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Home Themen Wirtschaft & Finanzen

Immobiliensteuer: Grüne wollen Spekulationsfrist abschaffen

durch Redaktion Bundestag
24. Juni 2026
in Wirtschaft & Finanzen
2
Illustration: Bundestagsdrucksache 21/6637

KI-generiertes Titelbild zur Bundestagsdrucksache 21/6637

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VerfahrensstandGesetzentwurf
Im Ausschuss
✓
Gesetzesinitiative
Eingebracht von der Bundesregierung, dem Bundesrat oder aus der Mitte des Bundestages (mind. 1 Fraktion oder 5 % der Abgeordneten).
Drs. 21/6637
✓
Erste Lesung
Vorstellung im Plenum; der Entwurf wird meist zur Beratung an zuständige Ausschüsse überwiesen.
3
Ausschussberatungen
Fachausschüsse prüfen den Entwurf, hören Sachverständige an und können Änderungen vorschlagen.
10.07.2026
4
Zweite Lesung
Erneute Plenarberatung und Abstimmung über Änderungsanträge.
⋮ 5 weitere Schritte anzeigen
5
Dritte Lesung & Schlussabstimmung
Endgültige Abstimmung im Bundestag. Bei Annahme gilt das Gesetz als beschlossen.
6
Bundesrat
Zustimmungsgesetze erfordern Bundesratsmehrheit; bei Einspruchsgesetzen kann der Bundesrat Einspruch einlegen.
?
Vermittlungsausschuss (falls nötig)
Bei Uneinigkeit sucht ein gemeinsamer Ausschuss einen Kompromiss zwischen Bundestag und Bundesrat.
8
Ausfertigung
Unterzeichnung durch den Bundespräsidenten nach Gegenzeichnung durch die zuständigen Minister.
9
Verkündung im Bundesgesetzblatt
Offizielle Veröffentlichung — erst damit wird das Gesetz rechtlich verbindlich bekannt gemacht.
10
Inkrafttreten
Zum gesetzlich genannten Zeitpunkt; ohne Regelung am 14. Tag nach der Verkündung.
Vorgang VO336482 →

📄 Quelle: Deutscher Bundestag / DIP — BT-Drs. 21/6637 | Gesetzentwurf | Original-PDF | dip.bundestag.de

Dieser Beitrag bezieht sich auf BT-Drs. 21/6637 und gibt den Inhalt der Drucksache zusammenfassend wieder. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim jeweiligen Verfasser der Drucksache. Der Beitrag spiegelt nicht notwendigerweise die Meinung des Seitenbetreibers wider.

⏱ 6 Min. Lesezeit
⚖️ Verfahrensstand
📋Im Ausschuss
📅 10.07.2026

⚡ Auf einen Blick
  • Spekulationsfrist für Immobilien soll vollständig entfallen
  • 6 Mrd. Euro Mehreinnahmen für Bund, Länder und Kommunen erwartet
  • Eigennutzungsfrist wird auf genau 36 Monate neu definiert

Hintergrund

Nach § 23 Abs. 1 Nr. 1 Einkommensteuergesetz (EStG) sind Gewinne aus dem Verkauf privater, nicht selbst genutzter Immobilien nach einer zehnjährigen Haltedauer vollständig einkommensteuerfrei. Diese sogenannte Spekulationsfrist existiert seit Jahrzehnten und wurde ursprünglich eingeführt, um kurzfristige spekulative Verkäufe zu besteuern. Im Unterschied dazu unterliegen Gewinne aus dem Verkauf von Aktien oder Fonds dauerhaft der Abgeltungsteuer nach § 20 EStG. Die Wohnungsmärkte in vielen deutschen Städten sind in den vergangenen Jahren erheblich angespannt, was die wohnungspolitische Debatte über steuerliche Fehlanreize beim Immobilienbesitz befeuert hat.

📊 Zahlen auf einen Blick
  • 6 Mrd. Euro — Geschätztes Mehraufkommen an Einkommensteuer durch Wegfall der Spekulationsfrist und Anpassung der Eigennutzungsfrist.
  • 10 Jahre — Bisherige Haltefrist nach § 23 EStG, nach der Veräußerungsgewinne aus nicht selbst genutzten Immobilien vollständig steuerfrei sind.
  • 36 Monate — Neu definierte Eigennutzungsfrist für steuerfreie Veräußerungen selbst genutzter Immobilien, ersetzt die bisherige Kalender-Jahres-Regelung.
  • Ab 2016 erworbene Immobilien — Auf diese soll die neue Regelung rückwirkend angewendet werden, da bei ihnen die zehnjährige Haltefrist noch nicht abgelaufen ist.

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Infografik BT-Drs. 21/6637
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Im Detail

Die vollständige Steuerfreiheit von Immobilienveräußerungsgewinnen nach zehn Jahren führt zu einer sachlich nicht gerechtfertigten Privilegierung von Kapital in Form von Grund und Boden gegenüber anderen Anlageformen.

— Begründung BT-Drs. 21/6637, Allgemeiner Teil

Gewinne aus dem Verkauf von Mietwohnungen, vermieteten Häusern oder unbebauten Grundstücken im Privatbesitz sind in Deutschland nach einer zehnjährigen Haltedauer vollständig einkommensteuerfrei. Diese sogenannte Spekulationsfrist soll nach dem Willen der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen abgeschafft werden. Der am 23. Juni 2026 eingebrachte Gesetzentwurf (BT-Drs. 21/6637) sieht vor, § 23 des Einkommensteuergesetzes (EStG) so zu ändern, dass Veräußerungsgewinne aus nicht selbst genutzten Immobilien künftig unabhängig von der Haltedauer mit dem persönlichen Einkommensteuersatz versteuert werden. Das erwartete Mehraufkommen beläuft sich laut Drucksache auf schätzungsweise 6 Mrd. Euro jährlich für Bund, Länder und Kommunen.

Was gilt aktuell?

Nach geltendem § 23 Abs. 1 Nr. 1 EStG unterliegen private Veräußerungsgeschäfte bei Grundstücken und Gebäuden nur dann der Einkommensteuerpflicht, wenn zwischen Anschaffung und Verkauf nicht mehr als zehn Jahre liegen. Nach Ablauf dieser Spekulationsfrist sind Gewinne vollständig steuerfrei – unabhängig davon, wie hoch der Gewinn ist und wie gut die wirtschaftliche Lage der verkaufenden Person ist. Im Gegensatz dazu unterliegen Gewinne aus dem Verkauf von Aktien oder Investmentfonds dauerhaft der Abgeltungsteuer nach § 20 EStG. Diese unterschiedliche Behandlung verschiedener Vermögensformen ist ein zentraler Kritikpunkt des Gesetzentwurfs.

Spekulationsfrist: Was der Entwurf konkret ändert

Der Gesetzentwurf streicht die bisherige Haltefristregelung für nicht selbst genutzte Immobilien vollständig. Damit werden Veräußerungsgewinne aus Mietobjekten, vermieteten Eigentumswohnungen oder ungenutzten Grundstücken künftig immer mit dem individuellen Einkommensteuersatz belastet – ob die Immobilie ein Jahr oder dreißig Jahre gehalten wurde, spielt keine Rolle mehr. Die Neuregelung soll laut Entwurf für alle Immobilien gelten, bei denen die zehnjährige Haltefrist zum Zeitpunkt des Inkrafttretens noch nicht abgelaufen ist, also für ab 2016 erworbene Objekte.

Zusätzlich zur Abschaffung der Spekulationsfrist enthält der Entwurf eine Präzisierung der Eigennutzungsfrist. Wer seine Immobilie selbst bewohnt, bleibt beim Verkauf weiterhin steuerfrei – jedoch unter einer neuen Bedingung: Die Eigennutzung muss künftig mindestens 36 Monate ununterbrochen bestanden haben. Bisher genügte nach dem Wortlaut des Gesetzes eine Nutzung „im Jahr der Veräußerung und in den beiden vorangegangenen Jahren“, was nach Auffassung der Antragsteller Gestaltungsspielräume öffnete. Theoretisch reichte eine Nutzung von einem Jahr und zwei Tagen aus, wenn diese über zwei Jahreswechsel verteilt war.

Wohnungsmarkt und steuerliche Gleichbehandlung

In der Begründung des Gesetzentwurfs argumentiert die Fraktion, die bestehende Regelung setze falsche Anreize auf dem Wohnungsmarkt: Eigentümer hätten nach Ablauf der Spekulationsfrist keinen steuerlichen Anreiz mehr, ihre Immobilie früh zu verkaufen oder dem Wohnungsmarkt zuzuführen. Dies trage strukturell zur Angebotsverknappung bei. Zugleich profitiere der Staat durch eigene Investitionen in Infrastruktur und städtische Entwicklung indirekt von den Wertsteigerungen der Immobilien – ohne dass die hieraus entstehenden privaten Gewinne besteuert werden. Die Abschaffung der Spekulationsfrist soll nach Darstellung der Antragsteller diese Fehlanreize beseitigen und die Mobilität von Immobilienvermögen erhöhen. Zum Mikrokreditfonds und anderen Wirtschaftsförderinstrumenten hat der Bundestag in jüngster Zeit ebenfalls Anpassungen beraten, wie der Bericht über die Einstellung des 400-Mio.-Euro-Mikrokreditprogramms zeigt.

Die verfassungsrechtliche Zulässigkeit der rückwirkenden Anwendung auf bereits erworbene Immobilien stützt der Entwurf auf einen Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 7. Juli 2010 (2 BvL 14/02). Danach begründe die bloße Möglichkeit, Gewinne später steuerfrei vereinnahmen zu können, keine rechtlich geschützte Vertrauensposition. Aktuelle parlamentarische Themen rund um Steuern und Staatsausgaben sind auch im Tagesüberblick des Bundestages vom 24. Juni 2026 zusammengefasst. Weitere Gesetzesvorhaben und Ausschussempfehlungen der laufenden Woche finden sich in der KW26-Ausschussübersicht.

👥 Wen betrifft das?

Betroffen sind in erster Linie private Immobilieneigentümer, die nicht selbst genutzte Objekte – etwa Mietwohnungen, vermietete Häuser oder unbebaute Grundstücke – nach mehr als zehn Jahren verkaufen. Für Selbstnutzer ändert sich die Steuerfreiheit nicht grundsätzlich, jedoch werden neue Anforderungen an die Dauer der Eigennutzung gestellt. Bund, Länder und Kommunen würden durch das erwartete Mehraufkommen von 6 Mrd. Euro entlastet.

📅 Parlamentarischer Fahrplan

Der Gesetzentwurf (BT-Drs. 21/6637) wurde am 23. Juni 2026 eingebracht. Als nächste Schritte stehen die Überweisung an den zuständigen Finanzausschuss, die Ausschussberatung sowie eine abschließende Abstimmung im Bundestags-Plenum aus. Da das Gesetz laut Entwurfstext der Zustimmung des Bundesrates bedarf, wäre nach einer Bundestagsentscheidung auch der Bundesrat einzubeziehen.

⚖️ Erwähnte Gesetze
  • Einkommensteuergesetz (EStG)
📖 Begriffe erklärt
Spekulationsfrist
Die zehnjährige Haltefrist nach § 23 EStG, nach der Gewinne aus dem Verkauf privater, nicht selbst genutzter Immobilien einkommensteuerfrei sind.
§ 23 EStG
Paragraph im Einkommensteuergesetz, der private Veräußerungsgeschäfte regelt, darunter den Verkauf von Grundstücken und Gebäuden aus dem Privatvermögen.
Eigennutzungsfrist
Zeitraum, in dem eine Immobilie zu eigenen Wohnzwecken genutzt werden muss, damit der Verkaufsgewinn steuerfrei bleibt. Der Entwurf schlägt eine Frist von genau 36 Monaten vor.
❓ Häufige Fragen

Was ist die Spekulationsfrist bei Immobilien?

Nach geltendem § 23 EStG sind Gewinne aus dem Verkauf privater, nicht selbst genutzter Immobilien nach zehn Jahren Haltedauer vollständig einkommensteuerfrei. Der Gesetzentwurf will diese Frist abschaffen.

Betrifft die Änderung auch selbst genutzte Wohnungen?

Nein. Selbst genutztes Wohneigentum bleibt steuerfrei, wenn die Immobilie mindestens 36 Monate zu eigenen Wohnzwecken genutzt wurde. Die bisherige Kalender-Regelung wird durch eine Monatsfrist ersetzt.

Gilt das Gesetz auch für bereits gekaufte Immobilien?

Laut Entwurf soll die neue Regelung für Immobilien gelten, die nach dem Inkrafttreten des Gesetzes noch keine vollständige zehnjährige Haltefrist erreicht haben, also ab 2016 erworbene Objekte.

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Tags: § 23 EStGB‘90/Die GrünenBÜNDNIS 90/ DIE GRÜNENDr. Moritz HeubergerDrucksache 21/6637EinkommensteuergesetzImmobiliensteuerKatharina BeckSpekulationsfristSteuerreformVeräußerungsgewinnVO336482Wohnungsmarkt

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Begriff erklärt: Parlamentarische Kontrollrecht

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Illustration: Bundestagsdrucksache 21/8079

E-Auto-Prämie 2026: Wer profitiert von der Förderung?

26. September 2026
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Landminen und Streumunition: Bundesregierung sperrt Exportdaten

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Illustration: Bundestagsdrucksache 21/8082

JETP Senegal: Energiewende-Kredit trotz 132% Staatsverschuldung

26. September 2026
Illustration: Bundestagsdrucksache 21/8084

Migräne-Versorgung: 20 Fragen an die Bundesregierung

26. September 2026
Illustration: Bundestagsdrucksache 21/8086

ELStAM-Verfahren: Datenfehler bei Arbeitgeberzuschuss

26. September 2026
Illustration: Bundestagsdrucksache 21/8083

Justizunabhängigkeit: AfD fragt nach Weisungsrecht und BVerfG-Reform

26. September 2026

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Neueingänge

  • E-Auto-Prämie 2026: Wer profitiert von der Förderung?
  • Landminen und Streumunition: Bundesregierung sperrt Exportdaten
  • JETP Senegal: Energiewende-Kredit trotz 132% Staatsverschuldung
  • Migräne-Versorgung: 20 Fragen an die Bundesregierung
  • ELStAM-Verfahren: Datenfehler bei Arbeitgeberzuschuss
  • Justizunabhängigkeit: AfD fragt nach Weisungsrecht und BVerfG-Reform
  • RE1 Berlin-Brandenburg: Streckensperrung und 59 Mio. Euro Bahnhof
  • Binnengrenzkontrollen Polen: 194,7 Mio. Euro Mehrkosten
  • Deutsche Bank & Epstein: BaFin-Prüfung ohne Ergebnis
  • Bürokratieabbau: 9,8 Mrd. Euro Entlastung im Detail
  • Abschiebungen: Datenlücken bei Straftätern und Gefährdern

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