Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/8054 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.
- 2,4 Mrd. Euro Bundesförderung für Fusionsenergie bis 2029 geplant
- Drei Fusionshubs VEGA, STRIDE und MAT-TRIX mit je 125 Mio. Euro Startfinanzierung
- Herkunft der Mittel aus Klimafonds und Sondervermögen ist strittig
Hintergrund
Mit dem Aktionsplan „Deutschland auf dem Weg zum Fusionskraftwerk“ und der Hightech Agenda Deutschland hat die Bundesregierung Fusionsenergie zum technologiepolitischen Schwerpunkt erklärt. Am 29. Juli 2026 stellte Bundesministerin Dorothee Bär (Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt) die drei ausgewählten Fusionshubs vor. Für die erste Förderphase stellt der Bund 125 Millionen Euro bereit; das Gesamtprogramm soll bis 2029 in sechs Ausbaustufen auf insgesamt rund 2,4 Milliarden Euro anwachsen. Zusätzlich beteiligt sich Deutschland am europäischen IPCEI „Innovative Kerntechnologien“ und plant ein Meilensteinprogramm der Bundesagentur für Sprunginnovationen (SPRIND).
- 2,4 Mrd. Euro — Gesamtbudget des Aktionsplans Fusion der Bundesregierung bis 2029
- 125 Mio. Euro — Bundesmittel für die erste Förderphase der drei Fusionshubs
- 3 Hubs — VEGA (Laserfusion), STRIDE (Magnetfusion/Stellarator), MAT-TRIX (Materialien/Brennstoffkreisläufe)
- 34 Partner — Laut Bundesministerin Bär beteiligte Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen in den Konsortien
- 6 Ausbaustufen — geplante Erweiterungsschritte des Fusionshub-Programms bis 2029
Im Detail
„fusionsrelevante Wertschöpfungsketten zu stärken, Forschungs- und Fertigungskapazitäten aufzubauen und damit den Weg zu einem ersten Fusionskraftwerk in Deutschland zu beschleunigen.“
— Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt, Hintergrundpapier Fusionshubs, zitiert in BT-Drs. 21/8054
Deutschland will das weltweit erste Demonstrations-Fusionskraftwerk bauen — und investiert dafür bis 2029 rund 2,4 Milliarden Euro in Forschung, Infrastruktur und industrielle Wertschöpfungsketten. Am 29. Juli 2026 gab das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt die Auswahl von drei sogenannten Fusionshubs bekannt, die dieses Ziel beschleunigen sollen. Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen stellt mit der Drucksache 21/8054 vom 18. September 2026 insgesamt 43 Fragen zu Finanzierung, Governance und Transparenz dieser Maßnahmen.
Die drei Fusionshubs im Überblick
Für die erste Förderphase stellt der Bund 125 Millionen Euro bereit. Die drei ausgewählten Hubs decken unterschiedliche technologische Felder ab: Hub VEGA konzentriert sich auf Laserfusion, Hub STRIDE auf Magnetfusion mit Schwerpunkt Stellarator und Hub MAT-TRIX auf Brennstoffkreisläufe und Materialentwicklung. Insgesamt sind laut Bundesministerin Dorothee Bär 34 Partner aus Unternehmen, Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen in den Konsortien vertreten. Das Programm ist auf sechs Ausbaustufen bis 2029 ausgelegt. Ziel ist es, nach eigenen Angaben der Bundesregierung, „fusionsrelevante Wertschöpfungsketten zu stärken, Forschungs- und Fertigungskapazitäten aufzubauen und damit den Weg zu einem ersten Fusionskraftwerk in Deutschland zu beschleunigen.“
Fusionshubs: Offene Fragen zur Mittelherkunft
Ein zentraler Kritikpunkt der anfragenden Abgeordneten betrifft die Herkunft der Fördermittel. Die Anfrage erkundigt sich explizit, in welcher Höhe Mittel aus dem Klima- und Transformationsfonds (KTF) sowie aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität für den Aktionsplan Fusion eingesetzt werden sollen. Beide Töpfe sind eigentlich an Klimaziele gebunden. Die Fraktion fragt daher, wie die Bundesregierung die Verwendung dieser Mittel für Fusionsforschung begründet, obwohl die Technologie voraussichtlich keinen kurzfristigen Beitrag zur Erreichung der Klimaziele leistet. Außerdem soll die Regierung aufschlüsseln, in welchem Umfang die genannten 2,4 Milliarden Euro bereits fest eingeplant, lediglich angemeldet oder nur angekündigt sind.
Governance, Meilensteine und Proliferationsrisiken
Neben der Finanzierung thematisiert die Drucksache die institutionelle Ausgestaltung der Fusionshubs. Die Fragesteller wollen wissen, welche Governance-Strukturen in den Konsortien etabliert werden, wie die Hubs wissenschaftlich evaluiert werden und ob Evaluierungsergebnisse öffentlich zugänglich gemacht werden. Besonderes Gewicht legt die Anfrage auf die Frage nach verbindlichen Abbruchkriterien: Welche Meilensteine müssen die Hubs erreichen, damit die Förderung in weiteren Runden fortgeführt wird? Darüber hinaus fragt die Fraktion nach der Forschung zu Proliferationsrisiken — also der Gefahr, dass fusionsrelevante Technologien für militärische Zwecke missbraucht werden könnten — sowie nach Regelungen für radioaktive Abfälle und dem Verursacherprinzip im Atomrecht. Auch Fragen zu Patenten und geistigem Eigentum aus öffentlich geförderter Forschung sind Teil der Anfrage.
Europäische Einbettung: IPCEI und Synergien
Die Bundesregierung plant neben den Fusionshubs auch eine Beteiligung am europäischen IPCEI „Innovative Kerntechnologien“ sowie ein Meilensteinprogramm der SPRIND. Die Kleine Anfrage hinterfragt, welche konkreten Schnittstellen zwischen diesen Programmen bestehen und wie Doppelförderungen vermieden werden sollen. Die Fragesteller wollen zudem erfahren, welche deutschen und europäischen Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen in mögliche IPCEI-Projekte eingebunden werden könnten und welche Gespräche die Bundesregierung hierzu bereits mit der Europäischen Kommission führt. Für eine breite technologiepolitische Einordnung verweist die Drucksache auf die umfangreiche Förderpraxis des Bundes im Bereich Zuwendungen.
Fachkräfte und Industrialisierung
Ein weiterer Fragenkomplex befasst sich mit dem Fachkräftebedarf. Die Abgeordneten fragen, wie hoch die Bundesregierung den zusätzlichen Bedarf in Plasmaphysik, Lasertechnologie, Materialwissenschaften und Ingenieurwissenschaften einschätzt und welche konkreten Maßnahmen zur Deckung dieses Bedarfs geplant sind. Auch Ausgründungen aus Hochschulen und die Mobilisierung privater Investitionen durch die Hubs sind Gegenstand der Anfrage. Schließlich erkundigt sich die Fraktion, bis wann die Bundesregierung mit skalierbaren Wertschöpfungsketten und einer kommerziellen Nutzung von Fusionstechnologien rechnet. Zum weiteren Kontext der deutschen Energieforschungsförderung ist auch der Beitrag über den Klimawandel und seine Auswirkungen auf die Energieversorgung lesenswert.
Weiterlesen:
- Bundesbehörden: Mietausgaben auf 630 Mio. Euro gestiegen
- Oberschlesisches Landesmuseum: 870.000 Euro Bundesförderung
Unmittelbar betroffen sind Hochschulen, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und private Unternehmen, die als Partner in den 34 Konsortien der drei Hubs eingebunden sind. Mittelbar betreffen die Finanzierungsfragen alle Steuerzahlerinnen und Steuerzahler, da die Mittel teilweise aus zweckgebundenen Klimafonds stammen. Fachkräfte in Plasmaphysik, Lasertechnologie und Materialwissenschaften sind als potenzielle Nutznießer neuer Qualifizierungsangebote betroffen.
Die Kleine Anfrage (BT-Drs. 21/8054) ist am 18. September 2026 beim Bundestag eingegangen und wurde an das Bundeskanzleramt zugeleitet. Die Bundesregierung hat grundsätzlich 14 Tage nach Zuleitung an das Bundeskanzleramt Zeit zu antworten. Die Antwort steht noch aus.
- Fusionshub
- Vom Bund gefördertes Konsortium aus Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen, das Forschungs- und Industriekapazitäten für Fusionsenergie bündeln soll.
- IPCEI
- Important Project of Common European Interest — ein EU-Instrument, das staatliche Beihilfen für strategisch bedeutsame Technologieprojekte mehrerer Mitgliedstaaten erlaubt.
- SPRIND
- Bundesagentur für Sprunginnovationen, die mit einem Meilensteinprogramm risikoreiche, aber potenziell transformative Technologieprojekte fördert.
Was sind die drei Fusionshubs?
Hub VEGA konzentriert sich auf Laserfusion, Hub STRIDE auf Magnetfusion mit Stellarator-Schwerpunkt und Hub MAT-TRIX auf Brennstoffkreisläufe und Materialentwicklung.
Woher stammen die 2,4 Milliarden Euro?
Die genaue Zusammensetzung ist Gegenstand der Anfrage. Laut Drucksache sollen Mittel aus dem Klima- und Transformationsfonds sowie dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität fließen.
Was ist das IPCEI Innovative Kerntechnologien?
Ein europäisches Gemeinschaftsprojekt (Important Project of Common European Interest), an dem Deutschland sich im Bereich Kerntechnologien beteiligt und das mit den Fusionshubs verknüpft werden soll.

































































