. 21/7969 am 8. September 2026 veröffentlicht wurde.
Asylstatistik: Schutzquoten stark nach Herkunftsland
Die bereinigte Schutzquote variiert je nach Herkunftsland erheblich. Für Asylsuchende aus Eritrea lag sie bei 90,6 Prozent, für Afghanistan bei 89,3 Prozent und für Somalia bei 82,0 Prozent. Am anderen Ende der Skala stehen Georgien (2,1 %), Algerien (1,8 %) und Vietnam (0,6 %). Syrische Asylsuchende kamen auf eine bereinigte Quote von 23,4 Prozent – ein Wert, der im Zusammenhang mit dem Entscheidungsstopp des BAMF zu Syrien ab Dezember 2024 und den daraus resultierenden Nachentscheidungen steht. Von den insgesamt 46.499 Schutzgewährungen entfielen 32.750 auf Flüchtlingsschutz nach der Genfer Flüchtlingskonvention, 7.511 auf Abschiebungsverbote und 3.199 auf subsidiären Schutz.
Asylanträge und Gesuche im ersten Halbjahr 2026
Das BAMF registrierte im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 40.271 Asylgesuche. Die häufigsten Herkunftsländer waren Afghanistan (10.599), Syrien (4.810) und die Türkei (3.373). Von den 56.547 gestellten Asylanträgen waren 39.646 Erstanträge; 46,7 Prozent davon stellten Kinder unter 18 Jahren. 6.962 Erstantragsteller waren sogenannte Nachgeborene – in Deutschland geborene Kinder unter einem Jahr. In der öffentlichen Debatte dominiert häufig das Bild junger Männer; tatsächlich betrafen laut Drucksache 85,5 Prozent aller Asylanträge des Jahres 2025 erwachsene Frauen oder Kinder.
Gerichtsverfahren und Klagequoten
Zum Stand 15. August 2026 waren bundesweit 196.870 Asylverfahren bei Verwaltungsgerichten anhängig. Im ersten Halbjahr 2026 wurden 57.981 neue Klagen gegen BAMF-Entscheidungen eingereicht. Von den insgesamt 73.690 ablehnenden BAMF-Bescheiden im selben Zeitraum wurden 72,8 Prozent beklagt. Bei iranischen Asylsuchenden war die Klagequote auf ablehnende Bescheide besonders hoch (76,0 %). Die Kosten, die dem BAMF durch verlorene Gerichtsverfahren im ersten Halbjahr 2026 entstanden, beliefen sich auf 6.678.414 Euro. Die höchsten Einzelbeträge entfielen auf Afghanistan (1,25 Mio. Euro), Syrien (1,01 Mio. Euro) und die Türkei (809.000 Euro).
Familienschutz auf Rekordhoch
Im ersten Halbjahr 2026 basieren 45,6 Prozent aller Schutzgewährungen auf dem sogenannten Familienschutz – der höchste Anteil seit Beginn der Datenreihe im Jahr 2015. Darunter waren 18.720 Fälle von Familienflüchtlingsschutz. Besonders hoch war der Familienschutzanteil bei Asylsuchenden aus Afghanistan: Von insgesamt 25.923 gewährten Flüchtlingsschutzstatus entfielen 14.974 auf Familienschutz. Die Bundesregierung erklärt auf Nachfrage, sie könne keine Prognose über die künftige Entwicklung der Schutzquoten treffen, da diese von der Lage in den Herkunftsländern abhänge.
Handyauslesungen und Strafanzeigen spielen kaum eine Rolle
Das ressourcenintensive Auslesen mobiler Datenträger von Asylsuchenden spielt im BAMF weiterhin eine marginale Rolle: Im ersten Halbjahr 2026 wurden 853 Datenträger ausgelesen, von denen 263 Berichte ausgewertet wurden – das entspricht 3,5 Prozent der Erstantragsteller ohne Identitätsnachweis. Die seit Februar 2024 geltende Strafvorschrift für falsche Angaben im Asylverfahren (§ 85 Absatz 2 AsylG) wurde bis zum Berichtszeitraum ebenfalls kaum angewandt: Laut Drucksache gab es seit Inkrafttreten der Regelung insgesamt nur drei Strafanzeigen durch das BAMF, ohne Veränderungen gegenüber dem Vorquartal.
Unbegleitete Minderjährige und Grenzkontrollen
Im ersten Halbjahr 2026 wurden insgesamt 1.538 unbegleitete Minderjährige unerlaubt einreisend registriert. Davon wurden 324 an Jugendämter übergeben, 234 zurückgewiesen. Im selben Zeitraum ergingen 1.242 Ablehnungen gegenüber unbegleiteten Minderjährigen; eine Abschiebungsanordnung erfolgte in keinem einzigen Fall.
Die Daten aus BT-Drs. 21/7969 sind Teil einer langjährigen Datenreihe zur Lage schutzbedürftiger Personen in Deutschland. Thematisch verwandt sind auch Fragen zur sozialen Absicherung vulnerable Gruppen.
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Direkt betroffen sind Asylsuchende in Deutschland, ihre Familien sowie Behörden, Gerichte und Sozialeinrichtungen, die mit dem Asylsystem befasst sind. Im ersten Halbjahr 2026 waren 46,7 Prozent aller Asylerstantragsteller Kinder unter 18 Jahren; 6.962 Erstanträge betrafen in Deutschland geborene Säuglinge.
Die Bundesregierung hat die überwiegende Mehrzahl der Fragen vollständig beantwortet und dabei umfangreiche Tabellen geliefert. Bei einzelnen Folgefragen zu § 85 AsylG (Strafanzeigen) wurde auf frühere Antworten verwiesen, ohne neue Zahlen zu nennen; die Frage nach BAMF-Prognosen zum Wegfall des Familienschutzes wurde mit Verweis auf die Unvorhersehbarkeit der Lageentwicklung in Herkunftsländern offen gelassen.
Hinweis: Dieser Artikel beschreibt den Stand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung. Die Anfrage wurde mittlerweile beantwortet. Asylstatistik H1 2026: Bereinigte Schutzquote im Fokus →
- Bereinigte Schutzquote
- Anteil positiver BAMF-Entscheidungen, berechnet nur auf Basis inhaltlicher Prüfungen – ohne formelle Erledigungen wie Dublin-Verfahren oder Antragsrücknahmen.
- Familienschutz
- Schutzstatus, der Familienangehörigen bereits anerkannter Flüchtlinge oder Schutzberechtigter abgeleitet gewährt wird, ohne eigene Verfolgungsprüfung.
- GEAS
- Gemeinsames Europäisches Asylsystem – EU-Rechtsrahmen für Asylverfahren, dessen Reform am 12. Juni 2026 in Kraft trat.
Wie hoch war die Schutzquote des BAMF im ersten Halbjahr 2026?
Die Gesamtschutzquote lag bei 38,7 Prozent, bereinigt um formelle Entscheidungen (die keine inhaltliche Prüfung enthalten) bei 47,4 Prozent.
Welche Herkunftsländer hatten die höchsten Schutzquoten?
Eritrea (bereinigte Quote 90,6 %), Afghanistan (89,3 %) und Somalia (82,0 %) lagen an der Spitze. Georgien hatte mit 2,1 % die niedrigste bereinigte Quote.
Wie viele Asylgesuche wurden im ersten Halbjahr 2026 registriert?
Das BAMF registrierte insgesamt 40.271 Asylgesuche, davon 10.599 aus Afghanistan, 4.810 aus Syrien und 3.373 aus der Türkei.

































































